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Pt Ufr. 218

1873

JHatßurg, Dienstag, den 16. September.

Oberhessische Zeitmg

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enige reffortiren, was das preußische Militär, dessen Verfassung, Einrichtung, Erhaltung und den von ihm zu machenden Gebrauch betrifft. Das Kriegsministerium zerfällt nach seiner gegenwärtigen Einrichtung in drei Departements und vier selbständige Abtheilungen, welche direct unter dem Ministerium stehen. Bei einer dieser Abtheilungen, der Centralabtheilung, als dem eigentlichen Bureau des Kriegsministers, concentriren sich alle diejenigen militärischen Angelcgenheiteo, über welche der Kriegsminister selbst die Entscheidung zu treffen beabsichtigt. Außerdem reffortiren von der Cen tralabtheilung die Personalien der Mitglieder und Beamten des Kriegsministerium^, sowie der Inten danturen. Die drei Departements sind das Allgemeine Kriegsdepartement, daS Militär-Oekonomiedepartement und das provisorische Departement für das Jnvaliden- wesen. A Das Allgemeine Kriegsdepartement. Das­selbe umfaßt alle auf Formation, Organisation und Commandoverhältnisse der Armee bezüglichen Geschäfte. ES stehl' unter einem eigenen Direktor und zerfällt in folgende fünf Abtheilungen: 1. Die Armeeabtheilung A. 2. Die Armeeabtheilung B. 3. Die Armeeabthei» lung für Artillerieangelegenheiten. 4. Die technische Abtheilung für Artillerieangelegenheiten. 5. Die Ab- theilung für die Jngenieurangelegenheiten. B. DaS Militär-Oekonomiedepartement. Demselben sind alle die Militärökonomie angehendes -Geschäfte, mit Ausnahme der dem Allgemeinen Kriegsdeparlement übertragenen zugetheilt. Das Departement steht unter einem beson­deren Direktor und zerfällt in folgende Abtheilungen: 1. Die Abtheilung für daS Etats- und Kastenwesen. 2. Die Abtheilung für die Natural - Verpflegungsan- gelezenheiten. 3. Die Abtheilung für die BekleidungS-, GcldverpflegungS •, Reise - und Vorspann - Angelegen- beiten. 4. Die Abtheilung für das Serviswesen. C. DaS provisorische Departement für das Invaliden wesen. Bon demselben rcssortiren die Pensions- und Jnvalidcn-Vcrsorgungs-Angelegcnhciten der Oistciere Beamten und Mannschaften, die in dieser Beziehung eingehenden Gesuche, die Pensionen für Witwen und Erziehungsgelder für Kinder. Das Departement hat einen besonderen Direktor und zerfällt in zwei Ab­theilungen: A und B. Nach dem Hauptetat der Ver­waltung des Reichshecre« für daS Jahr 1874 zählt das Kriegsministerium 41 Offiziere, 19 Räthe, 1 Generalstabsarzt der Armee, 1 Generalarzt und 2 Ober­stabsärzte, 244 Subalternbeamte und 22 Hausdiener.

Marienwerder, 12. Sept. Gestern wurde in unserem KreiSgerichtögebäude. eine Sache von besonde­rem Interesse verhandelt. Dr. Berg, der Vater jenes unglücklichen Quartaners, der sich selbst getödtet, stand vor den Schranken deS Gerichtes, um sich-gegen die Anklage, falsche Thatsachen absichtlich verbreitet zu haben, zu verlheidigen. Ein Rechtsanwalt auS Danzig stand ihm als Rechtsbeistand zur Seite. Die Ver­handlung, welche ein grelles Licht auf die Leitung der Anstalt warf, endete mit der Verurtheilung des Dr. Berg zum öffentlichen Widerruf seiner gravirenden Behauptungen. Wie man sagt, will der Verurtheilte an eine höhere Instanz appelliren.

Constanz, 13. Sept. Die Delegirtensitzung de» AltkathotikencongresteS beschloß die Einsetzung von Subcommissioncn behufs Anbahnung einer Bereinigung aller christlichen Confessiouen. Ferner wurde die Bil­dung zweier Fonds für Studirende der Theologie und emerilirte Geistliche beschlossen. Anträge bezüglich der Verbreitung geeigneter Schriften wurden durch die Erklärung erledigt, daß Bonner Professoren ein Verzeichniß aussteüen wollen. Nach Erledigung der Tagesordnung nahm der Dekan von Chester das Wort zu einer Rede, indem er seiner Sympathie für den AltkatholicismuS Ausdruck gab. Bifchof Reinken» dankte Namens der Altkatholiken. Hierauf hielt Prä­sident Schulte die Schlußrede, die mit einem Hoch auf den Bischof endete. Die Versammlung trennte sich mit einem Hoch auf den Präsidenten Schulte. Heute und morgen Nachmittags finden Volksversammlungen statt, bei denen die hervorragendsten Führer als Redner austreten werden. — Die heute im ConciliumSsaal statt­gehabte Volksversammlung war von circa 15OU Per­sonen besucht und währte von 3 bis 6 Uhr. Prof. Schulte eröffnete die Versammlung, worauf Delegirte die Beschlüsse des Congresses miitheilten. Dann spra­chen Knoll als Geistlicher der Utrechter Kirche, JobbeS (Cresekd), Weber (Luzern), Johlen (Crcfeld) und Meßmer (München) unter stürmischem Beifall.

München, 11. Sept. Wie wir von glaub­würdigster Seite vernehmen, hat S. k. Hoh. der deutsche Kronprinz die ihm von Sr. Maj. dem König Ludwig angebotenen Schlösser zur zeitweiligen Be- - wohnung nur deßhalb nicht benützt, weil das kaiser­liche Reisemarschallamt seine Vorkehrungen, für die Zeit in welcher der deutsche Kronprinz zur Truppen- Jnspicirung in Baiern verweilt, schon seit längerer

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Sept. Zwischen dem deutschen Reiche und dem Königreich Italien ist über die Behandlung der in dem einen Lande hülsSbedürftig werdenden Angehörigen de» andern Landes, über die Uebernahmc etm Auszuweisenden und über die Beseitigung deS PaßzwangeS im gegenseitigen Verkehr am 8. August 1873 eine Vereinbarung getroffen worden, welche jetzt veröffentlicht wird. — Nach einem Genfer Telegramm fall der Reichskanzler Fürst Bismarck haben vertrau­lich bei Thiers anfragen lasten, ob er anläßlich der vollständigen Räumung Frankreichs nunmehr geneigt sri, die schom im Oktober 1871 ihm seitens des deutschen Kaisers zngedachte, damals refüsirte, aller höchste Auszeichnung anzunehmen. ThierS lehnte dan- kmd ab und erwiderte, daß ihm die Dankbarkeit seines Vaterlandes für sein Wirken genüge. — In Kurzem wirb eine von dem Cultusminister berufene Conferenz von Schulmännern und erfahrenen Praktikern in dem UnterrichtSwesen zusammentreten. Der Zweck dieser Conferenz ist, wie daS „D. Wchbl." jetzt des Näheren hört, die Vorberathung einer universellen und durch­greifenden Reform deS Gymnasial- und Realschul­wesens, damit das Verhältniß der verschiedenen Cate gorien von Schulanstalten zu einander definitiv ge- ordnet werde. Auch die viel ventilirte Frage der Abi- turienten-Zeugnisse der Realschulen 1. Klasse und der Berechtigung der qu. Abiturienten zum Eintritt in die verschiedenen Fakultäten der Universität soll danach geregelt werden; in weiterer Folge hängt auch das Verhältniß der Realschulbildung mit dem Unterricht der Militärschulen, wie des Cavettenhauses zusammen, und mit den Anforderungen behusS Zulassung zum FähnrichS-Examm. Von den Gymnasiasten wird seit einem Jahre daS Zeugniß der Reise für Prima be­hufs Zulassung zur Fähnrichs-Prüfung verlangt. Doch scheinen die Gymnasien es hiermit noch etwas leicht zu nehmen, da es- ost genug vorkommt, daß Gymna­siasten, die mit solchem Zeugniß versehen find, die Fähnrichsprüfung nicht bestehen.

— Die Organisation des Kriegsministeriums hat in den letzten Jahren einzelne Aenderungen erfahren, welche es erwünscht machen dürsten, die nachstehende, dem „Militär-Wochenblatt" auszüglich entnommene Übersicht der jetzigen Organisation zu geben: Unter dem Oberbefehl Sr. Majestät des Kaisers und Kö »igs über das Heer soll vom Kriegsministerium daS

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noch nicht erkennt, mehr bei, als die neuen, von denen sich nach längerer Prüfung gewöhnlich 3/< als falsch erweisen."

„Aber das übrige rief MatheS dazwischen, „ist der Fortschritt und baares Gold!"

„Die ersten 3/< aber genügen," entgegnete Heiner eben so rasch, „Millionen von Bauern zu Gründe zu richten, wenn sie gleich aus die Angabe hin darnach verfahren!" ' j.

Mathes wurde darauf nachdenklich und warf nach einiger Zeit nur die verlorenen Worte hin: „die weit­aus meisten probiren es schon gar ni$t."

„Darum," griff Heiner wieder ein, „geht eS eben mit dem Fortschritt so langsam, weil der wahre gar schwer zu finden ist. Und doch verdient derjenige große Agrikulturchemiker, der nur Einviertel Wahrheit in allen seinen Lehren gepredigt hat, doch großen Ruhm, weil eben dieses Viertel schon selten ein Sterblicher findet."

„Wenn aber der Versuch mit Pflanzen- und Thier- eruähruug im Kleinen dem Gelehrten gelingt, so daß er unS genau sagen kann, wie sie vyrgeht, so muß doch dasselbe auch auf dem Acker und im Stall zu- treffen?" entgegnete MatheS, „und hierin sind doch alle Regeln neu. Ich muß mit.derselben Mischung von Nährstoffen Klee auf dem Acker bauen können, wie es der Chemiker in seiner Werkstatt th»t!"

„Gewiß," sagte Heiner, „wenn Ihr auch Lust und Wetter, Wärme und Boden so in der Hand habt, wie dieser. Ich bin gewiß der Letzte, der einen vor­wärts strebenden Landwirth vom naturwistenschastlichen Fortschritt abhält, aber ich sage, btt Thatsache ist oft richtig, aber die Erklärung falsch und in der Aeude-

Ich liebe den Fortschritt, wenn er echt ist, und namentlich in der Wirthschast und glaube, daß die neue Lehre von Erschöpfung der Felder und Ersatz der pflanzlichen Nährstoffe wahr ist und beachtet wer den muß. Man muß in der Landwirthschast auch Regeln finden!"

„Nun, ich denke" — sagte darauf etwas erstaunt unser Mediciner der Hochschule — „ohne Regeln im Feldbau seien die Sauern bis jetzt nicht gewesen, — sondern man klagt eher, sie hielten gerade zu fest und stch an ihnen."

„Ja, das ist wahr," sägte MatheS, „aber eS find die Regeln des alten Schlendrian — und nicht des Fortschritts."

„Was begründete Regeln hat, ist hier unverbrüch­lich wahr, weil es Regeln der Natur find, Nachbar Mathes, und feines dtlenbriatt," erwiederte Heiner und fuhr fort: „Die Naturregeln der Landwirthschast sind ganz ähnlich mit jenen der Medicin, und ich denke oft, wenn ich kein Mediciner wäre, möchte ich ein Landwirth sein, so sehr freut mich daS Landleben."

Hier horchte Annele hoch auf und Vetter Georg mußte bald bemerken, daß seine Herzenswonne zerstreut im Zwiegespräch mit ihm und der Mutter wurde und mit viel Theilnahme nach dem Vater und Heiner hin horchte.

Dieser fuhr fort: „Aber so schön eS ist, die Natur« gesetze zu erforschen und dann zu unserem Vortheil zu lenken und zu leiten, so darf man doch keinen Augenblick vergeffen, daß deS DociorS Aufgabe ist, zu heilen, und die des LandwirtheS, einen^ohen Rein­ertrag und zwar dauernd zu erzielen. Und dazu tragen die alten Regeln, auch wenn man bereit Grunb oft

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’*■ * Ländliche Erzählung von C. Fraas.

-(Fortsetzung.)

DaS also waren bie Männer, mit welchen wir bei bet EinkleibungSfeier der barmherzigen Schwester zusammengekommen waren. Auf kurzen Besuch nut warm bie zwei Studenten aus das Dorf gegangen, benn die Herbstferien waren längst vorüber. Doch wollten sie auch nicht sogleich wieder abreisen, ohne noch vorher unseren Matthes besucht zu haben. Der Blaffe hatte hiezu seine.besonderen Gründe.

So denn kamen sie wirklich an demselben Tag. der als ein Dorffesttag gefeiert wurde, Nachmittags zu Besuch ins Haus deS Schockbauers. Der saß in. Hemdärmeln im großen Lehnstuhl mit altersbraunem Leberüberzug, rauchte sein Pfeifchen und ließ sich von Annele eine — landwirihschaftliche Zeitung vorleseu, während die Mutter am Tische nebenan saß und nähte.

Die Begrüßung war freundlich, — man reichte sich herzlich die Hände und lud zum Niedersetzen ein. Doch sofort setzte sich Georg zu Annele und der Mutter an dm Tisch, der Kastenheiner aber nahm bie weggelegte Zeitung und äußerte zu Mathes, in der Hoffnung, seine Tonart zu treffen, daß er sich wundere, einen so großen Praciiker sich noch mit sol­cher Blätter Krimskrams den gesunden Verstand ver­derben zu sehen. Aber da war er an den Unrechten gekommen.

„Meint Ihr gelehrten Herren der Universität", knviderte sofort unser alter Feldwebel und „trat an", - „meint Ihr bie Wissenschaft allein gepachtet zu hoben unb zu verstehen? Wir schauen Euch doch schon Nwas in die Karten.

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