Marburg, Sonnabend, den 13. September.
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ffriAMnt täalick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kochsche Buchdrnckerei) bezogen durch::die
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Oberhessische Zeitung,
1878.
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vorvorigen 1484 vorhanden.
— Die Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten, dcS Krieges und der Marine sind Nach der „Schl. Pr." aufgefordert worden, ihre Budgets wie immer bis zum 15. November des laufenden JahreS bei dem Bundeskanzleramte cinzureichen. Da eS sich bekanntlich um das Jahr 1875 handelt, so war der Bersuch einer Remonstration, aber vergeblich gemacht worden, da es natürlich nicht leicht ist, die Bedürf- nisie einer relativ noch so entfernten Zukunft schon jetzt in Voranschlag zu bringen. Andererseits ergibt sich aus dieser Anordnung wohl mit Evidenz, daß in den entscheidendm Kreisen, zur Zeit wenigstens, die Ansicht vorherrscht, der neue Reichstag werde seine erste Sitzung nicht im Herbst, sondern in der ersten Hälfte des nächsten Jahres, nach dem preußischen Landtage haben, trotz der damit wieder verbundenen Jnconvenienzen. Besonders im Kriegsministerium ist man selbstverständlich überaus angestrengt, da cs sich um Beendigung des Pauschquantums und die Ausstellung eines specialisirlen Etals handelt.
— Das preußische Volksblatt bespricht die Reise deS Königs Victor Emanuel nach Wien und Berlin. Es wird da hervorgehoben, daß die deutsche Nation dem italienischen Volke als dem politisch begabtesten unter den romanischen Völkern die größten Sympa- thieen entgegenbringe. Ferner, daß die Begleitung des Königs durch den Ministerpräsidenten und den Minister der auswärtigen Angelegenheiten der vom Kaiser zuvorkommendst aufgcnommenen Besuchsankündigung jeden privaten Stempel benehme. Der Artikel weist sodann auf den vom Jesuiten general Beckx angefachten und unterhaltenen Kampf des Vatikans gegen die Re gierung, auf die durch des Königs von Italien Reise siffnalisirte Jsolining Frankreichs hin, die sich noch mehr zuspitzen muffe, wenn Frankreichs Regierung fortfahre, mit dem Jesuitismus gemeinsame Sache zu machen. Bei der Zusammenkunft werde es sich um einen Gedankenaustausch und Verabredungen für denk
bare Fälle handeln. Der Abschluß eines förmlichen Bündnisses mit Italien sei unwahrscheinlich. Da» Ausschauen und Haschen nach Bündnissen gehöre licht zu den Gepflogenheiten der Bismarck'schcn Politik. Ein directcs Bündniß mit Italien sei weder durch die Weltlage noch durch Deutschlands Interesse gefordert, Deutschland könne auch gegenüber der Herrschsucht des ValicanS und der Ungeberdigkeit der französischen
Der Bestand an Assessoren ist 292, so daß, da im Ganzen circa 200 Assessoren zu Vertretungen von erkrankten und beurlaubten Richtern u. s. w. nöthig ind, die vacanten Stellen nicht vollständig besetzt werden können. — Im vorigen Jahre war der Bestand an Assessoren 287, in den früheren Jahren resp. 417, 493, 567, 671. Referendarien sind in diesem Jahre im Ganzen 1585, im vorigen Jahre waren 1528, im
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vorher ein getreten waren; bald nahm Alle die weite Pforte auf, — die Trompeten schmetterten, die Pauken wirbelten, — die Orgel siel ein und Andacht und Gebet begleiteten die Zeremonien, die mit solchen Ein kleidungen verbunden sind. .
Für unsere Geschichte ist ttun Mehr Ein Moment wichtig, der nämlich, als Annele nach Beendigung der Feier, von ihrem Vater allein begleitet, in ihre Wohnung heimeilte und die zwei Studenten, die schon vorher die Kirche verlassen hatten, ihr vor dem Haus thore begegneten und den Vetter Mathes herzlich grüßten. „Ja, grüß Euch Gott, Vetter Jörg und Herr Heiner! Habt Ihr Euch auch wieder heraus- gemachl? Zur Feier natürlich. Mich soll es freuen, wenn Ihr Zeit habt mich zu besuchen", — so empfing sie der Scbockbauer und ging die Treppe' hinan, seiner Hausthüre zu, während Annele von den Studenten zurückgehalten wurde und der blaffe Herr Georg dringend um ein Andenken an den heutigen Tag, um einen Braulpfennig bat. Lächelnd gab sie Jedem eine Schaumünze an einem Bändchen und bemerkte, daß sie den Pfennig nun auch tragen müßten
Seufzend setzte sie mit niedergeschlagen Augen hinzu, daß sie gedenke, sich bald selbst eEleiden zu lassen. Da erschrak der Blaffe und glaubte versinken zu müssen, lächelte aber endlich melancholisch und meinte, daß dies doch nicht ihr Ernst sein könne. Da sie aber darauf sehr ernsthaft mit dem Kopf nickte, fuhr plötzlich der Starke ganz heftig aus und polterte heraus, „daß er zwar als Medicmer die barmherzigen Schwestern sehr achten müsse, es aber doch für ganz unverzeihlich, ja unchristlich halte — wahrhaft un christlich, wenn sich ein gesundes, wohlhabendes Mädchen
verli», 11. Sept. Das Gefolge des Königs Rictor Emanuel auf seiner Reise nach Wien und Berlin besteht auö dem Ministerpräsidenten Minghelti, de« Minister der auswärtigen Angelegenheiten Visconti-Venosta, dem Oberstallmeister Castellengo, dem Generaladjutanten des Königs Bertole-Viale, den Flü- aeladjutanten dezza. Lombardini, Govone, Medici, della Pmne, dem ersten Ordvnnanzosfizier Oberst Nasi, dem Leibarzt Adami, dem Chef deS königlichen Cabi acts Commandatore Aghemo, dem CabinetSsecretSr Sirovich und dem Grafen Po von den Königscüras fieren — AuS Wilhelmshaven wird mitgetheilt, daß sich CapitSn Werner dort im Laufe der nächsten Woche vor einem Kriegsgericht über sein Verhalten in den spanischen Gewässern zu verantworten habe. Mil Recht ist die öffentliche Meinung gespannt über den Ausgang dieser Untersuchung. Außerdem wird bestS- tiat daß Copitän Werner die Geschäfte eine» Ober; mftbirector» auS Gesundheitsrücksichten noch nicht habe übernehmen können und noch längere Zeit der Ruhe be. dürfen werde, bevor er dazu im Stande sein wird. — Nach dem neuesten Jahrbuch der preußischen Gerichts. Verfassung und nach dem soeben erschienenen Justiz- Mimsterial-Kalender pro 1874 sind folgende Dacanzen im Justizdienst vorhanden: 1 Unter - Staatssecrelär, 1 Vortragender Rath im Ministerium, 6 Obertribu-
v > -Lüü Die Hi«»elSa«»tle.
Ländliche Erzählung von C. Fraas.
(Fortsetzung.)
Al» der Zug an unserer Gruppe vorbeikam, flüsterte der Schloßftitz, der um des jähen Todes willen das Maul nicht halten konnte, seinem Nachbar zu: „Jetzt schau, daß Du die Kränk kriegest — geht das Him- meUannele gleich hinter den Novizen! will auch ern- treten, eS sagen'S alle Leut'. Es ist doch zum Turkisch- werden! So ein Prachtmädchen! Sie sieht mich gar nicht an, der kleine Drache! Und die zwei Studmten Sehen auch mit im Zug — wie nur die der £-•••• herausgeführt hat!" Wirklich schritt, -roeiß und schwarz gekleidet, ähnlich der Tracht der Novizm, Annele, des reichen SchockbauerS Mathias Tochter, hinter dem Zuge der Klosterfrauen her, wie wenn sie schon dazu gehöre Noch verriethen ihr blühendes, heiteres Aussehen, das mühsam hinter der Haube festgehaltene üppige braune Haar, der Kranz rother Rosen, das lange Kleid, daß sie noch im Weltleben stehe, aber ihr von Frömmigkeit verklärter Blick sagte doch dem feineren Beobachter, daß hier im liefen Herzen ein schwer zu verlöschendes Feuer ganz besonderer Art Stimme. .
Am Schluß be» Zuges folgten zwei städtisch gekleidete junge Männer, von welchen der Eine schwächlich, aber von bildschönem Antlitze, doch bleich und fast melancholisch aussah. Träumerisch ging er neben feinem heiteren und kräftig gebauten, größeren Genossen einher und nicht selten hingen seine schwärmenden Blicke am HimmelSannele, das nicht weit vor ihnen im Zug stand. Hinter ihnen schlossen sich dann die Kirchengäste an, die noch nicht in die Kirche selbst
die Waffenfabriken überall jetzt die Gelegenheit zur eifrigsten und lohnendsten Thätigkeit. Besonders hier in Suhl herrscht gegenwärtig eine solche Regsamkeit in der Fabrikation aller möglichen Kriegswaffen, wie seit Jahren nicht mehr, und die Fabrikanten vermögen kaum die nöthigen Arbeiter herbeizuschaffen, obgleich der Arbeitslohn gegen früher um das Doppelte erhöht ist. Die preußische Regierung hat jetzt eine Bestellung von 150,000 neuen Mauser Gewehren an eine vereinte Gesellschaft größerer Fabrikanten ertheilt, und die holländische Regierung läßt augenblicklich ebenfalls eine bedeutende Zahl von HinterladuitgSgewehren nach einem neuen System hier unfertigen; ebenso sind süd* amerikanische Staaten jetzt in Unterhandlungen wegen
einem so gefährlichen Krankenbienst ohne weiteren' Drang, als himmlisches Verdienst zu erwerben, widme. Als Frau erfülle sie auch einen sehr edlen Zweck und daö Leben sei da, um genossen zu werden." Vorerst ganz erschrocken und mit großen Augen sah Annele beit Sprecher an, allmälig aber überflog eine Purpur* röthe ihr Antlitz und als Jener einen ganz besonberen scharfen Blick noch am Schluß seiner Rebe auf sie warft, entfloh sie rasch die Treppe hinauf, doch nicht ohne „auf Wiedersehen!" gerufen zu haben.
Die Beiden gingen, aber der Blasse drückte dem lachenden Starken die Hand und dankte ihm in großer Aufregung, denn Annele erfüllte seit Jahren schon sein ganzes Herz.
Doch hatte er noch nicht gewagt, ihr seine Neigung, seine heiße Liebe zu gestehen, obgleich et sah, daß sie jährlich mehr in die Werke der Andacht und Frömmigkeit gerieth, ja, daß endlich das ganze Dorf sie als künjtige Himmelsbraut bezeichnete und ihr selbst, den Namen davon gab. In seines Herzens Schrein hatte sich aber ihr Bild so heimisch, innig, schön eingestellt, und verehrte es abgöttisch fast so unausgesetzt, daß er sich gar nichts Anderes denken konnte, als sie müsse die ©einige werden und bleiben in alle Ewigkeit
Hatte et nicht mit ihr schon gespielt, als sie noch Kinder waren? Am Bach mit ihr Bauten im Sand geführt, um darin kleine Fische zu fangen ? Ans Binsen Reußen kunstreich geflochten, daß sie vor Freuden aufjubelte, wenn er sie ihr schenkte? Weideten sie nicht zusammen beim ersten Wonnehauch des Frühlings die jungen Wibetlein (Gän;e) auf dem dunkelgrünen Anger mit dem kurzen, saftigen Grase und der gelb-
(Halberstadt), 2 Appellations-Gerichts Räche, 1 Präsident am Obergericht in Verden, 7 Richter an den Obergerichten im Departement Eelle, 1 Richter an den Landgerichten im Departement Cöln, 4 Richter am Stadtgericht zu Berlin, 5 Direktoren an den Kreis gerichtet,, 170 Richter an den Gerichten erster Instanz, unb zwar: 3 im Departement Arnsberg, 6 im Dep. Berlin 14 im Dep. Breslau, 8 im Dep. Bromberg, 3 im Dep. Kassel, 6 im Dep. Celle, 3 im Dep. Cöslin, 1 im Dep. Ehrenbreitenstein, 7 im Dep. Frankfurt o. O 1 im Dep. Glogau, 3 im Dep. Halberstadt, 1 im Dep. Hamm, 14 im Dep. Insterburg, 8 im Dep. Kiel, 9 im Dep. Königsberg, 4 im Dep. Mägde 4burg, 18 im Dep. Marienwerder, 2 im Dep. Münster, 5 im Dep. Naumburg, — im Dep. Paderborn, 9 im Dep. Posen, 9 im Dep. Ratibor, 4 im Dep. Stettin, — im Dep. Wiesbaden, 18 Friedensrichter hrf Dep. Cöln; 1 Ober-Staatsanwalt — Cöslin, 3 Staatsanwälte, in Summa 203 vacante Richterstellen. —
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Nation um so ruhiger der Zukunft entgegen sehen, als es in kritischer Zeit auf ben Rückhalt einer befreundeten Macht sich stützen konnte, an deren redlicher Zuverlässigkeit unter'irgend welchen CyZjuncturen zu zweifeln Undank wäre. n.
Köln, 10. Sept. Während des letzten Krieges wurde auf der Wahner Haide, wo sich ein Lager der gefangenen Franzosen befand, die Lagerkasse — 15,261 Thlr. — gestohlen. Damals wandte sich sofort der Verdacht auf den Kutscher Joh. Vosen, weshalb dieser "gefänglich eingezogen, aber nach einigen Monaten wieder in Freiheit gesetzt wurde — wegen mangelnden Beweise«. Es ist selbstverständlich, daß Vosen von den Behörden im Auge behalten wurde, und da bemerkte man, daß die Ausgaben und größeren Ankäufe mit seinen Einnahmen nicht im Einklänge standen. Nach zweitägigen zuchtpolizeilichen Verhandlungen erfolgte heute Abend die Verurtheilnng: Der Gerichtshof sprach das „Schuldig" aus und verhängte über Vosen eine fünf- unb gegen den Kutscher Martin JonaS und seine Ehefrau (rotgen Hehlerei) eine zweijährige Zuchthausstrafe.
Suhl, 9. Sept. Unsere Zeit ist unfäugbar die , des bewaffneten Friedens; fast ausnahmslos wird in i allen Staaten eifrig gerüstet, und so haben denn auch
: »als-Räche, 1 Präsident des Appellation» - Gerichts ssomj, - ( -- ~