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1873.

Marburg, Sonntag, den 7. September.

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sobald Heinrich V. al- Herr und Gebieter in sein Reich wieder eingezogen sei; Mac Mahon schweigt

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Telegirten der schweizerischen liberalen Katholiken-Ver- eine statt. Der für den 1. Sept, in Aussicht ge­nommene internationale Post-Kongreß wurde vertagt, weil Rußland sich aus Gründen formeller Art noch nicht in der Lage fand, denselben zu beschicken, während Frankreich seine gegenwärtige financielle Lage, die keine Schmälerung seiner Post Einnahme gestatte, vorschützte.

Die Reise des Königs Victor Emanuel nach Wien und Berlin ist eine beschlossene Sache. Auch die näheren Umstände sollen bereits festgestellt sein. Der König soll sich in der zweiten Woche dieses Monats auf den Weg machen und von dem Vorsitzenden des CabinetS, Minghelti, und dem gewandten und feinen Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Visconti Venosta begleitet werden. Dieser von dem Wunsche der gesammten Bevölkerung Italiens getragene Ent­schluß deS Königs zeigt deutlich die - beständig zu­nehmende Jsolirung Frankreichs, die dastelbe lediglich der vaterlandslosen ultramontanen Partei zu danken hat.

In Frankreich zeigt sich die Lage wenig ge­ändert, noch weniger geklärt und so trostlos wie möglich. Die Fusionisten sind getheilt: die Legitimisten und die Jesuiten drängen rasch zum Ziele der abso» luten Monarchie unter den Lilienbanner; die liberalen und vorsichtigen Royalisten, darunter die Mehrzahl der Exorleanisten, scheuen den Fanatismus ihrer Coa« lisirten; die Regierung, welche geteilten Herzens ist, schwankt, Broglie wird sogar von Veuillot, der sich

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andern Seite zeigen die Republikaner sich voll Zu­versicht auf die Befestigung der Republik. Die Ver­folgungen gegen die republikanischen Blätter wurden verstärkt; die Nachsicht mit den als Herren auftre­tenden ultramontanen Organen sticht in ihrer Schwäche grell ab gegen jene Härte. In der auswärtigen Po­litik sucht Broglie nach Allianzen, bis jetzt freilich vergeblich. Die großen diplomatischen Stellen sollten mit Legitimisten vom reinsten Wasser besetzt werden, doch schrumpften Broglie'S Plane wieder mehr und mehr zusammen, und es ist heute nur noch die Rede davon, DecazeS nach London, Chaudordy nach Wien zu befördern. Festliche Kundgebungen für den 4. Sep­tember wurden von der Regierung streng verboten. Die Regierung ist laut der Semaine Financiere im Stande, am 5. September den Rest der Kriegsent­schädigung von 250 Millionen nebst Zinsen an Deutschland zu zahlen.

EinTheil der spanischen Politiker hat aus den

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über die Staatsgewalt. Die Feierlichkeiten sollen zum 5. Oktober dauern.

Die ultramontanen Uebergrisfe stehen in Schweiz ununterbrochen im Vordergründe. Olten sand am 1. September eine Versammlung

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Worten berichten, was dem Verbannten seit seiner Verwundung begegnet ist.

Nach einem mehrwöchentlichen Krankenlager war Graf Leopold soweit wieder hergestellt, daß er die Reise nach Baltimore und seiner Plantage unternehmen konnte, wohin ihn Friedrich begleitete.

DerUnfall erregte allerdings unter denFreunden große Theilnahme, da aber solche Anfälle in den amerikani­schen Städten durchaus nichts Ungewöhnliches sind, jo nahmen sie an, daß der Thäter sich in seinem Manne geirrt, und einem Anderen die Schärfe seines Stahls hatte kosten lassen wollen; und damit war die Sache abgethan.

Nach der vollständigen Genesnng seines Freundes kehrte Friedrich Werner nach Europa und Baden zurück, um abermals die Reise nach dem Westen an zutreten und zwar als Begleiter der Braut seines Freundes, welche, wie wir bereits aus. dem Briefe der Gräfin Adelheit wissen, die Verbindung mit dem Jugendgeliebten nicht aufgab.

Die Freude des Wiedersehens der so Hochge­prüften, welches in Newyork stattfand, läßt fich nicht beschreiben, und kein Auge blieb thränenleer, als die schöne, junge Reisende sich in die Arme des stattlichen Mannes stürzte, der ausS Schiff gekommen war, sie in Empfang zu nehmen und sie dann schnell der Auf merksamkeit der Umstehenden entzog, indem er sie zu einem bereit gehaltenen Wagen führte, der sie nebst dem Freunde einem Hotel zuführte.

Einige Wochen später ward in Baltimore die Hochzeit begangen. Die Betheiligten hatten nur eine stille Feier beabsichtigt, allein die dort weilenden Deutschen, die in Graf Waldenau schon lange einen Märtyrer der heiligen Sache de» Vaterlandes verehrt halten, machten seine Vermählung zu einer Deut­lichen Feier, der sich zuletzt daS junge Paar durch

schüft erhält:

Aus tiefem Kirchspiele starben sür König nut Vaterland:

Dieser'Ausschrift würden sodann die Namen aller zu dem Kirchspiel gehörig gewesenen Gefallenen zu folgen haben. Ich veranlaffe Sie, diesen Meinen

hüllung -der Siegessäule zur Erinnerung an drei ruhm­voll geführte Kriege an diesem Tage stattfand. Zahl­reiche Verleihungen und Auszeichnungen sind den höchsten Würdenträgern der Armee von dem Kaiser eriheilt worden. TagS vorher wohnte der Kaiser der Grund­steinlegung deS neuen CadettenhauscS in Lichterfelde bei. In Constanz am Bodensee hielten die deutschen Erwerbs- und Wirthschaftsgenossenschaften, deren eS bereits 3600 gibt, durch ihre Vertreter den 14. Ver- bandStag. Der Bezirkstag von Ober - Elsaß in Colmar hat nicht beschlußfähig werden können, da von 26 Mitgliedern nur 13 erschienen waren, und von diesen nur 11 den Eid ablegten. Auch der lothringische Bezirkstag in Metz ist beschlußunfähig geblieben, weil von 33 Mitgliedern nur 10 sich vereidigen lasten wollen. Der Bezirkstag von Nieder-Elsaß in Straß­burg konnte am 28. August eröffnet werden; anwesend waren 24 Mitglieder, eS fehlten 11.

Die Vorbereitungen zu den Neuwahlen für den Reichstag in Oesterreich gehen mit großer Leb­haftigkeit voran, doch hat der Wahlkampf noch keinen ausgeprägten Charakter. Die Wahlmänner-Wahlen werden zu Anfang Oktober erwartet. Der Besuch Victor Emanuel's gilt endlich als feststehend, seine Tendenz findet jedoch sehr verschiedene Auslegungen, lieber die Petersburger Reise Franz Joscph's herrschen noch Zweifel. Die 900jährige Feier deS Prager Bisthums begann am 31. August unter geringer Be­theiligung der Bevölkerung mit einer Demonstrations- Predigt, zu der sich der Bischof v. Kctteler in Mainz eingefunden hatte. Der streitbare Kanzelredner prophe­zeite selbstverständlich den Sieg der Kirchengewalt

Falk. v. Kameke.

An den Minister deS Krieges und den Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten

eine schnelle Abreise entzog, indeß Friedrich Werner, der nun zum dritten Mate die neue Welt sah, einen lange gehegten Wunsch auSsührte und während der nächsten Monate die Vereinigten Staaten bereiste. Dann kehrte er aus lauge Zeit zu feinem väterlichen Freunde zurück, der allein in ihm Ersatz für feinen Sohn Leopold fand.

Jahre des häuslichen Glückes und der Ruhe folgten - nun für den Verbannten und seine Gemahlin, welche gleich einem Engel der Güte und Milde auf der großen Plantage waltete, die immer mehr zu einem . herrlichen Aufenthalte erblühte. Ihre Ehe war bis jetzt durch drei Kinder gesegnet, zwei Töchterchen und einem Erben des Namens und der reichen Besitzungen - der Familie. Dieser jedoch erfreute seine Eltern wie seinen Großvater nicht lange durch sein Dasein; nach einigen Tagen schweren Leidens raffte eine Lungenent­zündung den kaum ein Jahr alten kleinen Leopold hinweg. Auf besonderen Wunsch des Großvaters ward die kleine Leiche nach Deutschland hinüberge-- führt und in der Familiengruft neben der Groß- - mutter beigesetzt. Für den Augenblick schwand zwar die Hoffnung des alten Grasen, seinen Namen durch den Lieblingssohn fortgepflanzt zu sehen, allein kürz­lich hatte ihm dieser witgetheilt, daß seine Oattiu abermals Aussicht habe, Mutter zu werden, und fein sehnlichster Wunsch war, daß daS zu erwartende Kind ein Sohn sein möge. .

So ungefähr standen die Dinge, als an einem Nachmittage, zu Anfang Oktober, Graf Waldenau und Dr. Groneveg mit ihren Gattinnen in der Ve­randa saßen, welche läng« der Fronte deS Herren­hauses hinlief, und von Deutschland und der Hei-, math sprachen, während die Kinder in munterem Spiel sich auf dem üppigen Rasen tummelten. Plötz­lich kam der ältere Groneveg, ein achtjähriger Knabe,

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Kai«.

Erzählung von M. Dobson.

. .. (Fortsetzung.)

Einen Augenblick verlor fast die Gräfin ihre Fas­sung, sie bezwang sich jedoch gewaltsam, und ihrem Balten die Hand reichend, sagte fie:

Ich theile Deine Freude, mein Gemahl, und brote in meinem Herzen unsenn Großherzog, daß nur durch diesen Act der Gnade wir unser Kind wie- derjehen werden. Damit aber ist auch die Schmach von unferm Namen genommen, welche--"

Du hast Recht, Adelheid", entgegnete der Graf, chlpfinblich berührt von dieser letzten Bemerkung,und 'ch werde nicht unterlassen, sobald die Vermählungs leierlichkeiten vorüber, dem Landesherrn unfern tief; gefühlten Dank für seine Gnade darzubringen."

Ich werde sogleich an Leopold schreiben", sagte bie Gräfin, Theilnahme erheuchelnd,und Friedrich »ird es sich gewiß nicht nehmen lassen, Leopold einen Brief zu überbringen."

Friedrich Werner fuhr schon in den nächsten Tagen, damit ihm nicht die Zeitungen zuvorkommen sollten, über Hamburg nach Newyork.

Gras Paul von Waldenau empfing den Brief seiner Blutter in seiner Garnison, laö ihn jeooch nur flüchtig, fca ihm bereits der Inhalt bekannt war, warf ihn Achtlos auf seinen Schreibtisch und versank in finsteres ginnen. Lauge, lange hatte er so gesessen, endlich er- W er sich unv sagte halblaut:

Es läßt fich kein Plan finden! Der Zufall soll 8nb muß mich leiten. Diesmal aber giltS, und wenn £ fein muß, Beide! Der Lohn ist reich und hilft Üver alle Bedenken hinweg."

Bevor wir Friedrich Werners Ankunft bei feinen yreunden in Amerika fchilvem, müffen wir nothwen- 6t| in der Zeitrechnung zurückgehen uod in kurzen

DerStaats Anz." enthält folgenden Allerhöchsten Erlaß vom 2. September 1873, betreffend die Errich­tung von Gedächtnißtafeln für die in den letzten Kriegen Gefallenen:

Es ist Meinem Herzen Bedürfniß, an dem Tage, an welchem Ich der feierlichen Enthüllung des Denk als beigewohnt habe, welches das dankbare Vater land Meinem siegreichen Heere in Meiner Haupt- und Residenzstadt Berlin errichtet hat, wiederholt in ehrender Anerkennung auch derer zu gedenken, welche in den letzten Kriegen den Heldentod für König und Vater­land gestorben sind. Mit freudiger Genugthuung habe ich vernommen, wie bereits mehrfach der Gedanke an geregt worden ist, das GedSchtniß dieser Tapferen in Lhnlicher Weise zu ehren, wie dies nach den Kriegew von 1813 biS 1815 geschehen ist. Indem Ich deff herzlichen Wunsch ausspreche, daß die Ausführung dieses Gedankens, welche um so werlhvoller sein wird, je schneller sie durch die freiwillige Liebesthätigkeit der einzelnen Gemeinden ihre Verwirklichung findet, eine allgemeine werde, genehmige Ich zugleich ausdrücklich, daß in jeder Kirche eine Tafel errichtet wird, welche dem Gedächtniß der in den letzten Kriegen auf dem Felde der Ehre Gefallenen gewidmet ist und die Auf-

Politifche Wochrn-Ueberficht.

Der Beginn der abgelaufenen Woche umfaßt die Erinnerungslage von Sedan; und so ist denn mit Recht der diesjährige 2.-September in den meisten Stabten und Orten des deutschen Reiches als ein Nationaler Festtag gefeiert werden. Vornehmlich war dieses nun in Berlin der Fall, da die feierliche Ent-

; kirchlichen Behörden miizutheilen. Berlin, den 2. September 1873.