schen Reiches traf heute Nachmittags 33/< Uhr mit' dem Courierzuge hier ein und reiste Uhr nach Ulm und Ristissen weiter, wo er bei dem Freiherr» von Stauffenberg wohnen wird. Zur Begrüßung hatten sich der Herzog Eugen von Württemberg, der Adjutant deö Königs Oberstlicutenant von Fränzinger, der preußische Gesandte, der General von Stülpnagel und die obersten Militärchargen am Bahnhof ein gefunden.
Straßburg, 3 Sept. Der Bezirkspräsident von Ernsthauien gab heute den Mitgliedern des Bezirkstages ein Festmahl, bei welchem auch die Spitzen der BeiwaliungS - und Militärbehörden anwesend waren. Der Obcrpräsident von Möller brachte einen Toast aus den Kaiser auS, der Bczirkspräsident.auf den Bezirkstag, der Präsident des Bezirkstages Pclri auf den Obcrpräsidenten und den Bczirkspräsidenien. Bei dem Feste herrschte die beste, ungetrübteste Slim mung. — Zwei Straßburger Kaufleute und zwei Eiseiibahnbcamte von Straßburg und resp. Avricourt wurden vorigen Sonntag in Luneville ohne jede Pro vocation von wüthenden Volksmassen lebensgefährlich bedroht und verfolgt. Einer der Kaufleute wurde am Auge schwer verletzt, nur mit Mühe gelang eö fran- zösiicheu Oifizieren, die Bedrohten zu retten. — Heute wird bas neue Theater mit Figaros Hochzeit eröffnet werdm. Das Haus ist bereits ausverkauft.
Ausland.
Wien, 2 Sept. Die Rede des „streitbaren" Bischofs von Mainz, Msgr. Ketteler, zum 300 jährigen Jubiläum des Bisihnmö Prag, von Anfang bis Euer nichts als eine niederschmetternde Kriegs etklätung Roms gegen den modernen Staat und spe- cicU das neue deutsche Reich, wird in Deutschland sicherlich mehr besptochen werden als in Prag selbst ober sonst in Oettcnetch. Vergebens war es, baß die Altczech.n jenes Jubiläum zu einer nationalen Feier auipuffeit wollten; der liberale Theil der böhmischen Bevölkerung ließ sich nicht als bloße Staffage unter nationalem Aushängeschild für em clericales Unternehmen gebrauchen. Nur der deutsche Bischof ließ sich durch das nationalczechische, antideutsche FestpeprLnge nicht abhalten, an einem Jubiläum mitzuwirken, das im Grunde geeignet gewesen wäre, für die deutsche Hoh.it in Böhmen ZiUgniß abzulegen, da bei der Gründung dieses RisthuinS Prag dies letztere aus- drücklich dem Mainzer Bischofsstuhle eingeptarrt worden war. Herr v. Ke.teler liebt eine stark gcpf.ff.rle Kirchenberediamkeit, und so strotzt auch seine Festrede von offenen Auflehirungen gegen die Autorität des Staates, die, an einer Stätte des Friedens verkündet, mindestens befremdlich erscheinen müssen. — Der internationale ärztliche Congreß beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung namentlich mit der Jmpffrage und kam — trotz einiger Gegner — zu dem Be schluß, an dem statistisch nachgewiesenen Nutzen des Impfens, welches die Sterblichkeitsziffer herabmindere, unbeirrt festzuhalten.
Berrr, 4. Sept. Ein Aufruf des Cenlraleomites
geübte- Ohr vernahm den fernen Hufschlag mehrerer Pferde und eö währte nicht lange, da flogen vier Rosse auf dem wohlbekannten Wege durch dm Park daher, welche einen leichten Wagen mit rasender Schnelle näher brachten und gleich darauf schnaubend und keuchend vor dem Schloßportal hielten.
Die Diener eilten herbei, den Schlag zu öffnen, der jedoch ohne ihren Beistand weit zurückflog, eben so schnell sprang Friedrich Werner auS dem Wagen, die Treppe hinan und lag alsobald in den Armen deS schon greisen Grafen von Waldenau, diesem mit unsicherer Stimme die frohe Botschaft verkündend:
„ES ist eine Amnestie ertheilt und auch Leopold pars in sein Vaterland zurückkehren!"
„Mein Gott, ich danke Dir!" sprach Augen und Hände zum Himmel hebend der glückliche Vater, sank aber dann bleich und kraftlos in seinen Sessel zurück DaS Uebermaß des Schmerzes hatte er standhaft und ungebeugt ertragen, das Uebermaß der Freude jedoch überwältigte ihn!
Die Gräfin, welche eben im Schloßgarten lustwandelnd, gleichfalls dm Wagen gehört hatte, ersubr auf Befragen, daß Herr Werner zurückgekehrt sei, und trat, von einer plötzlichen Ahnung ersaßt, rasch in das Zimmer ihres Gemahls, wo ein Blick aus fein freude strahlendes Antlitz ihr das für ihren Sohn so vcr hängnißvolle Ereigniß bestä igte, welches sie sich stet> als möglich denken mußte, das ihr ober dennoch als gänzlich unwahrscheinlich erschien, weil weder fle noch Graf Paul daran glauben wollten.
„Adelheid", sprach in freudiger Bewegung der Graf, seiner Gemahlin entgegentretend, „was ich nur zu hoffen wagte ist geschehen, der Großherzog hat eine Amnestie erlassen und auch unser Sohn Leopold darf in die Heimath zurückkehren!"
(Fortsetzung folgt.)
der liberalen Katholikeilvereine in deutscher, französischerj und italienischer Sprache fordert die liberalen schweizer Katholiken Namens der allkatholischen Telegirtenver- sawmlung vom 31. August zu zahlreicher Theilnahme an der Constanzer Allkatholikenversammlung auf. — Der öesterreichische Kriegsminister, welcher der Zusammenziehung der eidgenössischen Truppen beiwohnt, wurde heute von dem Bundespräsidenten empfangen.
Paris, 3. Sept. Gerüchtweise, aber als ein sehr wahrscheinliche» Gerücht wird mitgetheilt, die Regierung hätte den Bischof von Montpellier, Herrn Leeourtier, gezwungen, seine Entlassung einzureichen, um einer förmlichen Absetzung zuvorzukommen, und sie hätte ihm die bei cmeritirten Bischöfen sonst üb licke Aufnahme unter die Canoniei des Capitels von St. Denis verweigert. Als ostensibler Grund soll angegeben werden, daß er eine demagogische Thätigkeit ausgeübt habe; der Grund müßte aber tiefer liegen. Die Absetzung eines Bischofs ist ein Ereigniß, das unter dem Kaiserreich nur zweimal vorkam. Gelegentlich drängt sich hier unwiderstehlich eine Bemerkung über die Consequenz der Ultramontanen auf: I» Frankreich filidm sie eö ganz natürlich, daß die Regierung Bischöfe ein und absetzt und in Deutschland werden „die heiligsten Rechte der Kirche verletzt", und wird „DioeletianuS" citirt, wenn der Staat eine bloße Rotification der kirchlichen Aete verlangt! — Das Univers nimmt gestern Herrn v. Broglie aufs Korn; derselbe hat nach ihm erst in liberalem Katholieismuö machen wollen, und als das nicht gelang, in liberalem Königthum, in „ReyaliSmuS ohne Reyalisten". Es gibt ihm nicht undeutlich zu vetstchen, daß er das thue, um seine persönliche Stellung zu wahren, und baß er, wenn er sich nicht unterwerfen wolle, bei Seite geworfen werden muffe wie einst Herr Thiers. — Herr Thiers geht, wie das vorauSzusehen war, in seinen letzten luzerner Reden ganz zur eigentlichen Linken über; der Zorn darüber im eonservativen Lager macht sich in zahlreichen Artikeln Lust. — Die Reise des Königs von Italien, die ja jetzt endgültig festzu stehen scheint, wird von den Organen der Linken be nutzt als Drohung gegen die Restaurationsfreunde, doch knüpft man zum Theil recht ungeschickte biplema tische Bemerkungen daran. Die hochelenealen Blätter sehen mit unverhehllem Groll auf Bieter Emanuel, „der sich immer mehr in die Arme Bismarck's wirst, um mit ihm daS Werk des Satans, die Unterdrückung der Kirche zu betreiben". Die gemäßigteren Blätter der Regierung führen die politische Bedeutung der Reise auf ein bescheidenes Maß zurück, womit sie schließlich nicht Unrecht haben. — Die „Agence Ha vaö" meldet, daß gestern die Bestallung des Marquis o'Hareourt zum Botschafter in Wien vollzogen sei. Derselbe solle schon Mute dieses Monats nach Wien abreifen. Die Creditive für Deeazes als Botschafter am Londoner Hofe würden in einer am Sonnabend oder kommenden Mittwoch stattfindenden Sitzung des Minifterraths angefertigt werden. — Die Absendung von Adressen an Mae Mahon, in welchen gegen die Plane der Royalisten protestirt wird, hat bereits begonnen. Die erste geht vom Deputirten Michal-La dichere auS und ist von 21 Generalräthen der Jsere gutgehcißen; sie erinnert den Marschall an sein gegebenes Wort und fordert ihn auf, dem Lande die Sicherheit zurückzugeben, welche seine ersten Erklärun gen ihm eingeflößt. — Der Minister des Innern hat oen Präfekten befohlen, ohne vorherige Anfrage keine Maßregeln gegen die Presse zu ergreifen. — Die eng lijchen Pilger, ungefähr 200 an der Zahl, mit dem Herzog von Norfolk an der Spitze, kamen heute Nachts durch Paris und setzten Morgens um 7 Uhr ihre Fahrt nach Paray fort.
Madrid, 3. Sept. Die Cortes beriethen heute über den Antrag zu der Kriegsartikelvorlage. Ein Amendement Olave's, welches die Fälle, in denen auf Todesstrafe zu erkennen wäre, an die CorteS verwiesen wissen wollte, wurde mit 88 gegen 82 Stimmen ab- gelehnt. Salmeron will bei Annahme des fraglichen Antrages zurücktreten, in welchem Falle wahrscheinlich Castelar das CabinetSpräsidium übernehmen würde.
Marburg, 5. Sept. Der vor kurzem in diesem Blatte ausgesprochene Wunsch, in den hiesigen Kirchen Gedenktafeln mit den Namen Derjenigen, welche den Krieg von 1870/71 mitgemacht haben, anzubringen, wird nunmehr baldigst insoweit zur Ausführung kommen, da ein Allerhöchster Befehl vom 2. September d. I. anorbnet, daß ebenso wie nach den Freiheits kriegen in allen Kirchen des Landes Gedenktafeln der im letzten Kriege Gefallenen aufgestellt werden. — Die städtischer; Behörden haben mit Zustimmung Königlicher Regierung zu Kassel zur Deckung des Defieils in der städtischen Verwaltung die Erhebung von weiteren zwei Simpeln der Gemeinde-Umlage ange ordnet und zur Erhebung derselben den 15. October j bestimmt. A
Kassel, 2. Sept. Die in Melsungen erscheinend«, Heff Blätter" haben bereits einige Bruchstücke au, dem Erlaß milgetheilt, den der Cultusminister im Aus trag Sr. Mas. des Königs in Antwort auf die ein gereichte Immediateingabe niederhessischer Geistlicher an den Metropolitan Hoffmann in Felsberg richtete, Tie Bruchstücke waren nach dem Interesse der Partei ausgewählt und die entscheidendsten Stellen sorgfälti- verschwiegen. So insbesondere der klare Nachweis v°« der völligen Haltlosigkeit des Protestes und die schach Rüge der offenen Auflehnung. Nachstehendes ist ber vollständige Wortlaut des Schriftstücks:
Berlin, dm 13. August 1873.
Se. Majestät der Kaiser und König haben Aller, gnädigst geruht, die von Ew. Hochwürden in Gemein schäft mit mehreren Geistlichen Rlederhesiens an Aller- höchstdieselbm gerichtete Immediateingabe vom Juli c, betreffend die Einsetzung eines Gesammt-Consistorium für den Regierungsbezirk Kassel, an mich zu Ihm Bescheidung abgeben zu lassen. In Folge dessen ® öffne ich Ihnen und den mitunterfertigten Geistliche« m Allerhöchsten Austrage, wa» folgt: Die bisherige Einrichtung der drei getrennten Consistorien in Kassel, Marburg und Hanau beruhte auf der Kurfürstliche« Verordnung vom 29. Juni 1821, und bei ihm Constituirung war lediglich die damalige Provinzial- eintheiluieg des Kurfürsteiithums, nicht ober die Rück, sicht auf consessionelle Verhältnisse maßgebend, inbea der §. 65 1 c. bestimmte, daß ein evangelisches Co» sistorium in jeder Provinz bestehen solle, mit Ausnahme der Provinz Fulda, hinsichtlich deren vorerst die Verhältnisse der Consistorien zu Kassel und Hana, fortdauern würden. Demgemäß waren den drei Co«, sistorien nicht nur die Gemeinden eines bestimmte« Bekenntnisses, fonoctn alle Kirchengemeiiiden der verschiedenen evangelischen Bekenntnisse ihres Bezirks unter stellt, und ebenso sind diese Behörden ihrer verjassungö. mäßigen Ausgabe gemäß (und es gilt die« inebefon- dere auch für das niederhessische Consistorium in Kassels mit Mitgliedern refoimirten und lutherischen Bekenntnisses besetzt gewesen, welche gemeinsam alle Angelegen- hiiten der evangelischen Kirchen ihres Amtsbezirks oh« Rücksicht auf das Sonderbekenmniß bearbeiteten. Die Behauptung der Jmmediatvoistellung, daß die bisher bestandenen drei Provinzial Consistorien einzel-kirchliche gewesen und als organische Schöpfungen deS ©ehnnfe nisses und der Kirchenordnungen zu betrachten seien, entbehrt hiernach jeder thatsächliche» und rechtliche, Begründung. Die Beschwerden über die auf gesetz- und rechtmäßige Weise verordnete Zusammenleguu» der bisher beftanbenen drei Cousistbrien zu einet Behörde müssen aber um so mehr als grundlos erachtet werden, als der Allerhöchste Erlaß vom 13. Juni 1868 (G.-S. S. 583), auf welchem die Vereinigung beruht, ausdrücklich <6 als die Aufgabe bd Gesammt-Consistoriumö bezeichnet, das Recht der verschiedenen Confessionen und der in einem Theile bet Landes bestehenden Union, sowie die aus dem Grunde dieses Rechts ruhenden Einrichtungen zu schützen uni zu pflegen, uno derselbe Alle.höchste Erlaß zur Sicherung dieser Reckte der einzelnen Confessionen die Anordnungen getroffen hat, daß in solchen Sachen, welche das Bekenntniß unmittelbar berühren, die eonfessiomlle Vorfrage lediglich nach den Stimmen der Mitglieder der betreffenden Confession zu entscheiden fei. Während daher durch die Zusammenlegung der drei Cvusistoricn zu einem Gesammt-Consistorium der Bekenntnißstani nirgends geänbeti worden, ist im Gegeniheil den Rechten der einzelnen Confessionen eine neue Garantie durch Einführung der itio in partes gegeben, welche bei den bisherigen Consistorien nicht bestand. Hiernach muß eS in hohem Maße befremden, daß Ew. Hochwürden und die Mitunterzeichner der Jmmediatvorstel- lung zu einem Proteste gegen eine Maßregel sich haben bestimmt finden können, die, unter staatsgesetzlicher Sanetion von dem Allerhöchsten Träger deS Ktrchen- regimentS erlaffen, nur eine Veränderung in der Dt» gonisotion der kirchenregimentlichen Behörden zm» Gegenstände hot und den Bekenntnißstand der hessischen Kirchen nicht allein nicht berühn, sondern demselben vielmehr von Neuem Sckutz und Pflege verheißt. Int- besondere aber ist es auf dos Ernsteste zu mißbilligen, daß Sie und eine Anzahl Geistlicher mit Ihnen sich nicht gescheut haben, unter Anrufung heiliger Name« eine offene Auflehnung gegen eine obrigkeitliche Einrichtung anzukündigen und diesen Protest auf Behauptungen zu gründen, von deren völliger Haltlosigkeit Sie sich bei gewissenhafter Prüfung der Dinge leicht hätten überzeugen können. Ich gebe mich der Hoffnung hin, daß dieser Bescheid genügen wird, Sie auf den Weg der Pflicht zurück;usühren, füge aber die Bemerkung hinzu, daß, falls Sie wider Bei hoffe« Ihrem Proteste eine lhaisächliche Folge geben sollten, gegen Sie mit der Strenge eingeschritten werden müßte, welche der Pflicht des Kirchenregiments, Ordnung und Zucht in den ihrer Leitung anvertrauten Kreffen a»f,j
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