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Strafe und mein Fluch aber jener Hand, die den Mord zu unternehmen versucht!" Weshalb er bleichte Gräfin Adelheid bei diesen laut und drohend gesprochenen Worten ihres Gemahls?" Uns weshalb durchrieselte ein eisiger Schauer ihren Körper, während ihre Brust von einer ihr unerklärlichen Angst zusam mengeschnürt ward? Nach Jahren gedachte sie dieses Augenblicks, nach Jahren, als ein furchtbares Geschick ihr Haupt vernichtens traf.

Am selben Abend noch schrieb sie an ihren Sohn: --Friedrich ist nicht gekommen, denn denke

Dir, Dein Bruder ist von dem Dolch eines Mörders getroffen, zwar nicht tödllich, der Stich drang einen Zoll breit vom Herzen ein. Wäre er gestorben, ich glaube, eS würbe Deinem Dater das Leben gekoster haben, denn seine Li.be zu diesem Unglückssohn hat, seit derselbe in der Verbannung weilt, zugenommen. Er sprach einen so furchtbaren Fluch gegew ven Thäter, daß ich entsetzt zurückwich.

Selma ist hier und wird, sobald Friedrich sie holen kann, denn nur mit dem will sie reifen, obgleich ich ihr Deine Begleitung angetragen, Druischland ver­lassen. Alle Versuche ihrer Familie, diese unglückliche Heirath abzuwenve», sind fruchtlos geblieben und so mußt Du doch wohl den Gedanken an sie aufgeben."

Es ist unmöglich, die Aufregung und Spannung zu schildere, mit welcher Graf Paul täglich einem Briefe von seiner Mutter entgegensah und als endlich sein Diener ihn überreichte, erbrach. Die Spannung und Aufregung seiner Züge wichen jedoch dem Aus­druck maßloser Entläuschnnz und Wuth, keuchend hob und senkte sich seine Brust, in der dämonische Gefühle aller Art sich um den Vorrang stritten. Als er jedoch an die Worte kam, die dem Mörder den Fluch seines Vaters verhießen, da erbebte auch er, Todesdläffe be­

deckte feine entstellten Züge und Tropfen kalten Schweißes traten auf feiner Stirn hervor.

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Uebergehen wir einen Zeitraum von t Jahren und wenden uns zuerst wieder dem schönen dacener' Lande zu, das in freudigster Aufregung Feste und Festlichkeiten vorbereitete, an benrn Jung und Alt, Vornehm und Gering theilnehmen sollte, denn der Großherzog feierte seine Vermählung mit der lieblichen, einzigen Tochter de« Prinzen von Preußen, dem eS Vorbehalten war, als Greis noch die deutsche Kaiser­krone zu tragen.

Aber nicht nur die nahe bevorstehende Vermählung ihres Landesherrn hatte die Gemülher so freudig ge­stimmt, eS war eine Amnestie für alle Flüchtigen er-- laffen, welche 1848 noch nicht zu den Waffen ge­griffen hatten, und viele, viele Familien dursten jetzt dem Tage entgegensehen, der ihnen nach langer schmerz­licher Trennung Gatten, Söhne und B>üvcr wieder zuführen sollte. Friedrich Werner, welcher, mit Aus­nahme gelegentlicher Besuche in Amerika, j.tzt als Ad- ministralor der gräfl chen Güter steiS in Waldenau lebte, war naH Kailsnihe gereist, um so schnell wie möglich die Freudenbolschaft zu erfahren, uu6 wiiklich las er in der Liste der Amnestirtm den Nameti Leo­pold von Walde,au!

Nun hielt es ihn nicht länger in der Hauptstadt, er benutzte Eisenbahn wie Post, reiste ohne Amenihalt und war wirklich der erste Überbringer der Nachricht-, auf die der alte Graf so lange vergeblich gehofft hatte.

ES war um die Mitte September, ein warmer, heiterer Sommernachmitiag und in dem Zimmer deS Schloßherrn stand da« hohe Bogenfenster, an dem er saß, weit geöffnet. Plötzlich horchte er auf, denn sein

JRatßutg, Sonnabend, den 6. September.

1873

Oterhessische Zeitung.

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zu« alle wichtigen politischen Fragen volle Uebereinstim-

nmgSrath v. Meyern seinen Urlaub deshalb noch

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Der Reichskanzler und der Ministerpräsident ver­lasse» heute Berlin, und widerlegt sich damit das Gerücht, daß eine Conseilsitzung anberaumt sei. Wenn man von einer solchen Abitand nimmt, so beweist das zur Genüge, daß int Schooße des Ministeriums über

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dem Rathschlusse Gotte« zugeschrieben hat. Das halbojficielle Blatt bestätigt ferner die bevorstehende Krise des König« von Italien nach Wien und Berlin Aus den warmen Worten, mit welchen es den hohe» Besuch begrüßt, geht der Werth hervor, den man in politischen Kreisen auf denselben legt.' Es ronstaiiri

nicht antreten können, welcher alle Geschäfte deS erst genannten Beamten besorgt und auch das Protokoll bei den Minister'alfitzungen führt. Der Director der Unterrichtsabtheiluiig im Kultusministerium, wirkt. Geh. Regierungsrath Greiff hat sich nach Wien be geben, um auf der Weltausstellung die Gegenstände in Kunst- mnd Unterrichts-Wissenschaft in Augenschein zu nehmen. Auf seiner Rückreise wird er sich zu dem selben Zwecke in München und Dresden aufhalten.

Nach derProv. Corresp." ist die Anwesenheit deS Reichskanzlers und deS Ministerpräsidenten, sowie die Rückkehr der Minister zur Verständigung des SiaatsministeriumS über mehrere wichtige Fragen be nutzt worden. Von einer erneuten Einberufung des Reichstags fei Abstand genommen. Die preuß scheu Landtagswahlen würden voraussichtlich Ende Oktober statlfinde», die Provinzial Landtage größtentheils in der ersten Hälfte des Oktober einberufen werden. Dasselbe Blatt meldet, die Räumung Verduns werde am 8. d. erfolgen, und bestäiigt, daß der Kaiser, der in den letzten Tagen die alte Rüstigkeit und volle Frische erprobt habe, morgen mit der Kaiserin zu den Einzugsfeierlichkeiten nach Weimar g.ht. Gegen den 20. sei dem Besuche des Königs von Italien entgegen zusehen, welchem auf die zu erkennen gegebene Ansicht, dem Kaiser im Laufe deS September einen Besuch abzustatten, eine herzliche Einladung zugegangen sei Die Zusammenkunft werde eine erfreuliche bedeutsame Bestätigung der schon lange zwischen beiden Höfen und Regierungen geknüpften nahen freundschaftlichen Beziehungen sein.

Weimar, 3. Sept. Der Einzug des ncuver mählteit erbglvßherzoglichen Paares findet in den elften Nachmittagsstunden des 6. September statt. Die Vor- rüstungen zu dem Empfange sind bereits im Gange und ist namentlich die hiesige Kunstschule bemüht um eine künstlerische Ausschmückung einiger Theile der Stadt. Nach Beendigung der hiesigen Feierlichkeiten, welche dadurch eine längere Ausdehnung eriahren, daß die großherzogliche Familie eine Einladung zu ver schievenen, aus dem Kreise der hiesigen Bürgerschaft veranstalteten Festlichkeiten angenommen hat, begabt sich dieselbe auf die Wartburg, woselbst ähnlich, wie vor einigen Jahren gelegentlich deS 700jährigen Ju

len Stadt sich Feinde erwerben?"

Diese Frage, welche von den Betreffenden in Amerika, wie in Deutschland noch oft wiederholt ward, ilieb ungelöst. Auf demHermann" aber kehrten zwei Passagiere nach Europa zurück, die erst im Augen dlick der Abfahrt sich einen Platz gesichert. ES waren «vch junge Männer, sie gehörten offenbar den höheren vländen an, ließen sich selten unter ihren Reifegesähr-

blicken und schienen mit fieberhafter Hast dem Endziele der Fahrt entgegenzusehen.

Ich höre, e« sind Briese au« Amerika ringe« Mfen, sagte die jetzt hinzutretende Gräfin,und wir ^warteten Friedrich'« Rückkehr. Auch Ihr seid so "Ngt, ist etwa ein Unglück geschehen?"

Ja", entgegnete ernst und feierlich der Graf, .Leopold ist fast daS Opfer eine« ruchlosen Mörders 8t»otben; er ward kurz vor Abgang deS Schiffes ^kch einen Dolchstich verwundet."

. »Gerechter Himmel! Aber die Wunde ist doch *W gefährlich, lieber Gemahl?"

Nein, die» unsägliche Unglück ist mir erspart ^rdeu. Leopold wird mir erhalten bleiben! Gotte«

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Erzählung von M. Dobson.

(Fortsetzung.)

Ich muß diesen traurigen Bericht schließen, weil sonst der Brief nicht mehr mit sortgeht, und füge nur noch von uns Beiden die herzlichsten Glückwünsche bei "

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Sept. DieProv.-Corresp." wid­met ihren heutigen Leitartikel der Enthüllung des Hjege«venkmals und hebt namentlich daS Verdienst be« König» hervor, welcher durch die Durchführung der Anneereorganisation, seines eigensten Werkes, die Möglichkeit aller in jenem Monümente verherrlichten Großthaten erst geschaffen habe. Der Artikel be­trachtet Alle« vom rein objectiven historischen Stand­punkte und beruft sich anscheinend absichtlich gerade auf da« Zeugniß liberaler Parteiführer, so daß wohl schwerlich Jemand auch nur den leisesten Zweifel an bie Gottlob weit hinter und liegende Conflictszeit

belftsteS der Wartburg eint musikalische Aufführung vorbereitet wird, die auch in weiteren Kreisen Inter­esse erregen dürfte. Die Musik ist von Franz Lißt compcnirt, während der Sänger be« Ekkeharb, der, treffliche Scheffel, ben auf bie Geschichte der sPurg. bezüglichen Text verfaßt hat. Die Sedanfeier ist fast in allen Städten Türingen« in festlicher Weise begangen worden. In Weimar sand am Vormittag ein kirchliches Gekenlsest statt; in den Schulen waren patriotische Festlichkeiten veranstaltet, denen Nachmit­tag« ein Fest der Schulkinder folgte, das leider durch heftige« Regeitwetter in seinem Verlaufe beeinträchtigt wurde. Am Abend bewegte sich unter dem Geläute särnmtlichec Glocken ein großer Fackel» und Lampenzug. nach einer nahe gelegenen Höhe, wo ein mächtige«' Freudenfeuer entzündet und eine patriotische Ansprache gehalten wurde. Der Gesang der Wacht am Rhein bildete ben Schluß ber Festlichkeit. In ähnlicher Weise warb die Frier in Jena, Eisenach, Gotha und anderen thüringischen Städten begangen.

Karlsruhe, 3. Sept. Wegen der in nicht großer Enlsirnung (in Heilbronn und Speyer) an«- gebiochenen Cholera hat die hiesige Gemeindebehörde die beabsichtigt gewesenen dreitägige» Festlichkeiten an­läßlich des Geburtstages des GroßherzogS auf den Harrpttag, den 9. September, beschränkt, zumal auch die Regierung in den jenen Städten nächstliegenden badischen Bezirken größere Zusammenkünfte (Messen rc.) verboten hat. Das Programm war bereits au«- gegeben. Unser Hof hat aiit 24 auf 14 Tage wegen Ablebens des Herzogs Karl von Braunschweig , Trauer angelegt. Die Mutter deS Verstorbenen war' eine badische Prinzessin, eine Tochter deS 1801 ver- unglückten Kurprinzen Karl Ludwig, ber ein Sohn des damaligen Kursüisten (nachherigen Greßherzogs) Karl Friedrich war. DeS L.tztern Enkel ist nun auch cet j.tzt regierende Graßherzog. Am 28. b. M. am Jahrestage ber Uebergobe Straßburgs wird in Mannheim daS den auf dem dortigen Friedhöfe ruhenden deutschen Kriegern errichtete Denkmal ent­hüllt werden. Man -hätte die Enthüllung gern mit ihm gestrigen Gedenktage verbunden, wenn nicht die Garnison zu den Manövern aurgerückl wäre.

Stuttgart, 4. Sepl. Der Kronprinz be« beut»

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Oft von Ausrufungen, Bemerkungen, wie innerer Aufregung unterbrochen, la« Selma nur langsam den j Bries zu Ende, und al« er endlich mit ihren Händen in den Schooß sank, sagten Beide, wie au« einem Munde:Gottlob, daß er lebt, daß er gerettet ist! 'N Nie lange müssen wir vergeblich auf Nachricht harren! Üud wer mag die Absicht gehabt haben, ihm da« Leben iu nehmen, denn wie konnte er in der ihm unbekann-

dvn Neuem die Eintracht zwischen Deutschland, Oester 201 reich und Italien und diese ist gewiß al« eine her g eorragense Bürgschaft be« Weltfriedens zu betrachten

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efta» mung herrscht. Die« betrifft vor Allem bie kirchlichen ttg H Dinge. Wenn man noch in jüngster Zeit wieder auf eine Spaltung in maßgebenden Kreisen diesem gegenüber specultrt hat, so dürste man bald durch entscheidende Thatsachen belehrt werden, daß man sich durchaus nichtigen Illusionen hingab. Der Vortragende Rath im Staatsministerium, Geh. Rath Jacobi, be» findet sich noch am Rhein und Hal der Geh. Regie

cb« erkennen wirb. Er weist ferner auf bie Thatsache hin, sinter daß ber Kaiser, welcher, al« e« galt, die Reorgani irt« fatton zum Heile de« Vaterlandes durchzuführen, stets imi« persönlich für dieselbe eintrat, nachdem die Erfolge Lep ihm die allgemeinste Anerkennung gewonnen, nirgend- t e, mehr das Verdienst derselben für sich in Anspruch mein genommen, sondern stet« demüthigen Sinne« dieselben