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die Leitung des Blattes. — Eine neue Wallfahrt ist für den 9. September nach Notre Dame des VertuS, nach Ligny en Barrois (im Maas-Departement) vom Bi chof von Verdun aus geschrieben worden. — Der „Soir" berichtet: „Die verschiedensten Gerüchte betreffs der

. seinen Kopf ober seine Hände habende Reichskanzler i ist auf den verdächtigten Münzen wahrzunehmen. Ei । rüge Zeitungs Redactionen haben an der verdächtigen 1 Stelle ein vollwangiges Kindergesicht erkennen wollen, । allein gewöhnlichen Sterblichen ist auch dies nicht geglückt. Zu einem internationalen Handel zwischen

i dem Deutschen Reiche und bet Schweiz wird die ■ Geschichte nicht mehr führen.

Zürich, 30. Ang. Die uitramontanen schweizer Blätter, haben dieser Tage die Entdeckung gemacht, daß bet preußische Kultusminister während seiner Schweizerteise mit verschiedenen liberalen Größen bet 1 Schweiz verkehrt habe, worunter namentlich Augustin Keller im Aargau. Das wat ihnen ein prächtiger Fang: wer kann jetzt »och den Zusammenhang des kirchlichen Liberalismus der Schweizer mit Preußen leugnen ? Wer kann noch zweifeln, baß z. B. die altkatholische Bewegung in der Schweiz ihre geheimen Triebkräfte in Berlin hat? Der Besuch Falk'S bei A. Keller hat wirklich ftattge- funden, Alles aber ist mit ganz natürlichen Dingen zugegangeii. Das „Volksblatt" erzählt nämlich: Schon im Jahre 1846 brachte der Herr Kultusminister, da­mals freilich noch ein junges Füchslein, dem Herrn Seminar - Director Keller nach Lenzburg einen Brief seines Vaters, des Herrn Cvnststorialraths Falk, eines Studienfreundes des Herrn Keller. Die Sache wird erst recht gefährlich, da diesmal auch noch die Ge­mahlin des Herrn CultuSministers dabei war. Denn wenn die Frauen auch noch dabei sind, dann wird's mit den Verschwörungen erst recht schlimm. Und die Frau Cullusministerin ist überdies die Tochter eines Mannes, der Vielen nicht in liebem Andenken steht, des berühmten Philologen Passow, der die Gym- nastasten mit' seinem griechischen Wörterbuch so viel geplagt hat, in dessen Hause übrigens Hr. Keller als Student der Universität Breslau ein gern gesehener Gast war.

Rom, 31.Aug. Die „Jtalie" behauptet, daß der Plan einer Reise Victor Emanuel'S nach Berlin zu derselben Zeit in's Ange gefaßt worden sei, als die letzte CabinetSkrists entstand, aus der das Ministerium Minghetti hervorging, und daß er mit dieser Krisis in einem gewissen Zusammenhänge stehe. Die Reise werde wahrscheinlich in den ersten Wochen des Monats October staitfinden. Ein solches Unternehmen sei natur lich mehr als ein bloßer Austausch von Höflichkeits bezeigungen, wie der Aerger des Vaticans beweise, der über die österreichische Regierung und den Kaiser selbst noch mehr ergrimmt sei, als über Victor Emanuel. Namentlich sei der Besuch in Berlin von äußerster Wichtigkeit: Italien und Deutschland befänden sich denselben Feinden gegenüber. Die kosmopolitische Re- actionspartei, die ihren Sitz im Valican habe, umfasse diese beiden Staaten mit dem nämlichen Hasse und arbeite mit allem Eifer an ihrem Sturze. Diese Ge­meinsamkeit der Lage mache für die beiden Staaten ein einmüthiges Zusammenstehen nicht nur nöthig. sondern vollständig unvermeidlich. Es sei ein Bund des Friedens, dem leider Frankreich, wie alle Anzeichen lehren, sich nicht anschließen werde, da die clericale Partei dem bedauernswerthen Lande keine Ruhe laste. Und doch könne die Folge einer solchen Politik nur die fein, daß Frankreich ohne Freund und Bundes­genosse, dastehe und von allen anderen Staaten als Friedensstörerin und ewiges Element der Beunruhigung gemieben werde. — Während die französische Regie- rung ein Fort an der Rcrdscite des Mont Cenis auf­führen läßt, hat der Kriegsminister Ricotti befohlen, auch auf der italienischen Seite Befestigungswerke an­zulegen. — Der Gemeinderath von Neapel hat be- chlosten, die Concesston zu mehreren Pferde - Eisen­bahnen in der Stadt und Umgegend von Neapel zu vergeben.

Paris, 31. Äug. Nach dem Moniteur ist die fünfpfündige Kanone im Prinzip angenommen und der Gießerei von Tarbes Befehl gegeben, sofort eine Batterie für jedes der dreißig Artillerie-Regimenter anzufertigen. — In Havre ist die Cholera ausgebrochen. In den Hospitälern sind 20 Personen gestorben, in 1 der Stadl find die Todesfälle viel zahlreicher. An alle Seehäfen ist die Weisung gelangt, Schiffe aus Havre nicht zuzulasten; Honfleur, Trouville und Caen sind von der Maßregel allein ausgenommen. — Vom I L October an wird der dem Börsenspeculanten Mer- on, einem Israeliten au« Frankfurt, angehörige Soir monarchistisch; die jetzige Redaction tritt zurück, und < Herve vom orleanistischen Journal de Paris übernimmt ।

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Ausland.

Wie», 30. August. Der bevorstehdstde Besuch des Königs Victor Emanuel in Wien und Berlin wird von den hiesigen verfassungstreuen Zeitungen als ein eben so bedeutungsvolles wie erfreuliches Ereig »iß behandelt, das hoffentlich dazu beitragen werde, die ultramontane Partei in ihren Hoffnungen gründ­lich zu enttäuschen und die Gerüchte über eine öster­reichische Unterstützung der Projekte zu einer monar­chischen Restauration in Frankreich zum Schweigen zu bringen. Zur Sache selbst mag bemerkt werden, daß glaubwürdigen Andeutungen zufolge auf die dies­seitige Einladung an den König eine bestimmte Zu­sage desselben hier noch nicht vorliegt, obwohl es richtig sein mag, daß die Umstände den Besuch sehr wahrscheinlich gemacht haben. Zur Kennzeichnung der in reoctionSren Kreisen herrschenden Stimmung dient ein Artikel, den heute das „Vaterland" dem geplanten Besuche widmet. Das fyibale Organ spricht mit dürren Worten die Hoffnung aus, Victor Emanuel werde sich die Sache wohl noch einmal überlegen uub „uns" mit feinem Besuche verschonen. Auf herzlichen Empfang dürfe er hier nicht rechnen, denn noch seien gewiste Wunden in Oesterreich nicht vernarbt. Diese Wunden sind, wie das „Vaterland" beizusetzen nicht verfehlt, weniger durch den Verlust Lombardo-BenetimS, als durch die Beraubung deS heil. Vaters geschlagen worden, denn Oesterreich sei ein katholischer Staat. UebrigenS glaubt das Blatt die Nachricht bezweifeln, zu dürfen, denn, fügt es chnifch bei, Victor Emanuel habe kein Geld und feine Minister hätten nicht die Courage, Frankreich den Fehdehandschuh hinzuwerfen.

Bern, 31. August. Als wir neulich bemerkten, daß die Sympathien der Schweizer für daö Deutsche Reich erheblich wärmer geworden und daö Vertrauen

Wolfenbüttel, 29. Aug. Der „Magdeb. Ztg." wird von hier geschrieben: „Der Präsident unseres Obergerichts, Trieps ist nicht nach Genf gereift, son­dern er ist wohlbehalten von einer Reise hierher zu­rückgekehrt. Was die neulichen Mittheilungen in Betreff deS Herrn Trieps in feiner Eigenschaft als Mitcurator des weiland „Herzogs Carl" betrifft, fo sind dieselben dahin zu erweitern, daß Herr Trieps dieser Tage eine Audienz bei Herzog Wichelm in Sy- billenort gehabt hat, über welche natürlich noch nichts verlautet. UebrigenS hört man von wohl unterrichteter Seite, WH in Sachen der Nachlassenschaft des „Her zogs Carl" sich die braunschweigische Regierung vor erst nur mit dem deutschen Konsulat in Genf ins Ein vernehmen gesetzt hat, um eine beglaubigte Copie des fraglichen Testaments zu erhalten. Weitere Schritte in der Angelegenheit sollen noch nicht gethan sein; auch hat daö Staatsministerium gutem Vernehmen nach auf die von dritten Personen, welche zu dem „Herzog Carl" in näheren Beziehungen gestanden haben, an gebotene Hilfe vorerst verzichtet."

Stuttgart, 30. Aug. Berliner Blättern wird von hier geschrieben: Die Nachricht, daß der wür- tembergische Minister des Auswärtigen, FrhL-, v. Wächter, zurückgetreten und der Justi,Minister v. Mitt nacht die -interimistische Verwaliung des auswärtigen Ministeriums übernommen hat, kam nicht überraschend. Herr v. Wächter, ein Mann schon in vorgerückten Jahren, war lange Zeit würtembergischer Gesandter in Pari«, und trat im Januar deS Jahres 1871 in das Ministerium, und ztvar auf Be­treiben deS damaligen CabinetschesS v. Eggloffstein. Eine politische Rolle hat er nie gespielt und galt überdies für einen Mann und Anhänger vergangener Zeit. In der politischen Situation deS würtember- gischen Ministeriums erfolgt somit keine Aenderung, sondern vielmehr insofern eine Klärung, als Minister v. Mittnacht Alles, waS er effektiv seit 1870 versah, nun auch mit seinem Namen und seiner Verantwor­tung deckt. Man glaubt hier allgemein, was auch die würtembergische Abgeordnetenkammer bereits verlangt hat, daß, wie in Sachsen, die Verwaltung des aus­wärtigen und eines andern Ministeriums durch einen Minister geführt werden und daö jetzige interimistische Verhältniß in ein definitives übergehen wird. Klarheit hierüber wird indessen erst der nächste würtembergische Landtag bringen, dessen Einberufung in einigen Wochen bevorsteht.

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in die sreundnachbarliche Friedensliebe der Deutschen festen Boden gefaßt, hatten wir die Rechnung ohne den bösen deutschen Graveur gemacht, weicher auf die neuen schweizerischen Goldmünzen das Bild des Deut­schen Kaisers, allerdings nur in einem mit der Loupe zu beschauenden Pünktchen, eingeschmuggelt haben sollte. Ohne Zweifel wollte dieser raffinirte Ein- und Unter grabet der republikanischen Verfassung das Volk heim lich und langsam an den Anblick eines gekrönten HaupteS gewöhnen und die wackeren Eidgenoffen all­mählich dahin bringen, auch die 20 Markstücke mit dem groß ausgeprägten Antlitz des Siegers von Sedan « vctiujuotHjieii vmuanc oeirefya uu

und Kaisers der Deutscheu mit Freuden entgegenzu >Fusion sind in Umlauf gesetzt. Der Graf von Cham-

Marburg, 2. Sept. Die nationale Bedeut« des heutigen Tage« fand in einer würdigen Vorfei bereits am gestrigen Abend ihren nächsten Ansdm Zahlreiche Häuser der Stadt wurden am Nachmitti mit Flaggenunb Fahnen geschmückt. Die Wolke die den Tag über gedroht hatten, verschwanden ui icrj, die Sonne spendete lieblich und heiter ihre abendliche ^rj Strahlen dem beginnenden Feste zu. Auf der Kctze = jbre bach sammelte sich ein Festzug, der mit den Trommln und Pfeiffern der Jugendwehr an der Spitze und u zahlreichen Fahnen und Emblemen geschmückt, u einem Mujikcorps die Hauptstraßen der Stadt dun

zog, um sich nach dem Kappler Berg zu begebe Unter Gesang und Hoch auf den Kaiser, die Am und ihre Führer wurde ein daselbst aufgeschichtete Holzstoß in ein weithin leuchtendes Freudenfeuer ve wandelt. Das schönste Bild eines Festzuges bietet hi in Marburg nun einmal ein Fackelzug vorn Kappk Berg, dieses Auftauchen und Verschwinden der Lich» und wieder Verschwinden und wieder Auftauchen etwas' wahrhaft Zauberhafte«, und in schönster Wei war dieses auch am gestrigen Abend wieder vorhadna wenn auch dem Zuge selbst eine etwa« größere Bethei ligung, namentlich seitens der Bürgerschaft, zu wünsch« gewesen märe. Nachdem die Fackeln auf dem Marl verbrannt waren, wurde der Rest des AbendS in h« terfter Stimmung bei Concert uno Gesang von ei« sehr zahlreichen Gesellschaft im Lederer'schen Sa«l verbracht. — Der heutige Tag wurde in allen Kirche mit Festgeläute begonnen. Die Gesangvereine fange auf dem Marktplatz einige Chöre, und im Gymnasiu» der höheren Bürgerschule, sowie in den übrigen Schule fanden Feierlichkeiten statt. Im Gymnasium schloß« dieselben mit einer Festrede des Hm. Prorectors V> Ritter und in ber höheren Bürgerschule mit ei« des Herrn Rectors vr. Hempfing. Um 9 Uhr w« Gottesdienst in den Kirchen und in ber Synagozi Der Nachmittag ist zu einem Jugendfest beftim« da« bereits mit einem solennen Festzug fröhlich uS lustig begonnen würbe, und das, hoffentlich ohne Reg» einen noch heiterem Verlauf haben wird.

Schmalkalden, 29. Aug. Heute Nachmittii and das feierliche Leichenbegängniß des am 26. d. Ä m Gasthof „zum Adler" dahier verstorbenen köni-

ichen Mustkdirectors Herrn Karl Wilhelm von tatt. Dem mit Lorbeerkränzen, Palm zweigen, Bi» dein und Inschriften reich geschmückten Sarge, weicht eine Abtheilung der erwachsenen Schuljugend voraus ging und der von weißgekleideten Mädchen mit schwatz' weißen Schärpen und grünen Kränzen umgeben tM wurden die Insignien deS königlichen Kronenordeoi auf einem Kiffen vorangetragen und eS folgten ihü außer den hiesigen Angehörigen und Verwandten, ei« Deputation fremder Freunde und Verehrer, sowie bÜ Staats« und städtischen Behörden, die musikalisch«* Hi•/»

Ba brat ßan Mitt, Oest Oest btsc] ÖJt. Frau b*L- Oest

rbtgftcn Nachrichten U entschlossen zu fein, betreffs der Fahnenfrage nicht nel zugeben. Die Fusionisten haben c« aber noch ui ausgegeben, den Grafen auf andere Ideen zu bringt sie befürchten jedoch, daß sie vor ber. Rückkehr b Kammer kein befriedigendes Resultat erlangt hab werben. DK angenommene Taktik soll barin besteh! Zeit zu gewinnen und bie Zeit, welche die Prüsy ber konstitutionellen Entwürfe in Anspruch nehm wird, zu benutzen, um den Grafen von Chambord

nehmen. Leiber ist die ganze Geschichte von Anfang I bord scheint nach den glaubwürdigsten Nachrichten i« «er bis zu Ende nicht wahr, und weder der Deutsch .. «-.r...—,...... ... •

Kaiser noch auch nur ber unvermeidliche unb überall

bewegen, entweber die breifarbige Fahne anzunehi» ober abzubanken. Man versichert ferner, daß j Papst ben Grafen von Chambord aufgefordert haj die dreifarbige Fahne anzunehmen, weil diese C, cession ihm gestatten Werbe, ben Thron feiner VL zum Besten Frankreichs uud ber Kirche zu besteig! Der Graf von Chamborb soll btm heiligen geantwortet haben, baß, waS bie breifarbige Fch anbelange, et allein Richter über seine Ehpe fei. ! Lucian Brun (einen ber Deputieren von ber äußers Rechten) soll Graf von Chambord ein Schreiben richtet haben, welches eine Art von Manifest ist u sehr bald veröffentlicht werden soll. Ob die M theilungen des „Svir" begründet sind, dürste ab warten sein. Bei ber ganzen Sache ist nicht zu üb sehen, baß in ben royalistisch - orleanistischen Kreis fortwährenb große Zuversicht herrscht unb man bal annehmen barst baß sie noch keineswegs bie Hoffim verloren haben, mit ihren Planen burchzudringen. ■ Auö Marseille wirb gemelbet: „Die größte Thätigk herrscht seit mehreren Tage» in unseren marseill Häfen; binnen 48 Slunben liefen 144 Schiffe i betreibe ein. Die hiesigen griechischen Häuser hab eine gewisse Anzahl Schiffe ausgerüstet, um weit« (Setreibe in Obeffa, in Taganrog unb an ben Uff ber Donau zu holen. Was feit einem Monat Getreide gewonnen wurde, ist nicht zu berechnen. S griechischen Häuser, wie Scaramanja, Radcanschi, R« und Argenti legten Millionen zurück. Einfache MäL gewannen bis 20,000 Fr. die Woche".