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* Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an-
ganzen Volke. Graf Roon schloß mit einem Hoch auf
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— Eine sinn- und würdevolle Vorfeier deS großen Festes, das die preußische Armee am morgigen Tage,
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Erzühlung von M. Dobson.
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(Fortsetzung folgt.)- M S««
in Lichterfelde. Um 9 Uhr 10 Minuten brachte ein Extrazug der Potsdamer Bahn das. Cvmmando des CadettencorpS und das CadettencorpS von Berlin in voller Stärke nebst sämmtlichen Beamten desselben nach dem Festplatz in Lichterfelde, während die Deputation des Cadctlenhauses zu Potsdam, sowie eine Deputation der dortigen Garnison von Potsdam aus sich nach dem Platze begab. Die auf Allerhöchsten Befehl geladenen Gäste, der Ministerpräsident Graf Roon, der KnegSminifter von Kamecke, der Finanzminister Kamphausen, der Justizminister Leonhardt, der Cultusminister Dr. Falk, der LandwirthschastSminister Graf Königs marck, der Präsident des Reichskanzleramts Delbrück, Feldmarschall Graf Moltke, die Generalfeldmarschälle Gras Wrangel, Steinmetz, Herwarth von Billenfeld, Vogel von Falkenstein, die Generale von Voigt Rheetz, von Schwarzkoppen, von Wartensleben und viele an dere hervorragende Führer unserer Armee. Der Präsident des Reichstages Simsen, der Vicepräsident von Bennigsen, eine Deputation des Gardecorps, eine Deputation der städtischen Behörden von Berlin, bestehend :auS dem Oberbürgermeister Hobrecht, Bürgermeister Duncker, Stadtverordnetenvorsteher Kochhann und Stellvertreter desselben, Halske, Polizeipräsident von Madai, sowie viele andere Militär und Civilpersonen fuhren in einem zweiten Extrazuge um 91/2 Uhr vom Potsdamer Bahnhofe nach Lichterfelde. Ein Wald von Fahnen und Guirlanden umsämte den Festplatz Die Namen der Schlachten, welche das deutsche Heer in dem Kriege des Jahres 1870—71 geschlagen, Iwaren auf Schildern an den Fahnenmasten verzeichnet; ein großes, nach der Seite des Festplatzes hin offenes Zelt war zur Aufnahme der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften bestimmt. Auf roth drapirten Tischen vor dem Zelte lagen die Dokumente, welche in die Urne versenkt werden sollten. Der Kaiser'sprach bei den von ihm gesührten drei Hammerschlägen: der Kriegerjugend zur Bildung , der Armee zum Heile. Zum Schluß der Feierlichkeit dankte Roon dem Kaiser Namens der Armee, welche die gesammte Nation um spanne; was die Armee im Kriege und Frieden vollbringe, fei der Ausdruck des mit ihr innig verwachsenen Volkes; die heutige Feier sei ein neues Zeugniß
sich der Billigung seiner von ihm so geliebten Braut, die in jugendlichem Enthusiasmus ihn zu weiteren Thaten aufforderte und^entflammte.
Hatte schon der alte Graf um seinen Lieblingssohn -gesorgt, als dieser sich dem, wie seine Stiefmutter es nannte, „demagogischen Treiben der Studenten" an geschloffen, welch furchtbarer Schlag mußte erst sein Vaterherz treffen, als der junge Erbherr dem Aufstande in Baden beitrat, dessen trauriger Ausgang nur :zu wohl bekannt ist. Eine schnelle Flucht allein vermochte ihn zu retten, die ihm indeß glücklich gelang, und von seinem treuen Diener, der auf Waldenau zu Hause gehörte, und ihn am Bord eine» von Hamburg nach Newyork abgehenden Schiffe- verlassen hatte, gemeldet ward.
Wenngleich bei dieser Nachricht die größte Freude fein väterliches Herz erfüllte, so erlitt doch bald sein Stolz einen nie zu überwindenden Stoß, denn unter denen, die vom Kriegsgericht als LandeSverräther zum Tode verurthdilt waren, laS er den Namen — Leopold, Graf von Waldenau I
Das war der härteste Schlag, der bis jetzt ihn getroffen. Er hatte feine Gemahlin, die Geliebte seiner Jugend, verloren; vor wenigen Jahren waren ihm beide Eltern gestorben; ein holdes Töchterchen ruhte auch schon in der Familiengruft — er hatte bei diesen herben Verlusten unbeschreibliche Schmerzen empfunden, allein er hatte ungebeugten Hauptes dagestanden, denn seine Ehre, fein unbefleckter alter Name hatte nicht
- .. Merlin, 1. Sept. Ein Gang durch die Stra
ßen der Stadt namentlich die dem Brandenburger
■ rfiot und dem Königsplatz nahe gelegenen, läßt feinen »weifel mehr darüber auskommen, daß die Feier am lorgenden Tage auch hier in allen Schichten der Beelterung herzliche Theilnahme findet und selbst hier t An m Herzen der Monarchie hört man allgemein die
Bedeutung des Festes als eines nationalen dauernden Sedeuktages hervorhebcn. Heute schon sehen wir Land- ____ Kleiner in langen Zügen nach dem Königsplatz tembs oallsahrten und alle Vergnügungsanstalten entwickeln öheren n ihren Ankündigungen für morgen erhöhte Thätig^, :rimu tit. Die Proteste der Socialdemokraten und Ultra- iehrer lontanen werden der allgemeinen Feststimmung keinen
Ibbruch thun können; unser-deutsches Volk hat die , Tragweite unserer Erfolge in Frankreich viel zu gut - rkannt und die Motive des Mißfallens unserer vthen und schwarzen Vaterlandsfeinde in jeder natio
, talen Kundgebung sind zu leicht erkennbar, daß nicht bert ^sche Volksgeist durch deren Wühlereien um ' v mehr zum Bewußtsein feiner wahren Interessen ebracht würde. — Fürst Bismarck ist gestern hier ingetroffen, hat jedoch an der heutigen Feier in . . 1 >ichterselde nicht theilgenommen. — Morgen wird v pp'iach der Feier aus dem KönigSplatz ein Festdiner attfiuden, zu welchem auch viele dem Civilstande ingehörige Notabilitäten Einladung erhalten haben.
Fe - DaS Gerücht von einer bevorstehenden Auflösung städ- »es Landtages, welches durch einige Blätter verbreitet " ! »erben ist, entbehrt der Begründung. Die Neuwahlen
für das Abgeordnetenhaus werden ohne solche außer- rten «deutliche Maßregeln baldmöglichst anzeordnet werden.
- Die ultramontane „Germania" widmet der Jn- struction zu dem Gesetz über die wissenschastliche Staatsprüfung der Eandidaten deS geistlichen Amtes
3 sehr eingehende Besprechungen und macht dabei das 8r. : Zugeständniß, daß der Staat im Wesentlichen keine unbilligen Anforderungen an die Eandidaten stelle,
1 jenbern daß die Erzbischöfe von Köln gleiche Vor- christen über die philosophische Ausbildung der Theologen erlaffen hatten. Um so besser, und um so weniger Grund zur Auflehnung gegen die neuen Vör
den Kaiser. Der Kaiser reichte Roon die Hand und sprach: „Was die Armee erreicht hat, dankt sie zum großen Theil auch Ihnen." Der Kaiser dankte hierauf auch dem Feldmarschall Moltke und reichte ihm die Hand, sprach mit dem Präsidenten des Reichstage« Sim- son und richtete schließlich einige Worte an die Gabelten.
Hannover, 30. Ang In der dritten Abtheilung des Juristentages ist es über die Frage: ob im Fall der Freisprechung für die Untersuchungshaft eine Entschädigung zu gewähren sei, zü gar keinem Beschluß gekommen. Alle Gutachtett kamen dahin überein, daß .bie Freisprechung allein solchen Anspruch nicht begründen könne. Der Berichterstatter, jJustizrath Meyer von Thorn wollte aber die Entschädigungspflicht des Staates in gewissen näher bezeichneten Fällen angenommen sehen, stieß im Einzelnen wieder auf vielfachen Widerspruch, und nach lebhafter Debatte wurden schließlich alle Anträge abgelehnt. Die Abtheilung beschloß, die Frage dem nächsten Juristentage zu überweisen. — Aus Berlin wird hiesigen Blättern berichtet, daß die Uebertragung der Administration der Staats- Chauffeen auf die Provinzialverwaltung so gut wie gesichert sei. Man glaubt, das bermalige technische Personal des LandeSdirectoriums werde zur" Bewältigung dieser bie Selbstverwaltung wesentlich erweiternden Aufgabe auSreichen und nur eine Vermehrung der HülfSbeamten erforderlich werden. — Herr Miquel |oß entschlossen fein, seinen schon länger gehegten Plan, aus der Direktion der DiScontogesellschast auszuscheiden, jetzt in Ausführung zu bringen, damit er sich ganz der parlamentarischen Thätigkeit widmen könne. In Osnabrück wird ein von einflußreichen Personen ausgehendes Flugblatt verthcilt, das Miquel» Wiederwahl zum Abgeordnetenhause empfiehlt. Geringere Aussicht haben seine Parteifreunde, ihm auch daß ReichStagsmandat, das ihm bei der vorigen Wahl entging, wieder zuzuwenden. — Wie schon vorher die Eisenbahn« und Telegraphenkaffen, haben jetzt auch sämmtliche Postkassen die Weisung erhalten, österreichische Guldeustncke nicht mehr anzunehmen. Aus dem Geschäftsverkchr finb sie hier, wenigstens dem vollen bisherigen Werthe nach, schon vielfach verbannt. — Neuesten Nachrichten zufolge wird der Kaiser am 12. September in Hannover fein, um bie große Parade abzunehmen, womit die Manöver der 20. Division bei dem benachbarten Dorfe Ronneberg geschloffen werden sollen. Zu biefen Manövern werden auch Prinz Friedrich Carl, Felbmarschall Graf Moltke und der Großherzog von Mecklenburg erwartet.
gelitten. Jetzt jedoch — der Erbe der Waldenau ein Hochverräther — zum Tode verurtheilt — landesflüchtig !
Und wirklich mußte der Schlag den Schloßherrn schwer getroffen haben, denn seine geistigen wie körperlichen Kräfte unterlagen bald so weit dem Kummer, daß eine gefährliche Nervenkrankheit auf lange ihm daS Bewußtsein raubte, und als endlich er von derselben genas, war fast überall in Deutschland bie Ruhe wieder hergestellt; Tausenbe jedoch beweinten den Tod der Ihrigen, und Wittwen und Waisen saßen jammernd nach Hülfe wie nach Brod in den verödeten Wohnungen, zu denen nicht mehr wie sonst der Versorger heimkehrte, weil er für Vaterland und Volk, als Sieger ober Besiegter, den Tod gefunden, indeß Viele auch in fernen Echtheiten weilten, vielleicht auf immer vom Vaterlanbe und HeimathSherd verbannt I
Gräfin Adelheid hatte ihren Gemahl mit der größten Liebe und Aufopferung gepflegt, in welcher Pflege ihr Selma von Buchholz voll kindlicher Liebe lür den Vater ihres Verlobten beigestanden. In der Genesung begriffen, begehrte er allein ihre Gesellschaft, weil er mit ihr von seinem noch immer so geliebten Sohne sprechen konnte, indeß bie Gräfin seines Namen« nur unter ben gehässigsten Bemerkungen erwähnte, die unendlich schmerzlich für sein Vaterhevz
Marburg, Mittwoch, den 3. September. .!> ’-i-i ~
:w *"1873.
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0lierhessische Hcitnng.
e«f die vberhesfische Zer- ettcllllttgcn tuug für den Monat rmber werden von alle« Postanstalteu ange- wmen Aus Dem Lande nehmen auch die Land- »ftboteu Bestellungen entgegen. ______________
~ Deutsches Reich
dem 2. September in glanzvoller Weise begehen wirb, von der Liebe des Landesvaters zur Armee und zum war die heute um 11 Uhr Vormittags im Beisein ~
II. Majestäten des Kaisers und der Kaiserin, II. kaiserl. HH. des Kronprinzm und der Kronprinzessin, II. königl. HH. der Prinzen Friedrich Wilhelm, Heinrich, Carl, Friedrich Carl, Alexander und August von Württemberg, sowie der Elite unserer Armee, vollzogene Grundsteinlegung zum neuen Cadettenhause
(Fortsetzung.)
DaS an Blut und Thronen so reiche Jahr 1848 sar über Deutschland hereingebrochen; höher schlugen J bie Herren in den verschiedenen Landen der Frecheit entgegen; voll Begeisterung einten Jlchg und Alt, Lornehm und Gering sich zum thätigen Streben nach —-- derselben, und Vereine und Genossenschaften traten Ä eng zusammen, um Berathungcn zu halten, waS für P01 de, Volkes wahres Wohl zu thun sei
■ Auch in der Universitätsstadt Heidelberg herrschte ich» «a reges Leben. Die Studenten und viele ihrer älteren Comilitonen, die bereits inS Leben eingetreten, - ch ihnen aber angeschlossen, hielten allabendlich Ver.
Mimlungen, in denen eS bald lebhaft, ja stürmisch 0044 ittging, und während die Besonnensten zur Klugheit
#nb zum ruhigen Handeln mahnten, verwarfen bte Aufgeregteren diese Vorsicht als Feigheit und forderten Alle auf, sich Denen anzuschließen, bie schnell unb wf dem Wege der Gewalt zu erreichen suchten, was |3tne noch weiterem Bedenken anempfahlen.
| Einer dieser eifrigsten Vorkämpfer für bte Rechte pb größeren Freiheiten des beutschen Volke« war ptaf Leopold von Waldenau, er, der zur höchsten ! Aristokratie deS babener Landes gehörte. Zwar hatte Iftin Streben durchaus nicht die Billigung seines Va- Mch, und Gräfin Adelheid unterließ nicht, eS in mögest grellen Farben zu schildern; allein et erfreute