ben kurz nach dem Schluffe der Parlamentssession vollzogenen Aenderungen noch nicht beendigt. Der Generalpostmeister Monsell wird sein Amt abgeben, wahrscheinlich an Ayrton, den früheren Bautenminister und jetzigen Generalauditeur der Armee. Die Ultramontanen sind durch einen Vorschlag der Times, den ihnen verhaßten Bouverie, der ihren unberechtigten Forde- rungen stets scharfen Widerstand geleistet, zum Mi nister des Innern zu ernennen, sehr aufgebracht. Der Wiedereintritt Bright's in das Cabinet hat schon die gute Folge gehabt, daß die Diffenters ihre Feindselig feiten gegen die Regierung einstellen wollen. Abge sehen von biefen ministeriellen Veränderungen, liegt die Politik auf den britischen Inseln in tiefem Schlafe.
Der König der Niederlande, der zwei Monate in Vevey zugebracht, ist am 21. d. nach dem Haag zurückgekehrt und alsbald hat daö ganze Mi nisterium ihn gebeten, eö zu entlassen, da eS in der Atschin Angelegenheit sich nicht im Einklänge mit der Landesvertretung befinde.
Ueber den Besuch, den der Kronprinz deS deutschen Reiches der dänischen Königsfamilie auf Schloß FredenSborg gemacht hat, äußerte sich die Berling'fche Zeitung, welche das Organ der dänischen Regierung ist, tote folgt: .Wenn dieser Besuch auch einen wesentlich persönlichen Charakter hat, ist eS doch ein natürlicher Gedanke und ein berechtigter Wunsch, daß ein freundschaftliches Verhältniß zwischen den Fürsten zu einem entsprechenden Verhältniß zwischen den Na- lionen führe, und daß daS gute Einvernehmen und Wohlwollen, welches früher so lange Jahre zwischen Dänemark und Deutschland bestanden hat, wieder einen jesten Boden gewinnen möge." Uebrigens war während dieses deutschen Besuches auch daS russische Thronsolgeipaar auf Schloß FredenSborg anwesend. Dasselbe ist am 21. d. nach Petersburg abgereist. Die Königin von Dänemark hat sich darauf mit ihrer Tochter, der Prinzessin Thyra, nach Rumpenheim in Hessen begeben, wohin, wie es heißt, binnen Kurzem auch der englische Prinz Arthur kommen wird.
Der Kaiser von Rußland hat am 27. Petersburg verlassen und sich zunächst nach Moskau begeben. Am 6. September trifft er in Odessa ein und fährt von dort nach der Krim zur Kaiserin. Die russische Panzerfregatte „Knäs PosaroSki" ist nach dem Mittelmeere abgegangen, um an der spanischen Küste Station zu nehmen. Zwischen Rußland und Deutschland ist ein Vertrag zum gegensei igen Schutz der Waarenbezeichnungen abgeschlossen worden.
Der Schah hat am 26. d. Konstantinopel verlaffen und sich zu Schiffe, vom russischen Botschafter General Jgnatiew begleitet, nach Poti begeben, wo er über Tiflis in sein Land zurückkehrt. Tie Frage nach der Gerichtsstellung der im türkischen Reiche wohnenden Perser ist nun zwischen Sultan
und Schah so weit geregelt worden, daß ein förmlicher Vertrag abgeschloffen werden soll, wonach die Perser in Civilprozessen den meistbegünstigten Na tionen gleich geachtet, in Ctimtnalfällen aber der türkischen Rechtspflege unterworfen sein sollen. Die internationale Conferenz zur Regelung des Suezcanal Tonnenzolles ist auf den 15. September einberufen.
Deutsches «eich. " ~ ” ~
Berlin, 29. August. Die „Nord. Allg. Ztg'" schreibt über die Verurtheilung der zwei Bischöfe: Ueberrascht konnte durch diese Verurtheilungen woh! kaum Jemand werden, am wenigsten die Verurtheilten selbst, die nicht nur der Tragweite ihres gesetzwidrigen Handelns wohl bewußt gewesen sind, sondern mit herausforderndem Uebermuth die Wächter des Gesetzes geradezu in die Schranken forderten. Um so betrübender ist aber unter diesen erschwerenden Umständen das Faktum, daß hohe Würdenträger eines vom Staate anerkanntet,, in seiner Ausübung beschützten und be vorrechteten kirchlichen Gemeinwesens, dessen Lehre selbst daS Gebot ausspricht, den Gesetzen zu gehör samen, in beklagenswerther Verkennung ihrer Rechte und Pflichten es soweit haben kommen lassen. Von welchem Gesichtspunkte ans die Benriheilung der Bischöfe auch betrachtet werden mag, stets muß sie als ein Schlag für die Autorität des bischöflichen Amtes im Besonderen und das Autoritätsprinzip im Allgemeinen erscheinen, und nicht nur dem Gerichte, sondern ihren eigenen Diöcesanen und der gesammten Gesellschaft gegenüber haben jene Männer eine schwere Verantwortung zu tragen, die in verblendetem Dünkel die Pflichtvergessenheit bis zur Strafbarkeit trieben. Es ist zu erwarten, daß die Verurtheilten von Posen und Fulda die Strafe als ein Martyrium in ihren Organen werden darstellen und sich selbst als die Märtyrer ihres Glaubens und ihrer Ueberzeugung werden preisen lasten. Das angebliche Martyrium hat aber damit begonnen, daß die modernen Candidaten für bie Märtyrerkrone sich nicht einmal zu dem Heroismus aufschwingen konnten, mit dem echten Muthe einer tiefen Ueberzeugung vor die Richter hinzutreten unv offen ihren „Glauben" zu bekennen. Graf Ledochowski wie Herr Kött haben es vorgezogen, die Zustellung des Erkenntnisses abzuwarten. Jedenfalls haben die Herren Bischöfe eingesehen, daß die Phrase von dem bedrohten Glauben in ihrer ganzen Nichtigkeit zerfallen würde vor der kritischen Beleuchtung des Richters, daß sie da, wo Beweise zu sprechen haben, nicht auch nur mit einem Worte die Vorspiegelungen zu erhärten im Stande gewesen wären, mit denen sie und die ihrigen den frommen Glauben des Volkes irrezuletten gewohnt sind. — Was hat auch der katholische Glaube mit den Gesetzesverletzungen zu schaffen, um deren willen die Gerichte von Posen und Fulda zu Straft
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Hirtcnamte mit Nichten unvereinbar, Ernennungen z, geistlichen Pfründen in seiner Diözese der Bestätigung der kaiserlichen Behörden zu unterbreiten. Der „Reiche anzeiger" bringt fast in jeder Woche solche Bestäti-
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erkenniniffen gegen die dortigen römischen Bischöfe sij 6?n , gezwungen sahen! Bischof Räß von Straßburg jß «ürc doch gewiß kein schlechterer Katholik, kein minder tr< «ciiti gebener Diener seiner Kirche, als die Herren 8ebes R, chowski und Kött, und doch findet er es mit seine»'
gungen, und doch ist eS gewiß noch Niemandem ig der katholichen Kirche eingefallen, Herrn Räß darum für einen Schismatiker zu halten. Nein nicht der Glaube ist es, nicht die Religion, für welch« die vev urtheilten Bischöfe streiten, sondern um Privilegieg kämpfen sie, bereit Aufrechterhaltung der Episkopat selbst dem Staate unmöglich gemacht hat.
Pofe«, 28. Aug. Bei einer gestern in Gnese« stattgehabten Versammlung der katholischen Dekane hat sich Erzbischof Ledochowski entschieden bagegeg ausgesprochen, baß seitens der Geistlichen selbst bat Schulinspectionsamt niedergelegt werde.
Leipzig, 29. Aug. Der gestrige Abend und die verflossene Nacht sind vollständig ruhig verlaufen. Eine Menschenansammlung hat nicht stattgefundea Da» Militär blieb in der Caserne conftgnirt
Regensburg, 25. Aug. Gestern Abend 7J/g Uhr traf der deutsche Kaiser, von Salzburg kommend, Hierselbst ein. Die dicht mit Menschenmassen bedeckten Straßen von Stadt a. Hof und Regensburg waren reich beflaggt. Der Kaiser nahm, wie gewöhnlich, Absteigequartier im Gasthof zum „Goldenen Kreuz". Heute früh 9 Uhr erfolgt die Weiterreise.
Straßburg, 28. Aug Die Eröffnung des Bezirkstages für Nieder-Elsaß, die hierselbft hcutc Vormittag 11 Uhr in dem Sitzungssaale des früheren Conseil general statlfand, nahm einen befriedigenden Verlauf. Von den 35 Mitgliedern deS Bezirkstagewaren 24 erschienen, welche sämmtlich den Eid leisteten. Somit ist der Bezirkstag beschlußfähig. Einige Stunden vorher hatten mehrere Heißsporne der französischen Partei, unter ihnen der napoleonische Kammerherr Zorn v. Bulach und die beiden abgesetzten Straßburger Adjuncten Hüber und Weyer, den Stier» uch gemacht, die Gesammtheit der BezirkSräthe oder doch ihre Mehrzahl zur Verweigerung deS Eides zu bestimmen, fielen ober damit glänzend durch. Von besonderem Interesse ist eS, daß die beiden anderen Straßburger Adjuncten, die Herren Thierarzt Jmlin und Prof. Gognel, den Eid geleistet haben, womit ie aus der Reihe unserer „Unversöhnlichen" geschie» »en sein dürften. Aus dem Ober-Elsaß (Colmar) legen noch keine Nachrichten über die Vorgänge bei Eröffnung des dortigen Bezirkstags vor, dagegen ha >en wir auS Metz vernommen, daß der Bezirkstag Ür Lothringen beschlußunfähig geblieben ist, da von
den die mannigfachsten Fragen beantwortet Nach der Rückkehr folgte die Besichtigung deS neuen Dampfers „Goethe", besten großartige Anlagen wir in vor. Nr. beschrieben. Nach erfolgtem Rundgang auf diesem Riesen «See-Gebäude vereinigte man sich in den Kajüten zu einem splendiden Frühstück, das die Dampfschifffahrts-Gesellschaft ihren Gästen gab.
Präsident Vecchioni brachte hier folgenden Toast an»: „Wir freuen uns, daß wir uns auf einem Schiffe befinden, das den Namen des Dichterkaisers führt, unter besten Aegide es fahren unb prosperiren wird. Möge der Geist Goethe's, Schiller's und aller Frei heitsdichter das Schiff begleiten und möge vor Allem der Geist desjenigen, dessen Hand in ben letzten Jahren so sichtbar über unS waltete, auch gnädig bas Schiff burch Wind und Wellen führen. Wir statten für ben liebevollen unb reichen Empfang unseren Dank ab, unb bringen unsere besten Wünsche unb unser Hoch bem Täufling „Goethe", seiner Direction, seinem Capitän, den Officieren und der Mannschaft."
Director Mooyer erwiberte denselben mit herzlichem Dank und einem Hoch auf die anwesenden Damen. Der burch bie fortgerückte Zeit nothwendige Abschied vom „Goethe" entsprach dem herzlichen Empfang und der lie benSwürdigen Lewirthung. Die gegenseitigen Hurrahs wollten kein Ende nehmen als die Gesellschaft mit ihren kleineren Flußdampfern dem Dampfer „Blanke nefe" zufuhr, der zur Elbfahrt bis Scdulau bestimmt war. Mit der freundlichsten Bereitwilligkett hatte bie Hamburg-Amerikanische - Packetfahrt - Actien Gesellschaft biefen schönen Flußdampfer zur Verfügung gestellt, auf bem ein Musikcorps bie eintreffenden Gaste begrüßte. Bei ben luftigen Weisen desselben wurde ein Tänzchen improvisirt und gar bald glich das Mitteldeck einem Tanzplatz, aus dem sich die munteren Damen mit den tanzlustigen Herren wiegten. Vorbei ging eS an dem lieblichen Oevelgönne, Flottbeck, Nien- städten, wo uns binnenländischen Gasten ad ocalos das Stranden eines Schiffes vorgeführt werden konnte, da dort der leider gescheiterte Seither Steamer „Pra-
gue" halb unter Wasser lag. Die aufposstrende „Thu ringia", wie schon vorher die auf dem „Cuxhaven' befindlichen Passagiere aus Amerika wurden mit Ju bei begrüßt. Hinter Schulau wendete daö Schiff und man fuhr bis Blankenese zurück, wo im Fährhause des Herrn Sagebiel ein weniger splendides als gutgemeintes Mittagsessen servirt war. Doch die allgemeine gute Laune und der Wein lösten auch hier die Zungen unb mancher Toast würzte das Mahl Gegen 6V2 Uhr brach bie Gesellschaft von ber Tafel aus unb gelangte, burch Bauers reizenden Park spazierend, am Mühlenberg wieder auf das Dampfschiff. Die Sonne senkte ihre letzten Strahlen in den schönen, breiten Fluß und rückte weiter über ben Ocean hinüber; zahlreiche Grüße, wollte es mich bebünfen, würben ihr aufgegeben an Verwandte und Freunde, beim ernst sinnend schaute ihr Mancher nach, doch die beiteten Klänge ber „blauen Donau", wenn auch auf ber Elbe, riefen Alle bald in bie Gegenwart zurück und rascher als man glaubte, war St. Pauli wieder erreicht. Beim Abschied vom. Schiff wurse ber Hamburg Amerikanischen Compagnie, dem Capitän Gräf- nitz und ter Mannschaft ein donnerndes Hoch gebracht. Bis gegen Mitternacht brachten die fremden unb einheimischen Gäste noch im frohen Cirkel auf dem Plateau des Wallfrieb'schen Lokals zu.
Damit mar das eigentlich officielle Programm des Journalistentages erschöpft. Wenn auch für den vierten Tag noch eine Besichtigung der großartigen unterirdischen Kanalanlagen Hamburgs in Aussicht gestellt war, eilte mit den Nachtzügen, voll fröhlicher Erinnerungen, doch bereits Mancher der Heimath wieder zu. Zu diesen gehörte der Schreiber dieser Zeilen nicht, aber auch nicht zu denen, die am andern Morgen eine Reise in die Unterwelt machten. Und er kann deshalb hierüber nur nach Hörensagen berichten. Nach einem Imbisse bei Mutzenbecher in St. Pauli trat die bereits sehr gelichtete Gesellschaft die Wanderung an. Der Eingang hinter Mutzenbechers Garten sollte nach der Versicherung der begleitenden Schacht
meister ein recht „bequemer" fein, eine Behauptung, welche ben Schreiber dieses, wie mehrere andere Herren, schreckensbleich machte. Achtzig Fuß tief ginge in ba« dunkle Erdreich hinunter auf einer immer feuchter unb schlüpfriger werbenden Wendeltreppe. Und unten erst! über Querbalken und Bretter führte der Weg, denn das durchsickernde Grundwasser hat dort ein stetes Wasserbeet von zwei unb mehr Fuß Tiefe und fünf Fuß Breite. War es da zu verwundern, baß der Eine ober Andere auSglitt und mit diesen Untiefen genauere Bekanntschaft machte? Leider ging eS auch einem so, richtig „reingefallen" war Dr. Jacobsohn von den Berliner „Jndustrieblättern" und wer bin Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, hieß eS da. Wenn nun auch die Andern so arg nicht meggefommen waren, so hatten sie doch eine langwierige Arbeit, bis bie Spuren dieser Reise an Hüten unb Kleidern verwischt waren.
' Manches war für diesen letzten Tag außerdem noch aufgehoben, unb mußten namentlich bie Stätten aufgesucht werben, wo die Journalisten Hamburgs ihre tägliche unb nächtliche Tätigkeit entfalten. Eine Verabschiedung nach ber andern erfolgte. Der Abend nahte — vom herzlichsten Tanke gegen Alle erfüllt, bie
zu biefen schönen und unvergeßlichen Tagen das Ihre
gethan, ging eS bem Bahnhöfe zu — noch ein herzliches Lebewohl! unb die Lokomotive sauste mit uns dahin, daß wir bem magisch beleuchteten Hafen kaum noch einen Blick zuwerfen konnten. Bis Hannover
wurde geplaudert, denn mit den Freunden Vecchioni auS
München, Lecher und Singer aus Wim wurde ein Coupe benutzt, doch hier trennten sich unsere Wege, jene wollten dem Vater Rhein ihre Aufwartung noch machen, während der Schreiber dieses in gerader südlicher Richtung seiny Tour fortsetzte und pünktlich
7 Uhr 40 Tritt in ber Heimath eintraf, und als er beten sanfte Thäler, stolze Berge und frische Wälder wieder begrüßte, da sagte er sich leise: und in Marburg ist's doch auch sehr schön!
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