jfr. 2VS Marburg, Sonntag, den 31. August. 1873.
OberhesMe Zeit»«-.
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Politische Wochen-Ueberficht.
Kaiser Wilhelm ist von Gastein, wo er seit dem 5 d. zur Nachcur verweilte und sich ausnehmend er frischt hat, Mittwoch abgereift und ist in Berlin am Freitag Abend eingetroffen, auch die Kaiserin ist dahin greift. Vor seiner Abreise nach Gastein spendete der Kaiser noch 500 fi. für die innere Einrichtung der Kirche und weitere 1000 fl. für die OrtSannen ic. Die preußische Regierung handhabt die Kirchen zejetze mit ruhiger Strenge; was sich nicht fügen M, wird gebrochen. DaS geistliche Seminar in Posen ist geschlossen, daS Convict in Münstereifel aufgelöst, dem Priesterfeminar in Köln brr Staatszw schuß entzogen worden. Aufsässige Priester, welche unter dem Vorwande, „Gott" mehr gehorchen zu wolle», alS den Menschen, dem Kaiser Weigern, was doch des Kaisers ist, werden vor Gericht gezogen und mit den gesetzlichen Strafen belegt, was den Bischof von Paderborn zu dem Weheruf über die Christenverfolgung veranlaßte, die schlimmer sei, als die diole tianische. — In Genf ist der vor 43 Jahren aus seinem Lande vertriebene Herzog Karl von Braunschweig gestorben und hat jene schweizerische Stadt, die ihm, feit er 1870 von Paris auSgewiesen Worben, daS letzte Asyl gewährt, zur Universalerbin eingesetzt. Sein Bruder, der jetzt regierende Herzog von Braun schweig, hat eine achtwöchetttliche Hoftrauer um ihn besohlen; auch die Höfe von Wien und Dresden glaubten ihm diese letzte Ehre erweisen zu müsse«. — In Leipzig haben am 25. d. widerwärtige Unruhen statt- gesunden, welche, da der Janhagel sich auch an dem Eigenthum vergriff, die ernstlichsten Maßregeln von Polizei und Militär nach sich zogen.
In Oesterreich herrscht noch fortwährender Mangel an politischem Nährstoff. Cardinal Rauscher
DeS Schicksals Fügung. b /
'■'Ttvj, yi Noelle von Ew. Aug. König. 1 " »•
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Nur EineS beunruhigte ihn, nämlich der Umstand, baß der Amerikaner noch nicht zurückgekehrt war; bereits feit einer Stunde wartete er auf ihn, entweder haue Jener den Bildhauer Hartwig nicht zu Haufe getroffen, oder ohne ihn feine Tochter schon gefunden. Da endlich, als feine Unruhe aufs Höchste gestiegen Bar vernahm er draußen den schwerfälligen Tritt des Schließers, gleich darauf öffnete dieser die Thüre, und Ritter trat in Begleitung feiner Mutter tn bte Zelle. Sieber vermuthend, die Beiden seien gekommen, ihm Borwürfe zu machen unb in ihn zu bringen, den Akt für ungiltig zu erklären, wollte mit Worten schneiden den Hohnes sie empfangen, doch erftarben ihm diese auf der Junge, als er seiner Gattin ins Auge blickte.
In ihren Zügen laß er deutlich, daß sein Schatz entdeckt und jetzt Alles für ihn verloren war, was ihn ans Leben fesselte. Diesem ebenso unerwarteten als harten Schlage konnten seine durch die kurz vorher- gegangenen Ereigniffe ohnehin erschütterten Nerven nicht widerstehen; ein Blick de« tödtlichsten Haffes traf die Beiden, welche an das Bett traten, dann sank der Geizhals lautlos auf sein Lager zurück.
„Er steht vor feinem Richter", hob Hermann leise au, als alle Versuche, den alten Mann ins Leben zurückzurufen, erfolglos blieben, „möge Gott nicht zu streng mit ihm ins Gericht gehen!"
„Er richtet gerecht!" versetzte die Mutter unbewegt. „Komm, wir haben hier nichts mehr zu suchen, im Leben hat dieser Mann sich nicht um UNS gekümmert, somit teilet kein Band unS an ihn."
Einsam und verlaffen blieb in der dumpfen Zelle die Leiche des Mannes, der fein Lebensglück der Habsucht geopfert hatte, die Haffd der Liebe schloß mcht seine gebrochenen Augen und Niemand gab ihm bW letzte Ehrengeleit. »
Ritter erstaunte höchlich, »IS er vernahm, welche Wendung die Dinge in der Familie Hartwig'S genom-
hat fein 50jährigeS Priesterjubiläum in stiller Zurückgezogenheit gefeiert. |£er kroatische Landtag nahm am 25. nach langer Unterbrechung seine Thätigkeit wieder auf unb hoffentlich wirb er dem Lande nun den Hinern Frieden bringen, der in Folge eines zu zähen Parteigetriebes gestört war. In Pesth wurde eine Landes Volksversammlung zur Lösung der Bank- frage abgehalten, wo Horn für Errichtung einer selbständigen ungarischen Bank sprach unb Simonyi von ber äußersten Linken eine Rede hielt, worin er gegen die „Räuber und Diebe" im Cabinet bornierte unb sogar bem König den Pact auffünbigte. Wie es heißt, wird Simonyi auf MajestätSbeleibigung in Anklagestand versetzt werden.
In der S ch w e i z hat der ultramontane Sturm gegen das Begräbnißgesetz in (Santon St. Gallen mit einer Niederlage des Bischofs geentert. Der anti-ultramon« tanen Erklärung von zehn katholischen Geistlichen beS FrickthaleS haben sich auch noch sieben deS Cantons Aargau angeschlossen. In Gens ist man mit teer Einheimsung der unerwarteten Erbschaft vom Ex-Herzog Karl von Braunschweig beschäftigt.
Von Rom kommt eine Nachricht, die, wenn sie sich bestätigt, auf eine eben so wichtige wie erfreuliche Wendung teer italienischen Politik hindeuten würbe. Victor Emanuel soll sich endlich entschloffen haben, die längst besprochene Reise nach Wien und Berlin auszuführen. Geschieht dies, dann kann Niemand mehr bezweifeln, baß bas Königreich Italien ganz klar und entschieben seine Stellung an ber Seite Deutsch lands gegen baß sich immer offener mit bem Jesuitis mus verbündenbe Frankreich genommen hat. Der Schritt Victor Ernanuel's wirb um so bedeutungsvoller fein, als ihn feine innere Neigung durchaus nicht nach Berlin geben heißt. Es ist vielmehr bet teringenbe unb allgemeine Wunsch der öffentlichen Meinung, ber Victor Emanuel diesmal, wie in so vielen anderen Dingen, zur rechten Zeit nackzugeben weiß.
In Frankreich wurde die politische Sommerruhe durch Träume von der Fusion gestört, die sich jedoch men hatten, doch erweckte diese Nachricht nicht den leisesten Verdacht in ihm, Pauline könne sich jetzt veranlaßt sehen, ihr Wort gegenüber dem armen Eisen gießet zu brechen, er vertraute zu sehr auf ihren edlen, festen Charakter, als daß er sie eines Tteubruchs und noch dazu and so niedrigen Gründen fähig halten konnte.
Der Vater deS Mädchens aber besaß Menschen kemttniß unb Erfahrung genug, um zu wissen, daß auch teer Anne ein edler, braver Mann sein konnte, er prüfte Hermann, ohne baß dieser es ahnte, unb als er fanb, baß er seine Tochter ihm ruhig anvertrauen bürste, gab er mit freudigem Herzen seinen Segen zu bem Bunde, in welchem sein Kind das höchste Lebensglück suchte und fanb.
Drei Jahre waren feit jenem, für die Familie Hartwig so verhängnißvollen Tage vergangen.
Der Wucherer war fchon längst vetgeffen, nur dann und wann, wenn Fra« Fama nicht hinreichend für Stoff zur Unterhaltung der ehrsamen Spießbürger gesorgt hatte, brachte der Eine ober Andere die Reve auf das unermeßliche Vermögen des Geizhalses, welches jetzt den Armen zu Gute kam. Hermann hatte da« selbe mit Zustimmung seiner Braut zur Hälfte dem Waifenhaufe, zur anderen Hälfte der Armenverwaltung übergeben, alle vorgefundenen Schuldscheine vernichtet und durch die Zeitung die sämmtlichen Schuldner des Verstorbenen all' ihrer Verpflichtungen gegen Kleber enthoben.
Das Rentamt der Stadt stellte später fest, daß der Vorrath an baarem Gelde einen Betrag von neun- zigtausend Thaler ergeben habe, nicht zu gedenken ber Summe, welche bie Schuldscheine nnv Werthpapiere repräfentirten. An ber Stelle, aus welcher früher daS düstere Hans des Geizhalses gestanden hatte, erhob sich jetzt eine große Gießerei, deren Eigenthümer Paul Hartwig und dessen Schwiegersohn waren.
Lohhausen wußte bas Vertrauen zu schätzen, welche« Hermann in ihn setzte; als Meister und Werkführer wat er stet« auf seinem Platze, und weder die Prinzi
in so fern al« man praktische Folgen erwartete, bald wieder wie schon so oft als Schäume erwiesen. Tie Unterwerfung de« wunderlichen Grasen von Pari« unter die Unfehlbarkeit des Homme principe in FrohSddrf hat diesen keineswegs zu einigen Conces- sionen an den Liberalismus, den er als eine Erfindung ber Hölle verabscheut, vermocht, ja, nicht einmal bie Trikolore will er zugestehen. Aber die Herstellung des „Hauses Bourbon" durch Heimkehr des verlorenen Sohnes der jüngeren Linie war auch noch keineswegs die Hebung aller Gegensätze zwischen Den absoluten und liberalen Monarchisten, und bie Regierung, ber bie Herstellung ber moralischen Ordnung als Brücke zur Herstellung deS Bourbonenthrone« aufrichtig am Herzen liegt, hat eine Schwenkung machen zu müssen geglaubt, um bet btohenben Zerbröckelung ber Majorität in ber National Versammlung zuvorzukommen. Die Fortsetzung des Proviso riumS burch die Majorität ber Kammer und die Verlängerung bet Vollmachten für Mac Mahon ist bas Ziel, das der Herzog von Broglie augenblicklich im Auge hat und bem seine jüngste Festrede bienen sollte, die er bei einer ganz unerheblichen Veranlassung wie vom Zaune brach.
Den spanischen Corte« liegt ein Gesetzentwurf vor, welcher für bie Regierung bie Ermächtigung zu außerordentlichen Maßregeln Behuf« Wahrung ber öffentlichen Orbnung, so wie bie Vertagung ber Kammer bis zum 15. October unb bie Ernennung eine« ftänbigen Ausschusses zur Lösung etwaiger Ministetkrisen verlangt. (Saftelar ist zum Präsidenten ber Corte« erwählt worden, unb hat in seiner Antrittsrede, obwohl er die Fahne b r bundesstaatlichen Republik schwang, doch die Nothwendigkeit der staatlichen Einheit anerkannt. Von 0cm Cantonalauistande bleibt al« der noch unbezwungene Kern Cartagena zurück. Die Nachrichten von bem carlistischen Kriegsschauplätze lauteten sehr wibersprechend; beibe Parteien wollen überall Siege baoongetragen haben.
Der Umbau beS englischen Cabinet« ist mit'
pale noch bie Arbeiter konnten über allzu große Nachsicht ober Strenge von seiner Seite Klage führen. In bem freunblichen, geräumigen Wohnhause aber, welches abseits in unmittelbarer Nähe ber Fabrik lag, warb bas Glück nicht müde, seine Gaben auszutheilen, Hartwig unb bessen Gattin, die trotz ihres hohen Alters sich einer kernigen Gesundheit erfreuten, wetteiferten mit einander, den kleinen, herzigen Urenkel zu verzärteln, und gar oft mußte die junge Mutter mit Strenge einfchreiten, um das wieder gut zu machen, wa« jene an dem kleinen Trotzkopie verdorben hatten.
Nur eine fehlte in bem glücklichen Familienkreise, die Mutter Hermann'«; seit einem Jahre ruhte sie unter bem Rasen; da« Scheiden war ihr leicht geworden, hatte sie doch ihren höchsten Wunsch erreicht, ihr Kind glücklich gesehen unb im Herzen desselben einen bleibenden Platz gewonnen. -
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Bo» Marburg Nach Hamburg.
(Schluß.) 'S'.: 1
! • Der dritte Tag unserer Anwesenheit in Hamburg war, wie bemerkt, dem Besuche der Quai-Anlagen, de« Hafen« und einer Elbsahrt gewitemrt. E« war diese« für nn« Binnenländer da« G>oßartigste. Ham- bürg selbst zeigte sich uns da als eigentliche W It« ftaet in de« Wortes vollster Bedeutung. Am Biook- thor sand die Versammlung unb Begrüßung durch den Secretär ber Hanbet«- unb SchaffahrtSteputation statt. Nach der Besia-tigung ber beb n große» Quai- Anlagen , be« Kaiser Quai unb bete Sandtdor Quai, erfolgte mittelst dreier Dampfboote eine Runds h t durch den Hafen, deffen Schiff- fast sämmttich festlich geflaggt hatten, ter Verk.chr ter zahllos,« kleine« unb großen F.h, zeuge, tie riesigen Tre master und Dampfer gaben ein imposant,« Bild von der Beeeutung der Schifffahrt und 0.6 Handels Hamburgs, ja mo« metkte, daß man hier dem We.thandel den Pul- fühlte. Die Besichtigung war eine eingehende, und mit der liebenswürdigsten Zuvorkommenheit wur-