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nvnmen, die beiden anderen Prinzen zur linken dessen. Es wurde nur eine stille Messe gelesen, die ungefähr 40 Minuten dauerte. Nach beendetem Gottes- dienste verweilten Vie Prinzen einen Augenblick vor ber Capelle. Der Prinz von Joinville sah etwas melancholisch aus: ob er daran dachte, daß der, für welchen der Gottesdienst Statt fand, auf schmähliche Weise von seinem Enkel desavoirt wurde? — Nach einer Correspondenz aus Verdun beginnen die Deut scheu bereits ihre Vorbereitungen zur Räumung dieser Stadt. Der erste Zug mit dem Kriegsmaterial sollte am 30. d. abgehen und dann ein weiterer Zug alle zwei Tage folgen. Die ganze Räumung soll am 8. oder 10. September beendet sein. — Die royalistischen Blätter benutzen alles Mögliche, um Herrn Thiers in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. So schreibt heute das Paris - Jornai: Wir erhalten Heute aus Caen ein Schreiben betreffs der Verhaftung des Herrn Rocher-Riperti des eigenen Neffen des Herrn Thiers und des Schwiegersohnes der kürzlich verstorbenen Frau Ripert, die z. Z. so viel Aussehen mit ihrem Hotel und ihrer Table d’öte machte, welche sie mit dm Worten ankündigte: »Geleit von Frau Ripert, geb. Thiers, Schwester des Präsidenten des Ministerrathes.« Herr Rocher ist ein ehemaliger Beamter der Westbahn. Er ist angeklagt, im Dienste dieser Compagnie sich Unregelmäßigkeiten haben zu Schulden kommen lassen. Die Summe, um die es sich handelt, beträgt nur 900 Fr. Ohne Zweifel wäre es dem Ex Präsidenten ein Leichtes gewesen, diese Sache, wie alles das, was an die Erbschaft seiner Schwester geknüpft ist, zu erlebten. Aber Jeder hat seine Art und Weise, die Ehre inner Familie anzufassen." — Auf eine beunruhigende Note, welche ein lcgitimistischcs Blatt gebracht, antwortet das „Pays": Der am. Vorabend des 24. Mai geschlossene Part solle noch picht gebrochen werden, ober die Sprache der Legitimisten werde als eine Warnung anzusehen sein; die Bonapartisten würden ßch mit den Republikanern verbünden, wem, diese aus ein Plebiscit cingehcn wollten. — Auf französischem Gebiete stehen jetzt nur noch 5000 Mann Deutsche. — Prinz Napoleon hat sich nach Livorno begeben. - Der „FranxaiS" sagt, Frankreich werde sich an bem (ohnehin aufgeschobenen) Berner Postcongresse sicht betheiligen, weil eS wegen seiner finanziellen Lage daS Programm, welches dort berathcn werden soll, nicht annehmen könne. — Graf Saint Ballier 'st gestern in Verdun angekommen. — Dem „Ordre" Molge hat Guizot an Chambord ein Schreiben gesichtet, worin er, sich auf Berryer stützend, versucht, ihn zur Bewilligung der constitutionellen Concessionen tu bestimmen. — Der Proceh gegen Ranc beginnt »m 15. September.
Lyon, 26. Aug. Hier tagt gegenwärtig die seit bem Kriege entstandene Gesellschaft zur Förderung des Wiffens unter dem Präsidium deS famosen Herrn Guatrefage«. Dem Pariser „UnivcrS" ist diese Gesellschaft sammt ihrer Devise: „Wissenschaft und Vater i»nd", ein Dorn im Auge und eS macht seinen Miß siuth in einem Artikel von drittehalb Spalten gründ- stch Luft. Dem Organ des Herrn Louis Veuillot scheint es gar nicht recht zu sein, daß Hr. DucroS solche Leute, welche durch Herrn Barodet und die -Groleokraiie" eingelnben wurden, in Lyons Mauern ?icht nur duldet, sondern sogar der Eröffnungssitzung '*n Ehrensaale des Stadthauses beigewohnt und end- stch gar dem Congreß zur Abhaltung seiner Scctions- sthungen das Palais Saint - Pierre eingerHimt hat.
Thatsache vor, daß als ber Congreß, an dem, horri- bile dictu, auch der Genfer Carl Vogt theilnimmt, in der benachbarten Ortschaft Salutrv Ausgrabungen
Anfrage.
Warum bezahlen die 8 Familien vor bem Renthöfer Thore alle städtischen Steuern, Umlagen, Abgaben rc., wenn sie nicht einmal im Falle eines nächtlichen Unglücks, wie der gestrige Brand, Straßenbeleuchtung und Waffer haben, obgleich di« städtischen Waffer- und Gasröhren neben ihren Häusern herlaufen? [1996
seine Feinde erweisen könnten. Wir kennen keinen anderen europäischen Staat, wo man erhabene Ziele mit so viel Verstand und Geschicklichkeit verfolgt, wie in Deutschland."
Paris, 26. Aug. Heule fand in der St. Ferdinants-Capelle ein Trauergottesdienst für Louis Philippe Statt, zu dem sich im Ganzen nur dreißig Personen emgesunden hatten, darunter keine einizige legitimistische Notabilität. Von den Prinzen von Orleans waren zugegen der Herzog von Chartres (Bruder des Grafen von Paris) mit seiner Frau, der Prinz von Joinville und sein jüngster Bruder der Herzog von Moni penfter. Der Herzog von Chartres und seine Frau
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contumaciam zu 200 Thaler Strafe verunheilt.
Leipzig, 27. Aug. Der Stadt - Commandant macht durch Anschlag an den Straßenecken bekannt, daß, wenn das Militär in Folge von neuen Ruhe- stöiungen wieder einschreiten müsse, der volle Gebrauch der Waffen eintreten werde-und fordert die gesetzlich gesinnten Einwohner auf, den Schauplätzen der Ruhestörungen fernzubleiben.. Rath und Polizeiamt Leipzigs verbieten, hierauf bezugnehmend, bei Vermeidung der Arretirung mit Eintritt dek Dunkelheit das Zusammengehen und -stehen von mehr als 3 Personen auf bem AugustuSplatz, Roßplatz, Königsplatz unb den angren- zenben Theilen ber Promenade. Tanz- und Schank localitäten sind bei Vermeidung sofortiger Schließung und Geldstrafen ohne Ausnahme um 11 Uhr Abends zu schließen. Der Staatsanwalt macht bekannt, daß beiden verübten GewaltthätigkeiieirWasche, Kleidungs stücke und andere Werthgegenstände im Werthe von 1100 Thlr. geraubt wurden.
Stuttgart, 27. Aug. Gestern fand in Friedrichshafen die Trauung, des Erbgroßherzogs von Weimar mit Prinzessin Pauline von Reimar, Nickte des Königs, im Beisein zahlreicher fürstlicher Gäste statt. Der Einzug in Weimar erfolgt am 6 September.
Telegraphische Depesche« vier Over» hessische« Zeitung.
Fulda, 28. Aug. Bischof Kött würbe wegen Anstellung von Geistlichen ohne Staats Genehmigung heute vom Kreisgerickt nach §. 22 des Kirchengesetzes zu 400 Thaler Geldbuße, subsidiär 3 'Monate Ge- fängniß verurlheilt.
Frantfurl a. M., 28 August. täcbiuä-Goutie). Staatsbahn- Actien 354J, Elisabeld 231, Galizier 232, Lombarden 190, Aordweftbabn.217, Creditartien 252J, Silberrente 66J, Papierrente —, 1860r Losse 92^, Nalivnal- bant 1022, Spanier 17j, ''1882t Amerikaner —. Matt. Berlin, 28. August. (Anfangscourse). Creditactie» 143, Staatsbabn 202, Lombarden 109, Ameril. —. . -------—v-jZ-ü U-------:-----/Ulfe,-------. • 8 » i Karl Wilhelm f. .'v
Am 26. August, Nachmittags 3/<3 Uhr, ist zu Schmalkalden im Hotel zur Krone -her lebensmüde Tondichter Karl Wilhelm, dem das deutsche Volk die schwungvolle Weise zu Max Schneckenburger's „Wacht am Rhein" verdankt, zur letzten Ruhe eingegangen. Das Vaterland wird ihm ein treues Andenken bewahren , denn sein waren die Klänge, unter denen unsere Krieger zum Rhein und darüber hinaus in die blutige Feldschlacht zogen; fei« war der Ruhm, Tausende, Hunderttausende mii ermuthigt, angeseuerl, begeistert und noch im Tode getröstet zu haben. Unauflöslich verstockten mit der Geschichte des Jahres 1870 bleibe sein Name. Karl Wilhelm wurde am 5. September 1815 in Schmalkalden geboren, erhielt schon früh- zeidg von seinem Vater, der Organist war, den ersten Unterricht in ber Musik Nachdem er in Kassel und Frankfurt a. M. seine musikalischen Studien fortgesetzt, nahm er 1840 seinen Wohnsitz in Crefeld als Dirigent der dortigen Liedertasel. Hier war es, wo er am 11. Juli 1854 in einem großen Concert zur Feier der silbernen Hochzeit deS jetzigen Kaisers Wilhelm und der Kaiserin Augusta die von ihm compo nirte „Wacht am Rhein" von 100 Sängern zum ersten Mal aufführen ließ, wogegen ein Mitglied ber Liedertafel, daö den Zorn t«s damals im Krimkriege siegreichen Napoleon fürchtete, förmlich Verwahrung einlegte, weil eine solche Kundgebung eine höchst gefährliche Verwegenheit sei. Aber noch in demselben Jahre am 6. Juli ließ sich ber Prinz von Preußen (jetzige Kaiser Wilhelm) in Elberfeld vorn Männerquartett ber Gebrüder Steinhaus das Lied vortragen, das 16 Jahre später seine gegen Frankreich marschiren- den Heere zum Siege geleiten sollte. Wie es im Jahre 1870, nachdem es eigentlich nur i« den engeren Kreisen ber Gesangvereine fortgelebt hatte, urplötzlich beim ersten Schmettern der Kriegstrompete mit auf- sprang, mit zum allgemeinen Heerbann ward und aus aßen, deutschen Gauen dem begeisterten Volke in Waffen „Wie Donnerhall, wie Schwertgeklirr und Wogenprall" voraufzog, das ist noch in unser Aller Erinnerung frisch und lebendig. Im Jahre 1865 war ber zum kgl. Musikdirector ernannte Componist, durch zunehmende Kränklichkeit genöthigl, von Crefeld in seine Vaterstadt Schmalkalden zurückzukehren und dort hat er seine letzten Lebensjahre in stiller Zurückgezogenheit zugebracht. Das neue Deutsche Reich setzte ihm durch den Reichskanzler eine Jahrespension aus, der Kaiser ehrte ihn durch ein Ordenszeichen, die Kaiserin durch eine ihm eigens gewidmete goldene Denkmünze, die deutschen Gesangvereine durch eine besondere Wilhelmsstistung. Im Andenken des deuischen Volkes wird er unvergessen bleiben. [Ausführliches über ihn hat die bei Franz Lipperheide in Berlin erschienene Schrift „Die Wacht am Rhein" miigetheili, welcher auck sein wohlgelroffenes Bildniß und das Faesimilie seiner Tondichtung beigefügt sind.)
an 8tz verstanden, so viele Beweise von Mäßigung und Weis- Occu-Heit zu geben — sagte das italienische Blatt — wie Straß Has deutsche Volk. Man kann es deshalb anderen allch Völkern als Muster vorstellen. Die großartigen Siege, Han« welche es in zwei kurz aufeinander folgenden Kriegen davongetragen, die Macht, welche es dabei entwickelt |e" et und das Ansehen, das es dadurch erlangt, haben Vitt, Deutschland nicht verblendet, eS nicht übermüthig ge- Epniti macht, daß eS daran dächte, nun Europa Gesetze vor- r M zuschreiben und sich nicht mehr so sehr um die Freund i. schäft anderer Mächte zu bewerben. Rein, es ist ganz heut im Gegentheil jetzt gerade erst recht darauf bedacht,
sich immer mehr Freunde zu erwerben und dm Haß t zw« derer zu entwaffnen, die sich vielleicht in Zukunft als
Am bedenklichsten aber kommt dem „Univers" bie| Pofe», 28. Aug. Erzbischof LedochowSki wurde rr-----=- -- - *■—' wegen ungesetzlicher Anstellung von Geistlichen in
veranstaltete und dabei ein antediluvianisches Menschengerippe zu Tage förderte, der OrtSgeistliche diesem frevelhaften Beginnen beiwohnte. Allerdings ein schauerliches Verbrechen in den Augen des ultramontanen Ariikelschreibers, der gegen den Schluß seiner Polemik sich sogar zu dem Satze versteigt: „Ich Halle alle Gelehrten, mögen ste noch so ehrenwerth und wissen- schaftlich gebildet sein, für Esel, sobald sie dem Text der Genesis widersprechen."
Madrid, 26. Aug. General Santa Pau ging nach dem Gefecht bei DiScastillo auf Sesma zurück, weil sich die Carlisten in einer Stärke von 12,000 Mann concenhirten. Der General erwartet Ver stärkungcn. — Die ausländische Post wird jetzt über Santander befördert. — Das Fort Stella ist von den Carlisten genommen worden. Die Einnahme desselben wird von der Regierung als unwichtig betrachtet, da Stella nur eine befestigte Kaserne mit 150 Mann Garnison ist. General Sanchez Bregna rückt in Eilmärschen an, um in Gemeinschaft mit Santa Pau das Fort wiederzunehmen.
Loudon, 25. Aug. Das Ereigniß, welches seit Sonnabend Nachmittag die allgemeine Aufmerksamkeit in erster Linie fesselt, ist ein neues Eisenbahnunglück. Wir sind zwar in letzter Zeit so reichlich mit Eisenbahnunfällen gesegnet gewesen, daß das Interesse sich vielleicht hätte abstumpfen sollen. Allein die Eisen bahnverwaltungen sinnen vorsorglichst auf Abwechselung und bringen von Zeit zu Zeit neue Factoren in's Spiel, die das Publikum um so mehr anregen, als die Vermeidlichkeit sich jedesmal zur höheren Potenz steigert. Dem räihselhaften Unfall bei Wigan ist ein fast ebenso mörderischer bei Retsord gefolgt, der sich offenbar durch die gewöhnlichste Vorsicht hätte verhüten lassen. Bei jener Station kreuzen sich zwei Bahnen, die Great Northern unb bie Manchester, Sheffield unb Lincoln. Anstatt, Wiedas bei Kreuzungen gewöhnlich ist, sich durch eine Brücke ober einen Tunnel aus bem Wege zu gehen, liegen bie Geleise aus einem Niveau. Ein wahres Wunder ist, daß nicht früher ein ähnlicher Zusammenstoß vorgefallen ist, wie am Sonnabend. Die Blechbüchsen-Fabrikanten Grayson, Lowvod & Co. zu Deepear gaben 300 ihrer Arbeiter das alljährliche Fest, welches, wie Üblich, die Gestalt einer Ex«nsion annahm. Während der Excurstonszug die Station Retford kreuzte kam von Doncaster ein Zug mit Fischen dahergefahren, wie es scheint in un vorschriftsmäßig raschem Tempo. Der Fischzug fuhr effectiv durch den anderen durch, zertrümmerte dabei einen Wagen ganz und gar, während die nachfolgen den theilweise an ihm zerschellten. Entgleist rannte der Fischzug ein SignalhauS nieder, aus welchem sich der Signalwärter nur dadurch rettete, daß er ans bem Fenster sprang und sich, an die Telegraphenbrähte festhielt. Die Beschädigungen der Exeursionspassagiere sind zahlreich. Am Sonnabend hieß es, zwanzig bis dreißig seien tobt. Bis jetzt sind jeboch nur fünf tobt gemelbet, währenb gegen vierzig mehr ober we nigcr beschädigt sind. Die Entrüstung über die Mißwirtschaft der betrefpnben Bahnen, welche, um die Kosten einer Brücke zu schonen, Hunderte von Men schenleben auf'S Spiel gesetzt haben, ist sehr groß
Newyork, 27. Aug. In Belfast (Staat Maine) hat eine große Feuersbrunst stattgesunden; der durch dieselbe verursachte Schaden wirb auf eine Million Dollars geschätzt
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Marburg, 28. Aug. Gestern Abend entlabete sich über unserer Stadt ein Gewitter, das an Heftigkeit bie zahlreichen Gewitter dieses Jahres übertraf. In das Wohnhaus bes so gen. „Bunten Kitzels" in unmittelbarer Nähe des Schlosses schlug der Blitz und zündete einen Dachsparren; da ber Boden mit Stroh unb Fourage gefüllt war, fand das Feuer hinreichende Nahrung. Obgleich Hülse rechtzeitig vorhanden war, mußte wegen Wassermangels' das Gebäude niedergeriffen werden. Auch der angebaute Saal, das allbekannte „Pauklokal", ist theils nieder- gebrannt, iheils niedergerissen, so daß daS Ganze heute einen Trümmerhaufen bildet. — In die Kaserne de« Jägerbataillons schlug ebenfalls ein Blitzstrahl, hier war eS zum Glück ein so gen. kalter. DaS Ge Witter war von einem sehr heftigen Regen und starken Schlossenfall begleitet.