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Marburg, Freitag, den 29. August.

Mr. 203

1873.

Oterhessische Zeitung

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W - In einem LeitartikelDas Siegesdenkmal« schließt,

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Das Schicksal arbeitete mir vor. Ich war Mit ßiied einer Gesellschaft, welche, ohne daß ich eS wußte,

Mitgegangen, mitgehangen!« an mir selbst erfahren haben Meine Frau war inzwischen mit e)nem Mäd- chen niedergekommen und fast in derselben Stunde, in welcher jene Warnung mich erreichte, gab ich der Mutter meines Kindes das letzte Geleit. Glaubte ich auch alle Liebe zu ihr in meinem Herzen erloschen, jetzt erst fühlte ich, wie lieb ich sie gehabt hatte, wie weh mir die Trennung von ihr that. Und doch konnte ich dem Himmel nur danken, daß er sie von meinet Seite genommen und ihr die Schmach erspart hatte, der sie unfehlbar anheim gefallen wäre. Noch in der­selben Nacht reiste ich, nachdem ich meiner Schwieger­mutter mit dürren Worten erklärt hatte, daß ich ferner nichts mehr mit ihr gemein haben wolle, mit meinem Kinde ab und kam unangefochtm am Abmd des nächsten Tages in dieser Stadt an. So ungern ich mich auch von dem Kinde trennte, sah ich mich doch dazu gezwungen, wenn ich das Leben desselben nicht aus's Spiel setzen wollte; das z«te Geschöpf bedurfte weiblicher Pflege, ich konnte die Mutter ihm nicht ersetzen, und vor dem Gedanken, es durch den Tod cerlieren zu können, zitternd, beschloß ich ohne Säumen, mich von dem Theuersten, was ich auf Erden noch besaß, zu trennen. Nach Mitternacht legte ich das schlafende Kind in einen Korb und setzte diesen auf die Schwelle eines hohm, ansehnlichen Hause«, dessen Bewohner ich durch heftiges Schellen weckte. Wie ich erst später erfuhr, war eS das HauS Klebers; mich weilet nach ihm zu erkundigen, dazu blieb mir keine Zeit, denn in der ersten Minute schon konnten die Verfolger mich erreichen. Ich reiste bei Tagesanbruch wieder ab und kam glücklich in Hamburg an, wo ich sogleich mich nach Amerika einschiffte. Zwei Jahre lang arbeitete ich dort im Tagelohn, bald benutzte man meine Dienste zum Reinigen der Gassen, bald cerbiente ich als Lastträger meinen kärglichen Unter­halt, bis es mir endlich gelang, Schreibet in dem Bureau eines großen Geschäftshauses zu werden. Bald hatte ich das Vertrauen meines Prinzipals ge wonnen, ich rieth ihm zu gewagten, lockenden Specu lationen, sie fielen nach Wunsch aus, und schon nach Ablauf der ersten paar Jahre war ich in dem Geschäft

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. sexcl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

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DeS Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

(Fortsetzung.)

Nühe, mir den Verdacht, den ich bereits hegte, aus itteben. Je mehr er mir aber zusprach, desto zäher Ndt ich an den quälenden Gedanken fest, die mir am Flage bie Rübe und Nachts den Schlaf raubten. Ha, eines Abends, wart mir die volle traurige Ge- Goißheit von der Untreue meines Weibes, zu spät sah

sch ein, daß ich einer thörichten Leidenschaft mein IMzes LebenSglück geopfert hatte. Rme, Schmerz »nb Wuth kämpften in meinem Herzen, und der Gram lrvz den Sieg davon. Ich schwieg; das Kind, welches llnna unterm Herzen trug, war mein eigenes^ femet ^egen bezwang ich mich. Niemand erfuhr bie Schande »emer Frau, ich verschloß baS Geheimniß in meiner Stuft unb traf meine Vorbereitungen. Mein Plan ®at, sofort nach der Geburt deS KindeS dieses von kr Seite der Mutter zu nehmen, eS einer Familie in Pflege zu geben und dann über den Ocean zu fliehen, um dort unter fremdem Namen ein neues Leben zu

Bestellungen

-eptember werden von allen Postanftalten ange- uemmen. Auf dem Lande nehmen anch die Land- ^ftboten Bestellungen entgegen. ________

Anfangs kämpfte ich gegen sie an, dann gefiel tch mir darin, all' den Folgen nachzusinnen, welche ein« treten könnten, wenn Euere Warnungen mehr als leere Sorte gewesen wären, und schließlich gelangte ich dazu, baß ich mich ganz mit ihnen vertraut machte. Von B7j bikjem Augenblick an uar's mit meiner Ruhe vorbei, die glühendste Eifersucht verzehrte mich, mißtrauisch ' überwachte ich alle Schritte meiner Gattin, ängstlich - luchte ich in den Augen eines Jeden, der mein Haus besuchte, den wahren Grund seines Kommens zu er- ' latschen, und bald w«k ich selbst mir zur Qual. Mein i Keiftet war ein erfahrener, wohlwollender Mann, er «kannte den Grund meiner Verstimmung und gab sich

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Berlin, 28. Ang. Die heutigeProv.-Corresp.« meldet: Unser Kaiser hat seine Badekur in Gastein unter besonders günstiger Witterung zu Ende geführt unb ist von den Erfolgen derselben in hohem Grade befriedigt. Rach den bisherigen Anordnungen wollte Se. Majestät am 27. d. M. die Rückreise antreten, i tun am 29. Abends in Berlin eingutreffen. Nach der

izelu lnwesenheit der maßgebenden Persönlichkeiten dazu n ji enntzt werden wird, um die nächsten Ausgaben der 198' Regierung sowohl für das Reich wie für die preutzi- che Monarchie in Berathung zu nehmen. In erster Ünie wird während des Hierseins des Reichskanzlers,

dieProv. - Corresp.« an den großen Krieg von 1870/71 anknüpfend: So trägt denn das Denkmal nach dieser letzten großen Bestimmung nicht blos eine versöhnende, sondern auch eine gemeinsam erhebende Bedeutung für alle deutschen Herzen in sich, und wenn die Rücksicht auf die frühere Bestimmung des Monuments eS verbot, ganz Deutschland zur unmib tetbaren Betheiligung an der Feier einzuladen, so wird doch der Sinn und Geist, in welchem nach Gottes wunderbaren Fügungen das Fest jetzt begangen werben kann, überall in Deutschland lebhaft mit empfunden werden. Wir Preußen aber wollen den Tag eben darum doppelt freudig begehen!

Die Conferenz zur Berathung der ländlichen. Arbeiterverhältnisse hat in jüngster Zeit keine Sitzung gehalten, doch ist ein von der Versammlung ernannter Ausschuß in Thätigkeit, um die aus den Verhand­lungen gewonnenen Ergebnisse zusammenzustellen und die dem Staatsministerium zu unterbreitenden Anträge zu entwerfen. Nach Vollendung dieser Arbeiten wird bie Conferenz voraussichtlich zu einer Schlußsitzung zufammentreten, um die Vorschläge des Ausschusses und einige noch unerledigte Punkte in Erwägung zu nehmen. Die Conserenz im CultuSministerium, welche am 18. d. M. zusammen getreten war, um über bie Angelegenheiten des höheren und mittleren Mäd- chenschulwesenS zu berathen, hat am Sonnabend, den 23 d. M., ihre Verhandlungen zum Abschluß gebracht. Die Berathungen, welche zu einem Weinungsaus tausch nach den verschiedensten Richtungen Gelegenheit boten, haben in allen wesentlichen Punkten zu Er­gebnissen geführt, die sich für eine zeitgemäße Ent Wickelung deS Mädchenschulwesens fruchtbar machen lassen werden. (Pr. Corr.)

Wolfenbüttel, 25. Aug. Wie dieM. Z.« erfährt, ist der Präsident des Obergerichts, Trieps (einer der Kuratoren deS weil. Herzogs Karl), von einem in Hannover wohnenden Miteurator interpellirt

der nach dem Fest sich noch auf mehrere Monate nach dem Lauenburgischen begeben wird, die Frage wegen der Reichstagssession zur Erledigung gebracht werden

Grundsteinlegung zur Cadettenanstalt in Lichterfelde egp (1. September) und der Enthüllung deS SiegeSdenk Thlc mals (2. September) gedenkt der Monarch nach Wei ;;_j «ar zur Begrüßung de» erbgroßherzoglichen Ehepaars t all zu gehen. Dann wird derselbe Truppenübungen in Apo der Umgebung von Berlin und in den Provinzen ab 170! nehmen und sich gegen Ende des Monats nach Baden- ----Baben begeben, lieber den beabsichtigten Besuch in Ai Wien, welcher voraussichtlich von Baden aus im Mo -7 nat October erfolgen dürfte, ist bis jetzt noch keine ÄUi nähere Bestimmung getroffen. Einer andern offi feri ciöfen Nachricht entnehmen wir, daß sämmtliche Mi nister mit Ausnahme des Fürsten BiSmarck, welcher pi. erst am Montag (1. September) eintreffen wirb, gegen Snbe der Woche wieder in Berlin versammelt sein sm »erben. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß die

7^ Geheimen den Sturz des regierenden Fürsten be iweckte; ein Spion verrieth das Complot, die Liste

-41 Mitglieder fiel in die Hände der Polizei, und h^lMttt einer meiner Freunde mich nicht rechtzeitig ge petnt, würde ich die Wahrheit des Sprichworts:

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worden wegen der Schritte, die event. das Curatorium bezüglich der Nachlassenschaft ihres Curanden zu thun habe. Danach soll Herr TriepS beim herzoglichen Staatsmiiiisterium in dieser Angelegenheit vorstellig geworden sein. Ueber eine eingegangene Nachricht ver­lautet noch nichts.

Eisenach, 25. Aug Zu dem gestern begonne­nen Congreß der socialdemokratischen Arbeiter-Partei, hatten sich bis gestern Mittag 68 Delegirte als Theil- nehmer angemeldet; dieselben vertreten zusammen 8360' Mitglieder in 108 verschiedenen Orten Deutschlands. Die Mitglieder der deutschen Arbeiter-Vereine sind in dieser Zahl einbegriffen. Sachsen ist durch 39 Orte Bayern durch 13, Thüringen durch 9, Rheinland unb? Westfalen durch 9, Schlesien durch 2, die Lausitz' durch 2, Schleswig Holstein durch 5, Hannover durch 2, das übrige Preußen durch 7, Baden durch 2, Hes­sen durch 5, Braunschweig durch 3, Dessau durch 3, Württemberg durch 5 und die freien Städte durch 4 Orte vertreten. Die Verhandlungen werben von zwei höheren Polizeibeamten überwacht. ES geschieht bieS in Folge Mangels eines Vereinsgesetzes auf Veran­lassung deS großherzoglich weimarischen Ministeriums. Leipzig ist, wie bie Berichte ausdrücklich hervorheben, nicht vertreten, weil ber bortige Polizeibirector Röder eine derartige Uebertretung seines bekannten Erlasses mit 4 Wochen Gefängniß zu ahnden bereit fei. Der in Leipzig erscheinendeVolksstaat« hat deshalb einen in Gaschwitz bei Leipzig Heimathberechtigten als Ver­treter hierher geschickt. In den Verhandlungen der Vorversammlung hat es vielen ber Mitglieder an der nöthigen Ruhe und Selbstbeherrschung" gefehlt, oder es ist mit anderen Worten stürmisch hergegangen, doch soll der Vorsitzende, Geib aus Hamburg, wie auch sein Stellvertreter, Motteler aus Crimmitschau, der Stellung eines Vorsitzenden gewachsen sein, wes­halb die sog.Congreßmörder« anfangenstiller zu werben". Dem Bericht beS Ausschusses zufolge sind unentbehrlich. Trotzdem ließ man mich bei jeder Ge­legenheit fühlen, baß ich nur ein bezahlter Diener war; baS wurmte mich, ich trat aus und grünbete ein eigenes Geschäft. Die Kenntniß, welche ich mit hn Pelzhandel erworben hatte, kam mir trefflich zu statten, der Gedanke an mein Kind, der Wunsch, ihm eine glückliche Zukunft zu verschaffen, spornte mich an unb, Dank meiner unermüdlichen Thätigkeit, brachte ich'S int Lause ber Zeit so weit, baß ich nicht nöthig hatte, mir länger bie Erfüllung meines liebsten Wunsches zu versagen. Dem Manne, welchem ich berzeit mein Kinb übergab, schickte ich Anweisungen auf ein hiesiges Bankhaus, mit bem ich in Verdinbung stand, er erhob bie Summen, somit mußte ich annehmen, daß mein Kinb lebte. Aber auch Euch hatte ich nicht vergeffen, ich gebaute Eurer täglich unb auf ber Rückreise zur Heimath malte ich mir oft die Freude des Wieder­sehens und unserer Aussöhnung au6. In meiner Vaterstadt angenommen, machte ich mich sofort auf den Weg zum Elternhause; ich sand eS wieder, vor meinen Augen lag eS, wie ich es vor zwanzig Jahren verließ, aber die, welche ich in feinen Räumen suchte, fand ich nicht, fremde Menschen hausten in ihnen, Menschen, bie nicht wußten, wer vor zwanzig Jahren dieses HauS bewohnt hatte, bie sich nicht entsinnen konnten, je un­seren Namen gehört zu haben. Ich ging zur Polizei, auch bort konnte man mir keine Auskunft über bie Ellern geben, sie seien schon längst in bie weite Welt gegangen unb verschollen, hieß eS, baS Beste werde sein, durch Zeitungsannoncen ihren Aufenthaltsort zu erforschen. Meine Freude war um ein Bedeutendes gesunken, aber die Hoffnung, Euch wiederzufinden, gab ich dennoch nicht auf. Ich beschloß nun, vor Allem mein Kind aufzusuchen und mich bann ganz ber Nach­forschung zu widmen. Augenblicklich reifte ich ab, unb denkt Euch mein Entsetzen, als ich hier von Kleber vernahm, das Kind sei schon im zweiten Jahre seines Lebens gestorben! Hätte ich nicht gewußt, daß ich vor einem durchtriebenen Schurken stand, ich würde dem Manne vielleicht geglaubt und die Stadt sofort wieder verlassen haben, aber ich war gewarnt. Ich verlangte Beweise und unter diesen vor Allem den Todtenschein