Marburg, Mittwoch, den 27. August.
Nr. 201
1873.
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und ich unterzeichne den SchenkungSact nur unter der »usdrücklichen Bedingung, daß derselbe null und nich- iig ist, sobald Einer von Euch als Ankläger gegen "eich austritt, oder einen Dritten bewegt, das zu
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ganzen Auftreten der Frau kund gab, ließen den Wu cherer erkennen, daß er 'üuf Schonung nicht rechnen durfte.
Daß feine Frau die Mittel befaß, ihre Drohung »ahr zu machen und daß, wenn diese Anklagen dem Gericht-Hofe eingereicht wurden, er unfehlbar verur- theilt werden mußte, daran konnte er nicht mehr zwei, fein, und ohne eine lange Bedenkzeit zu bedürfen, faßte er dm Entschluß, auf die Forderung feiner Gattin einzugehen. Er vertraute darauf, seine Schätze so sicher versteckt zu haben, daß eine Entdeckung derselbm aut dann möglich sei, wenn da- Hau- nievergerisien Würde, und diese- Vertrauen erleichterte ihm -den schweren Schritt.
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Deutsches «eich.
•• Berlin, 25. August. Nach den Meldungen, welche die TageSblätter jetzt in großer Zahl bringen, Knn kein Zweifel mehr auskommen, daß der 2. September al- Nationalfest- und Gedenktag allgemein eingeführt werden wird. Auch in den bedeutendsten Städten Dmtschland- verkennt man nicht, daß in dieser nationalen Angelegenheit alle besonderen Wünsche und Rücksichten sich der einmal gegebenen that- iächlichen Führung unterordnen müssen. Die Rücksicht auf Einigung muß hier mehr als in irgend einer nationalen Angelegenheit den Ausschlag geben; ist in der Wahl deS TageS die Einigung unbedingt wün- schenSwerth und nölhig, fo bleibt ja dagegen für die ilrt der Ausführung deS Festes der Mannigfaltigkeit ein um so weiteres Feld. — Unser Kaiser wird nach den neuesten Bestimmungen am Freitag Abend in Berlin eintreffen; auch die Minister dürften wohl vollzählig versammelt sein und diese Gelegenheit benutzen, um die dringendsten Geschäfte zur Erledigung zu bringen. Die Bestimmung der Zeit zur Einberu. jung des Reichstages harrt wohl zunächst der Erle digung; was bisher in der Presse darüber mitgetheilt wurde, hat keinen Anspruch auf Beachtung, sondern beruht nur aus Combinationen der früheren Intentionen. — Es ist bekannt worden, daß namentlich die Agenten englischer Dampferlinien durch Vorspiegelungen über glänzende Aussichten für Bauhandwerker in Boston in Nordamerika das Auswande rungsgeschäft in Flor zu bringen suchen. In Folge der Feuersbrunst soll nach den Versprechungen dieser Schwindler der Tagelohn für Bauhandwerker, na mentlich Maurer und Zimmerleute, 5 bis 6 Dollars täglich betragen. Durch Circularerlaß der Herren Minister deS Innern und des Handels werden die be treffenden Behörden veranlaßt, das Publikum vor diesem Schwindel zu warnen. — An der in Wien tagenden Cholera-Commission werden als Vertreter Deutschlands und Preußms ein Rath auS dem Reichskanzleramt und dem Cultusministerium theilnehmen.
— Nach der „D. R. - C." liegt es nun auch in der Absicht der Behörden, die österreichischen Viertel- gulbenstücke, welche jetzt sehr zahlreich an Stelle der Fünfsilbergroschenstücke in Deutschland coursiren, aus dem Verkehr zu beseitigen. Auf Anregung der Reichs ngierung wird zunächst in den einzelnen Staaten ein Berbot der Annahme dieser Münzsorten bei den Staats
DeS Schicksals Füg««-. /.'r) Novelle von Ew. Aug. König.
(Fortsetzung./ ..
Ton in welchem diese Worte gesprochen wie die Entschiedenheit, welche sich in dem
kasien erfolgen. ES ist diese Maßregel nur eine Cou- sequenz des früheren Verbots der Annahme der öfter reichischen Doppelgulden- und Guldenstücke. Auf die Frage, ob cs sich empfehle, ein Verbot für die An «ahme der österreichischen Silbermünzen zu erlassen, sind bereits Rückäußerungen einzelner Staatsregie rungen eingetroffen, welche sich namentlich mit Rück sicht darauf, daß diese Münze jetzt zu einem Specu latiouSartikel geworden ist, deren Werth willkürlich von der Meinung der Börse abhängt, sowie endlich, daß dadurch eine Schädigung namentlich der ärmeren BolkSklassen herbeigeführt wird, sich für ein gänzliches Verbot dieser Münze innerhalb deS gewerblichen Verkehrs des deutschen Reiches aussprechen. 1
— Der Entwurf der Strafprozeßordnung nebst Motiven, welche einen ansehnlichen Band ausmachen, ist jetzt auch im Druck vollständig beendet und an den Bundesrath abgeliefert worden. Das Referat übernimmt bekanntlich der würtembergische Justizmi nister v. Mittiiacht. Bei der Nichtveröffentlichung des Entwurfs behält eS leider sein Bewenden, doch sind über 500 Ex-mplare zur Versendung an die Negierungen gedruckt. In Bezug auf die GerichlSorgani- sarion ist jetzt im preußischen Justizministerium, nachdem über die Frage wegen deS höchsten gemeinsamen Gerichtshofes in den Minister-Couferenzen des letzten Winters und Frühjahrs eine Einigung nicht erziel! worden, ein anderwciter Entwurf ausgearbeitet, den der Justizministcr Dr. Leonhardt dem Reichskanzler im September übermitteln wird. Es wird also die Angelegenheit deS Reichsgerichts noch einer weiteren Erwägung unterbreitet werben. Es kommt dabei im Wesentlichen nur der Gegensatz zwischen Preußen und Baiern in Betracht, da die Übrigen Staaten ohnehin nicht in der Lage sind, Einwände gegen die Errichtung einer dritten Instanz zu erheben. — Die Concurs Ordnung endlich, das Werk der Herren Geh. Ober Justizrath Förster und Stadtrichter Hagens wird im October fertiggestellt fein. Alle drei Entwürfe werden also in wenigen Monaten den BundcSrath beschäftigen Die ConcurS Ordnung wird muthmaßlich einer beson deren Commission zur Vorberalhung übergeben werden. Anlaß, die Berathung über die Justizgesetze zu beschien nigen, ist nicht vorhanden, denn cs darf als feststehend angesehen io erben, daß die Vorlagen erst dem im Jahre 1874 zusammentretcnden Reichstag überwiesen werden. Man nimmt an, daß der bekannte Vorschlag,
Von seiner Mutter hierzu aufgefordert, ging Ritter hinaus, um einen Notar zu holen. Er hatte die Zelle kaum verlaffen, als ein neuer Besuch und zwar in der. Person deS Amerikaners Schmidt angekündigt wurde.
Der Wucherer sprang von seinem Lager auf, unheimlich leuchtete eS in seinen Augen, während seine Lippen sich zu einem höhnischen Grinsen verzogen.
„Da bin ich wieder", hob Schmidt eintretend an, „und ich weiche jetzt nicht eher, bis Ihr mir in Betreff meines Kindes reinen Wein eingeschenkt habt. Drüben im Gerichtszimmer wartet der Jnstructions- richler Eurer", fuhr er näher tretend fort, „entschließt Euch also kurz, wollt Ihr mir die Wahrheit gestehen, so lasse ich, sobald Ihr mir die Beweise für die Richtigkeit Eurer Mittheilungen gegeben habt, meine An klage gegen Euch fallen, und Ihr werdet alsobald auf freien Fuß gesetzt. Beharrt Ihr indcß hei Euren Lügen, so wollen wir keine Worte weiter verlieren, der Schließer hat Auftrag, Euch alSoami sofort vor den Richter zu führen."
„Wie könnt Ihr behaupten, daß ich Euch belogen habe?" fiel Kleber mit kriechender Unterwürfigkeit ihm ins Wort.
,»Zeugt nicht die Fälschung deS Todtenscheines dafür?" entgegnete Schmidt. „Macht kein langes Gerede, Euch bleibt nur die Wahl zwischen einem Ge- ständniß und einigen Jahren Zuchthaus, bedenkt dies wohl und entschließt Euch."
„Nun wohl, laßt diese da sich entfernen, so will ich AllcS gestehen, was ich über das Schicksal des Kindes weiß, entgegnete der Wucherer nach kurzem Nachdenken.
eine ständige Reichstags-Commission niederzusehen unb dieser die Vorberathung der drei Gesetze in der Zeit, welche zwischen zwei Sessionen liegt, zu übertragen, sich als der einzige Ausweg darbictcn wird, diese gewaltige Materie durch eine parlamentarische Verhandlung zu erledigen, so daß bis zur Plenarberathung der Gesetze daS Jahr 1875 herankäme. Sind bann die Gesetze burch Uebereinftimmung aller Faktoren fest- gestellt , so fallen die Aussührungsbestimmungen den Landtagen der Einzelstaaten anheim, was namentlich in Preußen zu zeitraubenden Weiterungen führen wird. — Für die preußische Landesgcsetzgebung ist der Entwurf einer Vormundschafts - Ordnung jetzt festgestellt und soll als eine der ersten Vorlagen dem nächsten Landtage zugehen.
Eisenach, 24. Aug. Der Congreß der Social- Demo traten in Eisenach wird aus etwa 60 Delegieren bestehen; derselbe wird in so fern die Oeffentlichk.it feiner Verhandlungen beschränken, als nur von Partei- Organen Berichterstatter zugelassen werden. Heute Nachmittag wird eine „große Volksversammlung" abgehalten, in welcher Geib unb Jork aus Hamburg, Eckstein auS Waldheim, Walster aus Dresben u. A. über bie Arbeiterbewegung und ihre Gegner, über Demokratie unb Social - Demokratie und über die LolkSrechte im deutschen Reich sprechen werden. Bei den eigentlichen Congrcß-Verhandlungen wird es sich hauptsächlich um Ausbau oder auch um Präcistrung des Eisenacher Programms handeln, wozu die bereits bekannten Anträge aus verschiedenen Orten vorliegen. — Die SonderShäuser Lehrerversammlung hat den 20. c. in Arnstadt getagt und sich mit der Vertretung der Lehrer im Schulvorstand, der Einschränkung der auf den Religionsunterricht verwendeten Zeit, Erwei- terung deS Unterrichts in den Realien, Einrichtung der Schullokale und Ausbildung der Lehrer beschäftigt.
Ausland.
Wie», 23. Aug. Die „Presse" äußert in einer Betrachtung über den Kampf zwischen dem Deutschen Reiche unb der römischen Hierarchie: „Wir können wohl nicht anders als glauben, daß Man im Valikan thatsächlich zum Aeußeisten bereit ist, da es Linern Zweifel unterliegt, daß der deutsche Episkopat gerade in den letzten Tagen direkte Ordre von der Curie erhalten, auf der ganzen Linie eine so starre, provoci- rente, höhnische Unnachgiebigkeit zu entfalten, wie jener LedochowSky der sich als Monarch dem Monarchen
Schmidt winkte dem Schließer, und dieser entfernte sich, mit ihm die Frau des Geizhalses, welche draußen die Ankunft des Notars abwarten und mit diesem wegen der Schenkung nähere Rücksprache nehmen wollte.
„Bevor ich mit meinen Mittheilungen beginne, haben wir noch Einiges unter uns zu ordnen", hob der Geizhals an, das stechende Auge fest auf daS Antlitz des Amerikaners gerichtet.
„Nennt Eure Bedingungen", entgegnete Schmidt verächtlich, „mit Leuten Eures Schlages feilsche ich nicht lange."
„Erstens müßt Ihr mir versprechen, daß Ihr mich weder zur Veranrwortung ziehen, noch Eure Zusage brechen wollt, zweiünS verlange ich, daß ich keinen Heller von dem Gelbe, welches ich von Euch zur Erziehung des Kindes erhielt, zurückerftatien brauche.
So wäre bieS also abgemacht", fuhr er fort, als Schmidt zustimmend mit dem Kopfe nickte, „ich hoffe, daß Ihr ein Mann von Ehre seid und Euer Wort Euch heilig ist."
_ „Ich danke Euch für dieses Vertrauen", höhnte Schmidt, „ich bin vielleicht der Einzige, der sich dcffen zu erfreuen gehabt hat; jetzt aber redet, was ist auS meinem Kinde geworden?"
„Als ich daS Kind auf die räthselhafte Weise erhielt und die Banknoten in dem Korbe entdeckte, glaubte ich im ersten Augenblick, eS fei der Sprößling eine- sehr reichen Mannes und beschloß deßhalb, das Mädchen vorläufig zu behalten und das Weitere abzuwarten. Jndeß änderte ich diesen Entschluß schon in der nächsten Stunde, einmal des Gerede- wegen, welchem ich nicht entgehen konnte, dann weil ich für
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Eämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. ■ _ o
; . „Wohlan", versetzte er nach einer Pause, „ich will in bie Forderung einwilligen, stelle dabei aber die Be- bingung, daß das Haus mir verbleibt. Dagegen er= - haltet ihr Alles, was Ihr in dem Hause vorfindct ittb übernehmt damit gleichzeitig die Verpflichtung, ’■ ton heute an mir ein jährliches Gehalt auszusetzen, Welches zur Bestreitung meiner Bedürfnisse hinreicht. Die Kosten deS Aktes wie der Uebernahme tragt Ihr