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31iar6utg, Sonnabend, den 16. August.
1873.
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Deutsches Reich.
Berlin, 15. August. Für die Ausführung des Festprogramms zu der Feier am 2. September ist den D. N." zufolge durch Allerhöchste Ordre eine Sud Commission von 13 Mitgliedern unter dem Vorsitz de« Kommandanten von Berlin, Generals v. Schwarz koppcn und bis zu besten Rückk.hr des Generals Knappe von Knappstädt als Vertreter eingesetzt und bestimmt, daß die Arbeiten dieser Commission bis zum 15. August beendet sein sollen, lieber die in dieser Hinsicht zu machenden Vorschläge hat sich Se. Mas. die letzte Entscheidung selbst Vorbehalten. — Die in der Monarchie vielfach bestehenden Krieger - Vereine führen fast ausnahmslos Fahnen. Es ist nun ueuer- ding« durch einen Erlaß der Ministers des Krieges und drS Innern festgestellt worden, daß die Krieger Vereine zur Führung von Fahnen in jedem einzelnen Falle der königlichen Genehmigung bedürfen. Die Polizei-Behörden sind angewiesen worden, auf die Be folgung dieser Vorschriften genau zu achten und die Lo,stände solcher Vereine, welche Fahnen führen, zur Einreichung bezüglicher Gesuche zu veranlasten.
Ttettin, 14. Aug. Vergangenen Montag wurde der Anfang mit dem Abbruch unserer Festungswerke gemacht. Eine Anzahl Militärsträflinge ist auf der Südseite deS Berliner ThoreS mit dem Abbrechen der FestungSmauern beschäftigt, um dort die sehr enge Passage zu erbreitern. Vor dem KönigSthore haben die EnlsestigungSarbeiten ebenfalls begonnen. Ferner werden die Wälle hinter und neben der Wache abgetragen, so daß dadurch eine directe gerade Verbindung mit den Anlagen hergestellt wird. Eine weitere Ent sestigung nach dieser Seite wird den Terrain Käufern überlasten werden.
Posen, 14. Aug. Die „Ostdeutsche Zeitung" meldet, der Staatsanwalt habe die förmliche Anklage gegen den Erzbischof Ledochowsky wegen eigenmächtiger Anstellung deS Pfarrers Arndt in Filehne erhoben, Md das Kreisgericht die Untersuchung beschlossen.
Tiegenhof, 14. Aug. Auf Grund der kirchen- politischen Gesetze vom 11., 12., 13. und 14 Mai 1873 sind in diesen Tagen drei menonitische Geistliche mserer Gegend in Anklagezustand versetzt worden, da sie mehrere junge Leute aus der menonitischen Ge-
meinde und zwar durch öffentliche Verkündigung auS dem Grunde ausgeschlossen haben, weil sie sich nicht weigern wollten, den gesetzlich von ihnen geforderten Militärdienst zu leisten. Geistliche re., welche sich eines Vergehens, wie die erwähnten Aeltesten, schuldig machen, werden in §. 4 mit Geldstrafen bis zu 200, resp. 500 Thlrn. oder Freiheitsstrafen bis zu einem, resp. zwei Jahren bedroht.
Leipzig, 13. Aug. Der 7. deutsche Protestantentag ist heute Vormittag in der Aula der Universität eröffnet worden. AIS Theilnehmer waren u. A. die Prediger Richter und Thomas aus Berlin, Fretwel, der Vertreter der British and Foreign Unitarian Association in London und Delegine aus Chicago anwesend. Den Vorsitz führte Prof. Raebiger au« Breslau. Auf der Tagesordnung stand die Verhandlung über die Folgen der Einführung der Civilehe. Nach längeren Debatten wurden fünf Thesen angenommen, in denen die Versammlung die Einführung der obligatorischen Civilehe als nochwendig anerkannte und darauf den geschäftSü hrenden Ausichuß beauf tragte, weitere Schritte nach dieser Richtung hin zu thun. Ein zahlreiches Publikum wohnte den Verhandlungen bei.
Offenbach, 13. Aug. In pädagogischen und politischen Blättern wird in allen Tonarten das Lied „von dem herrschenden Lehrermangel" angestimmt. Bei unS in Hessen ist derselbe bereits so groß, daß hier die zu Pfingsten schulpflichtig gewordenen 400 Kinder nicht in die Schule ausgenommen werden konnten, weil die Regierung die durch Errichtung der Mittelschule bezw Erweiterung der Stadtschule nöthig gewordenen Lehrkräfte nicht zu beschaffen vermochte. Nähme sie dieselben aus anderen Gemeinden, so wür- ben diese in die gleiche peinliche Lage kommen. In Frankfurt scheint man von solchem Lehrermangel nichts zu wissen. E« will uns bedünken, die Sache habe einfach bdrin ihren Grund, daß man dort die Lehrer in anständiger Weise bezahlt. Hierorts hat man wahrscheinlich von dem Lebensbedarf eines gebildeten Mannes, trotzdem die hiesigen Preise so ziemlich dieselben wie in Frankfurt sind, andere Begriffe. Dieser Tage ging wieder einer unserer tüchtigsten jüngeren Lehrer nach Frankfurt, weil er 550 fl. Gehalt, die man ihm trotz
vierjähriger hiesiger Wirksamkeit und ungeachtet deS neuen Besoldungs Gesetze« bot, wahrscheinlich als eine anständige Bezahlung nicht ansehen zu können glaubte. Frankfurt gewährt ihm etwa daS Doppelte der genannten Summe. E« ist dies seit drei Jahren der vierte Fall dieser Art.
München, 14. Aug. Wie man den „H. N." von hier meldet, spielte wor einigen Wochen auf ihrer musikalischen Rundreise die Capelle deS badischen Leib« Grenadier - Regiments in einem hiesigen vielbesuchten Cass ein bekanntes Lied von Mac Mahon auS bem Jahr 1870, ohne wohl zu ahnen, daß ber im Jahre 1870 auf den feindlichen General gemünzte Schlußreim im Juli 1873 den Präsidenten der französischen Republik treffen sollte. Der srauzöstsche Geschäftsträger faßte die Sache als eine Verletzung feinet Staatsoberhauptes auf und beschwerte sich bei unserem Minister de- Auswärtigen und die fernere Auf- tührung besagten Liedes wurde untersagt. Wir misten nicht, ob unser auswärtiger Minister nicht die Gegenfrage der Reciprocität geihan hat; aber so viel weiß Jedermann, daß in Pariser Theatern, Cass'S LantantS, Schaufenstern rc. das deutsche Volk, sein Kaiser, seine Fürsten, seine Staatsmänner und Heerführer in ganz anderer — um nicht zu sagen frecher Weise mitgenommen werde», als in den harmlosen Schlußreimen eines launigen Kriegsliebes der sranzösische Marschallpräsident. Aber bei dem Verschwinden deS Liedes blieb eS nicht. Man erzählt sich, in einem höheren Gesellschaftskreise habe ein Beamter der französischen Gesandtschaft seinem Aerger über die badischen Musiker in Worten Luft gemacht, die nicht nur keineswegs gewählt waren, sondern überhaupt in seiner Gesellschaft nicht gehört werden dürften. Der Zurückweisung durch einen zufällig anwesenden jungen deutschen Diplomaten begegnete der Franzose mit einer zweiten Ungeschicklichkeit, welche einen Unterschied zwischen den Baiern, die er ja nicht gemeint habe, und den Badenern geltend machen wollte. Einer abermaligen Zurückweisung folgte eine zweite Entschuldigung. Inzwischen ist der Franzose mit Grafentitel abgereist, und zwar soll der bewilligte Urlaub ein unerbetener fein. Diese Vorgänge sind in das weitere Publikum gedrungen und haben gerechtes Aufsehen erregt.
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DeS Schicksals Fügung.
Novelle von Ew. Aug. König.
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(Fortsetzung.)
Wie vom Schlage gerührt sank der Wucherer auf «nm Stuhl.
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„Damals, als ich den Brief schrieb, konnte ich nicht vorauSsehen, daß eS mir gelingen würde, meine Angelegenheiten, die mich drüben noch zurückhielten, st rasch zu ordnen", versetzte der Fremde, die dunklen, Mhenden Augen fest aus Kleber gerichtet. „Ich hoffe, $r habt mit meinem Vertrauen nicht Mißbrauch ge tMtn und dem Kinde eine sorgfältige Erziehung ge Skben —"
lst \ „Ihr schriebt mir in Eurem letzten Briefe, Eure cm Ankunft werde erst in einigen Wochen stattfinden", entgegnete er, als er seine Fassung wieder gefunden hatte.
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„euer Kind ist tobt", unterbrach ihn bet Geiz H« dumpf.
„Ihr lügt!" donnerte der Fremde, die Rechte gor- A erhebend, während ein Flammenblitz aus seinen Wn schoß.
„Versucht nicht, mich zu täuschen, ich kenne Euch "tfitr, als Ihr vielleicht vermuthct, und weiß, wie *«t ich Euch vertrauen kann! Sagt Ihr die Wahr s«t, so zeigt mir den Tobtenschetn. — Hört Ihr, «n Schein will ich sehen!" fuhr er fort, inbein er
alten Mann am Rockkragen von fiineut Sitze Herzog und ihn heftig schüttelte.
Gedankenschnell hatte ber Wucherer seinen Plan entworfen. „Beruhigt Euch", versetzte er gelassen, »3hr sollt den Schein haben; doch bevor ich Euch Melben zeige, gebt mir Gewißheit, ob Ihr Derjenige Wb, welcher das Kind vor meinem Hause aussetzte."
Schmidt mochte einsehen, daß er zu weit gegangen *et, er warf ben Mantel ab, setzte sich bem Wucherer
gegenüber an ben Tisch und zog einen Revolver aus der Brusttasche, den er kaltblütig vor sich hinlegte.
„Ich kann Euch hierüber keine beffere Gewißheit verschaffen, als indem ich Euch Alles das ins Gedächtnis zurückrufe, waö zwischen uns vorgefallen ist", hob er nach einer Weile an. „Vor neunzehn Jahren ungefähr wurde in einer Hellen, ruhigen Sommernacht heftig an Eurer Hausglocke gezogen, gleich darauf klirrte ein Fenster, Ihr saht auf die Straße und bemerktet an Eurer HauSthüre einen Mann, ber in einen langen, weiten Mantel gehüllt, Euch bat, her unterzukommen unb ihm einen Augenblick Gehör zu schenken. Ihr weigertet Euch dessen, wahrscheinlich befürchtetet Ihr, der Fremde könne Böses im Schilde führen,, unb nur bie Drohung, man werde Euch das Haus über bem Kopfe anzünden, konnte Euch bewegen, dem Verlangen des Unbekannten nachzukommen. — erinnert Ihr Euch jener Nacht?"
«Fahrt fort!" entgegnete der Wucherer, der im Stillen fdnen Plänen nachhing. >
„Als Ihr bie Hausthüre öffnetet, war der Fremde verschwunden, statt seiner saht Ihr auf der Schwelle Eures Hauses einen Korb stehen, ben Ihr aufnahmt unb in« HauS trugt Beim öffnen bcs Korbes streckie ein Kinb Euch weinend die Aermchen entgegen, auf ber Brust beffelben lag «in Zettel mit ben Worten: Erbarmt Euch be« KinbeS unb rechnet auf bie Dankbarkeit seines Vaters! Außer bicsem Zettel lag neben bem Mäbchen eine Banknote im Betrage von fünfzig Thalern, beren Rückseite ben Buchstaben Y trug Sechs Monate später erhieltet Ihr von Newyork auS einen Brief, worin Ihr gebeten wurdet, das Kind sorgsam zu pflegen, über sein Wohl zu wachen und zur Erziehung beffelben keine Kosten zu scheuen, man werde Euch später reichlich dafür entschädigen. Diesem Briese war eine Anweisung im Betrage von dreihun
dert Dollars auf ben Banquier Walther beigefügt, auch enthielt berfelbe bie Bitte, Ihr möaet bem Vater unter der Chiffre Y poste restante Newyork mit» theilen, ob Ihr Euch veS Kinde« gewissenhaft annehmen wollet. An demselben Tage, an welchem Ihr diesen Brief erhieltet, schriebt Ihr zurück. Ihr gabt das Versprechen, welches man von Euch forderte. Ihr zeigtet in diesem Briefe an, daß daS Kind gesunb )ei unb prächtig gedeihe und wenn man alle Auslagen bezahlen wolle, wäret Ihr bereit, bie Pflege unb Erziehung be« Mädchens zu übernehmen. In angemessenen Zwischenräumen erhieltet Ihr bis heute zehn Anweisungen, jebe im Betrage von breihunberl Dollars und, wie ich heute erfuhr, habt Ihr die Summen bei meinem Banquier erhoben. — Sprecht, ist bem so?"
„Allerdings," erwiderte Kleber, „ich finde gegen die Richtigkeit dieser Behauptung durchaus nichts ein- zuwenden."
„Genügt Euch dieser Bericht nicht, so ist hier Euer Brief, den Ihr an mich schriebt," fuhr der Fremde fort, während er ein Portefeuille auS seiner Rocktasche zog, einen Brief auS demselben nahm und diesen vor den Wucherer hinlegte; „verlangt Ihr ber Beweise noch mehr, so könnte ich Euch allenfalls burch meine Handschrift überzeugen, baß ich der Schreiber der mit Y unterzeichneten Briefe, wie be« Zettel«, welcher bei dem Kinde lag, bin. Und jetzt legt Rechenschaft ab, wie Ihr Euerer Pflicht naw gekommen seid, ich warne Euch nochmal«, versucht nicht, mich zu hkntergchen! Leider zu spät habe ich erfahren, welchem Menschen ich mein Kind anvertraute, doch hält mich das nicht ab, Euch eine Kugel durch'« Hirn zu jagen, wenn ich den Verdacht, welchen ich gegen Euch hege, begründet finde!"
„Ihr seid ein Hitzkopf!" versetzte Kleber, eilten Blick ängstlicher Besorgniß auf ben Revolver werfend.