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Ur« 189. Marburg, Mittwoch, den 13. August. 1873.

Lberhcssische Zcit«ng.

Erscheint täglich auM den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da« Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buch druck er ei) bezogen 22j Tgr., durch die Postämter 27 Dgr. (cxcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

F Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches Reich.

## Berlin, 11. Aug. Die Erhebung des 2 September zu einem nationalen Fest» und Gedenktag, za welcher dieProvinzial Correspondenz" schon an geregt hat, und die Einweihung des SiegeSvenkmalS auf dem Königsplatze auch thatsächlich das Beispiel gibt, scheint auch in weiteren Kreisen des deutschen Vaterlandes Anklang zu finden und wird hoffentlich dm schon früher allgemein kundgegebcnen Wunsch nach einer solchen nationalen Erinnerungsfeier zur Realisi- rung bringen. Zwar fehlt eS auch nicht an Bedenken «nd Widerspruch Lgegen di« Auswahl gerade dieses TageS; dagegen irrste, wie ein angesehenes Blatt richtig bemerkt, iMhaupt kein Tag die ausnahmslose Zustimmung für flch haben, und es wird schließlich immer in der Hand der Bevölkerung liegen, bei der Feier die ih» wichtigste Bedeutung, abgesehen von der directen ihfitttn Erinnerung, zur Geltung zu bringen. Zn de» Angelegenheit des Kapitäns Werner wie­derholt sich^ eine wohlbekannte Erfahrung; die von der Regierung erfolgte DeSavouirung hat sich als wirksames Mittel bewährt, ihm die allgemein« Sym pathir zuzuwenden, nachdem vorher das Einschreiten deS CaptzünS Werner vielfach von denselben Preßor­ganen alLAnlaß zu Anklagen gegen die Regierung benutzt roorkn war. Die Fortschrittspartei sucht die von derPrvv.-Corresp." gegebene Charakteristik mit allen Kräften von sich abzuwehren; mit mehr Eifer als Glück I vielfach gehen diese Bemühungen über den thatfächlichen Anlaß hinaus, indem man über steht, daß dieProv.-Corresp." nur den linken Flügel d«r Partei zum Gegenstand ihrer Besprechung gemacht hat. Die Klagen deS Publikums über ablehnendes Verhalten der Eiscnbahnbeamten gegen Beschwerden haben den HandclSminister veranlaßt, den Behörden und Beamten thunlichste und gewissenhafte Berücksich­tigung des Publikums zur Pflicht zu machen, da ein« wohlwollende Erledigung sich ergebender Differenzen im beiderseitigen Interesse liege. Der Minister des Innern, Gras Eulenburg, ist am Sonnabend in's Seebad zu einer zwei- dis dreiwöchentlichen Kur ab- gereist. Gestern find dänische Offiziere hier ange kommen, um den bei Magdeburg statifinvendcn FestungS- llebungen beizuwohnen. Bei Graudenz sind leider ein Hauptmann, drei Unteroffiziere und zwei Mann durch Minenkrankheit verunglückt. Näheres wird die Untersuchung ergeben.

DeS Schicksals Fug»«-.

.ts; - !uRovelle von Ew. Aug. König. (Fortsetzung^

LohhWtze» traf Anstalt, das Zimmer zu verlaffen, e» der TMre wandte er sich noch einmal um.

Können Sie Ihrem Kutscher vertrauen?" fragte er,ich denke mir, daß Sie sich zu der Entführung eines Wagens bedienen."

Weshalb fragst Du?" entgegnet« der junge Mann erstaunt. ' ' '

Weil ich nöthigensalls den Dienst des Kutschers «ersehen könnte," versetzte der Eisengießer,ich ver- stehe mich auch auf die Führung vdr Pferde."

Desto besser," sagte der Freiherr,da es ohnedies rathsam ist, daß Du bei der Geschichte meine Livree »icht trägst, so magst Du Dich auf den Bock setzen imd für eine rasche Fahrt sorgen Melde Dich morgen Übend bei dem Kutscher Pleimes, ich werde mit ihm »den, daß er Dir den Wagen übergibt. Du fährst «et daS HauS deS alten Kleber, richtest Dich aber so ein, paß Du Punkt acht Uhr vor der Hausthüre hältst, damit wir keinen unnöthigen Aufenthalt haben. So­bald ich und die Dame hinauStreten, öffnest Du dm Schlag, hilfst mir das Mädchen in den Wagen schaffen u«d fährst dann, so rasch die Pferde laufen können, imn Bahnhof in B., dort wird das Uebrige sich fin dm; ich denke, Du kehrst alsdann mit dem Wagen zurück und wartest hier meine Rückkehr ab."

Sehr wohl," entgegnete Lohhausen, der jetzt schon Stoße Lust fühlte, den Schurken niederzuschlagen,Sie können sich auf mich verlaffen, ich werde Punkt acht klhr dort sein."

Um diese Zeit ist «e bereits stockfinstere Nacht,

Die Cabinetsverfügung, mittelst deren der vom Staatsministerium an den König eingereichte Bericht der Special Untersuchungseommisston in Eisenbahnan gelegenheiten an ersteres zurückgesendet worden ist, wird schon in den nächsten Tagen zur Veröffentlichung gelangen. DaS überaus große Volumen des Berichtes wird seiner Verbreitung und Popularisirung nicht gerade sehr förderlich sein. Was die Vorschläge der Commission anbetrifft für die fernere gesetzliche Ord­nung der betreffenden Verhältnisse, so schließen sich dieselben, wie dieSchles. Ztg." aus sicherer Quelle vernimmt, sehr wesentlich an die bekannte Schrift des Justizraths Wiener in Berlin an. Die Commission war nach den anstrengenden Debatten über die zahl­reichen und vielfach verwickelte» Perfonalfragen doch an die Grenze der Leistungsfähigkeit gekommen, so daß gerade die DiScussioncn über den zweiten Theil ihrer Aufgabe eine wesentlich kürzere Form erhielten, als vielleicht wünschenswerth war. Doch stellten sich auch hier erhebliche Meinungsverschiedenheiten z. B. zwischen Lasker selbst und dem Abgeordneten Bam­berger heraus. Als hervorragende Sachverständige über das Eisenbahnwesen wurden auch Geheimrath Michaelis und Mitredacteur derNational-Zeitung" Schweizer vorgeschlagen, aber bei jenem hat anschei nend das Bundeskanzler - Amt sein Erscheinen nicht gewünscht, gegen diesen erhob sich in der Com­mission selbst Widerspruch. Beide würden sich allerdings nicht als absolute Anhänger deS StaatS- eisenbahnsystemS ausgesprochen haben. Mit dem jetzigen Präsidenten deS neuen Eisenbahnamts, Scheele, trat der Reichskanzler Fürst Bismark schon bei Ge legenheit der Wagnerischen Affaire in directe persön liche Beziehung, conferirte mit ihm und erbat sich von ihm die Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs über das Concesstonswesen. Dem Einfluffe des Fürsten ist vielleicht zumeist die Einwilligung deS Herrn Scheele zuzuschreiben, den neuen Posten zu übernehmen, zu dessen Gunsten er eine jährliche Einnahme von 30 40,000 Thlrn. aufgibt.

Die Sitzungen der auf Beschluß des Bundes ratheS eingesetztcn Cholera Commission für Deutschland haben am Montag, den 4. d., in einem der Conferenz- zimmer deS Bundeskanzler AmteS begonnen. Die fünf Mitglieder, Generalarzt Dr. Böger und Professor Dr. Hirsch für Preußen, Ober - Medicinalrath Prof. Dr. v. Pettenkofer für Baiern, Geh. Medicinalrath Dr.

mithin kann die Sache wenig Aufsehen erregen," fuhr der Freiherr fort,sollten einige Unberufene sich ein- mischcn wollen, so, denke ich, werden wir Beide schon mit ihnen fertig werden."

Ein cynisches Lächeln glitt bei den letzten Worten über die abgelebten Züge des jungen Mannes, und Lohhausm sand eS rachsarn, dasselbe durch ein zustim­mendes Kopfnicken zu erwiedern.

Der Mensch ist dümmer, als ich vermuthen konnte," murmelte der Eisengießer, als er wieder draußen auf der Straße stand,vor mir, einem ihm wildfremden Menschen, plaudert er Geheimnisse aus, die er vielleicht seinem besten Freunde verschweigen wird. Psui über mich selbst, daß ich diesem Schurken solches Vertrauen auf den ersten Blick einflößen konnte! Ah bah," fuhr er nach einer Weile fort,es liegt einmal in der Natur eines solchen Menschen, daß er Jeden seines Gelichters zu seinem Vertrauten macht; und mußte meine Erzählung nicht Vertrauen in ihm erwecken?"

Eben wollte er in die Gaffe einbiegen, an deren Ende die Gießerei lag, als ein großer in einen Mantel gehüllter Mann sich ihm näherte.

Guter Freund, habt die Güte und zeigt mir den Weg zur Wohnung eines gewiffen Herrn Kleber", sagte dieser,ich bin fremd hier, doch wird es schon genügen, wenn Ihr mir die Straße bezeichnen wollt"

Sie meinen den Wucherer?" erwiderte Lohhausen. Verfolgen Sie nur diese Straße, bi» Sie zur Linken eine engt, dunkle Gasse sehen, in dieser wird Ihnen bald ein düsteres Haus auffallen, dicke Eisenstäbe schützen die Fenster und geben ihm das Aussehen eines Ge­fängnisses, es ist die Wohnung Klebers."

Günther für Sachsen und Ober - Medicinalrath Dr. Volz für Baden waren gegenwärtig und wurden im Namen des Präsidenten des Bundeskanzler - Amte- durch den Wirkl. Geh. Ober-Regierungsrath Eck in einer Ansprache begrüßt. Vorsitzender.der Commission ist Herr v. Pettenkofer; das Protokoll wird von dem Geh. expedirenden Secretär Biester geführt. Den Berathungen ist die schematische Skizze zu Grunde gelegt, welche die Herren Hirsch und Pettenkofer schon ihrer ersten Eingabe an den Bundesrath beilegten. Danach bewegen sich die Berathungen nach vier Rich­tungen hin, in denen die Geschichte, der Verlauf der Epidemie, die Beobachtungen und Untersuchungen über den Cholerakeim, über das Choleragift und dessen Verbreitung, die veränderlichen Momente der örtlichen und zeitlichen Disposition und endlich die individuell« Disposition nach zahlreichen Gesichtspunkten und prak­tischen Beziehungen discutirt und geprüft werden. Daran werden sich vermulhlich sofort lokale Jnspectio- neu von der jetzigen Epidemie verfallenen Ortschaften knüpfen.

Einer Mittheilung desAmsterdamer Allg. Handelsblattes" zufolge soll auf Anregung von Ame­rika aus im Oktober ein Congreß von RcchtSgelehr« ten und Publicisten aller Länder in Brüssel stattfin» den, um zu berrthen, auf welche Weise die Codifici- rung des Völkerrechts im Geiste der kürzlich vom englischen Unterhause angenommenen Motion des Hrn. Richard am sichersten und schnellsten zu Stande ge­bracht werden könne. Die Einladung geht von dem International Code Committee aus, welches sich auf Grund eines ausführlichen Berichts des Herrn I. B. Miles über eine Reise durch Europa gebildet hat, die zum Zwecke hatte, hervorragende Staatsmänner und Rechtsgelehrte für die Errichtung eines permanenten Schiedsgerichts zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Nationen zu gewinnen.

DieKreuzztg." schreibt: Zur Richtigstellung der Zeitungsnachrichten über den General v. Man­teuffel wird uns bemerkt, daß derselbe niematS in Belfort gewesen ist und noch weniger Reden an französische Beamte gehalten hat. DerReichs­anzeiger" publicirt ein Gesetz, den Eid für die Mit­glieder der Bezirks- und Kreistag« Elsaß Lothringens betreffend.

Hildburghausen, 10. Bug. Die 10. Meininger Lehrer-Versammlung, von etwa 200 Theilnehmern be-

Der Fremde zögerte.Wohnen der Kleber meh­rere in dieser Stadt?" fragte er.

Nur einer", versetzte der Eisengießer.

Und Ihr sagtet, der Mann sei ein Wucherer?"

Von der schlimmsten Sorte", fuhr Lobhansen fort,an seinen Schätzen haftet der Fluch mancher Familie, die er ohne Erbarmen ins Elend stieß."

Der Fremde sah einen Augenblick nachdenkend vor sich hin.

Kommt mit, wenn Eure Zeit eS erlaubt, drüben in der Weinschenke möchte ich gerne mehr über diesen Mann mit Euch reden."

Der Eisengießer zuckte die Achseln.Liegt Ihnen daran, nähere Auskunft über ihn zu erhalten, so bin ich gerne bereit, diese zu geben, nur jetzt nicht. Wollen Sie nach 8 Uhr heute Abend dort in der Weinschenke sich einfinden, so können Sie alsdann über mich ver­fügen."

Es fei", erwiderte bet Fremde.Damit wir aber ungestört mit einander reden können, so kommt in den Gasthof zum König von England, wo ich lo- gire; fragt nur nach dem Amerikaner Schmidt, für ein gutes Abendeffen werde ich Sorge tragen "

Die erste wichtigste Hälfte meines PlanS ist mir geglückt", hob Lohhausen zu seinem Kameraden an, als er wieder in der Gießerei eintraf,die zweite kann jetzt unmöglich fehl schlagen, und getrost darfst Du morgen in den König von England dehen, wenn Du zurückkehrst, ist die ganze Geschichte glatt abge­wickelt."

Ritter drückte schweigend dem Freund« die Hand.

Und Hartwig?" fragte er nach einer Weil«.

Wie soll ihm geholfen »erben?* j