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Nachricht kalt ausgenommen. ES sei eben leicht zu begreifen, daß diese Mächte nichts gern sehen, was die Ruhe und die Zukunft Frankreichs sichern könne Die „Union" hat übrigens tchwerlich in die Cabinette hineingesehen, deren Ansichten sie so genau zu kennen vorgibl. Die „Presse" ihrerseits schreibt, die österrei chische und russische Diplomatie in Wien „scheine sehr angeregt (impressionee) zu fein, während die Vertreter DeutichlandS, Englands und Italiens sich sehr resetvirt zeigen." Das sind natürlich auch leere Siebensarten. Das orleanistische „Journal de Paris" enthält einen Artikel, welcher die vollständige Unter meefung der Prinzen von Orleans unter den Grafen Khambord in Aussicht stellt. Ter Graf von Paris kommt am nächsten Donnerstag nach Paris zurück. — Die Ex Kaiserin Eugenie ist, als sie die Nachrich- von der Frohsborfer Zuiammenkunft erhalten, sosoit »ach Chlstehurst gereist und dort gestern angekommen; am 15. August wird sie mit dem kaiserlichen Prinzen dort die Bonapartisten empfangen. — Ter franzö fische Botjchaiter Leflo bleibt in Petersburg, weil bei Zar eS wünscht. — Die Angabe, daß der Marquis von Nebatllac, Präfeet der niederen Pyrenäen, seine Entlassung nachgesucht habe, ist falsch. — Heute sand da» Leichenbegängniß Oeilon Barrot's statt. In seiner hiesigen Wohnung, wohin man die sterblichen Ueber» reste von Bougival gebracht hatte, versammelten sich die Leidtragenden, darunter viele R.pndlikaner, wie Zules Favre, Garnier Pages, Carnot und Andere, Ke, als der Verstorbene sich der Reaktion noch nicht angefchlvssen hatte, Hand in Hand mit ihm gegangen waren. Bonapartisten hatten sich auch eingefunden, darunter der Drpntirte Abbatueei, der in Obilon Barrot den ehemaligen Minister seines Kaisers ehren wollte. Tie osfieielle Welt war natürlich in großer Anzahl anwesend; alle großen Staatskörper, so wie auch die Mtlitärbehördett, General Laduiiraulr, der Gouverneur von Paris re. Thiers und sein Getreuer Darthelemy St. Hilaire hatten sich ebenfalls eilige- sunven. Ersterer ging jedoch nicht mit im Zuge. Er beschränkte sich darauf, einen Blick auf den Sarg des Mannes zu werfen, mit dem er so oft Hand in Hand gegangen, der ihn aber noch öfter bekämpft hatte, und seinen Namen in das Buch der Leidtragenden einzujchreiben. Marschall Mac Mahon Halle sich durch seinen Adjulantcn, Obersten D'Absae, vertrelen lassen. — DaS amtliche Blatt meldet daß Lebion, Admini straior der Post, zum Generaldirektor an Rampont's Stelle ernannt worden ist. — Jules Janin befindet sich krank. — Der Deputirte Adam hatte die Kinder Rochesort'S auf das TranSporischifi „Birgi.iie" ge bracht, damit sie von ihrem Vater Abschied nehmen könnten.

Rom, 8. Aug. Dem Mailänder Corriere wird von hier geschrieben: „Heule glaube ich ohne allen Vorbehalt versichern zu dürfen, was ich vor Kurzem nur schüchtern andeuten durste. Die Idee, Staats- Papiergeld zu schaffen und die Regierung aus der Sklaverei zu reiten, in welcher sie gegenwärtig von der Nationalbauk gehalten wird, das ist der Grund Pfeiler, auf welchem Herr Miughetti sein neues Fi­nanzsystem aufzurichten gedenkt. Die Idee gehört eigentlich der Linken an, und dieselbe wird nicht ver­fehlen, das Verdienst derselben in Anspruch zu nehmen, Aber der Ministerpräsident hat die Idee vervollkomm­net, indem er den Privatbanken erlaubt, sich des Staatspapiergeldes als des ihrigen zu bedienen, indem ste ihren Stempel darauf setzen. Auf diese Weise wird die Regierung die Regulrrung aller Papiergeld Circulation im Lande behalten Die Bankfreiheit wird gerettet, aber dem Mißbrauch derselben wirksam vor- gebeugt." — Ter Papst wird trotz der drückenden Hitze nicht müde, Deputationen zu empfangen, ihre Adressen anzuhören nnv sie mit Reden zu beantworten. So empfing er dieser Tage die Vertreter bcS frommen Instituts zur Hülfeleistung an arme verschämte Wöch Herinnen und zur Taufe ihrer Kinder. In der Avrefie wird u. A. erwähnt, daß das Institut bereits 576 inne Kindbetterinnen unterstützt und eben so viele Äinber hat taufen lasten, sowie es auch alljährlich am 25. Juni, dem Krönungstage des Papnes Pio Nono. jwei Milgisten unter die von ihm getauften Mädchen derloosen läßt. Nachdem der Papst die Vertreter des Znftltuts belobt hatte, daß ste arme Wöchnerinnen Unterstützen und die Seelen ihrer Kinder retten, sprach tr einige passende Worte gegen die Freidenker, welche bie jungen Seelen dem Satan zuführen, und schloß wie gewöhnlich mit seinem Segen.

Madrid, 8. Aug. Valencia hat sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Martinez und CampeS haben bie Stadt besetzt. Die Unterwerfung Cartagenas wird «wartet. RegierungSnachrichtm zufolge stcht das Ein- ducken der Truppen in Granada bevor. Castellon wird von 1000 Carlisten unter Cocala bedroht. — Tie CorteS haben die Aufhebung des BegnadigungS- rechtes beschlossen. Die Annahme des VerfastungS»

entwurfs, wonach aus den gegenwärtigen Provinzen 49 Staaten gebildet würden, scheint wahrscheinlich. Die Aufständischen in Cartagena haben versucht, die Fregatten Almansa und Victoria vermittels deS Dampfers Neiieez Nunitez wieder zu nehmen; in Folge der Unerfahrenheit der Mannschaft aber ist der Mendez Niinnez gestrandet; man hofft noch, ihn retten zu können. Tie Rebellen haben 30 Mitglieder des re publikanischen Casinos als Geißeln festgenommen. — Die CorteS haben einen Gesetzentwurf gebilligt, der oie Regierung ermächtigt, die jungen reservepflichtigen Leute (deren viele in höchst willkürlicher Weise als untauglich erklärt worden waren) einer nochmaligen ärztlichen Untersuchung unterziehen zu lassen, und zwar unter persönlicher Verantwortlichkeit der Bürger meister und Aerzte. — Heute Mittag sind die Truppen in Valencia eingerückt. Die Mitglieder deS Revo- iutionSauSschusses und die meuterischen Soldaten halten sich in dem Hafenvrte Grao nach Cartagena ein geschifft.

London, 8. Ang. Ayrton ist als Bauten-Mi nister um seine Entlastung eingekommen, scheidet jedoch nicht ans der Regierung, sondern übernimmt dem Vernehmen nach daS Postamt, indem der bisherige General Postmeister Monsell ouStritt. Daß der bis herige zweite Einpeitscher Adam das Baute» Ministe­rium übernimmt, scheint bestätigt.

Christiania, 9. Aug. Der Kronprinz des deutschen Reichs und von Preuße» hat stch heute mit seinem Gefolge und de», zum Ehrendienst commandirt.n norwegischen Osficieren zu einem viertägigen AuSfluge nach den Telemarken begeben, von wo derselbe am 12. Mittags hieher zurückzuk hren gedenkt, um noch an demselben Tage mittels Extrazuges nach Stockholm abzureise». Tie Ankunft daselbst ist zum 13. Mittags zu erwarten.

Petersburg, .10. Aug. Nach der Einnahme von Chiwa sind die russischen Strppengarnisoiren ver mindert worben und mit Zerstörung der Tschektschlar defestigung ist die Atrek-Linic aufgehoben. Tie Chi wapoft nach KindeSli wird durch die Kirgisen in neun Tagen besorgt. DaS Manzysllak Tetachement verläßt am 15. August alten StylS (am 3. n. St) Chiwa — Der Binder des Chans begab sich mit 800 Ka meelen und Waaren von Chiwa für die Nischneinvw gorov-Messe nach KindeSli.

Zara, 9. Aug. Die Nachricht, daß der Fürst von Montenegro durch einen Schuß verwundet wor den sei, ist als vollständig aus der Luft gegriffen zu bezeichnen.

Ikewyork, 10. äug. Eine Feuersbrunst in Port land, im Staate Maine, hat drei amerikanische Schiffe und zwei Docks zerstört. Zahlreiche Waarenladungen sind verbrannt; man schätzt den Schaden auf 600,000 Dollars.

Kassel, 9. Aug. Gestern Abend fand im hiesigen Arbeiter FortbildungSverein, und zwar im großen Saale, die feierliche Einführung des für den auSge schiedenen Vorsitzenden genannten Vereins, Herrn Pfarrer Dr. Falckenheiner, neugewählten Vorsitzenden, Herrn Pfarrers Spangenberg, Lehrers an der Bürger schule höherer Ordnung, statt. — Mit den generellen Vorarbeiten für den Bau einer Eisenbahn von hier über Lichtenau und Helsa nach Waldkappel zur Ein­mündung in die Berlin-Cobl.nzer Bahn soll in den ersten Tagen begonnen werden. — Ein hiesiger Bürger hat in diesen Tagen gelegentlich feiner Reise zur Wiener Weltausstellung den Kurfürsten zu Horzowitz besucht und ist von demselben aufs Wohlwollendste empfangen worden. Der Kurfürst soll in seiner Hoff »ung auf Wiederberstellung deS ehemaligen Kurfürsten- thums Hessen keineswegs wankend geworden sein, fonbem mit vieler Zuversicht auf eine solche rechnen und dies gegen Jedermann auSsprechen, sobald baS Gespräch baranf kommt.

— Den Unterzeichnern bet Eingabe des nieder hessischen Geistlichen gegen baS Gesammiconsistorium ist als 45. der Pfarrer Rohnert in Steinbach Hallen berg beigetreten; derselbe hat in einer besonderen Ein gäbe dem Kultusminister erklärt, daß eS ihm Ge­wissens halber unmöglich fei, sich dem Gefammtcon liftorium zu unterstellen. Ebenso hat der Cantor der Hofgemeinde zu Kastel, O. Ringeling, dem General fuperintinbenten Martin bie Erklärung abgegeben, baß eS ihm unmöglich fei, unter dem Gefammtcon fiftorium feinen Tienst fortzwetzen. So melben bie „Hess. Bl." Dasselbe Blatt berichtet ferner: Wie wir vernehmen, liegt eö in der Absicht der lutherifchen Geistlichen ObeihestenS, dem neuen Gesammlconsisto- rium sowohl als dem Gesammtst>atSministerium einen Protest gegen die erstgenannte B-Hörde, als gegen eine nicht rechtmäßige, zu Überreichen und zu erklären, daß sie nur insofern und insoweit gehorchen können, als dieselbe die lutherische Kirche OberhestenS lediglich »ach ihrer Kirchenordnung und ihrem Bekenntniß re­

giere. Die Gemeinde Rengshausen hat mit 174 Unter­schriften dem Kultusminister gleichfalls erklärt, sich dem Gesammtconsistoriuni nicht unterstellen zu können.

Treysa, 8. Aug. In nächster Zeit gibt eS in unserer Stabt brei Festtage, am 13 , 14. unb 15. August. Am ersten ber genannten Tage wirb die Grundsteinlegung deS DiakonistenhauseS, am zweiten das fünfzigjährige Amtsjubiläum beS Bürgermeisters Herrn Stephan unb am britten die Erinnerung an die Stabt vor 700 Jahren verliehenen Stadtrechte gefeiert werben. (N K. Anz.)

SBermiMitrS.

— sUniv. - Nachr j Professor Bursian in Jena ist zum ordentlichen Professor der classischen Philologie an der Universität München ernannt worben. — Der Privat» doceut bet Chemie. Dr. Theodor Zinke in Bonn bat einen Ruf als ordentlicher Professor an das Instituts superiore in Florenz erhalten; es ist jedoch gegründete Aussicht vorhanden, daß Dr. Zinke der bannet Hochschule erhalten bleibt. — Wie die „Rat - Ztg." erfährt, wird Professor Verend von der berliner Universität mit Anfang nächsten Semesters als ordentlicher Professor für die deutfchrechilichen Fächer nach Greifswald gehen, um dort Professor Franklin zu ersetzen, welcher nach Tübingen berufen worden ist.

— Ueber das Entweichen mehrerer Löwen aus einer Me­nagerie bei Halm in Beltgien berichtet bet Temps: Die Löwen gehörten dem Herrn Hugnes Condael, dem Bändiger im americanischen Cirrus Bell und Huchertion, ber am 20. Juli in Halm angekommen wat, um eine einzige Vorstellung zu geben. Am 21. gegen halb 5 Uhr Morgens reinigte der Bediente des Bändigers den Käfig, der aus zwei durch eine Couliffentbür getrennten Gemächern besteht. Er trat heraus ohne sich zu versichern, ob die Thür wohs verschlossen sei, und ließ die Löwen in die Abtbeilung hinein, die er ge­reinigt hatte und deren Thür offen stand. Vier Löwen stürzten heraus, ber eine schlug ein Pferd des Circus zu Boden, das nahe am Käfig war. Einige Beamte des Circus erschreckten den Löwen, der seine Beute los ließ; das Pferd obgleich, schwer verwundet, entfernte sich im Galopp. Ein fünfter Löwe ber eben aus dem Käfig stieg, kehrte sogleich wieder um, erschreckt durch den Lärm der Beamten. Der Bändiget, ber gerade nach Bruchsal reifen wollte, wurde glücklicher Weise zur rechten Zeit benachrichtigt, und bat, nicht auf die L wen zu schießen, indem er versichert,- er w-rde sie ohne Unglück zurückbringen. Er arbeitete bis 7 Uhr Morgens, um den ersten zurückzubringen, der schon mehrere Straßen unter allgemeinem Schrecken durchschritten hatte; ber zweite schlug de» Weg in die Felder ein, hartnäckig verfolgt von einigen Einwohnern, Gendarmen und Cirrusbeamten, denen es glücklich gelang, ihn in eine Wasserleitung zu treiben, bereit zwei Ausgänge sofort bewacht wurden. Den beiden noch auf dem Platze frei gebliebenen Löwen wurde auf ein Stück Fleisch eine starke Dosis Morphium hingewotsen. Erst nach den größten Gefahren konnte man dem einen einen Strick mit einer Schlinge umwerfen, der andere wurde auf dieselbe Weise um halb 10 Uhr am Morgen gefangen. Das in der Wasserleitung gefangene Thier suchte man vergebens durch hineingeworfene brennende Stoffe zu vertreiben. Der Bändiger und ein Beamter des Cir.us fliegen mit einer Planke von der Ausdehnung ber Oeffnung der Wasserleitung hinab, stießen denselben vor sich her und zwangen so den Löwen, hinauszugehen. Er fiel dabei in ein Grube von Meter Tiefe, deren Rand mit bewaffneter Mannschaft besetzt war, unb wurde so gefangen. ________

Berloosunaen.

Finnische 10- Tbaler-Loose. Bei der am 1 August stattgehabten Verlosung sind folgende Serien gezogen worden: Serie 55 65 413 422 426 432 493 608 688 951 992 1171 1244 1391 1487 1525 1585 1593 1654 1678

1681 1692 17(16 1982 2016 213.' 2134 2157 2433 2454

2505 2543 2545 2599 2667 2730 2875 2896 3030 3150

3154 3550 3634 3735 3760 3768 3817 3853 3913 3996

4003 4031 4044 4191 4214 43t 5 4456 4457 4467

4642 4670 4702 4807 5072

5434 5494 5754 5775 5791

6134 6255 6262 6549 6671

7 >72 7178 7207 7262 7298

7714 7851 7902 7919 7972

5167 5290 5293 5356 5394 5801 5811 5 66 5914 60 4

6692 69 8 6984 7051 7.20 7381 7486 7487 76>i5 7645 8415 8528 8581 8615 8746

8-93 8931 9101 9238 9525 9597 9822 9976 10062 10122

10248 1( 254 10438 10449 10497 10527 1053>10569 lo71L 10809 10928 11059 11080 11165 11259 11282 11495 11660 11672 11775 11953.

Telegraphische Depeschen -er Over» hesfischen Zeitung.

Paris, 10. August. Tie leg timistischen Blätter drucke» mit großer Befriedigung einen gestrigen Ar­tikel deS „Journals be Paris" über ben Frohsborfer Besuch ab, worin ei klärt wirb, baß bie Prinzen von Orleans dem Grafen Chambord gegenüber jeden An­spruch auf ben französischen Thron auigegeben haben. — Mac Mahon reist heute Abenb nach Tarbeö, um beii borkigen Schießversuchen beizuwohnen. Derselbe kehrt Mittwoch hierher zurück.

Madrid, io. Aug. Die CorteS haben ihre Ge­nehmigung zur gcrichilichen Verfolgung von 9 zum Auistanbe in Cartagena Üoergegangcnen Deputieren eriheilt. Die Minorität ber Ccrtes broht für den Fall, baß bie Regierung bie Arnnestieen verweigern sollte, an ben ferneren Berathungen nicht iheilzu nehmen. — Die Uebcrgabc von Granaba wirb be» stäligt.

Frankfurt a. M-, 11 August. (Sd>lu6 -Gourfe). Staatsbahn > Actien 355$, Elisabeth 226g, Galizier 232, Lombarden 197, Rordwestbahn 217, Creditactien 252, Silberrente 66^, Papierrente —, 1860r Loose 92j, Rational - bank 1025, Spanier M\. 1882t Amerikaner —.

Berlin, 11. August. (AnfangScourse). Grebitactien 142h Staatsbahn 204, Lombarden 113, Amerik. 97).