Dr. Schenkel zum Studium der Theologie meldete, um sich zur akademische Toccn-in auszubilden.
München. 8.Ang. Der König hat die auf den Reichsralh und Stifieprrpst Dr. v. Döllinger gefallene Wahl als Voisitz-nrer im Capitel des k Maximilians erben» für Wisseschaft und Kunst genehmigt. — Zum Vollzug der neuen Uniformirung und Adjusti rung der Armee hat daS k. Kriegeministerium nun auch eine nähere Beschreibung der Seitengewehre der Oifiziere, Aerzie und oberen Beamten, dann der Unter oifiziere und Mannschaften, sowie eine Beschreibung der Wehrgehänge erlasse. — Nach dem heutigen amt lich.n Bericht sind an der Cholera und choleraver wandten Krankheiten vom 6. Abends bis 7. Abends hier 17 Erkrankung-' und 6 Todesfälle vorgekommen, und beträgt seit 25. Juni b. I., tro der erste Fall, von einem Ameiikaner auS Wien hier eingeschleppt, vorkam, die Zahl der Elkrankungen 63 und jene der Todesfälle 22. In Uebereinstimmung mit dem Ge sundheiiSralh hat nun die t. Polizeidirection heute weitere Maßregeln gegen die Cholera angeordnet und gleichzeitig Elmahnungen an das Publikum in Betreff der Lebensweise rc. erlassen, deren strengste Beobach; tung im Interesse deS Einzelnen wie der Gesammtheit dringend zu wünschen ist. Da die Ansammlung größerer Menscheiimassen der Krankheit leicht Vorschub leistet, so wird die Behörde größere Versammlungen vorerst nicht weiter gestatten. In Folge dessen wird nun zunächst der deutsche GenossenschaflStag, die Fah nenweihe des Veterairen- und KriegervereinS und die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutsch landS, welche in den nächsten Wochen hier abgehalten werden sollten, nicht stallfinden können; bezüglich der erwähnten Generalversammlung ist das auch bereits heute beschlossen worden. Die schönen Reden, welche für diese Generalversammlung schon fix und fertig vorbereitet sind, müssen danach vorerst zurückgelegi werben. Abgesehen von den vorgekommenen Cholera und Cholerinen-Fallen ist übrigens der GcsundhitS zuftand Münchens ein sehr befriedigender, und es be st.hl unter den Aerzten noch immer die Ansicht, daß von einer Cpivemie, wenigstens bis jetzt, keine Rede sein tonne. Die starke Hitze, welche wrr fortwährend haben, läßt indessen die weitere Ausdehnung der Krankheit befürchten. — Den hiesigen Ausstellern in der Wiener Weltausstellung sind für die Kosten der Ausstellungsräume u. s. w. Rechnungen in wirklich so enormen Beträgen zugestellt worden, daß unter ben- selben die allergrößte Unzufriedenheit herrscht, und nun aus morgen Abend eine Versammlung aller Aussteller angeordnet wurde, um zu beraihcn, waS zu thun ist, um solchen ungeahnt hohen Auslagen zu entgehen. — Die Nachrichten über bevorstehende Besuche auS dem k. k. österreichischen Regentenhause an unserem Hofe werden iir der „A. A. Z." osfieiös demenlirt.
Regensburg, 8. Aug. Der Kaiser bewilligte während seines neulichen Aufenthaltes hierselbst für
einem Jahre diente ich in einer deutschen Residenz einem Grafen, bei dem ich in Ungnade fiel, weil ick in G'Mcinschaft mit dem jungen Herrn gegen ihn compiriite, wenn man sich so ausdrücken will, und marrcheS ergötzliche Stückchen könnte ich Ihnen erzählen, wenn Sie die Gewogenheit haben wollten, mich anzuhören."
Der Freiherr musterte eine Weile mit prüfendem Blick den vor ihm Stehenden vorn Scheitel bis znr Fußsohle und fand wie cs schien, Gefallen an dem fräpigen, stattlichen Manne, er konnte sich nicht »er hehlen, daß man ihn um einen solchen Diener, der in der reichen Livree sich noch weit stattlicher auS nehmen mußte, beneiden würde, und schon war er halb geneigt, denselben zu engogirm. Zuvor jedoch wollte er demselben noch schärfer auf den Zahn fühlen und sich überzeugen, wie weit er ihm vertrauen konnte.
„Und in welcher Weife conspirirtest Du gegen Deinen Herrn?" fragte er.
„Der junge Herr Graf halte seine eignen Passionen", entgegnete Lohhausen. „Er liebte den Wein. daS Spiel und die Weiber, war dabei ein freigebiger, gutmütiger Herr, uns da konnte eS nicht fehlen, daß ich mich bald zu ihm hingezogen fühlte und ihm mehr anhing, als dem alten Grafen, dem eS Keiner recht machte."
Der alte Herr wollte mich als Spion gegen-fein eigenes Fleisch und Blut benutzen, er besohl mir, s.i nem Sohne auf Schritt und Tritt zu folgen und ihm Alles, auch das Geringfügigste zu berichten. Dagegen sträubte sich einerseits meine Ehre, andererseits meine Liebe zu dem jungen Grafen; ich verrieih ihm den 81u|trag feines VaterS und leistete ihm nun doppelte Dienste, indem ich ihm bet jeder Gelegenheit mit Rach Uno Thal treu zur Seite stand und dem allen Herrn vorlog, fein Schn führe, einige unbedeutende Extra vaganzen abgerechnet, den solidesten Lebenswandel."
„Herrlich l" fiel der Freiherr dem Redenden ins
die vom Brandunglück so schwer heimgesuchten Bewohner der Stadt Cham (Oberpfalz) die Summe von 1000 Mark in Gold. Dieser Betrag ist durch Ver mitklung der preußischen Gesandtschaft in München bereits an daS Hülssccmite der Stadt Cham ahgesandt worden.
Würzburg, 8 Aug. Noch am Ende des Studienjahres sieht sich unser akademischer Senat gezwungen, folgenden, vom 3. d. M. batirten Anschlag am schwarzen Brette anzuhesten: „Angesichts der jüngst zwischen Angehörigen mehrerer Verbindungen unserer Hochschule staitgehabten höchst beklagenSwerthen Rauf excesse, bezüglich welcher die DiSeiplinar-Untersuchung bereits eingelcitet ist, sieht sich der akabemische Senat veranlaßt, die Stubirenden vor der Wiederholung solcher scandalöser, den guten Ruf unserer Hochschule ccmpromittircnben Auftritte ernstlichst mit dem Beifügen zu warnen, daß gegen die Schuldigen unnach siedtlich mit bett schärfsten DiScipliuarst,afen hingeschritten werden wird.
Straßburg, 8. Aug. Unter dem 10. Juli sind vom Retchskanzieromte die Regulative-vollzogen wor den, welche bestimmt sind, die Ausführung des Unter richtSgesetzes für Elsaß-Lothringen vom 12. Februar 1873 zu regeln. Durch dieselben werden mit Ausnahme der Fachschulen, die ihre Schüler erst nach vollendetem 14. Lebensjahr zur Ausbildung für technische oder industrielle Beschäftigungen aufnehmen, alle UnterrichlSanstaltett der Aufsicht der Sckulbehör- ben unterworfen und zur Einhaltung gewisser Nor men verpflichtet. Damit ist ein Schritt von nicht ge ringer Bebeutung nach vorwärts gethatt, wenn man bedenkt, baß es bisher eine Reihe von kirchlichen An stalten, namentlich katholischen, außerbem eine Menge von Privatschulen, besonberS Mäbchenpenstonate, gab, die sich entweder nur ganz oberflächlich ober noch gar nicht bett strengeren Forderungen deutschen Schulwesens bequemt hatten. Hier war bis jetzt der bequeme Zu fluchtsort für die Parteipolitik, die hier ein junges Geschlecht Heranwachfen sah, welches in denselben Grundsätzen erzogen wurde, die das Auge der Eltern befangen hielten. Es war hohe Zeit, daß das Gesetz erlassen wurde, und höchste Zeit ist es, daß es zur Ausführung kommt. Eine Wirkung desselben sehen wir in der Schließung des katholischen Gymnasiums von Colmar, bas sich jenseit bet Grenze in die Ge gend von Belfort flüchtet, weil feine geistlichen Obern nicht den Willen haben, dasselbe unter das neue Gesetz zu stellen, und seine geistlichen Lehrer nicht im Stande sind, die geforderte Befähigung nachzuweifen. Aehnlich wird die Frage an alle anderen oben be zeichneten Anstalten herantreten. Das Wichtigste aus dem zweiten Regulativ für die höheren Schulanstalten ist offenbar der § 10: „Die Unterrichtssprache in allen höheren Schulen ist die deutsche; der Unterricht in der französischen Sprache darf mittels dieser Sprache selbst erlheilt werben, wenn ein genügendes Verständ
Wort. „Mir scheint, ich habe in Dir meinen Mann gesunden, aber erzähle weiter."
„Der junge Herr hatte unter anderen Liebesverhältnissen auch eine Verbindung mit einer bildhübschen Frau", fuhr der Eisengießer fort, „deren Ehemann ein eifersüchtiger, mißtrauischer Narr war. Mir lag es ob, die Wache zu halten, wenn der Graf in den Armen der Schönen ruhte, und treu und ehrlich erfüllte ich meine Pflicht. Da fügte eS sich eines Abends, daß der Ehemann plötzlich unvermuihet nach Hause kam, noch ehe mein Herr dasselbe verlassen hatte, und ohne Zögern, die Folgen nicht beachtend, stürzte ich aus meinem Versteck auf ihn zu, faßte ihn, bevor er die HauSthüre erreichte und warf ihn zu Boden. Hätte mein Herr die Geistesgegenwart gehabt, während des Tumults, den ich durch meinen Angriff beabsichtigte und auch erreichte, die Flucht zu ergreifen, so wäre die Geschichte ohne alle weitere Folgen für und glücklich abgelaufen, er verlor aber die Fassung und zog eS vor, sich in einem Kleidersch ranke zu ver bergen, in welchem der Gemahl der Dame, welcher Zweck und Grund meines Angriffs ahnte, ihn nach kurz- m Suchen fand. Es kam zu beleidigenden Aeu- ßerungen und schließlich zum Duell, in welchem mein Herr baS Glück haue, seinen Gegner zu tobten."
Der Freiherr sprang auf. „DaS war fatal," versetzte er, „Donner und Doria, die Affaire nahm ein traurige- Ende. — Tu erzählst gut, und ich finde Gefallen an Dir, — doch jetzt zum Schluß."
„Der Schluß ist leicht zu errathen," erwiderte Lohhau'en, „der Graf mußte flüchten, fein Vater erfuhr Alles, und ich wurde entlassen. Unter den jungen Herr en in der Residenz waten Viele, die mich gerne in Dienst genommen hätten, aber die Alten gaben’ö nicht zu, und da die Polizei auch anfing, mir allerlei Schwierigkeiten zu bereiten, so zog ich es vor, die Stadt zu verlassen und zu meinem alten Handwerk zurückzukchren."
niß dafür vorhanden ist. Wo besondere Verhäliniffe es nöthig machen, darf der Oberpräsident den Gebrauch der französischen Sprache für den Unterricht in bet Mathematik in ber Physik und in der Chemie noch für bestimmte Zeit gestatten." Aehnlich wird für bat lranzöfische und das gemischte Sprachgebiet noch eine erweiterte Benutzung der französischen Sprache gestattet. Das ist die Antwort auf die Rufe über Unterdrückung der französischen Sprache, die wir iit letzter Zeit wieder häufig hörten. Dem Verständigen wird das verständlich und genug sein, dem Unverständigen wird man überhaupt nie genug thun können.
ÄnBlaxe.
Wien, 8. Aug. Tie von mehreren Zeitungen gebrachte Nachricht, Oesterreich sei für die französische Fusion und Restauration thätig, oder weuigstens der selben förderlich, wird in Regienmgskteisen als erfunden bezeichnet. Die ber Regierung näher fteheiiben Zeitungen finb entsprechenb injormirt. — Der internationale Patenteongreß hat einen ständigen Ausschuß ernannt, ber aus Mitgliedern aller Länder bestehl und für die weiteren gemeinschaftlichen Ziele deS Con- gresses zu wirken hat. — Nach achttägigem Aufenthalte hat gestern bet Schah Laxenburg verlassen, um die Reise nach dem Orient anzutreten. Ter Kaiser allein begleitete feinen Gast bis zum Bahnhofe. Auf dem Perron befftlben reichten sich die beiden Monarchen die Hände, worauf der Schah den Hofwaggon bestieg. Er erschien alsbald am Fenster desselben, wechselte mit dem Kaiser noch einige Worte in französischer Sprache und grüßte nochmals als sich der Zug in Bewegung setzte. Der Kaiser fuhr hieraus nach Echöi-brumi zurück. In Penzing bestieg den Zug des Schah, bet Dort 10 Minuten hielt, ber türkische Botschafter, welcher bem Schah bis Brindisi das Geleite gibt Sowohl auf dem laxenburger wie auf bem penzinger Bahnhofe halte sich nur ein kleines Publikum einge- funden. — Gestern Mittag um 12 Uhr fand im Lustschloffe Scbönbrunn ber Empfang der neuvermählten Frau Erzherzogin Maria Theresia, geborenen Prinzessin von Braganza, Gemahlin des Erzherzog- Karl Ludwig, statt. Der Kaiser und die Kaiserin, Die hier anwesenden Erzherzoge und Erzherzoginnen bewillkommten die Neuvermählten, worauf die Vorstellung deS ersten OderhofmeifterS und der Oberhof- meifterin der Kaiserin, dann jene des Ministers de- kaiserlichen Hauses und deS Aeußern, der Oberhofchargen re vor sich ging.
Triest, 9. August. Ein Kanonenboot und eine Corvette sind von hier zum Schutze österreichischer Untertanen nach spanischen Gewässern abgegangeii; andere werden nötigenfalls Nachfolgen.
Paris, 9. Aug Der legitimistische „Union" behauptet zu wissen, daß die Vorgänge in FrohSdots einen günstigen Eindruck auf die europäischen 6 a» binetie gemacht hätten. Die Regierungen Preußen« und Italiens seien die einzigen, welche die wichlizc
„Und was bewegt Dich, demselben wieder zu entsagen?" forschte der Freiherr.
„Der Wunsch, einmal wieder in Kleidern zu stecken, in bene» ich mich vor den Leuten sehen lassen kann,' fuhr ber Eisengießer fort, „auch habe ich bie schwere Arbeit herzlich satt. Wollen Sie'- einmal mit mir versuchen, so schlagen Sie zu."
„Wann kannst Du eintreten?" fragte ber Freiherr.
„Uebermorgen," ernieberte Lohhausen; „wenn eS sein muß, morgen Abenb schon."
„Unb wie heißt Du?"
„Caspar Schneiber, gnädiger Herr."
„Wohlan, so nehme ich Dich in meinen Dienst,' versetzte ber Wüstling, „Du erhältst jährlich hundert Tbaler bei freier Station, außer den übliten Gratifikationen, je nach bem Grabe meiner Zufriedenheit mit Dir. Tu mußt Dich morgen Abend Punkt siebe« Uhr hier einfinben, ba ich um acht eine Reise anzu- treten gebende."
„Auf ber ich Sie begleiten soll?" fragte Lohhausen, bem es Mühe kostete, bie innere Erregung zv verbergen.
„Allerdings," fuhr ber Freiherr fort, „unb ich sage Dir jetzt schon, daß ich morgen Abend Deiner Dienste sehr bedarf, es handelt sich nämlich um eint — doch wirst Tu auch schweigen?"
„Wie daS Grab, gnädiger Herr."
„Also, eS handelt sich um eine Entführung."
„Pah, Kleinigkeit," versetzte der Eisengießer, gleit' gültig bie Achseln zuckend. „Eine Entführung gegen oder mit bem Willen der Same?"
„Gegen, guter Freund, und eben deshalb bedarf ich eines entschlossenen MauneS," erwieberte ber Freiherr, ber inzwischen an einen Sekretär getreten war. „Hier," fuhr er fort, bem Neuangeworbenen ein ©alb' »ück überreichend, „nimm da- Handgeld und find« Dich morgen pünktlich ein."
(Fortsetzung folgt.) ....
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