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Marburg, Dienstag, den 12. August.

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Oderhessische Zeitung

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söhnung verschiedenartiger, meist gleichberechtigter Jn- tereffen Bedacht zu nehmen, welche oft in einem schroffen Gegensatz zu stehen scheinen. Dazu kommt, daß eS sich theils um die Ausdehnung einzelner Gesetze auf die neu erworbenen Provinzen, theils um Ergänzung und Abänderung älterer oder neuerer Gesetze handel, und daß überall die Scheidegrenze zwischen der Com petenz ces Reiches und der Einzelstaaten in ErwL gung z» ziehen ist. In materieller Beziehung wird selbstverständlich eine natürliche Schranke durch den

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gedeckt sind, der Staat selbst soll 400 000 fl. beitragen und weitere 380,000 fl. dem Fonds zur Ergänzung des FideicommißvermögenS deS großh. Hauses ent» nommen werden.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22z gor., durch die Postämter 27 S«r. texcl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

DcS Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

I (Fortsetzung.)

’ „Hinter der Hecke versteckt, welche hart an das Hau« des Wucherers stößt, warten wir ruhig ab, dis sie unb der Freiherr hi der Falle sind, — im Hause selbst wird der L.tztere sich keine Gewaltlhätigkeit gegen das Mädchen erlauben —"

„Und wenn er es doch thäte?" warf Ritter ein, der sich mühsam zwang, seine Fasiunz zu behaupien.

„Tod ui'b Hölle! Ich zündete dem alten Hallun» ^Kn das HauS über dem Kopfe an!" fuhr Lohhausen ist wilder Erregung fort, „maffacriren wollte ich beide Schutte —*

„Dein Plan hat ein Loch," unterbrach Ritter den Bttunb, der, in seinem Zorne sich und seine Umgebung vergessend, mit der geballten Reckten auf den Werk- stich schlug, daß daS Werkzeug klirrend in die Höhe sichr. „Zum Ersten würdest Du durch Dein Mord» tannen dem Mädchen die Ehre nicht zurückgeben und M Anderen dafür auf dem Schaffet büßen muffen;

bleibt bei meinem Befcklusie, wir machen der Poli >i Anzeige, wozu wir um so Mehr genölhigt sind, •W ich morgen Abend Dir meine Hülfe nicht zusagen tenn, indem ich gegen acht Uhr zur Entgegennahme tdichiiger, auf meine Zukunft Bezug habender Milchet siiNz.n im König von England mich einfinden muß."

„Ist dem so, dann bleibt eS bei meinem eisten Plane, den ich vor wenigen Tagen entwarf, alS Tu "vch nicht um mein Gehetmniß wußtest, und ich aus ®i» allein ongemüfen war. — Frage nickt, worin ^rselbe besteht, Du würdest ihn vielleicht für zu ober- schlich halten, als daß er gelingen könnte, und dock b» ich meines Erfolges sicher. Willst Tu mir ver trauen? — Ich gelobe Dir bei Allem, was mir heilig •ft, daß kein Haar auf dem Haupte Deiner Braut

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Aug. Je lebhaftere Theilnahme man in weiten Kreisen den Verhältnisicn der ländlichen Arbeiter uud der Auswanderungsfrage zuwendet, schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", um so begreiflicher ist die Ungetulb, mit welcher man den in Aussicht genom­menen Maßregeln der Staatsregierung zur Abhülfe der erkannten Nothstände und etwaigen Beschlüssen dev gegenwärtig im landwirthschaftlichen Ministerium liigetiven Conferenz entgegensiehl. Zur Verhütung irriger Aussassungen ist darauf hinzuweisen, daß die commissarischen Berathungen im landwirthschaftlichen Ministerium nicht dazu bestimmt sind, unmittelbare Beschlüsse herbeizuführen, sondern daß dieselben nur dem Zweck dienen, ein auS Anträgen, Resolutionen, Petitionen rc. zusammengesetztes umfangreiches Ma­terial zu sichten und sodann Beschlüsse des königlichen StaatSmimsteriumS über etwaige administrative Maß­nahmen vorzubereiten. Eine Veröffentlichung der Con ferenz Protokolle, sei eS in voller Ausdehnung, sei es im Auszuge, würde, abgesehen davon, daß die Arbeiten der Conferenz noch nicht zum Abschluß gelangt sind — schwerlich zur Orientirung des öffentlichen Ur- theils beitragen, sondern nothwendig Mißverständnisse Hervorrusen, da im Voraus sich auch nicht entfernt bestimmen läßt, welche Beschlüsse das StaatSmini- sterium auf Grund der Protokolle faffen wird. Uebri gens wird man wohl thun, die überaus großen Schwie- rigkeilen, welche bei der Bewältigung der Materie und der Beschlußnahme über zMckmäßige Abhülfe

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unanfechtbaren Grundsatz gezogen, daß dem Gebiete I wovon über 500,000 fl. durch die Versicherungsgelder der socialen und wirthschaftlichen Entwickelung nicht - -- -- - - *

direct und bestimmend, sondern nur unmittelbar, höch­stens anregend einwirken kann.

Pose«, 9. Aug. Die „Osipreußische Ztg." meldet: Tie Criminaldeputation deS hiesigen Kreis­gerichts beschloß auf die persönliche Vernehmung dcS Erzbischofs Letochowski zu verzichten und in contu­maciam zu verhandeln.

Paderborn, 6. Ang. Das „Westfälische $61." schreibt: Das gestern hier zu Ehren der Mitglieder des CentrumS stattgehabte Fest ist wahrhaft glänzend ausgefallen. Es betheiligten sich an dem Festmahle über 300 Personen und von den eingeladenen Abge­ordneten 8, nämlich Sc. Excellenz der StaaiSminister a. D. Dr. Windthorst aus Hannover, Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath v. Savigny aus Berlin, die Herren Landralh ■ Freiherr v. Landsberg aus Lü dinghausen, RegierungSrath v. Mallinckrodt aus Nord- horchen, Pfarrdechaut Dr. Kampschulte aus Höxter, GerichtSrath Evers auS Büren, KreiSrichier Engels aus Warburg und GerichtSrath Huffer von hier. Von dem Appellationsgerichts - Präsidenten Dr. v. Gerlach aus Magdeburg ging dem betreffenden Cemils nach stehendes Schreiben zu: „Heidelberg, 5. August. Die gütige Einladung, welche Sie, verehrte Herren, an mich haben ergehen lassen, hat mich erst vorgestern auf einer Reise in die Schweiz erreicht; ich hätte ihr sonst mit Freuden Folge geleistet; denn eS wäre mir eine Ehre gewesen, einzustimmen mit Ihren Festgenoffen in den gemeinsamen Ausdruck unserer Vorsätze, zu beten und zu arbeiten für die besten Interessen der Kirche GotteS und des Vaterlandes. ES bleibt mir nur, Ihnen meinen besten Dank zu sagen für Ihre geneigte Absicht, an welchen Dank der Wunsch sich anschließt, Ihnen bald einmal diese meine Gesinnungen mündlich auszusprechen, als Ihr dankbar ergebener Dr. v. Gerlach."

Darmstadt, 8. Aug. Nach der den Ständen zugegangenen Theatervorlage belaufen sich die Kosten des Neubaues nach dem zweiten Semper'schen Plaue (einzelne Modificationcn Vorbehalten) auf 1,204,000 fl. werden soll. — Du kennst diese Faust," fuhr er, die geballte Rechte erhebend, fort, als er in den Blicke» des Freundes las, daß dieser in die Wahrheit seiner Behauptungen Zweifel setzte, „Du weißt, wohin sie fällt, da wächst hin Gras mehr und zudem ist Dir zur Genüge bifannt, daß ich eben nicht auf den Kepf gefallen bin und durch kühnes, besonnenes Handeln schon manchen Schurkenplan vereitelt habe."

Ritter schlug in die bargebetene Rechte ein.

»Ich vertraue Dir," versetzte er; „Du weißt, was auf dem Spiele st.ht unb wirst es nicht vergessen."

„Der Gefahr auS dem Wege gehe», anstatt ihr mit Muih unb Energie begegnen unb sie zurückwersen, hsißt, sie Verboppeln," sagte Lohhausen, als er da« Schurzfell abwarf und den Rock anzog, um zum Mittagessen zu gehen, unb Ritter mußte in diese Be- Häuptling einfiimaien, so wenig eö ihm auch brhagte, seine Braut einer solchen Gefahr ausgesetzt zu wissen.

Kaum hatte Lohhausen sein bescheibenes Mahl ver­zehrt unb einen kurzen Augenblick Siesta gehalten, als er sich auf den Weg zur Wohnung deS Freiherrn machte.

Der Portier musterte den herkulisch gebauten' Eisen breher mit nichts weniger als gnäcigeu Blicken, alS dieser nach dem jungen Herrn fiagte, und wohl nur ber Respect, welchen ihm die sehnige Faust btffelben einflößen mochte, beweg ihn, in zwar nicht höflichem, aber doch auch nicht barschem Tone dem ungebetenen Gaste ein Zimmer anzuweisen, in welchem er auf die Rückk-Hr des gnädigen Herrn, der eben bei Lisch sei, warten könne.

So ungelegen dem jungen Manne diese Verzöge rung auch kam, sah er doch ein, daß er sich in Ge­duld fügen mußte; eben hatte er die an den Wänden hängenden Gemälde zum dritten Male bis m's kleinste Detail gemustert, al« der junge Freiherr eintrat.

„Was wollt Ihr von mir?" fragte der Letztere barsch. „Habt Ihr irgend ein Anliegen an mich, so

nb maßregeln zu überwinden sind, nicht aus den Augen zu verlieren. Es ist auf die Berücksichtigung und Ver-

Karlsruhe, 9. Aug. Um die hinsichtlich der Militä» pflicht der Theologen obwaltenden Zweifel zu dtseitigen, verfügt eine Bekanntmachung deS Ministe­riums des Innern ^vom 24. Juli, baß in Ucbenin» stimmung mit ben in Preußen maßgebenden Bestim­mungen die Zurückstellung von Theologen vom Mili­tärdienst künftig nur noch auf Grund des §. 159 ber Militär - Ersatz - Instruktion erfolgen bars. Würben Theologen gemäß §.44 1 derMilitär-Ersatz-Justrnction bisher zurückgestellt, so können sie von ter Ersatz« dehörbe dritter Instanz ohne Rücksicht aus das Lebens-, aller nachträglich die Berechtigung znm einjährigen Freiwilligendieuft erhalten, wenn sie die hierzu erfor­derliche wissenschaftliche Qualifikation beim Ablauf deS ihnen bewilligten Ausstandes nachzuweisen vermögen. Geistliche, welche eine Beurkundung deS Ministeriums des Innern darüber vorlegeir, daß sie in Baden a. ein Kirchenamt bekleiden ober b. zur Bekleibung eine« Kirchenamtes befähigt (Gesetz vom 9 Oclober 1860, „die rechtliche Stellung der Kirchen rc belreffenb", §. 9, Verordnung vom 6. September 1867 „die all­gemein wissenschafttiche Vorbildung der Geistlichen be­treffend") unb mit der einstweiligen oder aushülfs- weisen Verwaltung eines solchen Amtes betraut sind, dürfen von den Departements - Ersatz Commissionen nach Maßgabe ihres Lebensalters ber Ersatz-Reserve überwiesen werden. Die katholischen Theologen, welche sich bisher ber Prüfung über bie allgemein wissen­schaftliche Vorbildung der Geistlichen glaubten entziehen zu sollen, werden nun die Eifahrung machen tonnen, »aß es denn doch nicht so harmlos ist, den StaatS- gesetzen Trotz zu bieten. — Von dem am 2. d. ge­faßten Beschlüsse deS Senats der Universit ät Heidel« be,g, welcher bie Frage der Zulassung von Frauen zum akabeniischen Studium absolut veruiiueiid emsckie» den hat, wirb auch eine Unitarierin auS England be­troffen, welche an bemselben Tage sich bei Kiichenrmh kommt in einigen Tagen wieder, ich bin heute zu der­gleichen Gingen nicht aufgelegt."

„S>e fertigen mich ab, noch ehe Sie wissen, wa« mich hierher führt," erwi/derie Lohhausen, „ohne zu bedenken, daß ich bereits seit einer halben Stunde auf Sie warte. Ich dächte, wenn Sie heute keinen Be­such empfangen wollten, häiten Cie mir dies wohl durch den Portier anzeigm können."

Der Freiherr zündete eine Cigarre an und warf sich in einen Sessel. „Mackt es kurz," versetzte er, „was wünscht Ihr von mir?"

„Ich komme, Ihnen meine Dienste anzubieten," entgegnete ber Eisengi ßer, dem eS schlecht gelingen wollte, eine Unterwüifigkeit zu heucheln, gegen die seine Natur sich sträubte. „Zufällig bitte* ich vor einigen Tagen, daß Sie einen Diener suchen —*

„Wer sagte daS?" fiel der Freiherr erstaunt auf» schauend ihm in'S Wort. „Von wem habt Ihr da« Gerückt vernommen?"

„Ich hörte eS im WirthShause," fuhr Lohhausen fort, „ber Mann war mir völlig unbekannt."

„Und ba habt Ihr Euch sofort oufgemacht, um bei mir die Linse onzuziih n?" warf brr Fieiherr ein. „Guter Freund, man hat Euch entweber zum Narren gehalten, ober Ihr selb selbst ein Narr, daß Ihr auf solches Gerede hin Euch Hoffnungen hingebt, die von ihrer Erfüllung sehr weit entfernt sind. Ich suche weder einen Dienet, noch bedarf ich eines solchen. — Freilich, wenn ber rechte Mann käme," fuhr er mit einem lauernden Seitenblick auf den geduldig Harrenden fort, „bann bedächte ich mich vielleicht, ob ich ihn unter meinem Personale noch placiren könnte, aber eS hält schwer, den zu finden, der in Allem mit mir übereinstimmt."

„Es kommt auf die Probe an," entgegnete Loh« hausen, der in seinen Blick, so viel ihm möglich, die Seele eincS verschmitzten Schurken zu legen suchte^ „ich war nicht immer da«, wa« ich jetzt bin. . Vor

itfrüuimt, daneben aber auch den AnschlSg n auf ihre Auhe und Ehre ein- für allemal ein Ende gemacht

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