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Ur. 187

Marburg, Sonntag, den 10. August.

1873.

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F Oberhessische Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22 J Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

ihren Bischof die staatliche Anerkennung zu erlangen hoffen, um dann ihre jetzigen tatsächlichen Verhält­nisse „zu rechtlich anerkannten zu gestalten". — Mit Theilnahme werden — nicht allein in Sachsen — die täglichen Gesundheitsberichte verfolgt, welche den Nestor unserer Monarchen, König Johann, in bedenklicher Kräfte-Abnahme erscheinen lassen.

In OesterreichUngarn hat die Politik bis auf die Wahlvorbereitungen der Parteien stille Zeit Der persische König der Könige weilt als Gast des Hofes in Laxenburg, aber zum Aerger der Wiener hat er sich in Wien fast gar nicht sehen kaffen und auch bei Hofe scheint es ihm wenig zu gefallen. Die Weltausstellung hat mit dem Schluffe des vorigen Monats ihre erste LebenShälfte vollendet; aber wäh­rend diese Hälfte den hochgespannten Erwartungen der Wiener so schlecht entsprochen hat, begann die zweite in der Nacht vom 1. auf den 2. August mit einem Brandunglück, das glücklicherweise auf die Zer­störung deS elsässischen Bauernhauses beschränkt blieb. — In Ungarn beschäftigt sich die Regierung mit Finanzgesetzentwürfen und zugleich mit der weiteren Besiegelung deS croatischen Ausgleichs. Die Einberu­fung des croatischen Landtags auf den 25. August ist erfolgt.

Die Rache der schweizerischen Bundesver­sammlung haben sich am Sonnabend bis zum 15. Sept. d. I. vertagt, wo dann unaufschiebliche Eisen- bahn-Concessioncn rc. erledigt werden sollen, um dann bei dem folgenden Zusammentretcn am 3. Nov. das große Revisionswerk zu beginnen.

Der Abmarsch der deutschen Truppen aus den letzten Resten des besetzten französischen Gebietes — von Verdun abgesehen — hat eine Menge von Freudenbezeugungen der Bevölkerung veranlaßt, welche wegen ihrer thiersfreundlichen und republikanischen Färbung der Versailler Regierung ein arger Dorn im Auge gewesen und von Oben herab nach Kräften zurückgehaltcn wurden. Den republikanischen Depu- tirten, welche in öffentlichen Versammlungen für ihre Zwecke bei den bevorstehenden Ergänzungswahlen zu wirken gedenken, soll das Handwerk gelegt werden,

Politische Woche«,Neberficht.

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Am Montag ist Kaiser Wilhelm nach Gastein ab­gereist und der Kronprinz an demselben Tage in Kristiania eingetroffen, nachdem er Tags vorher in jkiel den Grundstein zu einem neuen Universitätsge- bäude gelegt hatte. Der politische Gegenstand der ^gelaufenen Woche waren die energischen Maßnahmen, welche das deutsche Geschwader an den spanischen Mittelmeerküsten, jetzt unter Mitwirkung und in Ucber- mistimmung mit dem englischen gegen die Brand­schatzungszüge der meuterischen Schiffe des „CantonS Murcia" vorgenommen hatte. Die erfolgte Abberu­

fung des Capitäns Werner vom Commando des Geschwaders, zu dessen Uebernahme der bisherige Ober­werft - Director von Wilhelmshaven und Capitän zur See PrzewistnSki bereits abgereist ist, beweist, daß die Wegnahme der „Vigilante" die Billigung der «eichsregierung nicht gefunden hat. Die Reichsregie- r... rung mag dieselbe zum Zwecke deS Schutzes unserer '09 L-ndSleute in den bedrohten Küstenstädten für voreilig erachtet und darin eine Einmischung in die inneren Parteikämpfe Spaniens oder doch den bedenklichen Schein einer solchen erblickt haben. Es ist ja richtig, daß die junge Macht des neuen Deutschen Reiches noch von verschiedenen Seiten mit einigem Mißtrauen beobachtet wird und eine vorsichtige Zurückhaltung um so mehr geboten sein mag. — Im Innern geht unter deß die weitere Entwickelung des Conflicts wegen der preußischen kirchen-politischen Gesetze ihren Gang. Die B« preußische Regierung hat in Ausführung der Gesetze dem Elerical-Seminar in Fulda die Staatsunterstützung i, entzogen und die Verwaltung der Dementen.«Anstalt - des BiSthums Posen zu Storchnest mit einer ersten Geldbuße belegt, welche schon zu wirken verspricht. Dagegen verordnen fast überall die Bischöfe auch in Deutschland gleichzeitige Andachten mit Ablässen zu Gunsten der „verfolgten Kirche" auf die drei Tage ror dem Mariä HimmelfahrtS-Feste, 12.—14. August. “ Für den 11. August erwarten die deutschen Altkalho iiken die Consecration des am 4. Juni zum Bischöfe ’ erwählten Dr. Jos. Hub. ReinkenS durch den Bischof Hermann Heykamp von Deventer, worauf sie für

und über nähere Maßregeln zur Leitung der Wahl­bewegung ist in Paris mündlich mit den betreffenden Präfekten verhandelt worden. Die Augen der Mo­narchisten waren in dieser Woche in erster Linie nach Wien gerichtet, wo der Graf von Paris dem Grafen von Chambord einen Besuch gemacht hat. Welche Hoffnungen und Zwecke dieser Begegnung, deren po­litischer Charakter vorläufig noch in Rede gestellt wird, zu Grunde liegen, ist augenblicklich noch ein Familiengeheimniß der Betheiligten, falls diese selbst darüber ganz im Klaren sind. Vorläufig ist noch gar nicht abzusehen, wie es zu einer Fusion und ver­mittelst derselben zu einer monarchischen Restauration kommen soll.

Für das italienische Ministerium scheinen sich die Aussichten in so fern günstiger zu gestalten, als Minghetti bei seinem turiner Aufenthalte sich mit den Führern der piemontesische» Deputirten über ein freund­schaftliches Zusammengehen verständigt hat. Im Ue- brigen befinden sich fast alle Minister so wie auch der größte Theil der diplomatischen Vertretung fern von Rom. Die letzte päpstliche Allocution hat den exal- tirten Jesuitenfreunden im Vatican und in Frankreich wegen ihrer verhältnißmäßig ruhigen Haltung übel gefallen.

Die spanische Regierung hat bedeutende Fort­schritte in der Niederwerfung des kantonalen Ausstan­des gemacht. Zwei der stärksten Bollwerke der Re­bellion, Sevilla und Cadix, sind nach heißem Kampfe erobert worden. Als der General Pavia siegend in Sevilla einzog, that er dies in der grellen Beleuchtung brennender Gebäude, welche die unterlegenen rolhen Banden noch im letzten Augenblick angezündet hatten. Die Einnahme von Cadix wurde erleichtert durch den Umstand, daß die vorher zu den Rebellen übergegan­gene Artillerie innerhalb der Stadt zur Pflicht zurück- kehrte; sie hatte wohl schon die Fruchtlosigkeit des weiteren Widerstandes gegen die von dem Arsenal la Carraca aus operirenden und schon bis vor die Mau­ern von Cadix vorgerückten Regierungstruppen einge- sehen. Da auch in Granada und Malaga die Ord­nung hergestellt ist, so bleibt, abgesehen von einigen

_ Des Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

__ ' (Fortsetzung.)

„Nach Eurer Ansicht allerdings," versetzte Loh ■1 Hausen; „damit Ihr aber seht, daß ich nichts weniger - als ein solches Verbrechen beabsichtige, so will ich _ Euch einen neuen Schein, lautend auf die Summe, ” welche Ihr meinem Vater vor drei Jahren baar ge- — kicher, habt, aus stellen und mich verbindlich machen, diesen Betrag nebst den Zinsen zu fünf Prozent inner halb der nächsten fünf Jahre an Euch zurückzuzahlen. Genügt Euch das, so sucht den Schuldschein hervor «w das Geschäft ist abgemacht, könnt Ihr Euch aber kn dem Blutgelde nicht trennen, und weigert Ihr Euch, auf «einen gewiß billigen Vorschlag einzugehen, st betet einen kleinen Stoßseufzer, damit Ihr mir richt einst den Vorwurf machen könnt, ich habe Euch »-vorbereitet zur Hölle geschickt. Also entschließt Euch eins — zwei —"

Der Geizhals wartete das „Drei" nicht ab. „Ich »chme den Vorschlag an, weil ich muß," entgegnete tt, „schreibt den Schein, dort ist Feder, Tinte und Papier, ich gehe unterdeß, den Originalschuldbrief zu hvieu"

„Nicht von der Stelle geht Ihr," fiel Lohhausen - fyn ins Wort, „dorthin setzt Ihr Euch, während ich treibe, eine einzige verdächtige Bewegung und Ihr - Md des Todes, merkt Euch daSl"

Der Geizhals knirschte mit den Zähnen vor Wuth, j >«ß eS ihm nicht gelungen war, den Unerbittlichen in plumpe Falle zu locken; einen Blick auf den jungen ®tann werfend, in welchem glühender Haß und Rache­durst sich spiegelten, nahm er auf dem ihm angewiesenen z Stuhle Platz und wartete ruhig ab, bis Lohhausen ten Schein geschrieben hatte.

„So, und jetzt das Original!" versetzte der junge ®tann, dem Wucherer das Papier überreichend

Der Alte trat an den Sekretär und ein leiser Ausruf der Bestürzung entfuhr seinen Lippen als er bemerkte, daß er vorhin vergessen hatte, den Schlüssel abzuziehen. Mißttauisch sah er über die Schulter dem Eisengießer in's Antlitz, der diesen Blick mit einem Lächeln verächtlicher Geringschätzung erwiederte, dann öffnete er den Schrank, zog eine eiserne Kaffete hervor und nahm aus dieser ein Papier, welches er, bebend vor Wuth, seinem Schuldner übergab.

„Ich habe wohl nicht nöthig, Euch nochmals die strengste Verschwiegenheit auf die Seele zu binden," hob dieser an, nachdem er den Schuldschein eingesteckt hatte. — „Ihr kennt mich jetzt und wißt, daß ich vor keinem Wagniß zurückschrecke, ist Euch also Euer Le­ben lieb, so haltet reinen Mund."

Der Wucherer war so sehr eingeschüchtert, daß er es nicht wagte, die Vorübergehenden zur Verhaftung seines Schuldners aufzufvrdern, als er diesem die Hausthür öffnete. Als er hinter ihm die Thüre in's Dckloß geworfen und den Riegel vorgeschoben hatte, schossen die Thränen der Wuth ihm in's Auge, und gleich einem Wahnsinnigen sich geberdend, rannte er, nachdem er ein Kästchen mit Nägeln und einen Hämmer aus seiner Stube geholt hatte, die Treppe hinauf, um das Dachfenster vorläufig zu vernageln.

Fast eine volle Stunde nahm diese Arbeit in An spruch, als der alte Mann sie endlich beendet und die verbogenen Nägel sorgsam wieder in das Kästchen gesammelt hatte, durchwanderte er alle Räume des großen HauseS, in jede Ecke, jeden Winkel spähend, ob nicht ein Unberufener sich in demselben verborgen habe. Er legte darauf einen blauen Rock an, steckte die Anweisung in die Tasche und verließ das HauS, um das Geld einzukassiren.

Drittes Kapitel.

Der Vertrag.

Seit dem Abende, an welchem Ritter mit der Tochter des Bildhauers Hartwig sich verlobt hatte,

war der vordem so muntere Eisengießer still und schweigsam geworden, und dem Herzen des liebenden Mädchens verursachte es nicht wenig Kummer, daß der Bräutigam, wie es schien, verschmähte, ihr sein Geheimniß anzuvertrauni.

Denn ein Geheimniß wichtiger Art mußte eS fein, was die sonst so vertrauende, offene Seele des jungen Mannes bedrückte oder sollte gar schon die Neue über die Verbindung mit dem armen Mädchen ihn mit ihren Schreckbildern quälen? Doch nein, nein, Her­mann liebte seine Braut ja treu und wahr, und sein Entschluß war fein übereilter, sondern ein lang und reiflich überlegter gewesen, und täglich las Pauline ja deutlich in seinen Augen, dem Spiegel seiner Seele, daß er noch immer heiß und unwandelbar sie liebte. Bat sie ihn, ihr seinen Kummer zu neunen, sein Herz ganz und ohne Rückhalt vor ihr auszu­schütten, dann wich er entweder ihren Bitten aus oder er verließ unter irgend einem Vorwande das Zimmer. Daß ihres Vaters gegenwärtige Lage, daß jene Worte, welche dieser am Verlobungsabend kurz vor dem Ein­treten des jungen Mannes gesprochen halte, allein die Schuld an dem Grame deS weichherzigen, theil- nehmenden Bräutigams trugen, kam Pauline nicht in den Sinn, und doch war dem so. Tag und Nacht quälte Hermann sich ab, irgend einen Weg zu er­sinnen , auf welchem er dem zukünftigen Schwieger- vater, dessen unverschuldetes Unglück ihm in tiefster Seele wehe that, ohne das Zartgefühl desselben zu verletzen, wenn auch nur vorläufig, für die ersten Monate, helfen könnte; er wußte, daß jener nach Ablauf der nächsten acht Tage den MiethzinS zahlen mußte, und dies bei dem gänzlichen Mangel an loh­nender Beschäftigung nicht konnte, wußte, daß Pau­line durch ihrer Hände Arbeit die alten Leute er­nährte und bis in die späte Nacht hinein arbeitete, um dies zu können; dem Allem mußte abgeholfen werden, wenn das Mädchen nicht zu Grunde und das