Mr. 186.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal dur-b die Srvedition m----T7------~~ .-----7- r ■
1873.
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Marburg, Sonnabend, den 9. August.
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tzMerhessische Zeitung.
12. Die Epidemie sollenden
Neuesten der Kö-
Eisenach, 6. Ang. Auf der Tagesordnung des am 25. und 26. August r. dahier stattfindenden Anwaltstages steht auch die Frage, betreffend die Erhöhung der Taxen und Honorare für Advocaten und Anwälte, sowie Feststellung der Grundsätze, nach welcher bei anderweiter gesetzlicher Regelung der Materie zu verfahren (Berichterstatter Justizrath Dorn zu Berlin). Bemerkenswerth ist, daß der Vorstand des deutschen Anwaltsvereins diese Vorlage gemacht hat Während die Frage, betreffend die Verbefferung der pecuniären Lage anderer Berufs, und Beamtenklaflen die öffentliche Meinung und die Gesetzgebung in den letzten Jahre vielfach beschäftigt hat, ist von der Vcr- bcsserung der Lage des Anwaltsstandes nur selten die Rede gewesen, vielleicht, weil man dieselbe im Allgemeinen für günstig, ja für eine bevorzugte erachtete. Der Vorstand des AnwalSvereinS beleuchtet die Frage in den Motiven der Vorlage näher und bemerkt mit Recht, daß die Erledigung der Frage nicht bis zur Reform der Ge- nchts - Organisation ausgesetzt bleiben dürfe. Zwar hat eine Reihe durch Talent und Glück begünstigter Anwälte auch unter den gegenwärtigen DerhSltniffen
thanen im Gefolge haben. Deutschland wird in jenen Gewässern genau dieselbe Handlungsweise innehalten, Wie die anderen Großmächte und überall energisch nütreten, wo die Interessen seiner Schutzbefohlenen inS Spiel kommen. Es gatt nur, den Schein einer
— Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Meldung französischer Privattelegramme von einer Reise des deutschen Consuls in Cartagena nach Madrid, um zwei von dem deutschen Geschwader genommene In- surgentenschiffe der spanischen Regierung zur DiSpo sition zu stellen, zuverlässiger Quelle zufolge als unbegründet.
Intervention zu Gunsten irgend einer um die Macht streitenden spanischen Regierung zu vermeiden, umsomehr, als es uns ja überaus gleichgültig sein kann, wer schließlich dort das Regiment führt. WaS den zum Nachfolger deS CapitänS Werner ernannten Werftdirector PrzewisinSki betrifft, so führte derselbe früher die Handelsmarine an und trat 1847 zur preußischen flotte über. 1867 ward er Corvetten- Capitin, al» welcher er eine Zeit lang die „Medusa" führte und ist seit December vorigen JahreS Capitän zur See. — Dem General der Infanterie z. D. von Monstern ist vom Kaiser der schwarze Adlerorden verliehen worden. — Im hier garnisonirenden Kaiser- Franz Regiment sind choleraartige Krankheitserschci- »ungen eingetreten und ist das zweite Bataillon daher heute nach Lösten und Mittelwalde auSmarschirt. — Der vortragende Rath im Staatsministerium, Herr Jacoby, hat sich nach Mannheim begeben, um an den dortigen Rheinschifffahrtsconserenzen chcilzunehmen. — Liberale Blätter machen der „Prov.-Corresp." den Lorwurf, daß sie sich so angelegentlich mit der liberalen Opposition beschäftig« uub die konservative ganz außer Acht lasse. Man kann sich indesten beruhigen; die Regierung weiß sehr gut, daß ihr auf beiden Seilen die Ultras gram sind und hat das Widerstreben der Herren v. Kleist-Retzow und Stroster kei- ae-wegs vergessen. UebrigcnS hätte man bei einer Vergleichung der letzten Nummern des halbofficiellen Blattes eigentlich erwarten sollen, daß dasselbe eine Meine Rundschau über das Heer der Gegner hält, »eiche bei den Wahlen gegen die nationalen Anforderungen loSzustürmen gedenken. Da ist eö natürlich, daß die Slteften Gegner zuerst inS Auge gefaßt werden i and die Musterung in chronologischer Reihenfolge i stattfindet. 1
■ Das statistische Amt des Deutschen Reiches I unter der Leitung des Geh. RegierungsralhS Meitzen 1 9at, wie der „Weser Zeitung" geschrieben wird, ein ' sehr dankmSwerthes literarisches Unternehmen begonnen. 1 Unter dem Titel „Statistik des Deutschen Reiches" werden von nun an zwanglose Bände statistischen Materials erscheinen. Der erste Band, welcher die Anordnungen deS Bundesrathes über die gemeinsame Statistik der deutschen Staaten enthält, liegt nahezu vollendet vor. Das erste Heft des zweiten Bandes, das sich fast-ausschließlich mit Zoll- ünd Handels tatistik befaßt, ist bereits in unseren Händen. Die hervorragendste Arbeit dieses HefteS ist eine Uebersicht der Ein und Ausfuhr deö deutschen Zollgebietes im 1. Quartal 1873. Es wird hier 1) eine Uebersicht öer eingeführten Waaren gegeben nach den einzelnen Waarengattungen und den Verwaltungsbezirken, inner halb welcher der Uebergang erfolgte, sowie eine Vergleichung mit dem entsprechenden Zeitabschnitt des Vorjahres und Ziehung des Resultats nach Plus und Minus; ebenso 2) eine Uebersicht der ausgeführten Waaren und schließlich 3) eine vergleichende Zusam incnstellung beider mit den Resultaten nach Plus und Minus. Von den sonstigen Materialien dieses HefteS ist die Statistik der inländischen Zuckerproduktion und das Hauptergebniß der Volkszählung im Deutschen Reich vom 1. Dezember 1871 hervorzuheben. Wir können hier auf das ungemein reiche Material, das für Industrielle, Kaufleute und Volkswirlhe von größter Wichtigkeit ist, nicht näher eingehen, sondern möchten nur daran erinnern, wie heilsam gerade auf dem Gebiete der Statistik eine gewisse Centralisation wirkt. Aus den zersplitterten landes - statistischen Arbeiten waren ja Resultate von allgemeinem Werth 1 kaum zu ziehen. Abgesehen von der höchst ungleich 1 artigen, nach den verschiedensten Grundsätzen angeker- । kigten Bearbeitung beeinträchtigte die Beschränktheit i brs Gebietes, woraus das statistische Material gezogen I wurde, im höchsten Grade den Werth. Alle wichtigen !
Deutsches «eich.
*# Berlin, 7. Aug. Die gestrige Mittheilung der „Nordd. Allg. Ztg " über die Abberufung des Lapitäns Werner wird hoffentlich alle diejenigen be ruhigen, welche befürchten, dieser Wechsel im Com- mando könne eine Benachtheilignng de,rischer Unter
Erscheinungen, die Bewegung der Bevölkerung, die Production, der Waarenverkehr boten ja, in den Grenzen kleiner Gebiete beobachtet, ein unzutreffendes Bild. — Die Übersichtlichkeit, Genauigkeit und zweckmäßige Anordnung der vorliegenden Arbeit ist sehr zu loben. Wenn das Werk neben den eingehendes Studium erfordernden Zahlenreihen in der nächsten Z"k, wie eS verspricht, auch monographische Arbeiten von allgemeinem Jntereffe bringt, so wird eS sicherlich den Beifall aller Kreise sich erwerben, die für volks- wirthschaftliche Dinge Jntereffe haben.
Königsberg, 6. August. Die „Ostpr. Ztg." meldet das nunmehr officiell cvnstatirte epidemische Auftreten der Cholera, an der bis gestern 164 Personen erkrankt und 85 verstorben seien. Die Zahl der täglichen ErkrankuNgSfälle beziffert sich auf 20 bis 25, die der Todesfälle auf 10 bis - - „Ostpr. Ztg." fordert im Hinblick auf die die Unterlaflung deS am 0. d. beginnen Manövers. -ß ru l
Dresden, 7. August. Laut dem aus Pillnitz eingetroffenen Bulletin hatte nig eine weniger gute Rächt; im klebrigen ist fein instand unverändert.
Des Schicksals Fügung.
NovAle von Ew. Aug. Röntg.
(Fortsetzung.)
ES war völlig finster in dem Raume, in welchem er sich jetzt befand, und selbst als der Wucherer ein Talglicht angezündet hatte, mußte daS Auge sich vorher an das Halbdunkel gewöhnen, ehe es die Gegen- Hnbe unterscheiden konnte. Auf die innere Ausstat- dmg diese» kleinen, niedrigen Gewölbes, in welchem wie ungesunde, feuchte Luft herrschte, hatte der Geizhals einen ganz besonderen Werth gelegt, schwarz ^ckirte Bretter bedeckten den Fußboden, ebenso waren & Mauern mit einer schwarzen Tünche überzogen.
In der Mitte des Gelasses stand ein kleiner, ei= stttier Tisch, vor diesem ein Sessel, dessen Sitz auf kiaer Schraube ruhte, neben ihm zwei große, eifenbe- ihlagene Kisten, die vermittelst eiserner Bänder und weeter Nägel an den Boden befestigt waren. Auf ffw Tische neben dem Leuchter lagen zwei Doppel- kipolen und ein Dolch.
Der Wucherer ließ eine Weile seinen Blick auf Nn >eiden Kisten ruhen, und ein Lächeln innerer Be- skirdigung breitete sich über sein hageres Antlitz, dann »b am äußersten Ende des Gemachs eins ber] httter in die Höhe, nahm einen Stein aus dem Fuß- «dm und zog zwei Schlüffe! hervor. Langsam und Mächtig, im Vorgefühl der Frmde schwelgend, die ?er harrte, näherte er sich dem ersten Kasten, er Mete ihn und weidete sich eine Weile an dem Glanze ss Silbers, welches bei dem matten Scheine des ^alglichtes ihm entgegenfunkelte, dann öffnete er die ^tte Caffe und ein Freudenschrei entrang sich seinen kppen, während er mit gieriger Hast feine Hände in
Goldhaufen verschwinden ließ.
„Wie das blitzt und funkelt!" murmelte er, das Licht näher rückend und mit den Goldmünzen spielend „Wer kann mir einen Genuß neunen, der diesen auf wiegt? Was schlummert nicht in diesem Schatze, den ich mein, mein eigen nenne! Rang, Ansehen, Würden, Verstand, Macht und Ruhm; alle Tugenden kann ich zwingen, mir unterthan zu sein, einen Glorienschein kann ich um mein Haupt verbreiten und meinem Namen Unsterblichkeit verleihen!"
Er setzte sich in einen Sessel, zog eine Börse aus ber Tasche und schüttete den Inhalt derselben auf den Tisch.
„Die.Thoren sagen, es sei Beutgeld", fuhr er höhnisch lachend fort, „wenn sie'S einkassiren könnten, statt daß sie's zahlen müssen, würden sie anders sprechen. Jst'z meine Schuld, wenn die Leute nicht zurückzahlen, was fic geborgt haben? Ich mache mich bezahlt, und geben's die Leute nicht gutwillig, je nun, weshalb sind Gesetze vorhanden?"
Er hatte inzwischen die verschiedenen Münzen ver- mittelst einer kleinen Bürste gereinigt und sie nach der Beschaffenheit ihre- Metalls in drei Häufchen ge- iheilt. Er ließ jede Münze auf die eiserne Tischplatte fallen, lauschte mit vergnügtem Grinsen dem silberhellen Klange und warf sie dann einzeln in die beiden Kaffen, das Gold zur Rechten, das Silber zur Linken.
Noch einmal ließ er seinen Blick über die funkelnden Haufen schweifen, dann steckte et die Kupfermünzen in die weiten Taschen feiner Beinkleider, schloß die Kisten zu, legte die Schlüssel wieder in ihr Versteck, löschte baö Licht und kroch, nachdem er das Faß wie der bei Seite geschoben hatte, in den vorderen Keller- rau« zurück. Mit einer Geschicklichkeit, welche die
lahrelange Hebung verrieth, fügte er die Steine fünfte gerecht wieder in die Oessnung, er rückte das Faß an Ort und Stelle, sah sich noch einmal prüfend um, ob »gend ein verrätherisches Zeichen zur Entdeckung de» GeheimniffeS führen könnte, und verließ dann den Keller, dessen beide Thüren er sorgfältig hinter sich verschloß. 1
Ein schwerer Seufzer, der Ausdruck des Kummers daß er seinen Schatz wieder verlassen mußte, entrang öffnet""" ^ust, "IS er die Thürejzum Wohnzimmer
Erdfahl, vor Schrecken unfähig einen Laut her- vorzubnngen, blieb er wie versteinert stehen, als sein erster Blick auf einen Mann fiel, der das Haupt in bie Hand gestützt, am Tische saß und wie es schien, m dusteres Brüten versunken war.
Noch ehe Kleber sich von dem Schrecken so wett erholt hatte, daß er um Hülfe rufen konnte, war der Aremde, durch das Geräusch aus seinem Brüten geweckt, aufgeftanben unb vor ihn hingetreten.
„Der leiseste Schrei, ber geringste Versuch zur Flucht ober Herbeischaffung eines Dritten, kostet Euch das Leben , hob er in festem Tone an, währenb er «in Pistol aus ber Brusttafche zog unb bie Münbung beffelben vor bie Stirne bes bebenben Wucherers hielt.
S)er robuste Körperbau bes Sprechenben, die fun- rklnben Augen, in denen neben Haß eine feste Ent- schloffenheit sich spiegelte, im Verein mit dem kalten Elsen, welches er auf feiner Stirne fühlte, ließen den Geizhals errathen, was er zu erwarten hatte, wenn er wagte, sich gegen den Willen des Fremden aufzu- lehnen; er konnte nicht leugnen, daß er sich in der Gewalt desselben befand, und es blieb ihm nur übrig, fein Leben vor der ihm drohenden Kugel zu schützen'