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iSjfr« 18S ZNarKurg, Freitag, den 8. August. 1873.

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SrsLemt tüalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 224Sgr., durch du Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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Deutscher Reich.

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Berlin, 6. Aug. Die „Prov. Corresp." bespricht die Stellung der Fortschrittspartei als eines Oppo- stüvns-Elementes, das, falschen Idealen nachjagend, für die Anforderungen der Wirklichkeit und für die lebendige Entwickelung der Nation das Verständniß unte verloren habe. Der Artikel erwähnt die von Mit-

n de gliedern der Fortschrittspartei hervorgerufenen, gegen :n zu jede auch nur annähernd regierungsfreundlichen Ean Bah didaturm gerichteten Wahlbewegungen und schlicht: four Die Fortschrittspartei hat sich früher in einen Gegen satz zur Regierung gestellt. Wenn sie jetzt durch ihre Absonderung von allen Freunden der nationalen Politik , Der sich zur Bundesgenossin der staats- und reichsfeind- njtte lichen Parteigruppen macht, so tritt sie in einen Gegen- .buh sitz zur Nation. Das Volk aber wird sich von den Deui Männern abwenden, die der lebendigen Entwickelung wir »es Vaterlandes widerstreben und die Mitarbeit an __1 >en nationalen Aufgaben der Gegenwart versagen. [eitet Die Wähler Preußens und Deutschlands erkennen, ine», -atz die Fahne des wahren Fortschrittes im Lager der 107 nationalen Politik weht, in welchem alle edlen und rischen Kräfte des Vaterlandes sich zu gemeinsamer LouMatriolischer Wirksamkeit zusammenfinden. — Dasselbe -rikaWlatt schreibt ferner: Die kommissarischen Berathungen jübet den Mangel an ländlichen Arbeitern «st und die zur Abhülfe dieses NothstandeS geeigneten Maßregeln haben am 30. v. M. ihren Anfang genom- inr| men. Unter dem Vorsitz des landwirthfchaftlichcn „ ^Ministers, Grafen KSnigSmarck, hat die Conferenz in 18«8 brci Sitzungen alle bisher in Anregung gebrachten I Vorschläge, welche in einer vom lanvwirthschaftlichen

Ministerium vorgelegtcn Denkschrift zusammengestellt waren, sowie noch einige andere damit in Zusammen- Hang stehende Fragen einer gründlichen Erörterung unterzogen. Am Montag, 11. d. M., wird die Schluß- berathung stattfinden, bei welcher noch einige vorbehal ...... trat Punkte zur Erwägung kommen sollen. — lieber -dir Affaire mit dem meuterischen spanischen Kriegs- schiff „Vigilante" schreibt die „Prov.-Corresp.«: Am wird 23. Juli war das spanische Kanonen • Dampfboot „Vigilante", welches die rothe Fahne führte, vor Car­tagena von dem Befehlshaber des in den spanischen Gewässern kreuzenden deutschen Geschwaders angehal

ten und weggenommen worden. Bei der ersten Kunde von diesem Vorfall wurden, namentlich in der aus wärtigen Presfe, Stimmen laut, welche denselben als eine auf Weisung der Rcichsregierung erfolgte Ein- Mischung in die spanischen Zwistigkeiten und als eine thatsächliche Anerkennung der gegenwärtigen Regierung in Madrid bezeichnen wollten. In politischen Kreisen konnte von vornherein kein Zweifel obwalten, datz der deutsche Marine-Offizier nicht auf Grund einer Wei­sung oder Ermächtigung gehandelt habe, und daß in den maßgebenden Regionen der Rcichsregierung voll ständige Uebereinstimmung darüber herrsche, jede Ver­antwortlichkeit für den Vorgang abzulehnen. Die Abberufung des erwähnten Offiziers von dem Com- mando des deutschen Geschwaders in den spanischen Gewässern hat diese Ausfassung vollkommen bestätigt, und somit kann die ganze Angelegenheit als erledigt gelten.

— In keinem der preußischen Ministerien herrscht augenblicklich eine lebhaftere Thätigkeit als in dem­jenigen der Geistlichen-, Unterrichts- und Medicinal- Ängelegenheiten. Seit dem Schluffe des Landtags hat der Cultusmiinster sich andauernd den Arbeiten zuge­wendet, welche dir Reform der Synodalverfassung der evangelischen Kirche in den alten Landestheilen be­treffen oder sich auf die Ausführungsbestimmungcn der bereits in Kraft getretenen Kirchengesetze beziehen Nicht früher hat Herr Dr. Falk seine Erholungsreise angetreten, als bis sämmtliche erforderliche Anord­nungen bezüglich der erwähnten Gegenstände getroffen waren. Bei der Rückkehr des Ministers wird Alles so weit vorbereitet sein, um in das Stadium der Berathung innerhalb des Ministeriums treten zu können. Es gilt als zweifellos, daß der Cultusminister dem nächsten Landtage die Vorlage über die Verfas­sung der evangelischen Landeskirche unterbreiten wird. Dagegen scheint es noch unbestimmt, ob der Kreis der bereits erlassenen Kirchengesetze durch den nächsten Landtag erweitert werden wird. Schon im vorigen Jahre lag es in der Absicht, eine Vorlage über die Controle der Verwendung der Stiftungsgelder für ihre eigentlichen Zwecke durch den Staat einzubrinzen, man hat indessen damals geglaubt, zunächst mit den­jenigen Gesetzen Vorgehen zu müssen, deren der Staat

zum Schutze seines Ansehens gegen die Uebergriffe der Geistlichen bedurfte, deshalb ist die gedachte Vor­lage zurückgestellt worden. Möglich daß man jetzt darauf zurückkommt; heißt es doch, daß die Haltung des Clerus noch zu weiteren Vorlagen in der bereits eingefchlagenen Richtung führen würde.

— Die „Nordd. Allg. Zig." schreibt in Anknüp­fung an die Abberufung des CapitänS Werner: Das bisherige Verhalten desselben habe nicht die Genehmi­gung der Regierung gefunden. Nunmehr werde die Rückkehr und bereits angeordnete Verantwortung des­selben abzuwarten sein. Der neue Commandant dcS Geschwaders in den spanischen Gewässern treffe etwa am 12. d. M. in Gibraltar ein. Die für die Hal­tung des Geschwaders maßgebenden Grundsätze blieben selbstverständlich unverändert. Die Aufgabe des Ge­schwaders sei, unter Vermeidung jeder Einmischung in die inneren Kämpfe Spaniens lediglich für den Schutz des Lebens und Eigenthums der dortigen Deut­schen zu sorgen.

— Die durch die Blätter gehenden Nachrichten über besondere Thätigkeit in unseren Waffenfabriken, theils zur Massenanfertigung von Mausergewehren, theils zur Herstellung von Chassepots verdanken, wie man an unterrichteter Stelle behauptet, dem allge­meinen Nachrichtenmangel ihre Entstehung. Man ver­sichert, daß auf keinem Gebiete dec Waffenfabrikation eine lebhaftere Bewegung bemerkbar sei als sonst, und die Dinge lediglich ihren regelmäßigen und geordneten Verlauf nähmen. Wer weiß, ob bei Lichte besehen, die Sache von dem fieberhaften Eifer in den franzö­sischen Waffenfabriken nicht auch auf oder gar unter den Gefrierpunkt hinabsinkt.

Königsberg, 5. Aug. Die Cholera ist, wie der „Ofipr. Ztg." gemeldet wird auch in Braunsberg in heftiger Weise zum AuSbruch gekommen. Die Zahl der bis gestern daselbst erkrankten Personen be­trug 174; von diesen waren 67 gestorben. Eine Compagnie des daselbst garnisonirenden ostpreußischen JägerbataillonS Nr. 1 hat in dem dortigen Staats- walve Baracken bezogen. — Hier in Königsberg hat die Zahl der an der Cholera Erkrankten die Ziffer 100 bereits überschritten.

Haderslebeu, 5. August. Die nordschleSwig-

chen wir dies also vorher ab. Wie viel verlangt Ihr für Eure Hülse?"

Der Geizhals ließ seinen Blick eine Weile for­schend auf dem Antlitze des vor ihm Stehenden ruhen, als wolle er in den Zügen desselben lesen, wie hoch er seine Forderung stellen könne. „Ich übergebe Euch vas Mädchen heute über acht Tage hier in diesem Zimmer," hob er, seine Worte scharf betonend, an, „Ihr nehmt eS in Empfang, schleppt eS in den bereit- gehaltenen Wagen und fahrt mit ihr auf Euer Gut in Schlesien ab. In einer Stunde könnt Ihr die nächste Eisenbahnstation erreicht haben, am nächsten Morgen, wenn die Eltern den ersten Schritt zu Eurer Verfolgung thun, seid Ihr schon mit ihr über alle Berge."

„Das läßt sich hören," versetzte der Freiherr, über deffen Züge ein cynijcheS Lächeln flog, „und was ver­langt Ihr für diesen Dienst?"

„Eine Kleinigkeit für Euch, zweitausend Thaler", entgegnete der Alte, „zahlbar in klingender Münze bei Uebergabe des Mädchens." '

Der Freiherr sah bestürzt in das steinerne Antlitz deS Wucherers

„Seid ihr rasend?" erwiderte er nach einer Weile. „Ihr verlangt zweitausend Thaler dafür, daß Ihr mir erlaubt, hier in Euerem Hause mit einem Mädchen zusammen zu treffen?"

„Ich werde auch nicht den kleinsten Theil meiner Forderung Nachlassen", versetzte der Alte ruhig. „Wenn Ihr das Gerede bedenkt, mit welchem die Leute nach Euerer Flucht über mich herfallen werden, wenn Ihr in Erwägung zieht, daß mir aus dieser Angelegenheit nothwendig Umstände Kosten und Aerger erwachsen, so müßt Ihr am Ende zugeben, daß jene Summe eher zu niedrig, als zu hoch gegriffen ist, also, gehl Ihr auf meinen Vorschlag em, so schreibt den betreff

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584 41 54 33

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DcS Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

(Fortsetzung.)

„Ich weiß, was Ihr sagen wollt," fiel der Frei­herr ihm ins Wort, „kann ober Euren abenteuerlichen Plänen keinen Beifall zollen. In früheren Jahren mögen dergleichen Entführungen gelungen sein, heut­zutage sitzt Einem aber die Polizei auf der Ferse und die Telegraphen spielen nach allen Richtungen hin."

„Ihr seid eben ein HanS Hasenfuß," versetzte der Geizhals in trockenem Tone, „manch armer Teufel, dem weder Geld noch Päffe zu Gebote stehen, schlägt sich mit einer geringen Dosts Muth und Verwegen­heit glücklich durch, Ihr bebt aber schon bei dem Gedanken, einem Gendarmen zu begegnen. Verschafft Euch einen Paß auf einen falschen Namen und sorgt, M Eure Börse gespickt ist, diese beiden Dinge sind vor Allem die nölhigsten."

Der junge Mann hatte sich erhoben, er durchschritt einigemal das Zimmer und blieb endlich vor dem Ilten, dessen lauernde Blicke ihn auf Schritt und Tritt derfclgten, stehen.

„ES wird mir am Ende kein anderes Mittel Übrig bleiben," erwiderte er, „und je länger ich über dasselbe nachdenke, desto wahrscheinlicher erscheint mir d»S Gelingen desselben. Laßt uns den Plan einmal näher entwerfen. Also in welcher Weise, meint Ihr, soll ich den Paß ausfertigen lasten?"

„Ich bin gerne bereit, Euch hülfreiche Hand zu leisten," erwiderte der Wucherer, einer direkten Ant­wort ausweichend, „bevor ich jedoch meine Hülfe fest Zusage, muß ich misten —"

b „Natürlich, für Euch ist die Gewißheit, ob auch «was dabei abfällt, Hauptsache," unterbrach ihn der Freiherr im Tone verächtlicher Geringschätzung. „Ma­

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senden Schulvschein, wo nicht, reden wir nicht weiter über diese Angelegenheit."

„Wohlan, es sei," nahm der junge Mann nach ‘ einer Weile das Wort, „ich bewillige die Forderung, nur laßt die Bedingung, daß die Summe von zwei­tausend Thaler» in klingender Münze ausbezahlt wer­den muß, fallen. Ihr wißt selbst, wie mein Vater mir nochmals die nöthigen Zuschüsse verweigert."

„Er weiß, daß Ihr nicht Haus zu halten ver­steht", unterbrach Kleber ihn streng. „Er Hal recht, sucht auch dem elenden Hasardspiel zu entsagen, eS bringt Euch noch an ben Bettelstab."

„Wer gibt Euch das Recht, mir moralische Vor­lesungen zu halten?" fuhr der junge Mann zornig auf.

„Nur gemach," sagte der Wucherer gelosten, „beim Ereifern kommt nichts heraus. Ich will noch einmal ein Auge zudrücken und von der Zahlung in klingender Münze absehen, Ihr schreibt einen Wechsel, lautend auf zweitausend fünfhundert Thaler, zahlbar heute über's Jahr; bis dahin werdet Ihr das Geld wohl haben."

Bestürzt und empört zugleich fuhr der Freiherr in die Höhe.

„Man hat recht, wenn man behauptet, Ihr seid ein Blutsauger," versetzte er im Tone kalter Verach­tung, „wenn Ihr einmal am Galgen baumelt, kann er sich rühmen, daß er eine reife Frucht trage, ich hoffe, das noch einmal zu erleben."

„Die Hoffnung sei Euch unbenommen," entgegnete Kleber sarkastisch, „erlaubt indeß, daß andere Leute in ihrer Art auch in die Zukunft schauen; cs hat schon mancher adelige Herr auf der Richtstätte geendet, der in seiner Jugend ein Taugenichts war."

Die beiden Männer maßen sich eine Weile schwei­gend, Jeder fühlte, daß er in moralischer Beziehung nicht höher ftaird wie her Andere, und doch redet