Marburg, Mittwoch, den 6. August.
1873
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Bonn, 1. Aug. Die Polizei hat hier einen Falschmünzer in Sicherheit gebracht. Der entdeckt« Sünder scheint das Haupt einer größeren Gesellschaft zu sein, welche sich ihren Unterhalt durch Anfertigung falscher Thalerstücke erwarb. Die betr.ffenden Apparate wurden in der Wohnung de« Verhafteten vor» gefunden.
Leipzig, 3. Aug. Die Vorbereitungen auf den siebenten deutschen Protestantentag, der in den nächsten Wochen hier eröffnet werden soll, werden mit allem Eifer getroffen. Der Hinderniffe gibt eö immer noch manche, welche di« Arbeiten de« Ausschuffe« verlangsamen. Die Sitzungen de« engeren Und de« durch die Delegirten der Zweigvereine gebildeten weitern Ausschusses finden die deS ersteren und nicht öffentlichen, wie die kombinitten und öffentlichen im Saal der ersten Bürgerschule statt. Ueber die Fe st predig er, die zu St. Nikolai die Kanzel besteigen werden, verlautet noch nichts. Einige der Hauptredner sind am Erscheinen verhindert. Das Kirchenconrert soll zu St. Thomä (Dr. Lechler'S Kirche) stattfinden. Kapellmeister Karl Reinecke, das Gewandhausorchester und der Thomanerchor werden der Aufführung einen Leip: zigS Ruf entsprechenden durchaus gediegenen Charakter geben.
Meininger» 3 Aug. Im Landtag hatten die Wahlprüfunge» die Genehmigung sämmtlicher Wahlen ergeben. DaS Präsidium ist dem Kreisgerichlsdirector Rückert, als erstem, den Herren Trinks und v. Türcke als Viceprästdenten übertragen. Die Regierung hat außer bei Convertirung der Sproceütigen LandeSfchuld im Betrage von 1,300,000 Thalern noch eine Vorlage Angebracht, wonach fie aus dem EilöS für Bad Liebenstein das Rittergut RabelSgrube für den StaatsfiscuS ankausen möchte. Man scheint daher aus der Praxis de« Verkaufens in die deö Kaufens überzugehen.
Karlsruhe, 3. Aug. Eine landesherrliche Verordnung vom 31. Juli ordnet die Wahlen für den nächsten Landtag an. Es haben ErueuerungSwahlen für die durch das LooS zum Austritt bestimmte Hälfte der Zweiten Kammer (32) sowie Ersatzwahlen für drei ausgetretene (einer durch Beförderung) und zwei verstorbene Abgeordnete statt zu finden; außerdem in die Erste Kammer Ersatzwahlen an Stelle-der durch
„Wäre dem wirklich so, warum drahte man mich iw ein Findelhaus?" erwiderte Ritter. „Und ange- Mmmcn, meine Mutter habe dies gethan, um über »rine Geburt den dichtesten Schleier zu breiten, würde Ht mich bis zu meinem fünfundzwanzigsten Lebens- i«hre in drückenden Verhältnissen leben, würde sie "ich mit Roth, Sorgen und Ungemach kämpstn lasten, wem, thx bie Mittel zu Gebote standen, dies zu verhüten? Doch laßt mich in meinem Bericht sortfahren.
Brief schloß mit der Angabe des Datums meiner Geburt und der Bitte an den Findelhausvorsteher, er "ige mich Hermann Ritter nennen und mir den Brief »n dem Tage überreichen, an welchem ich die Anstalt Erlaßen würde. Mit Lust und Liebe zu meinem Handwerk trat ich die Lehre an und darf mir, ohne 8l*r schmeicheln zu wollen, daö Zeugniß wohl geben, Ml ich stets treu meine Pflicht erfüllt habe und kein ^agedieb während der Lehrjahre war. Trotz dem Ver-
»bet konnte ich eS nicht unlerlasten, im Stillen Nachforschungen nach meinen Eitern anzustellen,. die Ivoch fruchtlos blieben. Auch konnte ich nicht über 3rit verfügen, deren ich bedurft hätte, um diese Wiegenbeit mit allem Fleiß und Ernst zu betreiben, W da ich gemäß meinem Lehrvertrage für meine Reibung selbst Sorge tragen mußte, so sah ich mich ^nöchigi, wihrend meiner Freistunden io der Werk
DeutscheS «eich.
♦♦ Berlin, 4. Aug. Aus den Anstrengungen, welche der linke Flügel der Radicalen vulgo Fort schriltspartei par excellence macht, nm die Masten in der chr zusagenden Richmng zu bearbeiten, um diese für die Wahlen zu erhalten, ersteht man, daß eS diesem Theil der Fortschrittspartei doch nicht so scheint, als ob das Volk gerade große Neigung zeige, sich der überwun- denen Tendenz von 1848 anzuschließen. Diese Rüh rigkeit in diesem Lager dürste aber die anderen Parteien zu mehr Thängkeit anspornen, wenngleich ein großer Erfolg für die Radikalen nicht in Aussicht steht und diese Vielseitigkeit der Anstrengungen wohl nur der Doppelstellung zuzuschreiben ist, welche eitrige Wortführer deS linken Flügels der Fortschrittspartei einnehmen, ich meine, deren Thätigkeit in der Presse und deren Anslreten in kleinen Wahlversammlungen; über welche alSdann die diesen Wortführern dienende Presse große« Geschrei erheben muß. Die „Köln. Ztg." beurteilt das Verhältniß ganz richtig, wenn sie dieser Partei das HeroSkop stellt, daß es sich bei den Wahlen Herausstellen wird, daß diese Wortführer einen Generalstab ohne Armee bilben. — Einzelne radikale Preßvrgane bieten der „Germania" die Hand, um die Anregung, welche die „Prov. - Corresp." zur Feier des 2. September als Nationalfest gegeben, zu neutralistren. Die „Franks. Ztg" meint, bie'Süd- deutschen könnten doch unmöglich auch diese Festlichkeit Preußen- feiern, da die Enthüllung des Denkmals den Sieg über die Süddeutschen predige. Die Zeitung verwechselt zwei Dinge; den 2. September als Tag der Enthüllung des Denkmals und den 2. September als Nationalfest für Deutschland. Die „Prv.-C." hat deutlich erklärt, daß die Enthüllung des Denkmals süddeutsche Truppen nicht berühren könnte, daß diese Enchüllmrg nur eine preußische Feierlichkeit werden müsse, in einer spätem Nummer hat das halbamtliche Blatt, abgesehen und ganz getrennt von der Enthüllungsleier, die Anregung gegebe», den 2. September als Nationalfesttag in Deutschland zu begehen. — Der Cvnservateur der Kunstdenkmäler re. Hr. v. Quast, hatte daS Gesuch gestellt, baß zu StaatSbauten sich eignende Altenhümer u. s. «. den kgl. Museen üben wiesen werden möchten, diesem Gesuch ist von der
stätte eines Schlossers de» Blasebalg zu treten, welches mir just die Hälfte der kleinen Summe einbrachte, die meine unentbehrliche Garderobe in Anspruch nahm Daher datiren sich denn auch die Schulden, die ich später als Geselle von meinen Ersparnissen abtragen mußte und die jetzt, Gott sei Dank, auf Heller und Pfennig getilgt sind. Seit zwei Jahren nun, seitdem ich hier neben Euch eine Kammer bewohne, seht Ihr mich saft täglich in den Abendstunden im Kreise Eurer Familie^ Hartwig, und ich denke, Ihr habt mich von einer Seite kennen gelernt, baß Ihr Euch meiner Freundschaft nicht zu schämen braucht."
Der Bildhauer warf einen raschen, prüfenden Blick auf feine Tochter, die daS hochgerölhete Antlitz tief auf ihre Arbeit neigte und sich den Anschein zu geben suchte, als nehme sie an der Unterhaltung nicht den geringsten Antheil, bann ergriff er die Rechte des jungen Mannes und drückte fie mit Wärme.
„Die Freundschaft ist das köstlichste Gut des Menschen," entgegnete er, „und wenn er einen Freund besitzt der so uneigennützig und theilnehmend »ist, wie Ihr eS seid, der darf sich glücklich schätzen."
„Ich bin stolz auf dieses Lob, obgleich ich nicht weiß, womit ich dasselbe verdient habe. Ihr kennt jetzt meinen Lebenslauf, wißt, daß ich wich eifrig be- Nrebe, vorwärts zu kommen, wißt ferner, daß ich eine kleine Familie wohl ernähren kann, und so frage ich Euch offen und ehrlich, wollt Ihr mir Eure Tochter jur Frau geben ? Antwortet mir gerate heraus, Ihr sehet, ich gehe ohne Umschweife zu Werke, der gerade Weg ist nach meiner Meinung immer der beste!"
Pauline war bestürzt vom Stuhle aufgefahren, ein bittender Blick traf aus ihren dunklen Augen den jungen Mann, der lächelnd zu ihr auffchaute. Den beiden Alten kam diese Frage nicht unerwartet, schon längst hatten sie daS Keimen der Liebe int Herzen
Staatsbehörde Folge gegeben und hat namentlich der Handelsminister die Behörden auf Erhaltung der Kunstdenkmäler angewiesen. — Die Nachrichten aus Spanien lauten sehr trübe, der Aufstand im Süden nimmt an Umfang fortwährend zu. die Insurgenten entwickeln immer mehr Brutalität und es ist daher nicht wunderbar, daß Frankreich und England ihre Marine angewiesen hatten, die Zustände in Spanien zu beobachten und eventuell zur Sicherung der Angehörigen einschreiten zu können. Die „Corresp. de Versailles", das osfieielle Organ der Regierung in Frankreich, hat allerdings erst kürzlich die Grundsätze entwickelt, welche Frankreich gegenüber Spanien zu verfolgen habe, d. h. Neutralität zu halten und das Blatt hat dieses namentlich mit einem Seitenblick auf die Vorgänge von Cartagena gethan. Wenn nun von Preußen dieser principielle Standpunkt vollständig getheilt wird, so kann es doch aber fraglich bleiben, ob die auswärtigen Mächte bei dem Fortschreiten der Wirren nicht gelungen werden, aus ihrer Passivität herauszutreten, um den Angehörigen Schutz zu gewähren.
Kiel, 4. Aug. Der Kronprinz ist gestern Nach mittag 2 Uhr hier eingetroffen und von den Behörden, den Korporationen, den Gewerken und einem zahlreichen Publikum sehr herzlich empfangen worden. Die Stadt war festlich geschmückt. Um 5 Uhr fand die Grundsteinlegung zu dem neuen UniversilätSge- binde statt Nachdem der Kirchenrath Lüdemann und cet Oberpräsident von Scheel - Plessen eine Ansprache gehalten, that der Kronprinz die ersten Hammerschläge, wünschte der Universität ein Blühen und Gedeihen in dem deutschen Sinne, in welchem ihre Lehrer und Schüler sich bisher bewahrt, und brachte schließlich ein Hoch aus den Kaiser aus, in welches alle Anwesende auf das Lebhafteste einftimmten. Bei dem sich anschließenden Festdiner, daS der Kronprinz auf Bellevue gab, brachte derselbe ein Hoch auf den Kaiser und später eins auf Schleswig - Holstein auS. Zwei Stunden, von 9—11 Uhr, verweilte Se. k. k. Hohett bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Fcstcommers der hiesigen Studentenschaft und erfolgte alsdann die Ab fahrt auf dem Dampfer „Grille". — Alles ist hier entzücki durch die Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit des Kronprinzen.
der Tochter bemerkt, häufig darüber mit einander ge»- sprvchen; sie kannten den ehrenfesten Charakier, wie den lobeuswcrchen, rastlosen Fleiß des jungen Mannes und ließen deshalb der Sache ihren Lauf. Siebten die jungen Leute sich wahr und treu, so sand Pauline an der Seite Riltcr's zwar kein sorgenfreies Leben, aber doch, da sie gelernt hatte, sich mit Wenigem zu begnügen, eine glückliche Zukunst. Ohne Zögern ergriff der Bildhauer die Hand seiner Tochter und legte sie in die Rechte des jungen ManneS. „Ich war auf Euren Antrag vorbereitet," sagte er, hatte ich doch längst schon bemerkt, daß Ihr Euch gut seid! Nehmt sie hin, unser Segen ruht auf Eurem Bunde, er geleite Euch bis ans Grab. Nicht der Reichthum macht das menschliche Herz glücklich, sondern die Li.be, jene opferwillige, uneigennützige Liebe, die ihr Glück nur im Glück des Geliebten sucht."
Gerührt zog der junge Mann da» erglühende Mädchen an seine Brust, bann reichte er den beiden Alten die Hände, und sein stummer, beredter Blick jagte diesen befs r als Worte eS vermögen, wie unaussprechlich glücklich sie ih» durch ihr Jawott gemacht hatten.
„Ich halte es für meine Pflicht, Euch daraus aufmerksam zu machen, daß Pauline Euch Nichts zubringt," hob der Bildhauer nach einer Weile an, „doch müßt Ihr dies wohl schon wiffen —"
„Laßt uns hierüber lein Wort weiter verlieren," fiel Ritter dem alten Manne in die Rede, während er sein Glas erhob, „stoßen wir an auf eine glückliche, frohe Zukunft 1 Wenn auch nur unbedeutend, habe ich doch schon etwa« erspart und so den Grundstein zu unserer häuslichen Einrichtung gelegt; läßt der Himmel mich gesund, hoffe ich binnen Kurzem daS Nölhige beisammen zu Haden. Aber, nachdem ich ein Glied Eurer Familie geworden bin, hoffe ich,
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Des Schicksals Fügung.
Novelle von Ew. Aug. König. V-
^Fortsetzung.)
„Und warum nicht?" fragte bet alte Mann. „Eine Arme setzt ihr Kind nicht so bald auS; wenn nicht besondere Verhältnisse die Mutter zwingen, sich von ihrem eigenen Fleisch und Blut zu trennen, thui sie es gewiß nicht, und wo findet man solche Fälle häufiger, als in den höheren Ständen, die an strenge Eonvenienzen gekettet sind?" '
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