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Sr. 182

Marburg, Dienstag, ben S. August.

1873

OderhesWe Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Eonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei» bezogen 22l Sgr., durch die Postämter 27 Lgr. (excl. Bestellgebühr und mcl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnserkionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Lar.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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Deutsches Reich.

Berlin, 2. Aug. DieNordd. Bllg. Ztg." be zeichnet die Meldungen desJmparcial" über die gegen den deutschen Consui und dessen Familie in Car tagen» von den Insurgenten beabsichtigt gewesenen Maßnahmen als übertrieben. Konsul Sponorno sei, nach Mtttheilungen aus gutunterrichteter Quelle, nie »als seiner Freiheit beraubt, daher auch nicht erst durch Androhung von Repressalien gegen die Aufstin dischen befreit worden. Spvttornos L>ohn, der das Konsulat interimistisch leitete, sei allerdings mit Mord und Brand bedroht, die Drohung jedoch keineswegs ausgeführt worden. Der Conjul selbst sei bereits von Maorid in Cartagena wiedereingetreffen. Die Eröfsiiung der Bezirkstage Elsaß Lothringen ist, dem Re.chsanzeiger" zufolge, auf den 28. d., ihre Dauer dis ipäirfle« den 11. September, die erste Sitzungs­periode der Kreistage auf den 18. d., die zweite auf den 11. September, deren Dauer auf höchstens 5 Tage festgesetzt. Die Victoriafäule auf dem Sieges- denkuiale, weiches am 2. September eingeweiht werden soll, ist bis auf die Anbringung eines Flügels voll ständig fertig. Im heradhängenben Arm hält dieselbe eine Fahnenstange, an welcher in ihrem oberen Theil das von einem Kranze umrahmte Eiserne Kreuz; über letzterem erhebt sich die Spitze der Stange. Vom Scheitel bis zur Zehe mißt die Figur 30 Fuß, von der Spitze der Fahnenstange bis zur Zche 42 Fuß. Die ganze Säule besteht aus drei Etagen, wovon je­doch die obere, auf welcher die Figur steht, nicht zu besteigen sein wird; vielmehr wird das Publikum nur die zweite erreichen können und hier vomÄdlerposta- menit" aus einem von Adlern und einem Gitter umrahmten Plateau das Panorama der nächsten Umgebung genießen können.

Die gemeldete Nachricht, daß der General v. Manteuffel der Stadt Nancy 20,000 Francs für die Armen überwiesen habe, wird dahin berichtigt, daß derselbe diese Summe nur an die verschiedenen Hospitäler überwiesen hat auS Dankbarkeit für die Dienste, welche die Letzteren den verwundeten und er- Tfii| I ... - _| ---------- ~^= "'S

krankten deutschen Soldaten stets haben zu Theil werden lasten. Die Hospitäler haben die Schenkung sofort angenommen. Mr. b'Haustonville benutzte die Gelegenheit nur zu einer antideutschen Demonstration.

Hannover, 2. Aug. Für den am 28. August hier beginnenden neunten Juristentag sind folgende Leralhnngsgegenstände festqestellt: 1) (erste und zweite Abtheilung ) Ist es wünschenswerlh und ausführbar, bas eheliche Gükerrecht für ganz Deutschland durch ein einheitliches G-setz auf der Grundlage der Güter- verbindung zu condifieircn? 2) a. Soll die Ober- vormundschafr, soweit sie dem Staate obliegt, durch Collegialgerichte ausgeübt werden? b. Soll die Over. Vormundschaft dem Staate allein Vorbehalten werden, oder eine Mitwirkung der Familie oder Gemeinde staltfinden und im Falle der Bejahung der letzteren Alternative, in welchem Maße (begutachtend oder be­schließend)? c. Soll das Inst lut eines beaussichli- genden Gegen- (Ehren) Vormundes überhaupt für alle oder nur etnz.lne Fälle eingeführt werden? d Empfiehlt sich die Beibehaltung der Depositalverwal« tung für Mündelgelder? und welche Grundfätze recht fertigen sich hinsichtlich der Cautionsbestellung der Vormünder? Ist es uünschlnewerch und ausführbar, gleichmäßige Vorschriften für dir theoretische und prak tische Ausbildung aller Richter, Advokaten, Staats- anwalte des deutschen Reiches zu geben? 4) Kann die Gesetzgebung Vorsichtsmaßregeln zur Verhinderung unsolider Begründung oder mißbräuchlicher Verwal­tung von Aktiengesellschaften treffen und welche? 5) Ist es thunlich, die Vorschriften des H. G. B. im 4 Buche, Tit. 1, Abschnitt 2 bis 4 auf Geschäfte, welche keine Handelsgeschäfte sind, und die Vorschriften im 4. Buche, Tlt. 2 auf alle Kaufverträge auszudehnen, unfr ist eS wünschenswerth, daß baldthunlichst ein Gesetz dieses Inhalts für daS Geltungsgebiet des H. G.-B. erlasten werde? 6) (3. Ablh.) Soll die Zeugnißpflicht in Criminalsachen so lange nicht an­erkannt werden, bis die Untersuchung die Richtung gegen eine bestimmte Person genommen Hal? 7) Ist im ^Strafverfahren das Verhör durch den Präsioenlc»

oder daS Kreuzverhör vorzuziehen? 8) Soll im Falle der Freisprechung für die Untersuchungshaft eine Ent­schädigung gewährt werden? 9) Ist der Grundsatz der Ö ffentlichkeit für die Voruntersuchung anzunehmcn? l0) Kann die Privat-Anklage in weiterem Umfange als für Beleidigungen in das deutsche Strafverfahren eingeführt werten? 11) (4. Abih.) W lche Stellung und Eompetinz ist dem Einzelrichler in Civilsachen zu ertheilen? Welches Verfahren erscheint für die den Einzelrichtern zugewiesenen BagateUstrciiigkeilcn daS zw.ckmäßigste? 12) Ist eS angem.ssen, daß durch die Subhastaiion sämmtliche auf dem subhastirten Grund­stücke ruhenden Hypotheken fällig werbeii? 13) Soll die Eioiljury in den deutschen Prozeß eingeführt werden?

Paderborn, 31. Juli. DieEss. VolkSstg." meldete vor einigen Tagen, ein wefiphälischer Graf habe sich beim bischö lichen Gencral-Vicariale erboten, den Professoren der hiesigen philosophisch theologischen Lehranstalt daS ihnen von Seiten des Staates ent­zogene Gehalt aus feiner Tasche zu zahlen. DerW. Vi" kann diese Meldung als vollkommen richtig be­stätigen.

Dresden^ 2. Aug. Ein soeben aus Pillnitz ein- getroffeilis Bulletin laut t: Der König hat in der letzten Nacht wenig geschlafen, trotzdem ist sein B.fin« ven zusriebenstellend.

Erlange«, 30. Juli. Von acht russischen Damen, welche bish.r in Zürich Medicin stubinen und nun mit den übrigen ru>sischen Sludentinnen durch einen kaiserlichen Ukas gezwungen werden, die dortige Uni­versität zu verlassen, ging vor einiger Z n ein Gesuch um Zulassung zum Studium an der Universiläl ein. Dasselbe ist nun abweiieno beschieden worden.

Ausland.

Wien, 2. August. In vergangener Nacht brach aus bisher noch unbekamiler Ursache im elsässischen Bauernhause auf dem WrltauSslkllungsplatze Feuer aus. Das Bauernhaus brannte gänzlich ni.der, je­doch gelang es der von allen Seiten raich herbeigeeilten Feuerwehr das Feuer auf dieses Object zu beschränken.

DrS Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

zForlfetzung.)

Die alte Frau wollte gegen das Geschenk Ein­wendungen maqen, doch bat der junge Mann so in­ständig, die kleine Gabe nicht zurückzuwcisen, daß der Schauen des Unmulhs, den daö Anerbieten Rillcr's hervorgeruscn hatte, rasch von der Stirne d'eS Bild­hauers schwand und Frau Hartwig nicht umhin konnte, den willkommenen Braren anzunchmen.

Ihr denkt vielleicht, ich habe ben Wein und den Vogel gelaust, um Euch eine Freute zu machen," hob Stiller an, nachdem er die Gläser gefüllt hatte,glaubt das nicht; zwar dachte ich schon ost daran, Eure Siebe und Güte durch irgend ein kleines Geschenk zu ver­gelten, doch erlaubten eS bis heute meine Mittel nicht, so viel zu erspare», als ich dazu bedurfte. Heute Mittag traf eS sich, daß ein reicher Bauer, dessen Echöfi au unsere Gießerei grenzt, zu meinen Prin Aalen schickte und sich einen Schlosser für einig« SiUnben ausbat. Ich wurde hingeichickl, und der dauer fand, wie eS mir schien, Gefallen an mir, denn als ich fertig war und fortgch.n wollte, gab er ®>r diese Gans und den K>ug mit der Bemerkung, '4 werde solche Goitesgaben wohl zu würdigen wissen 2iid wie kann ich sie besser würdigen, als indem ich ®>ch an ihnen im Kreise Derer erfreue, die mir stets !c gütig und liebevoll enlgegengetreten sind."

»Laßt das gut fein,* entgegnete Hartwig, das Ma« ergreifend,Ihr habt uns manche Stunde buro> «Uten Heilern Frohsinn verkürzt, und wir waren's don dem erften Augenblick unserer B-kanntschaft an S^°hnt, Euch als ein Glied unserer Familie zu betrachten. *

Em beredter Blick auS den tiefblauen, treuen "»gen Rittei's traf Pauline, die errölhend die Augen überschlug.

»Ich bin offen und. ehrlich, gewohnt, geradeheraus jagen, was ich auf dem Herzen habe," verfitzte

Ritter, nachdem er mit der Familie angestoßen und fun Glas geleert Halle,deshalb will ich auch jetzt nicht hinlerm Berge Halle» und ohne Umschweife er- klären, weshalb ich eigeiitlich helue Abend hergekommen bw. Verzeiht, meint ich etwas weil aushole; viel leicht interessirt es Euch, über die Jahre meiner Kind beit ein Näheres zu vernehmen. Wo ich geboren bin, unb von welchem Stande meine Eltern waren, weiß ich nicht; als ich denken und begreifen fonnte, fand idj mich in einem großen Hause, umgeben von Schick- salsgenoffen, gepflegt von fremden, Iteblofen Menschen. 3$ war ein Zögling des FindelhaujeS, eines jener verlaffenen unglücklichen Geschöpfe, welche die Herz« lose Welt kalt zurückftößl, weil sie keilten rechtsgül­tigen GeburtSfchein vorzeigen können. Die Alles opfernde Mutterliebe, die zärtliche Fürsorge des Va­ters, die Liebe der Geschwister, sie waren mir unbe- kannt, an meinem Krankenbeticheit wachte kein sorgsames Augc, fein G-del drang um meinetmiUen aus angfige quäuem Herzen zum Himmel, ich nannte keine B-ufl mein eigen, an welche ich flüchten konnte, wen» Leiv oder Freude mein Herz bewegten. Doch zum Lobe der An stall sei s gejagt, man erzog mich zu einem orhentlichcir M-nschen und ließ mich etwas Tüchtiges lernen. Am Vorabende des TagrS, an welchem ich das HauS ver- laffen sollte, um bei meinen fetzigen Prinzipalen in ete Lehre zu treten, rief der Vorsteher der Anstalt mich in fein Zimmer, öffn.le den großen Schrank, in roeic^m die ven Findlingen beigegobenen Kennzeichen au'bewahn worden und überreichie mir einen alten, vergilbten Brief. Anscheinend von der Hand meiner Mutter geschrieben, cnthiell dieser nach einigen einki teubeii Worten der Entschuldigung die Aufforderung, ich solle mich an dem Tage, an welchem ich mein fünf undzwanzigstks Lebensjahr zunicklege, hier im Gasthofe jum König von England einst.iden, tort werde man mir dieöthige Aufklärung g ben. Jedes Forschen »ach meiner Herkunfi und meinen Eltern sei unnütz; erachte man cs für rathsam, mich früher auszujuchen,

so werde man mich schon zu finden wiffen und man erwarte, daß ich mich diesen Anordnungen in Geduld füge."

»So habt Ihr also noch Hoffnung, einst em reicher Herr zu werden?" fiel Hartwig dem jungen Mann in die Rede.

©ine solche Hoffnung hege ich nicht im Entfern­testen", fuhr Ritter ruhig fort.Freilich damals, als ich den Brief las, gab ich mich dieser Illusion hin, später aber, als ich ruhig und besonnen meinen Hoff­nungen nachdachte, zerfielen die Lustschlöffer, die auf keinem soliden Fundamente ruhten."

(gortfefcung folgt.)

Die Eholerafttrcht.

Unter diesem Titel bringt dieD. Z." einen Ar­tikel, der darauf gerichtet ist, die natürlichen Schran­ken dcr Cholera zu zoigeit und so die durch die Furcht vor dem unheimlichen Gaste geängstigten Gemüihor einigermaßen zu beruhigen. Tie Abhandlung folgt im Wesentlichen der Pettenkofer'fchcn SchriftWas man gegen He Cholera thun kann", und äußert sich wie folgt: Die Möglichkeit, von der Cholera befallen zu werden, hält sich in festen Schranken, die man als DiSposttion" zu derselben bezeichnen kann; diese Disposition aber muß in dreifacher Richtung znsam- meninffen, damit die Krankheit actio wird. Sie ist eine örtliche, eine zeitliche und eine individuelle. Was He eifte betrifft, so haben die Entvecknngen Penen? kofer's wohl hierin ihren Sckwerpnnkt; sie ist bei Weitem die wichtigste von allen. Diese Behauptung geht so weit und ist wissenschaftlich so erhärtet, dag man sie gerade dahin übersetzen kann: nicht der Kranke, sondern nur die Oertlichkeit ist Träger dos JirsectionS- |trff«S. Es handelt sich also vor Allem darum, wie weil ist eine einzelne Stadt ober ein einzelnes Haus geeignet, ein Heerd für das Eholeragist zu sein?' Ist dies der Fall, dann schweben die dort Wohnenden ganz in derselben Gefahr der Ansteckung, auch wenn