Staatsminister und eigentlichen Leiter der norwegischen Landesregierung ernannt worden.
Der Kaiser von Rußland ist, nachdem er drei Tage hindurch in Warschau umfassende Truppende sichtiguugen gehalten, in Petersburg wieder eingetroffen. In ithiwa herrscht vollständige Ruhe; der Khan erfüllt die ihm anferlegten FriedenSbedingunzen und bringt namentlich die Abschaffung der Sklaverei zur Ausführung. .
Der Sultan wird nuft auch den Schah von Per- sten als Gast empfangen. Dee Khedive von Aegypten, der vorher «bremsen wollte, wird nun noch bleiben und den Festen beiwohnen. Aali Pascha, bisher Prä fett von Konstantinopel, ist zum Botschafter in Paris ernannt. - --------—-r— ---------------------
Die griechische Kammer hat das Budget für dieses Jahr genehmigt UNd den Vertrag mit der neu gebildeten Laurion-Bergwerks-Gesellschaft in nähere Beralhung genommen. Die Königin Olga hat sich nach Wien begeben und reist von dort nach PeterS bürg zut silbernen Hochzeit ihrer Eltern.
Hitsche» Reich.
## Berit«, 31. Juli. Im Monat August sollen im Dessauischen größere Kavallerieübungen stattfinden, welchen Prinz Friedrich Carl und der Großherzog von Mecklenburg betzuwohnen gedenken. — Die Jn- spicirung der IV. Armee Abtheilung durch den Kron- Prinzen wird sich auch auf die Besichtigung der im Breisgau im Monat September zusammenzuziehenden badischen Truppen beziehen. — Bei Graudenz gelangen während des MinenkriegeS etwa 30,000 Ctr. Pulver zur Verwendung. Dte dort mit Schießbaumwolle anzusteUenden wie einige andere Schießübungen find von dieser aus eine der nächsten Wochen ver schoben worden, theils, um das Eintreffen noch an der Nordsee beschäftigter Seeosficiere abzuwarten. — Der Präsident der königl. Bank, v. Dechend, welcher seine Urlaubsreife unterbrechend, aus dienstlichen Gründen (u. a. betr. die Erhöhung des DiSccnt's) plötz lich in der vergangenen Woche hier eintraf, gedenkt, sobald die Ullimoregulirungen vorüber, wenn diese eS gestatten, zur Fortsetzung seines Urlaubs sich auf kurze Zett an den Rhein zu begeben. — Rach den von der Admiralität angestellten Ermittelungen belaufen sich die Ä’often der Schiffsverpflegung für den Kops und Tag durchschnittlich aus nur 11 Sgr. 72/s Pf., wel cher Satz sich allerdings, bei dem fortwährenden und allseitigen Steigen Ver Lebensmittel zur Zett auf etwa 121/2 Sgr. erhöht. Jener ersteren DurchschnittSfumme liegen die Preisberechnungen zu Grunde von etwa lli/2 Sgr. in Ostasien, 14 Sgr. in Westindien und Südamerika, 10V12 Sgr. am Mittelmeere, 16 Sgr. Spanien, Portugal, kapverdische Inseln, 10% Sgr. England und 7 Sgr. 1 Pf. Ost- und Rordiee.
— Durch ein Erkennlniß des hiesigen Ober-Ap- pellationsgerichtS ist anerkannt, daß auch in den neuen Landen nach Einführung der Pharmacopoea germa
nica Apotheker, welche nicht nach §. 33 der Gewerbeordnung besondere Gestattung zum Branntwein Klein- handel erlangt haben, Spiritus auf Grund des §. 6 desselben Gesetzes als „Arzneimittel" nur in dem Falle im Handverkäufe ablassen dürfen, wenn der Spiritus mindestens 80 pCt. Tralles Alkoholgehalt hat. Dieses Unterscheidungsmerkmal des Spiritus als Arzneimittel wird aus den in den alten Landen ergangenen Bescheid der Ministerien der Medicinalangelegenheiten, des Innern und deö Handels d. d. 2. Nov. 1858 gegründet. Zuwiderhandlungen sind nach der Gewerbeordnung mit Geldbuße bis zu 100 Thlrn.. bedroht. Das in Rede stehende Ministerialrescript führt auS, daß die Apothekenbesitzer, auch wenn sie nicht ein von der Slpotheke vollständig getrenntes und speeiell con- cessionirtes Geschäft im Kleinhandel mit spirituösen Getränken betreiben, stets unbehindert waren, den Spiritus zu tecbnischen Zwecken in beliebigen Mengen zu verkaufen. DieS beruht auf der dens-lben 'überhaupt zuftehendcn Befugniß, alle in der series me- dicaminum verzeichneten Gegenstände unter gewissen Bedingungen im Handverkäufe abgeben zu dürfen, und zu diesen Gegenständen gehört auch der Spiritus von einem Alkoholgehalte von 80 pCt. Tralles und darüber.
DreSde«, 1. Aug. Bon Pillnitz ist folgendes Bulletin eingegangen: Der König hat ziemlich gut geschlafen, sein Befinden ist zufriedenstellend.
Weimar, 31. Juli. Professor Haußknecht dahier, welcher sich 10 Fahre in Persien aufgehalten hat und der persischen Sprache vollkommen mächtig ist, wurde bekanntlich während des Besuches des Schah's an dem Berliner Hoflager dahin berufen, um dem „Könige der Könige" als Dolmetscher und Cicerone zu dienen. Professor Haußknecht geleitete später den Schah nach Esten, Wiesbaden und Köln bis an die belgische Grenze. Wie die „M. Z." erfährt, hat er eine Einladung aus Wien erhalten, um auch dort als Dolmetscher des Schah's zu sungiren. Er hat diesem Ruse Folge geleistet und dürfte den Schah wahrscheinlich bis an die türkische Grenze geleiten.
Darmstadt, 1. Aug. Einer Meldung der „Darmst. Ztg." zufolge sind ernannt: Müller zum Präsidenten, Zentgraf zum Direelor des Oberapella- tionsgerichtS, Kra.t zum Präsidenten des HofgerichtS in Darmstadt. — Bei Abfassung des Volksschulgesetz Entwurfs lag es auch in der Absicht der Regierung, in Betreff der Versorgung der Witwen und Waisen der Volköschullehrer eine Verbesserung herbeizuführen. Es war dies auch dringend genug angezeigt, da der Betrag einer Pension sich zur Zeit nur auf 100 fl beläuft. Indessen waren hierzu sorgfältige Ermilte lungen über die Leistungsfähigkeit der Witwenkasfe. über den jährlichen Mehrbedarf bei einer Erhöhung der Pensionen rc. nöthig, welche nicht so rasch abge schlossen werben konnten, um noch bei dem Entwurf Berücksichtigung finden zu können. Jetzt aber sind dieselben abgeschlossen, und die Regierung hat auf
deren Grund in den letzten Tagen eine Gesetzvorlage an die Stände gelangen lasten, welche voraussichtlich von den Lehrern freudig begrüßt werden wird. Danach wird der Betrag einer Pension von 100 auf 180 fl. erhöht, also beinahe verdoppelt, und die Pensions-Berechtigung der Kinder bis zum zwanzigsten Lebensjahre ausgedehnt. Allerdings wird auch da« EintrittSgeld von bisher 22 fl. 30 fr. auf 60 fl, und der jährliche Beitrag von 6 fl. 30 fr. auf 20 fl erhöht, allein die Erböhungen weichen um so weniger beanstandet werden können, als die bisherigen Ansätze sehr niedrig gegriffen waren, ferner die bedeutende Erhöhung der Pensionen und die Ausdehnung bi« zum vollendeten zwanzigsten Lebensjahr der Kinder eine Erhöhung unerläßlich machte und auch inmittelß eine Erhöhung der Lehrergehalte stattgefunben hat. Die von dem Entwurf beabsichtigte Aenderung erfordert einen Mehraufwand von jährlich 37—38,000 fl, wovon nur 27,000 fl. durch die erhöhten Beiträge und Eintrittsgelder gedeckt werben, während 10—11000 fl aus der Staatskasse zugeschosien werden müsse«.
Metz, 1. Aug. Bei der gestrigen Einweihung des Sachsen - Denkmals bei St. Privat verlas der hiesige Gouverneur Namens des Kronprinzen von Sachsen eine Anrede, in welcher unter Hinweis auf die bewiesene Tapferkeit der sächsischen Truppen bei Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die sächsisch! Armee bei einem etwaigen neuen Kriege ebenso treu zu Kaiser und Reich stehen werde.
Ber», 1. Aug. Der Nationalrath beschloß heute, zur Erledigung der noch vorliegenden zehn Eisenbahn- ConcessionSgesuche sich am 15. September wieder zu versammeln und die Session morgen zu schließen.
Paris, 31. Juli. Ein Schreiben ans Ranch von gestern meldet, daß diese Stadt morgen Nachmittag um 12 Uhr vollständig geräumt sein wird. A« folgenden Tage werden die ersten französischen Truppe» einlnffett. Die Bevölkerung will denselben einen glänzenden Empfang bereiten und sich nicht durch die Verbote daran hindern lasten. In Nancy sowohl wie im ganzen Osten herrscht übrigens große Entrüstung über die Haltung der Regierung bei dieser Gelegenheit. Alle Welt tadelt deren verkehrtes Auf reten. Selbst ganz gouvernemental gesinnte L-uie sind ungehalten, da nach ihrer Meinung dadurch die Begeisterung, die in diesen Gegenden für die Republck und Thiers herrscht, nur noch größer werben muß. Daß nach dem Abzüge der Deutschen sofort eine großartig! Demonstration zu Gunsten der Republik und des Herr« Thiers statlfindet, ist übrigens außer allem Z veifel. Zahllose Fahnen sind bei bereitet, welche die Worte tragen: „Es lebe die R>publik I" „Es lebe Thiers I" „Es lebe der Befreier!" „Es lebe der Retter te« Vaterlandes!" Der Maire und der Gemeinderath stehen bekanntlich auf Seiten der 8er6 kerung und ter Präsect wird deshalb wenig thun können, die allgemeine Begeisterung zu dämpfen. Eine große Anzahl
Sie durchschaut und in Ihrer Seele den Grund gelesen habe, der Sie bewog, mich Ihrem Herrn Vater vorzuschlagen, gebe ich Ihnen zum Abslied den guten Rach, in Zukunft unbescholtene Mädchen mit Ihren Versvlgungen zu verschonen, bin ich gleich auch ein Greis, fühle ich doch noch Kraft genug in meinen Gliedern, solchen Verfolgungen energisch entgegen zu treten. — Adieu!"
Zornig hatte der Freiherr sich erhoben und zum Schellenzuge gegriffen; als aber der Diener ins Zim mer trat, DD die Befehle seines Herrn entgegen zu nehmen, befand Hartwig sich schon auf der S.raße, uno der junge Mann mußte sich damit begnügen, dem Diener die Weisung zu ertheilen, jenen Menschen, sobald er sich wieder im Hause deö Freiherrn sehen laste, hinauszuwerfen.
„Dachte mirS gleich," brummte der Lakai, „ent weder ist er ein Gläubiger des jungen Herrn, oder einer seiner ruinirten Freunde; schon auS feinem Anzuge konnte man daraus schließen."
Der Bildhauer hatte diesen Auftritt in etwas vor- auSgesehen und sich darauf vorbereitet, das ersparte fduetn Gemüthe die Aufregung, durch die im entgegengefetzten Falle vielleicht fein ganzes Nervensystem erschüttert worden wäre. Verhindern aber konnte er nicht, daß, als er wieder in feine Wohnung trat, die Furchen in feiner Stirne tiefer und drohender denn je waren, und feine Gattin wie Pauline konnten, als sie einen Blick auf das Antlitz des alten Mannes warfen, an dem gänzlichen Fehlschlage» ihrer Hoffnungen nicht zweifeln.
„Gott hat bis hierher geholfen, er hilft auch weiter!" tröstete Hartwig, als et feinen Angehörigen den Er folg feiner Unterredung mit dem Freiherrn berichtet hatte. „Bester arm in Ehren, als reich und verachtet!" — „Aber Kleber? Wird er Geduld haben, wenn wir den Termin nicht einhalten können?" warf die Ma
trone besorgt ein, — „Er muß," entgegnete der Greis ruhig, „ist er auch geizig und hartherzig, so handelt er doch nicht über eilt und unklug, er weiß, daß wir ihn bezahlen werden, sobald wir das nur können, und daß, wenn er gerichtlich gegen unS einschreitet, dies ihm nur unnütze Kosten veiursacht." — „Er hat ein hartes Herz," nahm Pauline das Wort, „und auS feinen Augen fchaut ein döseS Gewissen. Bis jetzt hast Du ihm noch keinen Anlaß zur Unzufriedenheit gegeben, denn jedesmal erhielt er den MiethzinS auf den Tag —"
„Und dies eben muß ihn zur Nachsicht bestimmen," fiel Hartwig ihr inS Wort, „der Termin läuft heute üb.r acht Tage ab, vielleicht ist bis dahin Hammer wieder gesund, und habe ich einmal wieder Ai beit, so kann ich daS Versäumte bald nachholen und die kleine Schuld abtragen."
Die alte Fran schüttelte mit bedenklicher Miene das Haupt, „lieber Hammer bin ich längst im Reinen," entgegnete sie, „er kommt nicht wieder auf, so große Hoffnung er selbst sich auch macht."
Hartwig, der einen so hartnäckigen Widerspruch nicht gut ertragen konnte, erhob sich und trat ans Fenster.
„Gesetzt, Du habest recht und auch diese Stütze ginge unS verloren, so kannst Du mir doch keinen Vorwurf machen, daß ich auf den Antrag des Freiherrn nicht einging," nahm er nach einer kurzen Pause wieder das Wort. „Ein Anderes wäre eS, läge nicht die Gewißheit, daß der Wüstling unredliche Absichten auf Pauline hat, klar am Tage. Meine Bedenken könntm nur dann umgeworfen werden, wenn Pauline ein starkes, muthiges und entschlosteneS Mädchen wäre und eine treue, wohlmeinende Freundin hier besäße; aber die Armulh Hal keine Freunde, und unter den obwaltenden Umständen ist eS unfere heilige Pflicht, zuerst für unsere Tochter und dann für uns zu sorgen.
Das ist mein letztes Wort in di.ser Cache, und ich will nicht, daß ferner darüber welche verloren werden.'
„Mittlerweile wirb Sckmalhan» unser Küchenmeister und der Executor unser Gast," murmelte die Matrone düster vor sich hin.
„Nein, so lange ick lebe und meine Hände reg« kann, gewiß nicht," flüsterte Paulme, einen Kuß auf die Stirn der Mutter drückend. „Der Vater hat recht, ec kennt die Welt b.ssir wie wir und wir müsse« uns seinen Anordnungen ruhig unterwerfen. Ich habe für die nächste Zeit Arbeit genug, und wenn Vater- Zeichnungen fertig find, werden wir auch dafür gewiß bald einen Käufer finden; nut Muth, wenn die Roch am größten, ist die Hülfe am nächsten!"
„Darf man cintreten?" fragte in diesem Augenblick ein junger Mann, der unbemerkt die Thür geöffnet und die letzten Worte des Mädchen- deutlich vernommen halte. — Eine dunkle Röthe Überzog die Wangen PaulinenS, während Hartwig dem junge« Manne freundlich die Hand bot.
„Ihr wüßt ja, daß Ihr immer willkommen seid, Ritter," versetzte er, „macht also keine Umstände, uck wenn Ihr unser frugales Abendbrod mtt unS theilt« wollt —* — „Zu viel Güte!" fiel Ritter, dem die Verlegenheit der Matrone nicht entging, dem @rett ins Wort, „ich habe schon zu Nacht gegessen und btt nur herübergekommen, um im Kreise Eurer Familie ein GlaS mit Euch zu leeren. Seht her," fuhr er fort unter seinem weiten Rocke einen Krug und eine ®arrf hervorziehend, „für den Trank habe ich schon gesorgt, ich hoffe, er wird Euch munden. Die GanS abrt Mutter Hartwig, ist ehrlich oerbient, unb wenn Ist nichts dagegen habt, so labe ich mich auf nächste* Sonntag bei Euch zu Gast."
' (Fortsetzung folgt)
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