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Sr. 181. Marburg, Sonntag, den 3. August. X. " , 1873.

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Für die Freude, die es von der Verkokung des Herzogs von Edinburg gehabt, muß England jetzt mit der Bewilligung eines Jahrgehaltö von 25,000 L. statt der bisherigen 15,000 L. für den angehenden Ehemann zahlen. Einige republikanische Principim« reiter wollen zwar von dieser „Verschleuderung öffent­licher Gelder" für Fürstenzwecke nichts hören; die Nation überhaupt aber hält in ihren alten Ueber« lieferungen durch manche Lehre der Gegenwart nur bestärkt an ihrer monarchischen Staatseinrichlung gt; treu fest, mag sie auch j.tzt wieder ein paar Tausend Pfund Sterling mehr kosten als vor einer Woche.

Am dänischen Hofe ist der englisch« Prinz Ar­thur eingetroffen, der, wie das freilich von englischer Seile zurückgewiesene Gerücht geht, sich um die Hand der Prinzessin Thyra zu b.werden wünscht. Er ist 23, sie 20 Jahre alt. Aus Island wie auch auf St. ThrmaS herrscht Mißstimmung; die dortige Oppo« siiionSpariei strebt nach Unabhängigkeit von der dänischen Verwaltung. . ...1 , .> 5

Der Statthalterpost'n für Norwegen, wie er rerfassungsmäßig seit 1814 bestanden hat, ist seit langen Jahren unbesetzt geblieben, nunmehr durch Beschluß des Stoilhing unter Zustimmung deS Königs ganz abgeschaffl und der Stadtrath Slang zum ersten

Die Räche der schweizerischen Bundesver­sammlung setz n ihre Arbeiten mit erfreulicher über wiegender Einmüthigkeit fort. DaS genfer Gesetz zur Organisation der katholischen Cantonalkipche erhiellj die BuNdeSgarantie.

Die f r a n z ö s i s ch e Nationalversammlung hüt am- 29. Juli ihre letzte Sitzung vor der Vacanz, welche bis zum 5 November dauern wird, gehalten, nachdem sie zuvor das Gesetz des Justizministers, welches dem ständigen Ausschüsse das Recht giebt, gegen Beleidiger der Nationalversammlung durch Schrift oder Wort gerichtliche Verfolgung zu autorisiren, angenommen hatte. Der erwählte ständige Ausschuß besteht in seiner Mehrheit aus Mitgliedern der Rechten, doch befinden sich hierbei Mitglieder des linken EenlrumS und der Linken und sind fünf vom rechten Ceulrum darin. Der Präsident der Republik richtete vor der Verla- i

Politische Wschen-Urberficht.

Nach dem befriedigenden Abschluß seiner Badekur 'm Ems hat sich unser Kaiser über Wiesbaden nach Homburg begeben, von wo die Abreise nach Gastein zur Nachkur erfolgen wird. — Der Kronprinz hat sich mit Familie in doS Seebad Wyk auf Föhr begeben und wird in diesen Tagen der Grunkst.inlegung für das neue Univerfltälsgedäude in Kiel beiwohnen. — Fürst Bismarck setzt seine Sommerruhe in Larzin fort und ein Theil der übrigen Minister befindet sich eben- wohl auf Erholungsreisen, ohne von dem großen po litijchen Ereignisse in den Gewässern von Cartagena und Alicante, von dem die französischen Blätter und selbst da- clericale wiener „Vaterland" mehrere Tage lang so viel Wesens machten — der Aufbringung der unter rother Flagge fahrenden „Vigilante" durch den „Friedrich Karl" — eine Störung befürchten zu müssen Weniger sricdlich verläuft der kirchenpolinsche Conflict mit dem Episcopate und die neuesten Nachrichten mel­den nun auch die Aushebung de- Knaben - Seminars in Fulda. Um Io erfreulicher war dagegen in dieser Woche die Installation deS neuen Gesammt Consistoriums für Hessen. Wird diese kirchliche Behörde auf dem von dem Regierungs - Eommissar ihr vorgezeichneten Wege ihre AmiSthäligkeit beginnen und forlsührcn, so wird dieselbe eine segenbringende stets sein. — In Hessen-Darmstadt hat sich die Kammer, wahrscheinlich bis zum September, nach Beralhung deS Schulgesetzes, daS ciwaS viel Theorie zu enthalten scheint, verlagi.

In Oesterreich Ungarn macht die Ausstellung ihren sricdlichen, imposanten Gang, während die Mi- »ister in ihre Ferien reifen und mit Regierungsge schäften,nur noch so weit behelligt werden, als die Anwesenheit des Schahs von Persien cS verlangt. Unierttß bringen alle Blätter der cisleiihanischen Reichs Hälfte ihre Belichte über die vorbeleitenden Wahl- bcweguiigen in den Kronländern, und es mehren sich dir osficiös'N Stimmen in Provi.rzblältern, aus teneu zu entnehmen, daß man höh.rn O>les bis j-tzt ent schlossen ist, den Bruch mit der deutschen Verfassuiigs Partei durch clericale Maßnahmen nicht fernerhin auf die Sp tz« yi treiben. In Ungarns Hauptstadt feierte die trauSleiihanische Regierung in diesen Tagen die jum Besuche riugeladene Ausstellungs In y.

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Zeichen daß alle Parteien mit Ausnahme der Unver- iöhulichen von beiden Flügeln — also mit Ausnahme der Carlisten und der Rothen — dem Ministerium ihren Beistand zugesagt haben. — Vor dem aufstän­dischen Cartagena Hal sich ein Vorfall ereignet, welcher für Deutschland unmillelbares Interesse hat: die Weg­nahme des Rebellendampsers „Vigilante", der die roibe Flagge führte und unter daS von her Regierung erlassene Piratencd.cret fällt, durch die veutsche Panzer- fregatte „Friedrich Carl". Zur genauen Bcurlheilung deS Vorganges fehlt zwar noch der Bericht .des Capi- tänS Werner selbst, doch finden unsere L.ser in der unten mitgetheilten Eiklärung der in Cartagena woh» nenden Deutschen einen genügenden Ausschluß. So­wohl Spanien, aber als auch die übrigen Nationen haben nicht den mindesten Grund zur Betchwerde über das Vorgehen des deutschen Kriegsschiffes, ersteres eher das Gegemhcil.

DeS Schicksals Fügung.

Novelle von Ew. Aug. König.

(Fometzung.)

Ohne den Bedienten, in deffen Zügen sich deutlich die Indignation über die ihm wideifahrene Behand­lung spiegelte, rim6 weiteren Blicke» zu würdigen, erstieg er die breite Treppe und trat furchtlos in das elegante Privatzimmer des jungen Freiherrn.

Unwillkürlich erhob der Letztere sich von sein m Fauteuil und schritt dem Eintretenden entgegen. „Sie sind der Bildhauer Hartwig?" nchm er daS Wort „Jedenfalls kommen sie wegen der Vcrwalicrstelle, di. wtr auf unserem Gute in Schlesien zu vergeben haben?" , »So ist rt", entgegnete Hartwig. „Meine Tochter 1»gte mir, daß Sie mich für di.sen Poften vorar- Wagen hätten, und so dankbar ich Ihnen für diesen ^ftveis von Vertrauen bin, möchte ich »och, bevor ich N Ihr gütiges Anerbieten eiogehe, Gewißbeit über ben Grund haben, welcher sie bewog, mir dasselbe zu wacheu." — Auf eine solche direkte Frage war der junge Mann nicht vorbereitet; um seine Verlegenheit D verbergen und gleichzeitig dem strengen, forschenden «llcke deS alten Mannes auSzuweichen, öffnete er seinen drcretär, nahm auS diesem em Ebenholzkästchen und »ot dem Bildhauer eine Cigarre an, welche dieser jedoch iurückwies.

„Sic rauchen nicht?" fragte er, anscheinend erstaunt. . »In meinem Hause und im Freien verschmähe ■w den Tabak nicht", entgegnete der Greis ruhig, »hier aber schickt eS sich nicht für mich, eine Cigarre ^zuzünden. Ich bitte Sie um Antwort auf meine öta6e; sagen Eie offen, waS bewog Eie, mich zu Eur erledigten Verwalterposten vorzuschlagen?"

»Nur der Wunsch, Ihrer Tockter die Last zu er Ehlern, welcde sie ihrer Eltern wegen sich aufgebür- c hat", erwiderte der Freiherr. „Schon längst sann

fort, „wollen Sic die Güte haben, den gnädigen Herrn zu bestimmen, daß er den Coutract ausfenigen läßt, so werve ich morgen zur Unterzeichnung dcss lben wie­der versprechen unv alsdann in den ersten Tagen m t meiner kleinen Familie die Reife zur neuen Heimath antreten.

„M t Ihrer Familie?" fragte der Freiherr, der st b inzwilchen wieder in sein Fauteuil g worfen hatte. „Ihre Tochter bleibt doch hier zurück? M»äre schade um die Zukunft d.S Mädchens, wolllWSic cs auS d.r mit ]o vielem Glück begonnenen Carriere reißen. Pauline hat die ersten Damen der Start zu Kunden, ihr Geschmack und Talent sind allgemei-, anerkannt, und ich zweifle nicht, daß sie es mit der Z it„ viel' l"chl sLou s.hc bald, zu einer SelbiistLndigkeit brin­gen wird, um die manche ihrer Coll.ginncn.sie be­neidet. "

Hartw'g sah jetzt klar, wohinaus der Wüstling wollte, uno welcher Grund diesen zu leiuem Anerbieten bewogen halte; ruhig und fest blickte er dem jungen Manne inS Auge. „Entweder meine Tochter g.ht mit, oder ich verzichte auf den Pesten," entgegnete er,: „Paulrne bedarf des Schutzes und der Aufsicht, unv mir gebietet die Psticht, beides zu übernehmen "

Der Freiherr blies glrichgittig die blaueh Rauch- Wölkchen vor sich hin. „Sie sehen zu schwarz mein L»bcr," verletzte er, „lass n Sie Pauline getrost zu- lück, meine Mutlcr wirb gerne der Muhe sich unter» z'ehen, ihr in allen Fällen mit Rath und That bei­zustehen; wie ge>agt, bas Mädchen dürfen Sie nicht mimeymen, meine Mutter ist gewohnt, in ichr eine Arbeiterin zu besitzen, die ihren Geschmack thrilt, ich bin überzeugt, sie würce Pau.ine nicht ziehen lassen."

„So bleibe auch ich!" entgegnete Hartwig fest; ~ „von dem Verwalterpost.n kann alio fernerhin keine Rece mehr sein. Uno jetzt, mein Herr, nachdem ich

ich über Mittel und Wege nach, diesen Wunsch erfüllen zu können, denn Pauline ist ein sehr braves, cdlcö Mädchen, und es schmerzte m ch, wenn ich bcmerkie daß die Rosen auf ihren Wangen schon zu welken begannen, sie arbeitet bis ixt die späie Nacht, um ihr. Eltern ernähren zu können, für sie hat der Frühling feilte Blumen, die Sonne keinen Schein . . ."

„Kommen Sie zur Sache," fiel Hartwig dem jungen Manne ins Wort, „ich bin kein Fieund von diejeu schwüllligen Redensarten; ohne Umschweife also, Sie glauben meiner Tochter einen Dienst dadurch zu erweisen?"

„Allerdings," fuhr der Freiherr fort, dcrn die Unterhaltung unbeq um zu werden begann. „Außer ecm zog ich Erkundigungen über Sir ein, hörte allent h.ideu, daß Sie rin rcchtjchaff ner ehrenhafter Mann leie», und di.se sich die Haupttugeuden eines Ver­walters. Wollen Sie den Posten annehmen, io schlagen <&tt ein, uno wenn es Ihnen genehm ist, können Sie morgen schon nach Schlesien abreijen."

Hartwig erhob sich. „Besucht die gnihtae Herr- fchaft das Gut oft?" fragte er.

Der Freiherr sah überrascht zu dem Fragenden aui- ^»Sie sind ein schlauer Fuchs," entgegnete er, ben Sinn der Frage mißdeutend, während ein Lächeln über seine Lippen flog. „Wir kommen nur selten hin und bei dem H ng meines Vaters zur Bequemlichkeit haben Sie eine Revision der Bücher nicht leicht zu befürchten".

Zornig flammte eS in den Augen d S alten Man neS auf. „Sie mißverstehen mich, was die Bücher- rrvision aubetrtffi, so werde ich, wenn ich die Stelle annehme, darauf bringen, d >ß eine solche in angem.s senen Zwischenräumen statifiudel, meine Frage ha.le einen ganz anreren Grund. — Wohlan, ich nehme den Posten an," fuhr er nach einer Weile ruhiger

gung noch eine Botschaft an die Nationalversammlung. Der Schluß der Sitzungen der Nationalversammlung ist mit einem Dankgottesdienste in ter Schloßcapelle zu Versailles gefeiert worden. Die Versammlung hat in ihren letzten Sitzungen noch die Abschaffung der vor einem Jahre votirten Steuer auf die Rohstoffe, die Abschaffung des Flaggenzuschlags und die Han oelsverträge mit England und Belgien genehmigt Tie Räumung des Gebiets geht ohne Störung fort doch werden fast überall, wo die französischen Truppen wieder einrücken, Demonstrationen mit Hochrufen auf tte R.publik und Herrn Thieks gemacht.

Tie neuen italienischen Minister halten sich in Zeit von zwei Wochen finden laffen, aber mit der Besetzung der frei gewordenen General - SccretariatS stellen geht es minder rasch von der Hand. — Der Papst hat am 25. Juli in einem geheimen Cousisto- rtum 22 Bischöfe präconisirt und eine Allocution ver­lesen , die sich ziemlich maßvoll gegen die italienischen Klostergesetze austpricht.

Tie neue Regierung Spaniens hat durch ihre bisherigen Maßregeln die auf sie gesetzten Hoffnungen noch nicht enltäuicht. Freilich ist ihr von ihrer Vor­gängerin als Eeblchaft eine so furchtbare Verwirrung hinterlassen worden, daß erzielte Erfolge mir ganz langsam an daS Tageslicht treten können; aber eS ist doch schon ein lange nicht mehr dagewesenes günstiges

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