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strichen Äld und doch, wie unsäglich lang ziehen die Stunden sich hin für den, dem das Leben keine Licht feiten mehr bietet!"

Anton, Anton!' entgegnete die Frau warnend, indem sie das Haupt erhob und fast vorwurfsvoll in das düstere Antlitz des Gatten schaute.Hast Du schon vergessen, was der Herr Pfarrer am vergan­genen Sonntage sagte? Die Rathschlüsie Gottes sind unerforschlich, und dem Menschen kommt es nicht zu, fie ergründen zu wollm!"

Der Pfarrer hat gut reden," versetzte der Greis im Tone der Gereiztheit,ihn drücken nicht Noth und Elend, er weiß nicht, was es heißt, Alles, Alles ver lieren zu müssen! Wie ganz anders war es vor fünf­undzwanzig Jahren. als wir in unserem eigenen Hause schalteten, geehrt, geachtet von unseren'Milbür- gern, geliebt von unserem Kinde, auf welches ich all' meine Hoffnungen baute! Damals war ich ein Mann, der feine zwanzig Gesellen beschäftigte, und wenn ich Sonntags hinauSwanderte vor's Thor, am Arme das schmucke Weib, zur Linken den blühenden, talentvollen Sohn, durfte ich mit Recht auf mein Glück stolz sein und mich kühn jedem Fürsten zur Seile stellen."

Die Matrone schüttelte gedankenvoll das graue Haupt.Weshalb die Erinnerung an jene Zeit herauf­beschwören?" entgegnete sie leise, laß sie ruhen, wir haben das Glück verscherzt und Gottes Zorn auf uns geladen in jener unglückseligen Stunde'

Schweig!" fiel der Greis in rauhem Tone ihr ins Wort.Will Gott die Eltern strafen, wenn fie

streng gegen ihre Kinder sind, warum hat er ihnen dann Gewalt über sie gegeben und es ihnen zur Pflicht gemacht, sie zu ordentlichen Menschen zu erziehen? Wer will es mir zum Vorwurf machen, daß ich den .'Sohn verstieß, weil er auf die Warnungen und Er- I Mahnungen der Eltern nicht hörte und an eine leicht- I sinnige Dirne sein Herz hing? Sollte ich etwa zu

Allem Ja sagen und jenes Mädchen mit offenen Ar» men als meine Schwiegertochter empfangen?--

Zwanzig Jahre find seit jenem Tage verflossen und fast stündlich habe ich während dieser Zeit das noch immer geliebte Kind entbehrt, aber wäre es heute wie damals, träte in diesem Augenblick der verblendete Eigensinnige vor mich hin mit jenem Ansinnen, ich würde ohne Zögern dasselbe thun, wozu der Zorn mid) damals trieb.Und ich heirathc sie dennoch trotz Eurem Verbote!" Noch immer tönen sie mir in die Ohren, diese frevelhaften Worte! Darf der Sohn es wagen, so trotzig gegen seine Eltern aufzu- treten ? Er ging und tilgte das Andenken an uns für immer in seinem Herzen; wäre er reuig zurückgekehrt, hätte er gesagt: Gebt mir Bedenkzeit, prüft Ihr das Herz deS Mädchens und findet Jhr'S nicht so rein, wie ich behaupte, so gönnt mir Zeit, daß ich mich auS den Netzen loSmache, die mich umstricken, ich würde ihn an mein Herz gedrückt und jene Worte freudig zurückgenommen haben, die ich im ersten Zorne über seinen Trotz sprach. Aber er that dieS nicht, keine Kunde von ihm gelangte zu uns, er ist ver­schollen."

(Fortsetzung folgt.)

Sr. 179. Marburg, Freitag, den 1. August. 1873.

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Die Opposition gegen die nationale Politik.

Die Hoffnung auf einen günstigen Ausfall der bevorstehenden Wahlen ist nicht minder vollberechtigt, wenn e« auch an Widersachern der Regierung und an Feinden der nationalen Politik nicht fehlt, die um so lauter ihre Stimme erheben, als sie durch die Hef­tigkeit und Unermüdlichkeit ihrer Angriffe vor der Einsicht des Volke« die Schwäche ihrer Stellung und die Aussichtslosigkeit ihrer Bestrebungen zu verbergen suchen. An der Thatsache, daß in der Stimmung der Nation das Gefühl der Befriedigung den Grundton bildet, kann auch der lebhafteste Widerspruch verein­zelter Stimmen nichts ändern. Ucber diese Thatsache haben die Bevölkerungen Preußens und Deutschlands schon durch die jüngsten Wahlen und anderweitige Kundgebungen keinen Zweifel gelassen; sie werden bei den nächsten Wahlen Gelegenheit haben, für ihre Zu­stimmung zu der nationalen Politik ein neues, ver­stärktes Zeugniß abzulegen Was auch die Verblen­dung der Parteien ober die Leidenschaft ihrer Wort­führer an Trugbildern hervorbringen mag, in dem gesunden Sinn und dem richtigen Urtheil der deutschen Wühler liegt die Bürgschaft, daß sie mit Anerkennung und Vertrauen einer Staatsleitung entgegenkommen, welche die deutschen Stämme aus dem Banne ohn mächtiger Zerfahrenheit erlöst und zu allen Ehren einer großen Nation emporgehoben hat.

Ader freilich die nationale Befriedigung hat keine Macht übet die Parteigruppen, die sich von den Em­pfindungen und dem Leben der Nation lossagen. Kein unbefangener Beurtheiler unterschätzt den Einfluß und die Anstrengungen der Elemente, die an der gesunden Entwicklung Preußens und Deutschlands keine Be­friedigung finden können. Außerdem stützt die Oppo­sition sich auf die Bundesgenossenschast derer, welche in der Führung des Staatswesens keine Befriedigung finden wollen. Aber diese Thatsachen zeugen nicht gegen, sondern für den richtigen Gang der nationalen Politik. Das Gefühl der Befriedigung wird sich im Volke befestigen und verstärken, je deutlicher eS wird, daß die Opposition gegen die Staatsleitung vorwie­gend aus Elementen besteht, denen die Regierung kein Lugeständniß machen kann, ohne das Wohl deS Landes J« schädigen.

Es ist eine natürliche Folge der Kämpfe, aus de nen die neueste Gestaltung Preußens und Deutschlands hervorging, daß die von der Macht der Ereignisse und dem Strom der nationalen Bewegung überwun

Des Schicksals Fügung.*)

Novelle von Ew. Aug. König.

denen Parteien sich noch innerlich im Kriegszustände gegen die neue Ordnung der Dinge befinden. Dem gegenwärtigen Preußen und dem Deutschen Reiche stehen erbitterte Widersacher gegenüber, die sich nicht mit den Thatsachen befreunden können, daß Preußen einen befestigten Besitz und die ihm gebührende Stel­lung in Deutschland erlangt hat, daß Deutschland auS einem geographischen Begriff zu einer Macht ersten RangeS aufgestiegen ist und daß die Nation auf der betretenen Bahn zu inniger Lebensgemeinschaft immer freudiger vorschreitet. Mögen diese Gegner nun pol­nische oder dänische, welfifche oder particularistische Ansprüche vertreten: die Regierung muß mit aller Entschiedenheit solche Bestrebungen niederhalten, welche gegen den Bestand des preußischen Staates und des Deutschen Reiches, wie gegen die LebenSenlwickelung der Nation gerichtet sind.

Von ernsterer Bedeutung für die Gegenwart ist die Opposition der Ultramontanen, weil sie in ge­schlossener Reihe und mit überaus gefährlichen Waffen Krieg führen. DaS römische Kirchenregiment hält nach mittelalterlichen Ueberlieferungen an dem Anspruch fest, nicht bloß in GlaubenSsacheu als unfehlbar zu gelten, sondern auch in weltlichen Dingen das ent« scheidende Wort zu sprechen, und namentlich dem Gang der Staatsverwaltung und der Entwickelung der Völker die Ri l tung vorzuschreiben. Nach ullramontouer Auf­fassung steht es den Priestern der katholischen Kirche zu, der Staatsobrigkeit und den Landesgesetzen, unter Berufung auf die Befehle des Papstes und auf an geblich religiöse Satzungen, den Gehorsam zu versagen. Diese Ansprüche werden überall von den Jesuiten und der unter ihrem Einfluß stehenden Geistlichkeit mit äußerster Hartnäckigkeit verfochten, und die Geistlichen mißbrauchen ihren Einfluß auf die katholische Bevöl­kerung, indem sie die nothwendigen Abwehrmaßregeln des Staates als Eingriffe in das Rechts- und Glau­bensgebiet der katholischen Kirche darstellen. Glück­licherweise verlieren diese Mittel der Kriegführung allmälig an Kraft und Wirkung. Der einsichtigere Theil unserer vaterländischen Katholiken begreift, daß die Regierung, indem sie die ultramontanen Anmaßun gen nachdrücklich zurückweist, nur die nothwendigen Bedingungen staatlicher Ordnung und nationaler Selbst ständigkeit wahrt. Mehr und mehr wird dieses Ver ständniß Boden gewinnen, je klarer sich herauSstellt. daß die nationale Politik jede Einmischung in die Glaubenskämpfe vermeidet und durch Gesetzgebung und Verwaltung nur darauf hinstrebt, den Staats-

Ter Aindling.

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r) Nachdruck nicht gestattet-

Ein milder, freundlicher Herbstabend blickte durch die Hellen Schien eines niedrigen Dachfensters in b«8 kummervolle Antlitz eines alten ManneS, der, die gefurchte Stirn an das falte Glas gelehnt, düster tob schweigsam in daS Abendroth hinauSschaute, wel . N Gipfel der fernen Berge vergoldete.

Großer und schwerer Kummer mußte die Seele dieses Greises bebnicfen, denn oft entrang sich seiner Stuft ein tiefer, schmerzlicher Seufzer, während der stiere ausdruckslose Blick unverwandt auf einen Punkt «sichtet blieb.

Die Einrichtung der Dachstube zeugte von $)firf- tigbit, von jener Anmtlh, welche mandie verschämte" «amt, die ihre Blöße den Blicken Fremder ängstlich M Herbergen strebt und lieber Hunger- stirbt, denn i*» Bettelstab greift. Der große, reichgeschnitzte Tisch, zierlich gearbeitete Eckschränkchen und die hoch­mütigen gepolsterten Stühle, welche das ganze Meu «heent des Stübchen« bildeten, waren unverkennbar t*e Heberreste einer besseren Vergangenheit; ebenso frufi das ehrwürdige Antlitz der Matrone, welche, die Htode im Schooße gefeiten, an dem Tische saß und ««< dem Gottesbuche Trost und Erquickung schöpfte. £« Stempel einer Bildung, wie man selten sie in der Dachkammer antrifft.

.Zwanzig Jahre," murmelte der Grei« düster vor stch hin.Wie kurz scheinen die Jahre, wenn sie Der»

angehörigen die Wohlthaten der Gewissensfreiheit und des religiösen Frieden- zu sichern. Daß eine solche Politik nicht auf die Befriedigung der Ultramontanen rechnen darf, liegt in der Natur der Dinge.

Auf dem äußersten Flügel der Opposition stehen die Soeialisten. Immer bereit, sich jeder beliebigen Partei im Sturmlauf gegen die Regierung anzu- schließen, sind sie vollkommen gleichgültig gegen die Grundsätze und Forderungen ihrer jeweiligen Bundes« genossen, weil sie durch jede Umwälzung ihrem eigenen Ziele: dem Umsturz aller Ordnungen des Staates, des Eigenthums und der Familie, näher zu kommen hoffen. Hier schaaren verblendete Massen, die sich durch verlockende, aber unerfüllbare Verheißungen be« thören lassen, sich um selbstsüchtige Volksverführer, die auf den Schultern ihrer Anhänger zu Macht und Besitz emporsteigen wollen. Freilich kann die Regie­rung nicht auf die Befriedigung der socialistischen For­derungen hinarbeiten, sondern lediglich daraus bedacht fein, die Einrichtungen deS Staates und der Gesell­schaft mit fester Hand zu schützen.

So sind die Parteien geartet, die den Hauptstamm der Opposition gegen die nationale Politik bilden. Ihren Bestrebungen ist ein antinationaler, d. h. ein staats- und reichsfeindlicher Charakter ausgeprägt, und ihre Unzufriedenheit bezeugt, daß ihre Anstrengungen erfolglos geblieben sind. Es ist daher ein durch die Verhältnisse genügend begründetes Verlangen, daß alle patriotischen Kreise bei den bevorstehenden Wahlen sich zusammenschließen mögen, um mit vereinter Kraft die gemeinsamen Gegner zu bekämpfen, damit die Regierung ihrerseits bei ihrem nachdrückliche» Eintreten für die Rechte der Nation auf feste und nachhaltige Unterstützung rechnen könne. (Prov.-Corresp.)

Deutsches Reich. ~

Berlin, 29. Juli. Die gestrige Notiz der Nordd. Allg. Ztg." über die Aufbringung derVi- gdante, welche offenbar einen osficiösen Charakter tragt, bestätigt die auch hier vorgetragenen Anschau­ungen. Uebrigens legt man vielfach in politischen Kreisen der ganzen Affaire nicht die Wichtigkeit bei, welche ihr besonders die Pr.sse des Auslandes bei­mißt Was die Angabe anbetrifft, daß Capitän Werner die spanische Mannschaft erst auf Drohungen des Generals Contreras freigelassen habe, hat sich nicht bestätigt. Es ist dies sofort geschehen. Morgen beginnen im landwirthschaftlicheit Ministerium unter dem Präsidium deS Ministers v. KönigSmarck die