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JRarfiurg, Sonntag, den 27. Jnli.

1873

Oterhessische Zeitung

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irorben sind. In Ungarn erklären sich die größeren auf sechs Mona'e abgewiesen, und der spätere Antrag

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Die französische Nationalversammlung hat be­schlossen, sich vom 27. Juli bis zum 5. November zu vertagen. Der währenv dieser Vacanz bestehenden Permanenzcommission wird durch ein besonderes Gesetz das Recht ertheilt werden, bei Beleidigungen der Na tionalversammlung in Reden oder Schriften die Er­mächtigung zur gerichtlichen Verfolgung zu ertheilen, ein Recht, welches bisher nur der Nationalversamm lung selbst zustand. Die Interpellation Jules Favre'ö über die innere Politik der Regierung hat zwar einen großen Lärm in der Versammlung hervorgerusen, aber sonst keine Folge gehabt, denn der Herzog de Broglie beantwortete dieselbe in sehr hochfahrender Weise nur mit einigen nichtssagenden Redensarten, und die Ver- sammlung gab der Regierung ein Vertrauensvotum mit 388 gegen 263 Stimmen. Die Interpellation Millauv's wegen der gegen einige Journale in Lyon angewandten Maßregeln ward von der Versammlung

Die Ministerkrists in Spanien hat die befrie­digendste Lösung gefunden, welche man von der jetzigen Volksvertretung nur erwarten konnte. Der allzu dor- «rinäre und socialistische Pi y Margall ist gewichen und Nicolas Salmeron, der frühere Justizminister und zuletzt Präsident der Cortes, ist mit 119 gegen 93 Stimmen zum Ministerpräsidenten ernannt worden. Als Collegen hat er sich nur gut beleumundete Mit­glieder von der Rechten zugesellt. Die größte und schnellste Energie thut indessen zur Bekämpfung der Aufstände Roth, indem die Carlisten durch die An- kunft ihresKönigs" auf spanischem Boden und durch die wenn auch vorübergehende Einnahme der Stadt Jgualada doppelte Zuversicht gewonnen haben.

Die Arbeiten des englischen Parlament« sind endlich in ein rascheres Tempo gefallen, so daß die Session voraussichtlich am 5. August ihren Schluß erreichen wird. Das GerichlShofgesttz und der Zusatz zum Unterrichtsaete find geborgen. Doch nimmt daS Oberhaus zu guter Letzt noch eine unangenehme Stellung gegen die Regierung ein. Diese hatte bei einem Anträge, die Beschwerden der durch die Ab­schaffung des Stellenkaufs in der Armee benachthei- ligten Osfiziere zu untermchen, eine sehr starke Nie­derlage erlitten, scheint aber dennoch die verlangte Commission nicht ernennen zu wollen, und so drohen

desselben Deputirten, daß eine Interpellation nicht über einen Monat lang von der Tagesordnung abge­setzt werden dürfe, ward nicht für dringlich erklärt Der Antrag, sechs Millionen Francs zum Bau einer Kirche auf dem Montmartre zu bewilligen, ist trotz keS sehr begründeten Widerstandes, welchen derselbe gefunden hat, angenommen worden. Die Regierung fährt rücksichtslos mit ihren Maßregeln gegen die Republik ner fort; an verschiedenen Orten hat Ne be­reits die republikanischen Vereine schließen lassen.- Der Ausmarsch der deutschen Truppen geht ohne Stö­rung fort; alle Demonstrationen sind verboten, jedoch wurden die wieder einrückenden französffchen Soldaten überall mit Freudenbezeigungen empfangen.

Italien sieht dem Besuche des Schah's entgegen, der in Turin mit Victor Emanuel zusammeMrcffen wird, um nach dreißigstündigem Aufenthalte daselbst weiter nach Wien zu reisen. Die Regierung hat die von der schwarzen Partei geplanten Monstre-Wall- fahrten nach Assisi und Loretlo mit Hinweisung auf die im Venetianijchen und Trevisanischen vorkommen­den Cholerafälle untersagt.

Ach, wie süß klang das WortFrieden! Überall sich die Brust freier, -»l- dieser Ruf erscholl.

Politische WschcnrUkberficht

lieber den guten Fortgang der Brunnenkur unseres Kaisers in Ems gelangen ununterbrochen günstige Nachrichten zur öffentlichen Kunde. Nach den jetzt getroffene» Anordnungen wird derselbe mit Schluß der Woche Ems verlassen, um sich zunächst nach Coblenz und Homburg zu begeben um von letzterer Stadt am 2. August die Reise über Regensburg und Salzburg nach Gastein anzutreten. Während der heißen Juli­tage wird die fortgehende Entwickelung der Conflicte zwischen der preußischen Regierung und ihrem wider- späiistigen EpiScopate eine immer straffere. Der Fürst bischof von Breslau hat sämmtlichen ihm untergebenen Geistlichen besohlen, jede Mithülse zu der Ausführung der Falk'schen Kirchengesetze zu verweigern; er seiner­seits aber hat unterdeffeu durch ein Ministerial-Resciipt die Anzeige erhalten, daß die Staatsregierung seinen allkatholischen Domherrn von Richthosen nicht allein iw Genuß seiner Curien Wohnung und seines Gehaltes stützen, sondern auch in seinen Functionen in so weil schützen wird, daß Beschlüssen des Breslauer Dom­kapitels, die mit Umgehung seiner Mitwirkung gefaßt wären, die staatliche Anerkennung würde verweigert «erden. Diese gegenseitige Nicht - Unterstützung und Nicht-Anerkennung muß nolhwendig immer weiter in unhaltbare Zustände hineinführen und wird voraus sichtlich in nicht allzu langer Zeit dem preußischen EpiScopate und weiterhin wohl auch ihrem Herrn und Meister in Rom fühlbar machen, daß mit so einsei­tigem und straffen Vorgehen, wie sie auf dem vatica nischen Concil und seitdem in Scene gesetzt haben, auf deutschem Boden nicht vorwärts zu kommen ist. Eine große Ernte-Beurlaubung in der baierischen Armee macht dort einen sehr guten Eindruck In Darm stadt tagt noch immer der Landtag; die frühere schroffe Parteistellung in demselben hat eine wesentliche Aus gleichung erhalten. Derselbe berieth in seinen letzten Sitzungen das Vokksschulgesetz.

In Oesterreich werden die Plane, den Fürsten Auersperg durch Schmerling zu ersetzen und eine leid­liche Verständigung mit den Czechen anzubahnen, von verfaffungstreuer Seite entschieden abgewiegelt. Von einer Erschütterung des Vertrauens zum Fortbestände de« gegenwärtigen Ministeriums scheint man einen nachihriligen Einfluß auf die Wahlen zu befürchten. Auch sehen sich die Organe der Feudalen und Födera­listen nachgerade zu dem Eingeständniß gezwungen, daß ihre Ränke und Pläne zum Sturz des gegen wärtigcn Ministeriums für'S Erste gegenstandloS ge

Auch in dem Gartenhause in Mülhausen, aus dem eben ein Verwundeter am Arme einer in Schwarz gekleideten Dame trat, war dieser Klang mit Freuden begrüßt worden.

Ich verzweifelte schon an Ihrer Rettung, Herr Brenvel", sagte Felice Manteau zu dem preußischen Lieutenant, der den linken Arm in den ihrigen gestützt hatte. Der Arzt wenigstens hatte Sie ganz und gar aufgegeben."

Ich glaube es, mein Fräulein, daß man daran gezweifelt. Ich selbst weiß von allen den Vorgängen von Ende Dezember bis Ende Januar auch nicht ein SBort Um so mehr muß ich Ihnen meine 81 netten« nung zollen, daß Sie so viele Beweise Ihrer Auf­opferung mir gegeben. Und dies Alle« thaten Sie an einem Feinde Ihres Vaterlandes?" , . .

Herr Brendel, wiederholen.Sie doch dieses Wort nicht immer. Sie glauben nicht, wie tief es mir in die Seele schneidet."

Es» verletzt Sie?"

Ja!"

Und doch sagten Sie e« einst zu mir."

Felice seufzte.Damals stanven wir uns ferner." "Ich wüßie nicht, daß wir uns jetzt näher ständen l" Herr Lieutenant, haben Sie mich nicht vom sicheren Tode befreit Haben Sie nicht Ihr Leben

für mich in die Schranke gesetzt? Haben Sie nicht meinem Vater und mir das Vermögen gerettet?"

ES ist das nichts Anderes, als ein Ausgleich der Dienste, welche Sie mir erwiesen, al» Sie mich vom Schlachtselce retteten."

Städte mit Adressen und Resolutionen lebhaft für Deak's Gedanken einer herzustellenden größeren Un abhängigkeit des gesammten Gebiets der bürgerlichen Verhältnisse von der Herrschaft des CleruS, inkeß da­für der Episcopat, den Primas an der Spitze, in Adressen und Gaben für den Bischof Lachat rc. de monstrirt. Nachdem der Präliminar - Vortrag mit der Pforte wegen Regulirung des Eisernen Thores ratificirt worden, finden bereits Verhandlungen mit dem auswärtigen Amte und den Ministerien beider Reichshälften über Ausführung und Kosten statt. .Wie es heißt, hat sich der Gesundheitszustand der Stadt Wien in diesen letzten acht Tagen in Folge eben sowohl atmosphärischer Verändenmgen als a»ch der recht anerkennenswerthen Bemühungen der Behör den zur Ausrottung der seltsamer Weise hier eingeeng­ten Seucheiiheerve wesentlich gebessert.

Nationalrath und Ständerath der Schweiz haben am 17. und 18. d. ihre Delegirten gewählt für die Commisston, welcher die nähere Vorberathung der Bundes - Verfassung aufgetragen ist, und beide Räthe haben sich in dem Beschlüsse geeignet, die Bundes Versammlung behufs Vornahme der Bundes-Revision auf den 3. November d. I einzuberufen. In der Commission hat die Partei der Revisionisten eine große Mthiheitt Am Sonntag Abends ist der Schah von Persien in Genf eingetroffen und am Bahnhöfe vom Präsidenten der Eidgenossenschaft, Ceresole, und vom schweizerischen Gesandten in Paris, Kern, empfangen worden.

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Das ist nicht Ihre Meinung; Sie sprechen an­ders, als Sie denken."

Gewiß ich denke so!"

Das haben Sie wirklich gedacht, als Sie mich aus der Gewalt des schändlichen Menschen befreit hatten und zu mir sagten:Auf, Felice, zeige un« den Weg!?""

Benno wurde verlegen. Er blickte in das Auge Felice's. Daö Auge hielt diesmal Stand, als er seinen Blick mit dem ihrigen kreuzte.

Allerdings schlug mein Herz hörbarer, al« ich Sie nach langer Trennung und unter so eigenthüm- lichen Umständen wieder traf, aber auch nur einen Augenblick, denn konnte überhaupt in mir ein anderer Gedanke aufsteigen? Ich frage Sie selbst--war

t« möglich, Felice, nachdem Sie mir kurz vor meinem Abschiede gesagt:Benno, halt' ein, ich bin eine Französin, und Du ein Feind meine« Vaterlandes."" Sic wissen, Felice, Sie sagten damals die mir ewig unvergeßlichen Worte in diesem freundschaftlichen Tone."

Felice sprach nicht. Ueber die hochgerötheten Wangen perlten Zähren, der Schmerz wand ihr das Herz sie schluchzte.

Benno ließ e« ruhig zu, daß sie ihm den stützen­den Arm entzog und mit dem Spiyemuch ihr Gesicht verhüllte.. Er fühlte, daß in dem Inneren des Mäd­chens ein Schmerz wüthen mußte, der ihr ganze« Sein erfüllte. Auch in seinem Herzen löste sich ein Gefühl ab, über dessen Wesen er sich keine Rechenschaft zu geben vermochte. - S ----- v-

Die Kriegs fackel hatte während deS ganzen Win

**« den beiden Völkern in dem blutigen Ringen ge- _ ächtet. Da« französische Volk, von Großsprechern ttni) Ignoranten geführt und verblendet, hatte sich Phöben und versucht, mit bewaffneter Faust die Müffchen Heeressäulen zu bekämpfen. ES hatte ein o. ''hen lernen müssen, daß e« Wahnsinn gewesen. Die 34 vterc vernichtet, die festen Plätze in den Händen Feinde«, hatte W schließlich um Frieden bitten

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(frfäeint täglich aufjer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 834 Aar durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und tncl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle I Sar ^ ° Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Die Elsässerin.

Novelle von AndrS Hugo. 5

4 i." (Schluß.)

Felice trat zum Fenster; sie wollte dem Arzt nicht di« Thränen zeigen, welch« sie unter ihren schwarzen Wimpern zerdrückte.

Manteau hatte «S bemerkt. Er ging auf seine Tochter zu, legte vertrauensvoll seine Hand auf die Schulter Felice's und sagte:

Felice, ich werde Alles thun, um den Retter Deines Leben«, Deiner Ehre und Deine« Vermögens Hülfe zu bringen."

Am anderen Tage bewegte sich ein Wagen lang- fam euf Guebweiler zu. In demselben lag ein Fie dnnder, in wollene Decken gepackt, auf der einen j während auf der anderen Seite Vater und Tochter sich bedeutungsvoll ansahen, wenn immer und immer wieder die Worte:Felice!" sich »ie- drrhvlten. -