Marburg, Freitag, dm 25. Juli.
1873
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Ebenso Milderung getragen, fcheinung, nationalen
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wirksam hat die nationale Politik zur der Gegensätze im inneren Parteileben bei- Es ist keine zufällige oder gleichgiltige Er- daß in den verschiedenen Parteilagern die Elemente mehr oder minder die Oberhand
der Nation nicht ablösen wollen, dem Zuge der nativ» nalen Bewegung folgen und den Gesammtbedürfnissen des Vatcilandes die Parteifoederungen unterordnen müssen. Hiermit ist auch der Boden für eine gemeinsame Thätigkeit gewonnen, welche von der Überzeugung getragen werden muß, daß die Gegenwart allen patriotischen Kreisen keine dringendere Pflicht auferlegt, als die, mit vereinten Kräften und in vertrauensvollem Anschluß an die leitende Politik zur Befestigung der deutschen Einheit und zur Kräftigung der gesetzlichen Staatsgewalt mitzuwirken.
Zu solchen Grundsätzen patriotischen Strebens hat sich bereits in Schlesien ein Verein hochgeachteter und einflußreicher Männer aus allen gemäßigten Partei» lagern mit voller Entschiedenheit bekannt. Dieselben haben vor einiger Zeit einen gemeinsamen Aufruf erlassen, in welchem cs heißt: „Die Unterzeichneten find zusammengelreten, die Wähler der Provinz aufzufordern, sich ohne Rücksicht auf Parteiverschiedcnheiten zur Wahl von Männern zu vereinigen, welche die Bürgschaft gewähren, die Staats- und die Reichsregierung in ihrer Politik gegen feindliche Uebergriffe und Ansprüche zu unterstützen. Es handelt sich nicht um Partei-Interessen; es handelt sich um die Interessen des Staates und deö Vaterlandes. Halten wir zusammen in der Abwehr der gemeinsamen Feinde."
Diese Mahnungen haben in weiten Kreisen Wiederhall und Beachtung gefunden, weil sie mit den wahren Empfindungen deS Volkes in Einklang sichen. Wie in Schlesien, so überall im Vaterlande verbreitet sich die Erkenntniß, daß in der nationalen Politik die Fahne aufgcpflanzt ist, um die alle patriotischen Kräfte auS verschiedenen Parteigruppen sich schaaren können. All: bisher trennenden Unterschiede zwischen den einzelnen deutschen Stämmen sind im Schwinden, alle einseitigen Forderungen der verschiedenen Parteien müssen zurücktretcn, weil allen der gebührende Emfluß auf die gemeinsamen Angelegenheiten eingeräumt und allen die Gelegenheit geboten ist, die vaterländische Entwickelung den höchsten Zielen entgegenzuführen.
Die Politik, unter deren Einfluß die Nation das Bewußtsein ihrer Einheit und ihrer Macht wiederge- wouncn hat, wird auch bei den bevorstehenden Wahlen als einigende Kraft erkannt werden.
Die Elsäffrri«.
"Novelle von Andrs Hugo. V *‘1U
; •; (Fortsetzung.) ti .i,
Der Schwarze stürmte mit sechs Mann die zur Thorwärterstube führende Stiege hinan und eröffnete im Verein mit den bereits Anwesenden ein ziemlich wirksames Feuer aus die aus dem Walde herausschie tzenden Deutschen. Die Urbrigen trugen ihrer Weisung gemäß Steine nach den Räumen und thürmtrn
ein klirrender Gegenstand zur Erde fiel. Benno hob ein Schlüsselbund auf und sprang dann jn den Wald zurück, um die von dem Soldaten überbrachte Karte zu lesen. Mit zitternder Hand waren einige Wort« auf dieselbe gekritzelt. ...
Benno traf, nachdem er diese Worte von der Karte abgelesen hatte, sofort fiinc Anstalten.
Tie mitgebrachten Leute mußten bis auf Einm hier bleiben; der Auserlesene erhielt den Auftrag, dicht an der Mauer hin bis in die Nähe des Gefechtsplatzes zu kriechen und erst auf einen gegebenen Wink hin nach dem Thore zu eilen und dort die kleinere Thür zu öffnen. Dann bezeichnete er den Dableibenden die muthmaßliche Stelle des verschütteten Eingangs, auf der sie einschlagen sollten, sobald die von dem Detachement abkommandirten Leute mit Aexlen und Hacken erscheinen würden. Darauf eilte er nach dem Kampfplätze. Hier ordnete er eine Abtheilung von einigen zwanzig Mann zu einer Sturmkolonne und ertheilte ihnen den Befihl, sofort nach dem Eingänge zu springen, sobald der an der Mauer Da',inkriechende d«e Thür geöffnet haben würde. Ebenso hatte er sofort die mit Hacken ausgerüsteten Leute nach der anderen Seite des Schlosses beordert. Nachdem er den an der Lisiece des Waldes Stehenden befohlen Halle, ein Schnell- feuer gegen die Vertheidiger deS Einganges zu eröff neu, um ihre Aufmerksamkeit von dem unter ihnen Vorgchenden abzulenken, gab er dem an der Mauer stehenden Soldaten das Zeichen zum Aufschließen. Während das Geknatter des Schnellfeuers die nächsten Augenblicke ausfüllte, öffnete der mit dem Schlüsselbunde versehene Gefreite die Thür in dem großen Eichenthore.
Das donnernde Hurrah der Stürmenden rollte noch im Echo durch den Wald, als sich auch schon die formirte kleine Sturmkolonne in den Besitz der
«der doch spätestens morgen früh müffen Slcrchenbach und Beulwitz zu uns stoßen."
»Sie haben Boten nach Ihnen ausgesandt?" fragte der Unteroffizier wieder.
„Sofort als mir von Kruth auS gemeldet wurde, daß sich eine Franktireurbande, noch dazu die berüch tigfte, die „Gespenster der Vogesen", von Cornimonl aus nach Wildenstein zu bewege."
Eine Kugel schlug nicht weit von den Beiden in dm Boden.
Deutsche- Reich.
Berlin, 23. Juli, .lieber die Wahlbewegung und die nationale Politik schreibt die heutige „Prov.-Corresp.":
„Jn nicht ferner Zukunft stehen Neuwahlen sowohl für den Deutschen Reichstag, wie für den preußischen Landtag bevor und fast überall sind die Vorbereitungen für den Wahlkampf schon im Gange. Wenn man auf die fruchtbare Thätigkeit der Reichs und Landes Vertretungen, deren Vollmachten ihrem Ablauf ent- gegengehen, mit Genugthuung zuntckblicke» darf, so erscheint iu gleicher Weise die Zuversicht berechtigt, daß auch bei den Neuwahlen das Vertrauen Preußens und Deutschlands sich vorwiegend solchen Männern zuwenden wird, welche von dem patriotischen Eifer beseelt sind, an dem vertrauensvollen Zusammenwirken der parlamentarischen Körperschaften mit den leitenden Behörden festzuhalten und auf diesem geebneten Boden die wichtigen Gesetzgebungs-Aufgaben der Gegenwart einer befriedigenden Lösung entgegenzuführen.
Die Verhältnisse, unter denen die Wähler sich jetzt zur Ausübung ihres Berufs anschicken, sind wesentlich andere, als Pit Zustände, unter denen die jüngsten Wahlen für den Lcmdtcrg und den Reichstag von Statten gingen. Die letzten Wahlen erfolgten noch unter dem frischen Eindruck der kriegerischen Ereignisse, bei welchen die vaterländischen Waffen sich unsterblichen Rus erkämpft hatten, tnib der nationalen Begeisterung, mit welcher die Wiedergeburt deS deutschen Reiches sich vollzog. Unter solchen Umständen war es nicht anders denkbar, als daß die Parlamente berufen seien, der leitenden Staatsgewalt, welche der Nation die Bah» großartiger Erfolge geöffnet hatte, mit Ver trauen emgegenzutcmmen und in gutem Einvernehmen für das Wohl deS Vaterlandes zu arbeiten. Jndeffm spielten damals in die freudig gehobene Stimmung »och immer Gefühle der Unsicherheit hinein. Nicht einmal der Friede zwischen Deutschland und Frankreich war zum Abschluß gelangt. Noch viel weniger hatte man Gewißheit über den Ausbau der ReichSeinrich- tungen, über die Entwickelung des preußiichen Staatswesens innerhalb des deutschen Reichskörpers und über die thatjächliche Gestaltung der Reichspolitik. Ein dreijähriger Zeitraum hat nach allen Richtungen hin Klarheit gebracht. Man weiß jetzt, daß die nationale
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sie hier auf.
„Nur schießen, wenn Ihr einen von den Schuften I w den Oeffnungen seht!" sagte unterdeß der Führer der „Geisterbanner". „Die Kerle müssen in dem Glauben hingehalten werden, daß wir nur wenige Leut« sind — vielleicht wogen sie einen Ausfall."
• „So wollen wir doch daö Nest stürmen!" sagte
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Politik tn friedlicher Arbeit Früchte gezeitigt hat, die sich den kriegerischen Erfolgen würdig anreihen. Wenn daher den jüngsten Wahlen patriotische Begeisterung die Weihe gab, so läßt sich erwarten, daß bei den bevorstehenden Wahlen die nationale Befriedigung, welche den Grnndton in der Stimmung des Volkes bildet, zum gebührenden Ausdruck gelangen wird.
Jn den Beziehungen zwischen den Bundesstaaten wie im Bereiche der preußischen und der deutschen Gesetzgebung ist die nationale Politik, welche den festeti Boden für die Neugestaltung Deutschlands gefunden hatte, immer mehr zur Geltung und Anerkennung emporgedrungen. Sie beruht auf dem Grundsätze, daß die Herstellung der Reichseinheit und die Heranbildung der Nation zu immer innigerer Lebensgemeinschaft, wie die Verbesserung der inneren Slaatseinrichlungen nur unter Achtung der bestehenden Ordnungen, unter schonungsvoller Rücksichtnahme auf geschichtliche und örtliche Verschiedenheiten und in den Wegen freier Verständigung vor sich gehen müsse. Diesem Geiste der Versöhnung ist es gelungen, die Leidenschaften zu entwaffnen, welche das Mark der Nation in unfruchtbaren Parteikämpsen erschöpften, und die Regungen des Mißtrauens und der Eifersucht niederzuhallen, durch welche das Vaterland so lange verhiildert worden war, einig und stark zu werden. Die Grenzscheiden zwischen Süd- und Nord - Deutschland sind nicht blos auf dem Boden der Verfaffuug, sondern in den Herzen der Nation gefallen, und die lang genährte Mißgunst gegen den vorwiegenden Einfluß Preußens i ist im Schwinden begriffen, seitdem baS öffentliche i Urtheil die Gewißheit erhalten hat, daß Preußen sich • mit voller Hingebung an die gemeinsame Entwickelung । deS großen Vaterlandes anschließt. I
gewonnen haben und daß die Bildung einer national konservativen und einer national demokratischen Gruppe erfolgt ist, wie früher die national liberale Partei ent standen war. Es offenbart sich darin die Thatsache, daß alle Parteigruppen, welche sich von dem Leben
„Die Kerle werden üppig", sagte Benno spöttisch. „Wer von Euch klettert gut?"
ES meldeten sich mehrere.
„Seht Ihr die Schlingel da oben in den Dachfenstern?"
> „Ja!" tönte es zurück.
„Die müffen unschädlich gemacht werden. Klettert doch auf die Bäume und zeigt der Schwefelbande, daß die Gcisterbanner auch gute Schützen sind."
Der Befehl Benno's wurde sofort ausgeführt.
Der mit einigen Leuten zur Nccognoscirung fort- geschickte Unleroifizier kam jetzt toteoer zurück und meldete, daß auf der gegenüberliegenden Seite des Schloffes die Möglichkeit einer unbeobachteten Entweichung der Franktireurs gegeben fei, da die nach dieser Seite gchenden Fenster des unbewohnten Schloß flügcls kaum zwei Stock hoch vom Erdboden entfernt feien.
Benno leuchtete diese Möglichkeit ein. Er begab sich sofort mit 12 Mann unter dem Schutze der Bäume nach der näher bezeichneten Stelle. Er war kaum hier angckommen, so erschien durch.das stark vergitterte Fenster in der von dem Unteroffizier bezeich neten Etage ein weißes Tuch und gleich darauf drang der Ruf „Benno" an fein Ohr.
„Felice!" rief Benno.
Ein Winken des Tafchentuches antwortete ihm. Gleich darauf verschwand die Gestalt vom Fenster.
Durch Benno's Kops jagtn eine Menge Projecte, aber er kam zu teimm Resultate. Dieses Schwanken in einem zu fastenden Entschlüsse hatte einige Minuten gedauert, als das Tuch in dem Fenster wieder erschien und gleich darauf eine kleine Karte langsam durch die Lust sich hcrabjenkte. Der nach derselben haschende Soldat hatte die Karte noch nicht erreicht, alS ein gellender Schrei durch die Luft schnitt und gleichzeitig
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„Unsinn, wozu denn? — ES wäre um jeden Haut- : ritz schade, den Ihr Euch um dieses Lumpengesindel
holtet. DaS Schloß hak nur hier den einzigen Aus gang — hier müffen sie durch, und bann laßt sic nur kommen! Sind wir auch nicht stärker als das Pack, so nehmen wir cs doch jederzeit mit ihnen auf. Ich glaube übrigens gar nicht, daß die Bande ausbrechen ioird und das wäre mir das Liebste, denn heute Abend
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