Mr. 172
Marburg, Donnerstag, den 24. Zuli.
1873
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S^i kein Narr, Kindchen, erspare mir die Arbeit
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„Nur Sekt — zwei Gläser!"
Elaude kehrte mit dem Verlangten zurück und schenkte die beiden Gläser roll.
„Komm, Schätzchen, stoß mit au und laß Deine Grillen, denn nun änderst Du doch nichts mehr an der Sache!" sagte der Anführer mit schwerer Zunge, Felice das Glas kredenzend.
Diese schlug ihm das Glas aus de« Hand, daß cS in Stücke sprang.
„Weg von meinen Augen, Du elender Räuber. Schämst Du Dich nicht, t)uber den Name« eines Franzosen zu tragen?"
_ »Du weißt wohl, wer ich bin?" fragte der Schwarze wieder.
„Gewiß", antwortete diese, sich aufrichtend. „Auf dem Hohenheimschen Eisenwerke in Thüringen warst Du ein genuiner Wilddieb und hier haft Du Dich zum Räuber ausgebildet, noch dazu in preußischer Uniform. Pfui! Lu bist ein Scheusal in Menschen gestalt!"
an die Unabänderlichken der heutigen Verhältnisse zur Gewißheit machen." Nach dieser, wie es scheint, osfi- ciösen Darlegung zu schließen, hätte der Abg Krüger durch seine Unterredung mit dem Reichskanzler, deren er sich selbstgefällig rühmt, etwas ganz anderes erreicht als er gewollt. Der Fürst Bismarck scheint den redseligen Hofbesitzer aus Nordschleswig als sein Mundstück benutzt zu haben, um den Dänen wie dm Deut- ichen Nordschleswigs anzukündigen, daß nach menschlichem Ermessen die Dinge an der Königsau jetzt so bleiben werden, wie- sie sich 1866 dort gestaltet haben.
GmK, 22. Juli. Die Kaiserin Augusta ist heute zum Besuch des Kaisers eingetroffen. Für Freitag sind der Kronprinz und die Kronprinzessin von Sachsen angemeldet. -n,c. . »p'.r
Gießen, 22. Juli. Der Köln Mindener Eisenbahngesellschaft ist die tzrlaubniß zur Anfertigung der generellen Vorarbeiten für verschiedene, im Kreise Wetzlar zur Ve>bindung der Hauptsörderpunkte von Erzen mit der Deutz Gießener Bahn prvjektirte Se- cundärbahnen, sowie für eine Bahn von Wetzlar nach Friedberg ertheilt worden.
. .. Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli. Morgen wird -der Kaistr pcr Rußland auf seiner Rückreise von Jugenhrim nach Warschau in Berlin eintresstn und hier voraus sichtlich eine Nacht zubringen. Wie es heißt, wird sich in seiner Begleitung auch der Prinz Alfred von Großbritanien befinden. General von Manteuffel, der Odercounnandirendr der OccupalionSarmee, hat in seiner Verwaltung von dm ihm überwiesenen Fonds bedeutende Ersparniffe zu »rachen gewußt, über deren Verwendung ihm freie Verfügung zufteht. Wie die „D. R. C." hört, hat der General diese Fonds derartig vertheilt, daß er einem jeden Osficier zu seiner Neuequipirung ein« Summe von ca. 200 Lhtr. über wiesen. Für die Mannschaften hat der General insofern Sorge getragen, daß er einem jede» Regiment eine Summe von ttt 15,000 Thlr. überwiesen hat, die als eiserner Bestand deS Regiments verbleiben soll, und auS deren Zinsen die Mannschaften bei festlichen Gelegenheiten dcwirthet werden sollen. •— Die Ge richte werden in nächster Zeit über den gesttzlich statuir- ten Unterschied zwischen Gewerbe und Kunst zu entscheiden haben. Die Veranlassung dazu ist folgmde: Die königl. Kammermusiker Koslcck, Philipp, Sano und Deichan, welche unter dem Namen: das „Kornet- Onartett Sr. Majestät deS deutschen KaistrS wegen ihrer Kunstleistungen einen guten Ruf haben, machten in diestm Sommer eine Kunstreise, wobei sie Ende vorigen Monats auch nach Frankfurt <t O. kamen und daselbst ein Cencert zum CintrittSpreise von fünf Silbergroschen ankündigtm. Wenige Stunden vor Anfang desselben wurde aber der Dirigent des Quartetts, Hr. Kosleck, welcher überdies noch Lehret an der hiesigen Hochschule für Musik ist, zur Polizei entboten, woselbst ein Afiesfor dm „Gewerbeschein" zu scheu, eveni. die Äsung eine- solch en- verlangte, widrigenfalls das an gekündigte Concert inhibirt werde» müsse. Herr Kos leck war indessen nicht gewillt, sich bei diesem, durch Verlesung und Erläuterung der betr. der Gewerbe ttbnung illustrirten Bescheide zu beruhigen, sondern »andie sich sofort au die königliche Regierung und ließ sich zu Protokoll vernehme». Hierauf erhielt er aber den schriftlichen Bescheid, baß die Regierung die Ansicht der Polizei theile, da „die Modalitäten des beabsichtigten EoncertS in einem öffentliche» Lokale gegen ein geringes Entree die VurauSsetzung der §§ to—59 der ReichSgewerbeordnung, unter denen der Legilimationsschoin nicht erjordcrlich ist, auSschließen." Da die Künstler es aber mit ihrer. Ehre unvereinbar liehen, einen Gewerbeschein zu lösen, und dock auch bas Concert nicht aufgeben wollten so mlschlossen sie
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(Fortsetzung.) .
Als die Drei unbeachtet in das Zimmer getreten waren, verschlossen sie eS hinter sich und begannen bie Theilnng der bedeutenden Summe. Mit freudestrahlenden Gesichlern eilten sie dann wieder zur Tiefe «>d erhoben, alS sie an der Stelle, auf der die eiserne Kiste stand, anlangten, ein durchdringendes Jubel- geschrei. AuS allen Gängen deS Kellers kamen die latschen Preußen und stimmien, als sie von dem Fund vernahmen, mit ein in das Jauchzen.
Nach einer Viertelstunde mühsamer Arbeit «ar die stifte aus dem Keller in den Hos geschasst.
das Vermögen meines VawrS! ES ist Raub, sie mir die Kiste nehmen uird Sie sind — "
„Stille, stille, Kind", sagt« der Anführer schmun $tinh. — „Den Gespenstern der Vogesen ist es einerlei,
Durch die Luft gellte ein furchtbarer Aufschrei, Felice die Kiste erblickte.
„Nicht wahr, mein Täubchen", sagte der Schwarze, er jetzt auf sie zutrat, „wir wissen zu finden?" „v, Du großer Golt!" schrie Felice auf. „Es
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„Täubchen, so mußt Du nicht mit mir reden", sagte der Schwaige weiter, — „Du weißt. Du bist in meiner Gewalt Kind", fuhr er, eine widerliche
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Eifenach, 21. Juli. Die Ankunft des Kaisers von Rußland Hierselbst wird Mittwoch gegen 1 Uhr erfolgen, nachdem derselbe in Schlüchtern ein vorn deutsche» Kaiser bestelltes Frühstück eingenommen. Von Eise- nach aus begibt sich der Zar zu Wagen nach Wilhelmsthal und ist dort in stiller Waldeinsamkeit einige Tage Gast des Großherzogs. — Der Rudolstädter Bürger- meifter Brodzina ist nach seinem neuen Wirkungskreis in Bad Ems abgereist. :
München, 18. Juli. Die Wiederkehr der Jahrestage jener Ereignisse von 1870, welche in der baierischen Königsstadt wegen der damals hier Herr* fchenden eigenthümlichen Parteiverhältniffe wohl noch lebendiger empfunden wurden, als im übrigen Deutschland , müssen in jeder patriotischen Brust auch jetzt noch mächtig wirken. Beiläufig bemerkt, hat der Name „baierische Patrioten", unter welchem Aushängeschild zuerst der Kamps gegen das Ministerium Hohenlohe und die baierische Fortschrittspartei ins Werk gesetzt wurde , bei den UUramontanen an Eredit verloren. In der Presse und in Versammlungen reden die Hohe» und niedere» Herren Führer jetzt nur mehr von dem kachvlischen Volke und dem Papst, und darin sind stch beide Flügel, die Sigl'sche VolkSpartei und die Bischofs- und Grafenpartei, ganz gleich; der be* andere baierische Stanvplmkt ist in ton allgemeinen
s'ch kurz, dasselbe ohne Entree stattfinden zu lassen. Stadien ist, muß der noch immer ohne allen Grund was denn auch unter dem Zudrange einer ungeheuren beunruhigten und in Illusionen stch ergehenden ©tim» Menschenmenge geschah und dem Quartett stürmischen, mung Nordschleswigs ein Ziel setzen und den Glauben bet jeder Nummer des Programms sich steigernden "" —
Beifall eintrug. Die Künstler werden sich, wie die »Boss. Ztg." meldet, hierbei nicht beruhigen, sondern fitzt gegen die Regierung zu Frankfurt a. O. au: Schadenersatz klagen, und darf man dem Ausgange dieses Prozesses mit Spannung entgegensehen.
— Die bekannt gewordene Unterredung des Fürsten Bismarck mit dem Abgeordneten Krüger wird von dem „Preußischen Bolksblatt" zum Gegenstand eines vielfach intereffanten Artikels gemacht. Derselbe erklärt, daß in den Jahren 1867 und 1868 da» preußische Cabinet die ernstlichsten Vorsuche gemacht habe, den Artikel V -auszuführen, daß aber diese Versuche an der Maßlosigkeit der dänischen Forderungen scheiterte; wollte man nicht das Gebiet bis zur Eider (!) ohne jede Bedingung heransgebm, so war an eine Beseitigung deS Art. V nicht zu denken. Dänemark organisirtc nicht nur in NordschleSwig eine sehr lob hafte Agitation, sondern wandte sich auch mit seinen Klagen an die auswärtigen Höfe, bald nach Paris, bald nach St. Petersburg, bald nach Wien. Unter viesen Umständen konnte fein deutscher Staatsmann ohne die Entrüstung Deutschlands zu erregen, an die Abtretung auch nur der winzigsten Grenzstreifen denken. Mit dem Jahre 1869 waren die noroschleSwigschen Verhandlungen definitiv zu Ende, sie spukten nur noch in den ZellUngeit. Nach dieser Darlegung fährt das „Preußstche Volksblatt" wörtlich fort: „In den Pmck ten, auf die es allein ankommt, ist der Bericht deö Herrn Krüger über seine Unterredung mit dem Reichskanzler ohne Widerrede authentisch. Fürst Bismarck erklärt, daß er im Hinblick aus 41 Millionen hinter ihm stehender Deutscher außer Stande fei, die nvrd- schleöwigsche Frage aus der Welt zu schaffen: ob diese Möglichkeit jemals eintreten wird, d. h. ob das CabiNet von Kopenhagen jemals klug genug sein wird, be» Rückfall einiger westlichen Enclaven im höchsten Norden Schleswigs unter genügenden Garantien für die» Sicherheit der etwa darin vorhandenen Deutschen als eine Erledigung des §. 5 des Prager Friedens anzu- ehe», kann Fürst Bismarck nicht wissen und nur die Zukunft entscheiden. Mit der Eröffnung des Fürsten die nichts Neues enthält, sondern nur bie Sachlage in der Vergangenheit und Gegenwart präcisirt, kann Deutschland sowohl als Schleswig-Holstein zufrieden lein: die offene Darlegung des heutigen Standes der nordschleSwigschen Frage, die nur die nothwendige Eonsequenz der früher von der Frage durchlaufenen
Obtthessische ."[ciliitiii.
„So wahr ein Gott im Himmel lebtl — ich habe keinen Schlüssels
„Ich werbe es untersuchenl"
„Rühre mich nicht an, Elender!" -rief Felice außer sich. ■
„Ich will den Schlüssel!«
„Ich wiederhole eS; ich habe keinen. Mein Va* ter in Mühlhausen hat den Schlüffel!"
Der Schwarze wollte auf Felice zugehen, in der Meinung, daß sie den Schlüffel bei sich führe. Ehe er aber die- aus führen konnte, hatte sie dem nächsten Soldaten da« Faschinenmesfir au« der Scheide gerissen und rief:
„Wage es, Bube, mich anzugreifen!" .S -
Sie war einen Schritt zurückgetreten und hob droheiw die Waffe.
Einen Augenblick imponirte ihm die Ruhe und die Entschlossenheit de« Mädchen«, dann ober umzog feine Lippen ein spöttische« Lächeln.
„Was willst Du, Kind, mit diesem gefährlichen Spielzeug? Loge es hin! Ein Wink von mir, und meine Leute haben Dich niedergeschoffen wie einen tollen Hund."
DaS Auge Felice'S flammte auf.
„Thue eS, Elender, wenn Du den Muth, dazu hastl Füge Deinen übrigen Schandthaien eine neue hinzu — ich fürchte mich nicht!"
„Jetzt nicht, vielleicht später, mein Täubchen. Du giebst mix also den Schlüssel nicht?",,- ,
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Ervedition lKoch'scke »udbbmifrrHi Z7ZZ Z7Z 7T7 777 MM» « err. I«rd. .«» ind- twU, Wo.« M»ÄSÄSBÄitfÄASfi?* * t^ammlllche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
*6- Eine Flasche, Claude l" „Ehampaguer »der Wein?"-. I g
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e« sein Vermögen ist oder nicht. Dein Vater, j Zärtlichkeit an den Tag legend, fort, — „wir wollen Kindchen", fitzte der Schwarze lallend hinzu, — „hat heute noch lustig mit einander fein. Sträube Dich ba« Geld auch erst den Arbeitern abgeschunden und nicht, ^gieb mir den Schlüssel zu der Kiste." « aufgespeicherl. Gut! Nehmen wir e« ihm wieder.