Marburg, Mittwoch, den 23. JE
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Mr. 171» r «maruurg, A-emwoch, den 23. Juli. 1873.
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Oterhessische Zeitung.
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wesens, welche am 18. August in Berlin zusammentritt, werde» die Herren Dr. Dickmann, Hannover, Dr. Luchs in Breslau, Krehenberg in Iserlohn, Schorn-
cular angelegentlich das Buch des GefängnißdirectorS Alexander Krell zu Görlitz, welches den Titel führt: Heber die Unterrichts weise in den Strafanstalten.
— An der von dem UnterrichtSmtnister berufenen Eonfelenz von Vertretern des höheren Töchterschul-
nehmcn darf, wird, sobald dies geschehen, der Bericht der Oeffentlichkeit nicht langer vorenchalten werden. — Nach Danziger Nachrichten soll Seminardirector Dr. Treidel in Braunsberg zum Regierungsrath in Düsseldorf ernannt sein. Im Anschlüße daran meldet Die „Neisse Ztg«, daß Seminardirector Dobruöcze in Habelschwerdt zum Nachfolger des Herrn ^reibet desiguirt fei. Wie man jedoch von Unterrichteter Seite erfährt, ist bis jetzt gar Leine Berufung des Herrn Treidel erfolgt und entbehrt daher auch ssie daran geknüpste weitere Combiuatiön jeder Begründung — Der Minister des Innern empfühlt in einem Cir-
»Deutsches «eich.
•• Berlin, 21 Juli, Aus EmS gehen sehr be sriedigtNde Nachrichten über Iren Gesundheitszustand des Kaisers ein und dqrf der Erfolg der Kur als durchaus günstig bezeichnet werden. Es bestätigt dies auch die Thatfache, daß der Monarch einen Ausflug nach Jugenheim beabsichtigt, um dem Kaiser von Rußland einen Abschiedsbesuch zu machen und dem jungen Brautpaare seine Grntulation darzubringen. — DaS „Deutjche Wochenblatt" theilt mit, daß Herr e. Satan bereits am ^vergangenen Sonnaben* seinen Urlaub angetreten habe, Wie man jedoch erfährt, dürfte dies erst nach der ungefähr in 8 Tagen erfolgenden Rückkehr deS Ministerialdirectors v. Phi. lippsborn geschehen. — T>aS Publikum erwartet mit begreiflicher Ungeduld die Veröffentlichung der Ergebnisse der Special-Untersuchungscommisston. Wie man
stein in Elberfeld, Seminardirector Mergel in Berlin, Richter in Paderborn, Director Haarbrücker in Berlin,' Dr. Haupt in Stettin, die Schulvorsteher. Dierbach und Steckel von in Berlin und außerdem vier Damen theilnehnien. . a
Braunschweig, 21. Juli. Die großherzogliche Burg, Schloß Heinrichs des Löwen, ist in verflossener Nacht durch eine Feuersbrunst zerstört worden. DaS Montirungs Depot des 67. Regiments ist gerettet und die nahe gelegene Burgkirche unversehrt geblieben
Darmstadt, 19. Juli. Die Freude conscquentcr Durchführung der confefstonslosen Volksschule, welche vielleicht davor bangte, daß die zweite Kammer der Stände im Einklang mit dem Regierungsentwurf auf halbem Wege stehen bleiben und die Consesfionöschule wesentlich in dem jetzt vorhandenen Umfange bestehen lassen würden, können sich beruhigen, denn es steht schon jetzt so gut.wie fest, daß eine compacte Majorität der Kammer für die gesetzliche Umwandlung aller Volksschulen in confessionSlose Gesammtschuleir.— unbeschadet natürlich der von einzelnen Confessionen auf chre eigenen Kosten zu schaffenden oder zu unterhaltenden Privat-Unterrichtsanstalten —• stimmen wird. Man geht hierbei von der Ansicht auS, daß, wenn auch die Durchführung eines solchen Beschlusses an manchen konfessionell gefärbten Orten für!« Erste einige Mißstände mit sich führen und in manchen Kreisen Mißvergnügen Hervorrufen wird, doch damit dem con fessionellen Hader, welcher beiden Bestimmungen des Regierungs Entwurfes verewigt würde der Todesstoß versetzt und die Grundlage wahren Friedens und wahrer Parität zwischen den Confessionen gelegt werde. Man kann hinzufügen, daß die jetzige Zeil vorzugsweise geeignet ist, die Nothwendigkeit einer solchen Maßnahme darzuthun, und daß gerade deßhalb selten wieder, eine so günstige Gelegenheit zur Durchführung des an sich st löst von der Regierung als richtig anerkannten PrincipS sich ergeben wird. Auch die Mitglieder .der ersten Kammer können sich, so fern.sie nicht Rom dienstbar : fein wollen, dermalen der Ansicht nicht verschließen, daß die Pestbeule die am Körper der einzelnen deutschen 1 Staaten brennt, nur durch einen energischen Schnitt zu heilen ist. ,
Straßburg, 19. Juli. Nach genauer Feststel-f«
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nul »fährt, ist der Bericht auch bereits an den Kaiser abgegangen. Bei der Länge desselben — er zählt bekanntlich 75 Bogen — kostet es jedoch dem Chef des Civilcabinetö selbstverständlich große Mühe und bedarf derselbe längerer Zeit, um sich mit dem Ju- - halte vollständig vertraut zu machen und dem Kaiser darüber Vortrag halten zu können. Wie man an
, ;iung der Zahlenverhältniffe bei den Bezirkstag-Wahlen , jur Straßburg bestätigt sich die gleich Anfangs aus- 1 gesprochene Verrnulhung, daß die eingewanderten 1 Deutschen ihre Wahlpflicht nur in sehr ungenügender
au8üblen- Emaelragm in die Wahllisten waren : 2368 eingewanderte Deutsche. Von diesen haben jedoch ' nur 1210, also kaum mehr als die Hälfte, ihr Reckt 1 ausgeübt. Im West-Canlon insbesondere, wo von 709 nur 346 gewählt haben, wäre der gegnerische Cai.didat entschieden unterlegen, wenn sämmtliche eih- gewanderte Deutsche, die wahlberechtigt waren, ihrer Pflicht »achgekommen wären. ES bleibt zu hoffen, daß bei künftigen ähnlichen Anlassen bie aus obigem kurzen Nachweise hervorgehrude Lehre- Beherniauna finden möge. . nr;/ n m
? üiA Ausland, ä ü.AchL t, i- tii-
Wie«, 18. Juli. Unter, dem Vorsitze deS Mi-f nister Präsidenten Fürsten AuerSperg hat gestern itzt- Ministerium deS Innern unter Zuziehung des Statthalters , des Bürgermeisters Dr. Felder und anderer maßgebender Persönlichkeiten eine Besprechung bejftg..; kich des Gesundheitszustandes der Stadt Men stattgefunden. Der Hauptzweck der Versammlung war, sich über die gu treffenden Maßregeln zu einigen für den etwa eintretenden Fall einer »eiteren AuSsehnuUg der Cholera. ES wurde dabei, der Wiener Abendposta zufolge, die erfreuliche Thaisache constatirt, daß in den letzten Tagen die Zahl der an der Cholera Er. krankten sich sehr bedeutend vermindert habe. — In Bozen ist einer der wackersten Freiheitskämpfer Oester- reichs, einer.der muthigsten Gegner dch Ultramontanen der Altbürgermeister und Landtag-Abgeordnete Dr' Streiter, gestorben. In Graz kanzelt das ultvamon- tane Volksblatt die Jungczechen und Jungslovenen ab, weil diese sich auf den Boden der Verfassung begeben, und tischt das Mährchcn auf, daß ein jung» nationaler Führer durch Bestechung von her Äer- fpffuiigspartei gewonnen worden sei. Die Kronprinzessin Isabella von Brasilien und der Graf von Eu sind von Ischl- in Salzburg angekommen und haben sich am 15. b. M. nach Gastein begeben w
Pest, 20, Juli., Das Handels-Ministerium Hal-1 einen die Gewerbe Genossenschaften betreffenden Erlaß an die Jurisdickienm gerichtet, - in welchen dieselben
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marschirten jetz aus erhaltenen Befehl ebenfalls herein ttnd erwarteten, wie eö schien, westere Ordre.
«Ich frage Sie noch einmal, wollen sie mir gut willig die Kasse aus liefern oder nicht ?"
«Ich besitze keine Kasse,« antwortete Felice bestimmt und fest.
,Es ist mir gesagt worden, daß sich sogar die Transporteure noch bei Ihnen befinden sollen.«
„Allerdings, mein Herr, befinden sich französische Soldaten in diesen Räumen, aber es sind Rekonvaleszenten, welche als Verwundete »ach Gnebweiler geschafft worden waren, vor einigen Wochen jedoch nach diesem Orte transportirt worden sind.«
„Sie verstehen sich, wie eö scheint, sehr gut auf« Lügen.«
DaS ganze Innere Felices empörte sich, v,.
„Mein Herr," sagte sie plötzlich in deutscher Sprache, — „ich bin lange genug in Deutschland gewesen, um zu wissen, daß ein Preußischer Offizier sich solche Ausdrücke gegen eine Dame nicht erlauben würde, Ein preußischer Offizier thut das nicht I«
Felice betonte gerade die Worte: „preußischer Offizier« besonders und sah dabei den vor iht Stehenden mit stechenden Augen an.
«Sie sprechen deutsch?« fragte jetzt der Schwarze tu deutscher Sprache.
»Wie Sie hören, ja!« antwortete diese.
Der Anführer war betroffen, er wußte im Augenblick keine Worte zu finden. Endlich sammelte er sich aber doch wieder und sagte in befehlendem Tone zu Felice: — r
„Entweder Sie schaffen jetzt die Kaffe, oder ich handle meinen erhaltenen Instruktionen gemäß.«
„Haben Sie solche auch erhallen?«
Ein gräßlicher Fluch glitt über die Lippen des Anführers. „Glauben Sie,« fuhr er fort, „daß ich
mich wie einen Schulbuben behandeln und ausfragewn lasse? Sie täuschen sich.« Und zu den Utbrigen gewendet, sagte er : „Zwei Mann besetzen den Eingang 1 und zwei Mann bleiben hier bei Fräulein Manteau • wir Ändern werden uus in baS Haus begeben und a die Kasse holen." - . :.(i -
Unter Freudengeschrei eilten die falschen Preußen in den bewohnten Flügel deS alten Schloßgebäudes. Felice blieb bei den beiden Wachen zurück. ri
«Wie heißt Ihr Offizier?« fragte Felice m deutscher^
Sprache. < ilUM Uu,,..d
Die Beide» sahen sich verlegen an «nd sagten daun auf französisch: -i-.u , h3hicü-^iiia
»Wir sprechen nicht deutsch.«^ ■ < ,,
»WaS?« rief Felis verwundst aus, „Sie wollest^ Preußen sein und sprechen nicht deutsch? WiffenÄ Sie, mein Herr.« fuhr sie in höflicher aber sehr be. ftimmter Sprache fort,.—, „Sie sind Frankiireur» und nichts Anderes. Es gilt hier nicht einer Untersuchung, sondern einem Raube." • • , r . .S
Dir beiden Franzosen in preußischer Uniform ge»-J3 riethcn in eine immer größere Verlegenheit. Sie wußten nicht, was sie thun sollten. r
i „Schweigen Sie", herrschte sie der Eine an. „Wir füllen mit unseren Gefangenen nicht sprechen.« — Ein bedeutsamer Wink genügte dem Andern ebenfalls zu schweigen.
Helice betrachtete den Soldaten, der zuletzt zu ihr gesprochen, näher und gelangte schließlich zu der Überzeugung, daß derselbe ein früherer Arbeiter ihres Vaters sein rnüffe. „ ■ V! ■ . ....
»Die Tochter Manteau'« hat eS nicht an Ihnen. verdient," begann jetzt Felice wieder, — „daß Sie dieselbe so behandeln. Als Sie noch Arbeiter meine«- S&iter« waren, würdew Sie nicht in dieser Weise gegen . mich aufgetreten fein.«
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Die Elsässerin.
Novelle von A » drs Hugo,.-^.
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„Sie sind im Namen des Königs meine Gefangene!" sagte der preußische Oifizier in glattem Französisch.
„Warum?" erwiderte diese.
„Vor einigen Tagen ist durch eine Franktirenr- dande in der Nahe ton Plombiöres eine preußische Ecloune überfallen und ihr eine für das Werder'sche Eocps bestimmte KriegSkasse abgenommen worden. Bei der Verfolgung der Spur ist uns mit Bestimmtheit versichert worden, daß die Kasse vor drei Tagen in der Nacht zwischen 11 und 12 Uhr hierher gebracht vorden ist. Ich bitte um Herausgabe der Kasse."
Felice wechselte mehrmals die Farbe und vermochte im Augenblicke keine Worte zu finden.
„Ihre Verlegenheit, Fräulein, sagt mir genug!« stchr der preußische Offizier fort. „Ze schneller Sie b>e Angelegenheit erledigen, desto schneller find Ihnen die ungebetenen Gäste au« dem Hause.«
»Sie irren, mein Herr!"
„Nein!« v , -1 , .. .. ; -l ;
„Ich verstcher? Jhum,.auf mein. Ehrenwort, daß kein Wort von dem wahr ist,« < injaium .
„Sie wollen mir also die Kaffe nicht gutwillig ^lauszebeu?« ■<. - v£i; 5
.. „Ich kann Ihnen kein« Kasse geben, denn es existirt Mer leine.« , .
Der preußische Offizier zuckte mit den Achseln.
„Dann werden wir dieselbe wohl selbst suchen," antwortete er noch in französischer Sprache; bann sandte er sich nach seinen Leuten und commanbirte ® deutscher Sprache zwei Soldaten vor, welche «elice in ihre Mitte nahmen und sie auf seinen Be fchl nach der Mitte des Platzes innerhalb der Um BebungSmouern führen mußten. Die übrigen Soldaten