Andalusien autonom erklärt. — In der gestrigen Messitzung erklärte Pi y Margall seine Demission „ geben, da es nothwendig sei, ein Ministerium zu üden, in welchem alle Fractionen der Kammer verkeim wären. Die Versammlung nahm die Demission ,n, indem sie Pi y Margall einstimmig ihren Dank «otirle. Ein Antrag, an die Stelle desselben einen Delegirten der Versammlung mit gleichen Machlbe- sugnissen zu erwählen, wurde mit 111 gegen 101 Stimmen in geheimer Abstimmung in Berücksichtigung genommen. Muro beantragte, Eöpartero zum intern Mischen Präsidenten der Republik zu ernennen und die Cortes nach Votirung der Constitution aufzulösen. — Das Ministerium ist heute vor den Cortes erschienen mit der Modification, daß Soler die auswärtigen Angelegenheiten, Gonzalez die öffentlichen Arbeiten, Moreno Rodriguez das Justizministerium übernimmt. Der neue Ministerpräsident Salmeron setzt sein Programm auseinander; er will gleicher Maßen die Carlisten wie die Demagogen bekämpfen und bedauert die Empörung der Staaten, die nicht die Entscheidung der CorteS abgewartet. — Salmeron ist mit 119 Stimmen zum Chef der Executivgewalt erwählt worden. 93 Stimmen fielen auf Pi y Margall.
Perpignan, 20. Juli. Am vorigen Donnerstag griffen Don Alonso und SaballS die Stadt Jgualda an. Das Feuer dauerte den ganzen Tag, während der Nacht befestigten sich die Carlisten in den Vorstädten. Am folgenden Morgen begann der Angriff von Neuem. Man fürchtet, daß die Stadt im Mangel an Hülfe von Außen erliegen wird.
Bayonne, 18. Juli. Santa Cruz hat seine Priesterkleidung wieder angelegt und wird, wie von der spanischen Grenze gemeldet wird, sich nach Rom begeben, um die Verzeihung des Papstes zu erbitten.
Loudon, 19. Juli. Der Bischof von Winchester ist gestern durch einen Sturz vom Pferde umgekommen. Der „Observer" bestätigt, daß das Parlament in der ersten Augustwoche geschloffen werden soll. — In der letzten Sitzung des Unterhauses wurde die betreffende Antwort der Königin Victoria auf die Avresse vvrgelesen, welche neulich der Friedensmann Richards durchgesetzt hatte. Der Akt halte etwas überaus Ko misch-feierliches. Die Vorlesung geschah durch Lord Olho Fitzgerald, einen der Hoibeamten der Königin. Die Königin würdigt die Philantropie, welche ihr loyales Haus bei Fassung der Adresse geleitet hat. Sie ist von der Nützlichkeit der Schiedsgerichte über zeugt und hat selbst bei darbietender Gelegenheit nach Möglichkeit durch Rath und eigenes Beispiel auf Einführung dieses lobenswerthen Lösungsmittels für internationale Streitfragen hingewirkt. Sobald sich paffende Gelegenheit bietet, wird Ihre Majestät nicht verfehlen, dem Rath des Hauses gemäß zu handeln. Das heißt auf Deutsch, der Parlamentsbeschluß ist ad acta gelegt. Die Mittheilung wurde mit Cheers und Gelächter ausgenommen. — Darauf begann der große Kampf deS Abends, die Debatte über Forster's Zusatzacte zum Unterrichtsgesetz vym Jahre 1870. Forster leitete die Discussion durch eine längere Rede ein, in welcher er die mittlerweile vvrgenommenen Aenderungen mitheilte und seine Vorschläge vertrat. Wie gewöhnlich sprach der Unterrichtsminister streng jur Sache. Der wichtigste Punkt seiner Rede ist der, womit er dieselbe begann, nämlich die Ausmerzung jeder Bezugnahme auf den §. 25 des ursprünglichen Unterrichtsgesetzes, welches auf religiösem Gebiet so viel Anstoß erregt hat. Bemerkenswerlh ist die Rede DixonS, welche bei dem äußern Widerspruch, den sie dem Gesetz entgegenträgt, eigentlich eine widerwillige Zustimmung ausspricht. Allgemeiner Schulzwang ist noch heute Dixons Ideal und was darunter ist, das ist seiner Meinung nach vom Uebel. Die liberale Regierung hat ihn bitter enttäuscht. Da jedoch daS Gesetz vieles Gute enthält, so will er, wenn auch nicht dafür, — das verbietet ihm sein Gewiffen — so doch nicht dagegen stimmen. Nach weiterer Debatte nahm schließlich das Haus die zweite Lesung der Forster- schen Vorlage mit 343 gegen 72 Stimmen an.
Haag, 19. Juli. In der gestrigen Abendsitzung der ersten Kammer beantwortete der Ministerpräsident de Vries die Interpellation Goldstein und erklärte: das Ministerium überlege, welchen Rath eS dem Kö uige betreffs der erbetenen Entlassung des Kriegs- winifterS, in Berücksichtigung der bevorstehenden Be endjgung der Kammersession, des Ausfalls der Wahlen, der Uneinigkeit der Parteien und der Nichtbeendigung de« Krieges gegen Atschin geben soll. Das Ministerium werde seine Rathschläge dem König unterbreiten und nach deffen Entscheidung der Kammer weitere Mittheilungen machen.______________________________
- d” Marburg, 19. Juli. Das gestrige Concert des Fräulein Louise Hucke vom Hoflheater zu München lieferte wieder einmal den Beweis, daß selbst 30 Grad und mehr Wärme eS nicht vermögen, daS kunstliebende Publikum von einem ihm in Aussicht
gestellten Genuß abzuhalten. Und Genuß können wir mit Recht dieses Concert nennen. Einmal enthielt eS eine Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit, wie sie fast nie geboten wird, dann aber auch zeigte es, daß seit Jahresfrist, während der wir nicht Gelegenheit hatten, die verehrte Künstlerin zu hören, sie recht bedeutende Fortschritte gemacht hatte. ES hieße Waffer in den Rhein tragen, wenn die Kritik sich noch besonders lobend aussprechen wollte; darüber hat das Publikum bereits entschieden, denn wenn jede Nummer applau- dirt und Da-Capo und Hervorruf ihr zu Theil werden, dann müffen die Leistungen auch so sein, daß sie es verdienen und gern bestätigen wir deßhalb, es war auch wirklich so. Wünschen und hoffen wollen wir nur noch, daß wenn wieder ein Jahr in der Zeiten Strom dahingerollt ist, wir einen gleich erfreulieben Fortschritt, wie heute, in dem Streben nach dem höchsten künstlerischen Wirken unserer verehrten Landsmännin zu constatiren haben. — Die Orchester Leistungen litten dieses Mal einigermaßen unter dem sehr bedeutenden Hitzeeinfluß, dennoch errang sich die Fantasie aus „Oberon" den lebhaftesten Beifall. — Die Clavierbegleitung war ausgezeichnet und daS Da-Capo-Verlangen des Liedes „Ich habe im Traum geweint" galt wohl ebensogut dem gelungenen Vortrag als dem anwesenden Componisten selbst.
Kassel, 19. Juli. Seit vorgestern macht des Verschwinden des Kaufmanns Wolfram dahier viel von sich reden. Nachdem derselbe seine hier anwesende Braut, eine vermögende junge Witwe, nach Gießen, ihrem seitherigen Wohnsitz vorausgeschickt hatte, um sich angeblich dort mit ihr zu verheirathen, der festge setzte Hochzeitstag aber verstrichen war, ohne daß derselbe seinem Versprechen nachgekommen war, reiste diese, Unralh merkend, nach Kassel zurück, um sich an Ort und Stelle über das rälhselhafte Ausbleiben ihres Verlobten Gewißheit zu verschaffen. Hier angekommen eilt sie in das Geschäft Wolfram's, wo sie auffälliger Weise nur fremden Gesichtern begegnet und von einem Herrn R. bedeutet wird, daß Herr Wolfram nicht mehr hier sei. Den Schrecken der armen, getäuschten Frau kann man sich denken. Dem Vernehmen nach hatte W. das Geschäft gegen Wechselaccepte des Käufers in der Höhe von 4500 Thlr. an diesen vor seiner Flucht abgetreten, bei welcher er auch noch das Ver mögen seiner Braut soll haben mitgehen heißen. Ter Käufer sollte jedoch auch nicht lange im ungestörten Besitz des in Rede stehenden Colonialwaaren- und Spirituosengeschäftes bleiben, denn das Gericht nahm sich der Gläubiger deö Herrn W. an, befahl Herrn R. das Feld zu räumen und legte das Geschäft einfach unter Siegel und das von Rechts wegen. Das Uebrige wird sich finden. Soeben hören wir, daß rc. Wolfram mittels Dampfer bereits die große Wasserstraße nach Amerika durcheilt, sich aber zuvor mit einer zweiten Braut in Bremen hat trauen lassen. Herr O. 9t., der Käufer dss Wolfram'schen Geschäfts, ist gestern gefänglich eingezogen worden. (91. K. A.)
Fulda, 19. Juli, lieber den Verbandötag der hessischen Vorschuß und Creditvereine, der mit der bereits mitgetheilten TageSorvnung am 15. d. M. im neudecorirten Ballhaussaale stattfand, berichtet der „Fulv. Anz.": Die sämmtlichen Punkte der Tagesordnung wurden in der veröffentlichten Reihenfolge verhandelt. An die Mittheilungen aus den einzelnen Vereinen knüpfte sich eine wiederholte und eindringliche Empfehlung zum Beitritt in den Giroverband für diejenigen Vereine, welche bis jetzt noch ni ;t ein traten. Erst dann wird, wie der Verbandstagdirector Herr Stück von Kaffel hervorhob, jeder Ort, welcher dieser mehr indirect segensreich wirkenden Verbindung zugehört, für seine Vereinsmitglieder zu einem vollbe rechtigten Bankplatze. Besonderes Jntereffe erregten dann die Vorträge des Herrn Justizrath Hupfeld von Kaffel über die Wirkung der neuen Grundbuchordnung bei Ausstellung von Wechseln sub hypoth. bonorum, wie solche in Nieder Hessen zur Erreichung von General- Pfandrechten beliebt waren, sowie deS Herrn Parisius von Berlin über die Stellung der eingetragenen Vor schußvereine zu den Handels- resp. Kreisgerichlen. lieber die an verschiedenen Orten versuchten Isebergriffe der letzteren wurden interessante Details berichtet und zu deren Abwehr die Mithülfe des Vororts für jeden Fall zugesagt und empfohlen. An die Miitheilungen deS Herrn Pult aus dem hiesigen Vorschußverein, daß mit Rücksicht auf die Unmöglichkeit, in Güterge meinschaft lebende Ehefrauen in den Verein aufzu nehmen, fernerhin überhaupt keine Ehefrauen mehr ausgenommen werden sollen, knüpfte sich eine lebhafte auch auf andere Theile der Einrichtung deS Vereins abschweifende Debatte. Es ergab sich dabei in fast humoristischer Weise, daß andere musterhaft geleitete Vereine jetzt erst genau dieselben Bestimmungen in Bezug auf Slammantheil und Dividendeberechügung angenommen, welche hier von Anfang an ausgestellt waren. — Die beiden folgenden Punkte wurden dem
j nächstjährigen UnterverbandStage überwiesen. — Als Deputirter des tagenden Unterverbandes zum Hauptverbandstage in München wurde Herr Pult gewählt, als Stellvertreter Herr Wähler. — Geschäftsführender Verein blieb Kassel und zum nächstjährigen Versammlungsort wurde Hersfeld auf Antrag der Dcputirten erwählt. Bei dem nachfolgenden Festeffen, an welchem außer den Deputirten, noch eine Anzahl von hiesigen Mitgliedern des Vorschußvereins sich betheillgten, wechselten ernste und heitere Toaste, bis gegen Abend die Abreise der meisten Abgeordneten, die Trennung der Versammlung brachte, — Daffelbe Blatt meldet ferner: Wie unS heute aus sicherer Quelle mitgetheilt wird, ist nicht, wie es früher Bestimmung gewesen, Bebra die Station zur Verpflegung der die Bebra- Hanauer Bahn passirenden, aus Frankreich zurück- kommenden OccupationS-Truppen, sondern Fulda. — Vom 4. bis 11. August wird ein Theil derselben in Saarburg und Zabern die Eisenbahn besteigen, geht von da über Ludwigshafen und passirt vom 5. bis 12. August jeden Tag zweimal die Station Fulda (und zwar um 123<> Mittags und 83(> Abends, mit je 1 Stunde 30 Minuten Aufenthalt) über Halle in ihre alten Garnisonen. Der Auftrag zur Verpflegung der Mannschaften, wie der Offiziere wurde Herrn Michael Epstein ertheilt.
Vermischte».
fUniv.- Nachr.j Dr. Karl Goebeke ist zum außer- orbenttichen Profeffor der Literaturgeschichte in der philosophischen Fakultät der berliner Universität erannt.
— Daß Amerika bas Land der Reclame ist, weiß man schon ziemlich lange, und der .Newyork Herald" hat mit seiner Sendung Slanley's Dr. Livingstone aufzusuchen, gezeigt, daß die Amerikanischen Zeitungen das Reclamemachen gründlich verstehe». Die Besitzer der,Newyork Daily Graphic", eines neuen illustrirten Tageblattes, Haden einen neuen Plan ausgeheckt, um von ihrem Blatte reden zu machen und Geld in ihre Taschen zu zaubern. Sie wenden nämlich etwa 10,000 Doll, daran, einen großen Ballon zu erbauen, damit der bekannte Luftschiffer Prof. Wiese mit seinem Gehilfen und sechs bis acht Personen eine Fahrt nach Europa versuche. Der Profeffor glaubt in 60 Stunden nach seinem Aussteigen in Newyork in England oder Irland zu landen. Gleichviel ob die neun Personen reussiren oder nicht, der Graphic wendet sein Geld geschäftlich gut an. Doch werden die besten Vorsichtsmaßregeln ergriffen, und Prof. Wiese, der einmal die Strecke von 12,000 Meilen zwischen St. Louis und Newyork in 12 Stunden zurückgelegt hat, ist seiner Sache ziemlich sicher. Er rechnet hauptsächlich auf die Luftströmung nach Osten, die in einer gewiffen Höbe fortwährend vorhanden ist. Dem großen Ballon von 100 Fuß Durch- Messer ist ein kleiner von 36 Fuß zur Sicherheit beigegeben und außerdem ein Rettungsboot, das mit Waffer und Lebensmitteln für 30 Tage versehen ist. Die Ballons sind so eingerichtet, daß sie 20 Tage sich in der Luft halten können. Die abenteuerliche Reise soll am 20. August angelreten werden._______________________
Kirchliche Nachrichten der Stadt Kirchhai«
vom 9. bis 16. Juli 1873.
Geborene.
Ev.-luth. Gem.: Dorothea Sophie Amalie, des ver- storbenen Ackermanns Franz Cramer nachgeborenc T-
Telegraphische Depesche« der Oder» hessische« Zeitung.
Darmstadt, 20. Juli. Kaiser Wilhelm traf Nachmittags 2'/r Uhr in Jugenheim ein, verweilte daselbst l*/2 Stunde und kehrte sodann nach Ems zurück Um 3 Uhr kam der Kölner Männergesangverein in Jugenheim an, welcher dem Kaiser Alexander ein Ständchen bringen will Letzterer verläßt Jugenheim am 23., die Kaiserin am 27. d.
München, 20. Juki, 8 Uhr Abends. Das Verdick der Geschworenen im Spitzeder Prozeß lautete gegen sämmtliche Angeklagte auf schuldig im Sinne der Anklage, bei A. Spitzeder ohne Zulassung mildernder Umstände. Der Staatsanwalt beantragt gegen A. Spitzeder 4 Jahre Zuchthaus, gegen Rosa Ehinger und Nebel je 1 Jahr Gesängniß. Der Geiichtshof verurtheilte A. Spitzeder zu dreijähriger Zuchthausstrafe, Roja Ehinger und Nebel zu sechs, Mari. Piegler zu vier und Georg Pregler zu einem Monat Gesängniß, welche letzteren vier Strafen durch Einrechnung der UtitersuchungShaft bereits getilgt sind.
München, 20. Juli. Unter dem Vorsitz deS Freiherrn von Loe fand heute Nachmittag dahier die zahlreich besuchte Wanderversammlung des Vereins deutscher Katholiken statt, wobei Frhr. v. Loe, Stadtrath Baudri (Köln), Racke (Mainz), Pfarrer Huhn und Westermeyer sowie der Redakteur des hiesigen „Volksfreund", Bucher, als Redner auftraten. Eine von Letzterem beantragte Petition an den König gegen die weitere Ausdehnung des Jesuitcngesetzes auf die Franziskaner, die englischen Fräulein und die Schul- schwestern wurde einstimmig angenommen.
Frankfurt a. M., 21. Juli. (Schluß - Cour e). Staatsbahn - Aktien 3521. Äisavetb 233 , Galizier 223$, Lombarden 196, Nordwestbahn 217j, kreditactien 224s,, Silberrente 65j, Papierrentc —. 186<>r Loose 934, Rationalbank 1022, Spanier 17J, 1882t Amerikaner —.
Berlin, 21. Juli. (Anfangscourse). Creditactie» i26$, Staatsbahn 202^, Lombarden 1 fit, Amerik. 97fp