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Marburg, Dienstag, den 22. Juli.
1873
Oberhessische Zeitmig.
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3(U der Vchwarze aufsprang, rollten seine großen
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Die Elsässerin.
Novelle von Andrs Hugo.
(Fortsetzung.)
— Die Beerdigung deS am 15. d. M. Hierselbst verstorbenen berühmten Mineralogen und Geogn osten Geh. Rath Prof. Rose fand vorgestern Bormittag vom Trauerhause aus nach dem alten Marienkirchhos am Prenzlauer Thore unter der zahlreichsten Betheili gung der wissenschaftlichen Kreise Berlins statt. Vertreten waren das Cultusministerium durch den 31b= theilungsdirector Geh. Oberregierungsralh Dr. Greiff, die Universität und die Akademie der Wissenschaften durch die Profefforen Gneist (als Rector), Haupt, Helmholtz, Dieterici, Weber, Poggendorf, Kummer (Mathematiker) und viele Andere. Die Schwiegerföhne des Verstorbenen, die Profefforen vom Rath aus Bonn und Degenkolb aus Tübingen sowie auch der zweite Sohn Professor Edmund Rose aus Zürich waren zur Begräbnißfeier hierhergeeilt An dem von Topfgewächsen reich umgebenen Sarge sprach der Prediger Rhode (von der Louisenstadt-Kirche) in herzlicher und würdiger Weise. Er gedachte zuerst der hervorragenden, bahnbrechenden Bedeutung des Verstorbenen, seiner treuen hingebenden Arbeit im Dienste der Wissen' schäft während seines langen Lebens, und seiner reichen Gedankenfülle. Ihm sei das seltene Glück zu Theil geworden, bis zum Tode die vollste geistige Frische zu bewahren, die Gediegenheit grade seiner letzten Arbeiten werde von Kennern gerühmt. Roch auf dem Sterbe
rektionen, nicht erreichen kann. Die Paragraphen 315 und 316 des Strafgesetzbuchs sind nur gegen die Zugführer, Inspektoren, Weichensteller, gegen das subalterne Personal gerichtet. Leider fehlt nur sehr häufig der Presse die Hauptsache, um mit Nachdruck den Leichtfinn oder die aus Gewinnsucht hervorgegan gene Sparsamkeit der Eiscnbahngesellschaften geißeln zu können, Joie genaue Kenntniß des Thatbestandes, wie sie in England unmittelbar nach jedem Unglücks falle das Publikum aus der Todtenschau gewinnt, unter dem frischen Eindruck des Geschehenen werden alle Umstände, so weit möglich, festgcstellt, während bei uns besten Falles erst nach Wochen die strafgerichtliche Verhandlung einigermaßen zuverlässigen Aufschluß bringt, und bis dahin bewegt sich die öffentliche Besprechung in mehr oder weniger unerwiesenen Behauptungen. Im ersten Augenblick der Aufregung werden Beschuldigungen laut, die sich hinterher als unbegrün det Herausstellen und damit wird die ganze Erörterung diskreditirt.
Anzahl der preußischen Kassenscheine. " „Das Geschäft geht besser als das Leichenplündern",
Es wurde ein förmlicher Kriegsraih abgehalten Upd ein gemeinsamer Operationsplan entworfen, nach dem sich auf Anrathen Benno's Hauptmann Ster chenbach von St. Maurice aus nach der Maselotte hinziehen, Premierlieutenant v. Beulwitz von St. Maurice nach St. Amarin hin operiren und er von St. Amarin aus nach Guebweilcr zu mit seinen Leuten vorgehen wollte. Das in Münster liegende größere Detachement wurde von dem Vorhaben in Kenntniß gesetzt und gebeten, in ähnlicher Weise eine vierte Linie im Norden zu bilden und die Banden vor sich her zu drängen.
Die „Gespenster der Vogesen" ahnten nicht, welche» drohende Gewitter sich über ihren Köpfen zu smnmenzog. In einem abgelegenen Waldwirthshause W der Nähe von Vagney hatten es sich die bärtigen, wilden Gestalten bequem gemacht. Alle Räume des Hauses und des Nebengebäudes waren von zechenden, singenden und skandalirenden Gruppen gefüllt.
Rur der Anführer der Schaar saß, den Kopf in die Hand gestützt, in sich gekehrt an dem großen, eichenen Tische der Hinterstube und stimmte nicht mit «in in den rohen Jubel, der um ihn her tobte.
„Prosit, Schwarzer!" rief der an der andern Seite de« Tisches Sitzende dem Anführer zu.
„Laß mich", entgegnete dieser mürrisch.
„Nun, Du wirst mir doch Bescheid thun?" „Ich mag nicht!"
„Warum?"
„Well ich zu denken Habel"
E» werden auch durch die Redaktion des deutschen Wochenblattes (Luisenstraße 24) die eingehenden Erklärungen weiter befördert." — Die Gesammtgoldauöprä gung stellt sich bis zum 5. Juli d. I. auf 747,440,230 tiJlazt, wovon 620,777,600 Mark in Zwanzigmark stücken und 126,662,630 Mark in Zehnmarkstücken bestehen. — Die großen BelagerungS- und Pontonnier- übungen bei Graudcnz haben am 14. d. M. ihren Anfang genommen, nachdem die zur Theilnahme an denselben befohlenen Truppcntheile der Artillerie, der Pioniere und der Infanterie, so wie die an den Ue- bungen theilnehmendrn preußischen und deutschen Os fiziere bereits bis zum 12. Juli sämmtlich in und um Graudenz eingetroffcn waren. — Auf Schloß Cappenberg in Westfalen ist Ludwig Friedrich Georg Graf KielmannSegge (geb. 27. Juli 1798), früher Präsident der Regierung und des Consistoriums im Herzogthum Lauenburg, K. preuß Wirkl. Geheimer rath, Rechtsritter des Johanniter-Ordens und Mitglied deS Herrenhauses u. s. w u. s. w., am 18. d. M. im 75. Lebensjahre an einem Gehirnschlage verschieden Der verewigte Graf Kielmannsegge war seit 27. August 1827 mit Therese Mariane Magdalene Freiin vom Stein zu Nassau, der Tochter des großen Staatsministers Freiherrn von und zum Stein, vermählt; Witwer seit 1. Januar 1863.
— Eine Berliner Korrespondenz des „Hamb. Correfp." legt der Presse dringend ans Herz, die Ei- smbahnunfälle, unter denen der von Fröttstedt die öffentliche Meinung ganz besonders aufgeregt hat, unter strengere Controle zu nehmen und den Anstoß zu einer Agitation zu geben, deren Hauptziel auf die Ausfüllung, einer offenbaren Lücke unseres Strafgesetzbuches sein müßte, welches in manchen Fällen die < eigentlichen Urheber solcher Katastrophen, die mit Ma- i ierial und Personal unverantwortlich knausernden Di- i
„Dann laß es bleiben", sagte der Untergebene und ging murrend davon.
Die anderen Genoffen der Bande verließen auch vie Stube und schlossen sich den verschiedenen lärmenden und zechende» Gruppen an. Es war still um den Anführer geworden. Ec blickte auf. Als er sich überzeugt hatte, daß Nieuiand mehr in der Stube war, nahm er eine braune Brieftasche aus seinem
Deutsches Reich.
Berlin, 19. Juli. Das „Deutsche Wochenblatt" schreibt: „Die Zahl der zu der Adresse des Herzogs von Ratibor eingehenden Beitrittserklärungen ist in der letzten Woche bedeutend gegen die Vorwochen ge- stiegen. Diese Erklärungen sind ihrer Bestimmung zugeführt worden und es wird dies auch ferner der Fall sein. Gleichzeitig laufen Wünsche um Mittheilung der Adreffe Behufs der Verbreitung und An fragen darüber, ob der Beitritt noch offen steht ein
„Wirst Du mich jetzt in Ruhe laffen, oder —"
Der Angerufene kannte die Hitze des Schwarzen und entgegnete daher in einem Tone, der ein eigen« thumlichcs Gemisch von Wuth, Grimm und zur Schau gettagener Unterwürfigkeit zugleich war.
„Ich habe Dich ja nicht beleidigen wollen, Schwar- — meinte es gut — lhu' den Revolver weg! — mo8 dem Dinge nicht gern in den Lauf sehen!" Der Anführer legte den Revolver auf den Tisch.
straf' mich Schwarzer! ich habe es nicht
Dich verdient, daß Du mir den Lauf des Re volvers zeigst. Wäre ich vorgestern nicht bei Plom biere gewesen, wahrhaftig, der Dragoner 'hätte Dir den Kops gespalten." '
»Das war Deine verdammte Pflicht und Schuldigkeit!" brauste der Schwarze wieder auf.
„Nun gut", warf der Ändere wieder hin, — „so kannst Du mir doch deßwegen Bescheid thun."
„Ich will aber nicht!"
„Ah, s ist gut, daß Du allein bist«, Schwarzer" unterbrach ihn derselbe, den er eben in seinem Selbstgespräche genannt hatte. „Keine Lauscher hier?"
„Nein!"
„'S ist Alles besorgt."
„Wie viel hast Du gerettet?"
„Es werden ungefähr 20,000 Franks sein." Mehr nicht?"
. bitte Dich aber, Schwarzer, — mehr konnte lch doch nicht wegthun, wenn ich nicht Verdacht erregen
„Dann laß den Wagen im Hofe auffahren, ich werde die Vertheilung sofort vornehmen."
Goviller entfernte sich.
Kurze Zeit darauf belehrte den Anführer ein im §0(6 entstehender Jubel, daß Goviller die einem Detachement preußischer Soldaten abgenommene Kaffe nach dem Hofe gebracht hatte. Der Schwarze eilte hinaus und veriheilte nun die vorhandenen Summen unter seine Leute.
Als der Abend herniedersank, «ar es ruhiger im Waldwirthshause geworden. Die meisten der Franzosen waren betrunken und schliefen ihren Rausch aus.
Goviller saß mit dem Anführet der Franktireur» in vertraulichem Gespräch in der Unterstube beisammen, als es leise dreimal an die Fensterladen pochte.
„Das ist Claude Manin!" sagte der Schwarze aufspringend. „Er bringt Nachrichten."
. Dessau, 15. Juli. Am 3. Juli fand eine Con- seilsttzung statt, an welcher auch der Herzog persönlich theilgenommen hat. Gegenstand der langen Berathung war das Begnadigungsgesuch der Witwe Auguste Prietzel und der Handelsfrau Ruppert, welche beide wegen Mordes rechtskräftig zum Tode verurtheilt wor- den waren. Es handelt sich um eine Entscheidung, ob das
bette fei er damit beschäftigt gewesen, dem ältesten Sohne Resultate feiner Forschungen zu dictiren. Sein Leben gewähre das anziehende Bild eines ächten deutschen Gelehrten, im reichen Maße habe et dabei bie menschlichen Tugenden der entgegenkommenden Freundlichkeit, des liebenswürdigsten Wohlwollen«, achter Humanität, der Lauterkeit des Charakters und des regsten Pflichtgefühls besessen. Dieser Sarg mahne einen Jeglichen, mit der Gabe, die er em« Pfangen, zu dienen und in dem anoertrauten Berufe "ach dem Maße der verliehenen Kraft treu zu sein. — An die Gattin, mit der der Entschlafene 45 Jahre hindurch eine überaus glückliche Ehe geführt, sowie an die Kinder und die sonstigen Angehörigen richtete ver Redner zum Schluß Worte des Trostes. AuS dem im Laufe der Rede mitgetheilten Lebensabriß deS Verstorbenen sei noch hervorgehoben, daß derselbe als 17jährigcr Jüngling im Jahre 1815 freiwillig dem Rufe seines Königs zu den Fahnen folgte; daß der berühmte BerceliuS sein Lehrer gewesen, daß sein Name für immer eng mit denen der großen Heroen der Wissenschaft, vor Allem Humboldt verknüpft fei; daß ihm von allen Seiten die reichste und gebührende Anerkennung zu Theil geworden. Erst vor wenigen Wochen habe die Wiener Akademie der Wiffenschaften ihn zu ihrem Ehrenmitgliede ernannt.
. 18. Juli. Am nächsten Dienstag, 22. d. M., wird in der Roiterdammer Paradieskirche vom Bischof von Deventer die Weihe des Professors ReinkenS zum altkatholischen Bischof vorgenommen. Mehrere der hier lebenden Führer der alckatholischen Bewegung werden sich zu jenem Acte nach Holland begeben. — Einer der wegen verweigerter Zeugenaussage verhafteten Arbeiter der „Deutschen Reichs-Zeitung" 'st seiner Haft entlassen worden, und zwar deßhalb, weil ber Mann in Wirklichkeit nichts auszusagen wußte.
Ems, 19. Juli. Kaiser Wilhelm wird morgen zur Begrüßung der russischen Kaiserfamilie nach --Sugenheim reifen.
h ? J^rCctCr ,CVn />ren Höhlen umher. Er riß sagte er still vor sich hin. „Noch einen solchen Fang' ben sechslaufigen Revolver aus bem Gurt und hielt unb ich pfeife auf bic ganze Gesellschaft tbeile mit ihn auf ben Störer seiner Ruhe. dem Goviller unb —" W ' ' 9 1
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