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Mr. 168

Marburg, Sonnabend, den 19. Juli.

1873.

Oderhessische Zeitung

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„Warum?" fragte dieser. „Sie muffen fort!" „Wohin?"

„Rach Wildenstein I"

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von Audrs Hugo.

(Fortsetzung.)

blieb stehen. Das gleichgültige frappirte ihn und machte ihn in irre.

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„Weshalb denn aber?

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Der Schwarze Benehmen Benno's seiner Ueberzeugung

„Zch bin Ihnen eine Erklärung schuldig, Manteau, welche mir unter Umständen gefährlich den kann."

sei, der FondSverwaltung unter den vorhandenen Um­ständen nicht entgegenzustellen sei. Zugleich hervorzu- heben sei, daß nach der Lage der Verhältniffe die von der großherzogl. hessischen Regierung angeregte güt­liche Beilegung der Sache als wünschenswerlh er­scheine, und daß somit das Eingehen auf Vergleichs­verhandlungen für den Fall, daß die Fondsverwal­tung mit einer sehr mäßigen Summe, wie die Zwei­felhaftigkeit ihrer Ansprüche mit sich bringt, sich zu begnügen bereit ist, nicht abzulehnen wäre. Der Justiz-Ausschuß ist indessen, nachdem auf Grund des anliegenden Vertrages des Berichter­statters die Sache eingehend berathen worden, wie man der „N. Fr. Pr." schreibt, zu dein nachstehenden Beschlusie, ohne damit die Ansicht des Berichterstatters in allen Punkten sich aneigncn zu wollen, gelangt. Der Justizausschuß vermag zwar nicht anzurathen, den an das Reich erhobenen Rechtsanspruch für einen begründeten zu erachten, glaubt jedoch bei der Zweifel-, Hastigkeit einiger in Betracht kommenden Fragen und in Berücksichtigung der zugleich vorliegenden Billigkeits­gründe, daß sich der Versuch empfehlen möchte, den geltend gemachten Anspruch im Wege des Vergleichs zur Erledigung zu bringen. Er stellt demgemäß den Antrag: Der Bundesrath wolle sich damit einver­standen erklären, daß der Weg des Vergleichs der für den Universitätsfond reclamirenden Regierung eröffnet und derselben anheimgestellt werde, Vergleichsvorschläge zu machen. Falls solche Vergleichsverhandlungen nicht zum Ziele führen sollten, würde es sich nach der Auf- fassung des Justizausschusses empfehlen, den streitigen Anspruch durch den Ausspruch eines Compromihgerichts zum Austrage bringen zu lassen. Der Justizausschuß würde als solches das Reichs - Oberhandelsgericht in Leipzig in Vorschlag bringen. (Spen. Zlg.)

— Um bereits in der nächsten Session des preu­ßischen Landtages ein das gesammte Schulwesen um­fassendes Unterrichtsgesetz einzubringen, hat der Kul­tusminister Dr. Falk unter dem 9. Juli an eine An zahl von Männern, bei denen er genaue Kennlniß des höheren UnterrichlswesenS und Jnteresie für eine mög­lichst vollendete Organisation desselben voraussetzt, Einladungen zu einer Mitte Oktober abzuhaltenden

II, NW >ol* ?«« >45

' Deutsches «eich.

' Berlin, 16. Juli. Durch Schreiben des großh. Hess. Ministeriums des großherzogl. Hauses und des Aeußern um 46. Januar d. I. ist der Reichskanzler ersucht vvrden, zu veranlassen, daß der seitens des soge- »amiten Mainzer UniversitätSfondS gegen den vor­maligen deutschen Bund erhobene und von diesem zurückgcwiesene Anspruch auf Zahlung einer Entschä­digung für mehrere in Mainz gelegene Gebäude, welche früher der dortigen Universität gehörten und fich gegenwärtig im Besitze der Militärverwaltung be finden, im Betrage von 504,500 Franken (134,533 Thlr. 10 Sgr) sammt Zinsen vom Tage der Besitz­nahme seitens der deutschen Militärverwaltung, auf'« Neue geprüft und entweder auf dem Wege einer güt­lichen Vereinbarung oder durch Verweisung auf den Rechtsweg erledigt werde. In der Sitzung des Bun- desrathes vom 10. Februar d. I. legte der Präsident deS Reichskanzleramtes dieses Schreiben mit dem Be­merken vor, daß das Reichskanzleramt nach Prüfung der Sache diesen gegen das Reich erhobenen An- spruch nicht für begründet halte, indessen der Ansicht sch daß es sich in Betracht der Wichtigkeit des Ge­genstandes empfehle, wenn zunächst der Bundesrath sich darüber schlüssig mache, ob er den Anspruch an­zuerkennen habe; er schlage daher im Einverständniß mit der großherzogl. Regierung vor, das Schreiben der letzteren, welchem er eine Darlegung der Auf­fassung des Reichskanzleramts beifügen werde, dem Ausschüsse für Justizwesm zur Berichterstattung zu überweisen. Der Bundesrath beschloß demgemäß. Bei der AuSschußberathung begründete der Berichterstatter, der würtembergische Ministerialrath Heß, in einer umfangreichen actcnmäßigen Darstellung der Frage dm Antrag, daß den von dem UnioerfitätS und Stu bicnfonv« zu Mainz gegen das Reich erhobenen An- fprüchen nicht stattgegeben werde, der FondSverwal tung jedoch der Rechtsweg eröffnet sein solle und zu­gleich eventuell, daß die Vertretung der erhobenen Ansprüche seitens deS Reichs unter den vorhandenen llmftänden nicht abzulehnen, auch die Einwendung, daß durch Beschluß der Bundesversammlung vom 24. August 1837 die Sache endgültig erledigt worden

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Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Felice ließ ihn nicht vollenden. Sie fiel ihm Wort und beutele auf die umstehenden Knechte ..... Mägde, sowie auf die Patienten, welche in ihm ja nur einen Landsmann kannten.

„Run, war er es?" fragte sein Begleiter.

„Weiß' der Teufel, was das ist. Wie er noch fünf Schritte von mir war, hätte ich ihn beinahe an der Brust packen mögen, als er aber sprach, da hörte ich, daß er ein geborener Franzose war."

„So war er es also nicht?"

„Himmeldonnerwetter, ich bin mir nicht recht klar! — Jetzt wollen wir sie nur nicht auS den Augen lasten. - Wo sind sie denn hin?"

Der Schwarze und sein Begleiter mühten sich ver­gebens ab., die beiden Gestalten zu entdecken. Die Besuchten hatten einen Seitenweg eingeschlagen und Waren den Blicken der Beiden durch die Bosquets mtzogen. Diese eilten so schnell al« möglich nach der Stefle, auf der der Wagen Felice'S ihrer Zurückkunft harrte.

Nach circa einer Stunde schnellen Fahrens war 8enno wieder im sogenannten Vogesenschloß. Hier herrschte eine ganz außerordentliche Aufregung Die bvch hier verweilenden Franzosen wurden eben auf Tagen geladen, um nach einem entfernteren Orte in hn Vogesen gebracht zu werden.

ES war nämlich in Guebweiler die Nachricht von btr Eapitulativn Neu-Breisachs und von dem Anmarsch der Preußen auf Mülhausen eingetroffen.

btrge sind Sie sicherer."

„Ich werde sie erwarten."

„Um Gottes Willen, thun Sie das nicht. — werden sofort nach Deutschland geschleppt."

„Könnte mir nur . . ."

Felice nickte zum Zeichen deS EinverständnisteS.

Unter Begleitung mehrerer Knechte setzten sich nach wenigen Stunden die beiden Wagen mit den Verwun beten, welche im Vogesenschloß gelegen hatten, in Be­wegung und schlugen die Richtung auf Wildenstein ein.

„Nun sagen Sie aber, mein Herr, was Sie zu dem Entschlüsse getrieben hat, hier zu bleiben", fragte am Abend desselben Tages der Vater Felice'« dm auf dem Stuhl ihm gegenübersitzenden Benno.

Dieser lächelte und blickte bedeutungsvoll nach Felice, welche sich eben anschickte, ihm eine Tasse Thee einzugießen, als wollte er fragen: soll ich es verrathen ?

Der Vater Felice'S sah Benno groß an.

„Ich bin, wie Ihnen Fräulein Felice bestätigen kann, kein Franzose, sondern ein Deutscher, der von Ihrer Fräulein Tochter vorn Schlachtfelde von Wörth gerettet wurde."

„Sie sind . . .* der Alte stockte.

„Ich verstehe", sagte er. „Sprechen wir später davon."

„Sie kommen gerade zu rechter Zeit", rief $ater Felice'S Benno zu, alS dieser eintrat

„Die Preußen können in einigen Tagen hier sein. — Neu-Breisach ist gefallen — die Preußen sind im Anmarsch auf Mülhausen. — Weiter oben im

Die Elsässerin. Rovelle ' '

Konferenz zur Berathung von Gegenständen deS höheren UnterrichtSwesens, namentlich zur Besprechung der Or­ganisation der Realschulen, ergehen lassen. Der Ter­min ist absichtlich so spät gewählt, damit die Konferenz noch Kenntniß von den Beschlüssen der für Ende September ausgeschriebenen Lehrerversammlungen neh­men kann. Zu de» Eingeladenen gehört auch — wie der „Bresl. Ztg.". geschrieben wird — der be­kannte Vertheidiger der Gleichberechtigung der Real schulen erster Ordnung mit den Gymnasien, Dr. Th. Paur in Görlitz, der in seinem für die Geschichte deS Realschulwesens in Preußen wichtigen Referat über Petitionen zu Gunsten der Realschulen ein lebhafte« Interesse für die Realschulen an den Tag gelegt hat. Die Vorlagen, welche die Konferenzen beschäftige« sollen, werden den Eingeladenen erst späterhin zugehen, wahrscheinlich gleichzeitig mit der Benachrichtigung über den Termin der Konferenzen. Auf dem Wege, welchen der Kultusminister einschlägt, ist am schnellsten ein Resultat zu erwarten und somit dürfte die Hoff­nung der preußischen Lehrer, das Unterrichtswesen end­lich durch ein Gesetz geregelt zu sehen, schneller, als erwartet, in Erfüllung gehen. Der Minister spricht in seinem Einladungsschreiben ausdrücklich die Absicht auS, womöglich in der nächsten Session deS Landtage« das Unterrichtsgesetz vorzulegen.

Dresden,^16. Juli. Der König von Sachsen, dessen Befinden nach hiesigen Correjpondenzen in süd­deutschen Blättern Anlaß zu ernstlichen Besorgnisien gegeben hatte, ist glücklich wiederhergestellt. Derselbe hat an den Wiener Hof die Anzeige gerichtet, daß seine Gesundheit so weit wieder hergestellt fei, um ihm etwa am 24. d. M. eine Reise nach Wien zum Be­suche der Weltausstellung zu gestatten. Bei der Ver­ehrung, welche der greise sächsische Monarch sich durch seine persönlichen Eigenschaften in ganz Deutschland errungen hat, wird diese Nachricht gewiß überall mit Genugthuung begrüßt werden.

Leipzig, 17. Juli. Die Regierungsbehörde hat den Widerspruch d.S Pastors A',lfeldt, Vorsitzenden des Kircheuvorftandes, gegen den Beschluß deS Kir­chenvorstandes wegen Gestattung deS Gottesdienstes

„Ein Dmtscher!" ergänzte Benno ruhig.

Felice trat an das an der Thür stehende Büffet, um ihre Röthe zu verbergen.

„Erlauben Sie, daß ich Ihnen die Details mit­theile, welche meinen Transport nach hier verursachten?"

Herr Manteau nickte stumm mit dem Kopse. Felice seufzte auf.

„Ich lag, von zwei Kugeln getroffen, hülslos und verlassen auf dem Schlachtfelde von Wörth, al« in der Nacht französisches Gesindel kam und mich meiner Kleider beraubte, ohne daß ich die Macht gehabt hatte, mich dagegm wehrm zu tonnen. Am Morgen fand mich Fräulein Felice und 'ba sic durch nähere Um­stände gesunden, daß noch Leben in mir war, so ließ sie mich mit den anderm französischen Soldaten nach dem Schürtenhofe schaffen. Wäre Ihre Tochter nicht gewesen, meine Gebeine moderten längst neben denen meiner Cameraden. Aus diese Weise wurde ich hier­her gebracht, uub als ich hier zur Besinnung kam, bat mich Ihre Tochter, als sie hörte, daß ich durch längeren Aufenthalt in Frankreich fertig französisch sprechen konnte, um meiner eigenen Sicherheit willen mich für einen Franzosen auszugeben. Ich weiß, daß ich unrecht gehandelt und Sie getäuscht habe, allein ich bin auf der anderen Seite auch der festen Ueber­zeugung, daß Sie mein Unrecht vergeben werden."

Herr Manteau hatte die Stirn bedeutsam in Fal­ten gelegt.

„Wissen Sie, Herr", begann er, „ich bin fein Spion und kein Verräther, allein- da- werden Stz jedenfalls nicht hart oder grausam finden, wenn-ich Sie bitte, mich des eventuellen Verdachtes, al« hatte ich einen Deutschen mit meinem Wissen und Willen beherbergt, zu entkleiden."

„Wie soll ich da- bewerkstelligen?" (Fvrtsetzun, fotat.)