ffr. 165
Marburg, Mittwoch, den 16. Zull.
1873.
Oberhessische Zeitung.
Jt fultat der Wahle,, für
gewählte» Mitglieder der
hört die Mehizihl der freisinnigen Richtung an.
es sehr irrelevant, wie eine so rein auf das Rhetori» sche, auf Phrase und Spektakel gerichtete Persönlichkeit, wie Friedrich Hecker, über da- neue Deutschland denkt oder nicht denkt.
Braunschweig, 13. Juli.^ Die LandeSver« sammlung Halle den, Herzogllchen Staats Ministerium eie Bereitwilligkeit ausgesprochen, die Mittel zur Per- fügung stellen zu wollen, welche erforderlich seien, Zungen strebsamen und intelligenten Gewerbetreibenden und Handweikern in der Stadt und auS dem Herzog, ihum Braunschweig, Meister wie Gehülien, den Besuch der Wiener Weltausstellung zu ermöglichen. Im Auftrage der Landesregierung hat der Vorstand deS Ge- werbcvereinS in Verbindung mit dem Vorstande deS Handwerkervereins und anderer gewerblicher Vereine nunmehr 19 junge Handwerker ausgewählt, von denen 14 der Hauptstadt angehören. Jeter der Genannten erhält zur Reise nach Wie» 100 Thaler, welche auS- gezahlt werden, sobald die Ruse dorthin angetrcten wird. Dieselben habe» die Verpflichtung, nach der Rückkehr dem Profesior Dr. Varrcntrap einen Bericht einzureichen.
Tübingen, 14. Juli. Heute um 12 Uhr ist beim schönsten Welter unter großer Beiheiligung das Uhland-Denkmal enthüllt worden. Die Aufführung des Festgesanges unter Faißl'S Direction muß als sehr gelungen bezeichnet werden. Ter Prof.ffor Kö'tlin von der hiesigen llnivelsität bezeichnete in seiner Festrede meisterhast die Stellung Uhland's zur deutschen Literatur als Volksmann und Dichter. Dr. Elben aus Siutlgart sprach den Dank und die Huldigung der deutsche» Sänger auö.
München, 14. Juli. Die Sckwurgerichtsver- handtung gegen Adele Spttzedcr und Geneffen begann heute Vormittag 8 Uhr. Vor unv in d>m Justiz- gebäude waren mehrfache Militär- und Polizeimaßregeln zur Elhallung der Ordnung getroffen. Der Andrang des Publicunis ist bisher nicht bedeutend. Vorsitzender des Gerichtshof-« ist Appellrath Müller, die Staaivanwaltschaft vertritt Staatsanwalt Barsch. Oie Verlesung der Anklagrschrift dauerte zwei Stunden. Die Angeklagten Spitzeder und Ehring waren in schwarzer Kleidung unv beantworteten die Personalsragen deullich. Von der StaatSanwalisckafl wie von den Veriheidigern wurden je vier Geschrvorene
wurden. — Die zwischen England und Frankreich । über Abschluß eine« muen Handelsvertrages gepfi geneu Verhandlungen scheinen, englischen Nachrichlk» zufolge, ! in neu.ster Z it Verzögerungen erlitten zu h rben. — In EmS Hal man de» 13 Juli in sinniger W i e gefeiert. Auf dem Kieswege °m Uf-r der Lahn, ganz in der Nähe des sog Coinmiff>riats Gebäudes, ist die Stelle, an welcher heute vor drei Jahren unser König zum letzten Male mit dem französischen Botschafter Benedetti gesprochen harte, durch eine» in den Erd boven eingelassenen unscheinbaren Stein, der als In schritt ebilt nur daS Datum 13. Juli 1870, 9 Uhr 10 Minuten Vormittags trägt, bereits seit einiger Zeit bezeichnet worden. Am 13. Juli umgab diesen Stein ein voller Lorbecrkranz, eingefaßt von Vergiß meinnicht und reichen Blumensträußen.
Ems, 12. Juli. Dem Correjp. v. u. f. Deutsch land wird von hier geschrieben: „Tie Reise des deutschen Kaiser« nach Wien ist nun dtfininv auf die ersten Tage des nächsten Monats festgesetzt. Der Aufenthalt des Kaisers in Wien wird 6—8 Tage währen, wo rauf sich derselbe vorerst direct nach Berlin ztnückbe geben wird." Die Nachricht weicht ab von den bis herigen Angaben. Weder wurde ein so langer Aufenthalt in Wien erwartet, noch eine directe Rückkehr von dort nach Berlin. Die Bestätigung der vorstehenden Nachricht bleibt abznwarten.
Leipzig, 13. Juli. Nach der „D. A. Z." hat sich H.rc Friedrich Hecker bei seinen nationalliberalen Freunden hier in Leipzig ganz anders aufgeführt als bei seinen demokratischen Freunden in Stuttgart. Er verhehlte, wie das Blatt meldet, nicht, daß sein Herz fest an der großen freien Union hänge, deren Bürger er so lange sei, für die er Blut uid Leben eingesetzt habe, daß es ihn verlange, drüben in freier Erde zu ruhen. Ader mit tiefbewegter Stimme sprach er auch wi verholt von der neuen Größe Deutschlands u>w faßte sich zuletzt in den begeisterungSoolle» Wunsch zusammen, die deutsche Nation, so stark und mächtig in kriegerischen Thaten gegenüber anderen Nationen, möge auch Itark werden in bürgerlicher Freiheit, damit das schwarz-weiß rothe Banner keS deutschen Reiches und daS Steinen- und Streif.nbanner der Union brüderlich vereint nebeneinander wehen als die Symbole der beiden größten Nationen des Erdballs. — Danach zu unheilen, scheint der „ergraute Freiheits ; kämpfer" aus Amerika unter anderen schätzbaren Fä , hrgkciien auch diejenige mitgcbracht zu haben, den Leuten nach dem Munde zu reden unv ihncil gerade l oaS zu sagen, was sie gern hören. Im Uebrige» ist
Weimar, 13. Juli. Nach dem jetzt bekanntest ..... "": die erste Landeosynove ge-
-—— -----— 7—~ nnA gDnn, »nd Feiertage». Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker eit bezogen 22i8gr., durch die
Erscheint täglich außn e Bestellgebühr und iml- Etempelsteuert, für das Ausland excl. Stempel tt 6#r. — Jnsertionsgebühr für die gefpaltene Zeile 1 --gr.
-Hoftür»i 8 . Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Jnterate an.
Deutsches Reich. 11
«. Berlin, 14. Juli. In verschiedenen Zei- i tunaen finden tich neueroingS Angaben über Einberu fu.a des Reichs lages zur Winter - Session und über i die Emberulung deS Landtages; es sind diese Angaben : nur Conjuncturen der detr.ffenden Cvrresponventen, . ba in letzterer Zeit weder mündliche noch schriftliche i Anregungen in den maßgebenden Kreisen gegeben sind, und was die Frage der Bestimmung über den Termin . b« Einberufung des Landtages betrifft, so dürfte darüber wohl erst Anfangs September Leschliiß gefaßt i „erden, da zu diefer Zeit auS Anlaß der Feier ter Enthüllung des SiegeSdenkmalS die Perfonen in Berlin anwesend sein werten, welche den betreffenden Beschluß , zu fassen haben. — Das Schweigen der „Kreuzztg." über die Vorgänge im Malthejer-Orden hat selbst in den höchsten Kreisen Beachtung gefunden; gewiß ist es auch auffallend, daß daS Blatt, welches sonst die Miltheiluiigen auS den Kreisen der Ritterschaft mit großer Vorliebe bringt, keines Wortes der Vorgänge in Br-Slau gedenkt. Von hoher Stelle liegen übet birst Thatsache, wie UNS versichert wirb, sehr bezeich uende Aeußeruttgen vor, welche dahin sich concentriren, daß das conservative Blatt in seiner gegenwärtigen Fassung jedenfalls glaubt, dem Ultramontanismus und deut JFuuismus mehr Rücksichten schuldig zu sein, alS der Krone — In der Sitzung des Bundesrathes vom 8. Juli wurden zu Milglckdern des Disciplinar- hofeS g>wählt: Reichs-Oberhandelsgerichts - Pt astdent vr. Page als Präsidenten; aus den Bevollmächtigten rum Bundrsrathe: General-Director Heff-lbach, Ge neralmajor v. Voigts Rh.tz Minister v. Nofttz Wall tvitz der Minister Resident Dr. Krüger; aus den Mit gliedern des Reichs Oberhandelsgerichts: Vice-Prä,t bent Dr. Drechsler, die Räthe Dr. Gellenkamp, Dr. Fleischhauer, Werner Barth und der G Heime Ratv Dr v Mölte aus tem ReichSkanzler-Amt. — In Betreff der Ausführung des Münzgesetzes beschloß der Bund.srath, den Antrag des großherzoglich Heimchen Bevollmächtigten, die Lcsch'.ußnahme-über diesen Gegen stand auszusetzen, abzulehnen, und es wurden daher die Bestimmungen über die Ausführung deS Münz gesetzes vereinbart. - Neuere Nachrichten aus Frank reich lassen es immer weniger ziveifelh.ft erscheinen, daß die carlisttsche Bewegung in Spanien von fran zöiischen Legitimisten und Clericalen, welche der gegen wattigen Regierung Frankreichs näher stehen, begütigt werde. Sprechen doch neuerdings Thaisachen rantr, daß carlist-sche Banden von der französischen Regie rung gewissermaßen als kriegführende Macht^betrachtet
Tie Eljaffenu.
Novelle von Anors Hugo.
(Fortsetzung.)
Obwohl der Arzt vollständig deutsch sprach und auch vie Worte Bennv's verstand, so antwortete er itm doch noch in französischer Sprache: „Sie sind in Guebrveiler."
„In Guelweiler?" fragte Benno sichtlich erstaun.
Mühsam suchte er seine Gedanken zu sammeln, während sich seine Augen schloffen.
„Wie bin ich aber hierher gekommen?"
„Sie sind ja in der Schlacht bei Wörth verwundet worden", antwortete jetzt der Arzt auch in deutscher Sprache.
„So war eS kein Traum?" flüsterte et matt
In diesem Augenblicke erinnerte ihn auch das Stechen in feinen Wunden an feine ©ilebniffe, deren Details er sich jetzt dunkel zu erinnern begann.
„Herr Doctvt!" tief Felice im anstoßenden Zimmer.
Der Arzt eilte hinaus. . ,
„Auf Ztmmet Nt. 3 verlangt em Patient »ach Ihnen", fagte Felice.
Der Arzt Hub stehen. .
„Fräulein Felice, wtffcn Sie auch, daß S>e einen Deutichen mit nach hier genommen haben?"
Feliät nickte mit dem Kopfe, ihr Blick heftete sich en den Boden.
„Herr Doctor, es ist ein naher Verwandter von Wit"— ich habe nur Menschenpflicht an ihm auSge hhl _ ich beschwöre Sie, vertathen Sie mich nichtI"
„Als Ihr nahet Verwandtet noch Forst- gehülfe in Lauterbach wat, haben Sie ihn aber nicht cafür ausgegeben. —"
Der Arzt lächelte, als er die Verlegenheit Felice'S bemerkte, klopfte ihr bann freundlich auf die Achsel und jagte:
„Ich weiß, daß Herr Brendel sehr gut französisch spricht — für mich wird er ein Franzose fein, und wird eS so lange sein, so lange er französisch spricht."
Der Atzt ftrckie.
Der flehende Blick Felice'S kreuzte sich mit dem scharf beobachtenden des Arztes.
„ES ist schön, wenn eine Französin auch ihren Feind liebt!" sagte der Arzt und verschwand bann rasch in der Thüro. .
Felice überlegte den unschwer zu erraihenden Sinn dieser Worte. Aber ehe sie einen weiteren Gedanken zu fafien vermochte, drang das Stöhnen Lenno's aus dem Nebenzimmer an ihr Ohr.
Felice eilte tief erröthend an das L-get Benno'»
Tiefer schloß die Augen, den» et glauote zu träumen. Er öffnete sie wieder
„Tiäume ich oder ist'- Wahrheit?" flüsterte et.
„Was wollen Sie, Herr Breuoel?"
„Waffei!"
„Tie zitternde Hand Felice'S flößte dem Daliegen den wieder einige Ttepfe» ein.
„Ich bitte, ich beschwöre Sie, Herr Förster, lprechen Sie französisch, oder Sie sind vertathen und dann unserer sorgsamen Pflege betäubt."
„Wo bin ich aber nur?"
„Auf dem Gute meines Vater-!"
„In Vogeiensckloß?"
„Ja!" flüsterte Felice.
„Wie kam ich denn hierher?" fragte er immer in deutscher Sprache.
„Davon ein andere» Mal — aber jetzt bitte, iptechen Sie französisch!"
„Gut! — ich »erde eS thun!" sagte er jetzt in reinem Französisch und fuhr dann fort: „Soll ich mit dem Aizie auch stanzösisch reden?"
„Gewiß!" antwortete sie. „Ueb.rhaupt thun Sie es gegen Alle, welche mit Ihnen verkehren werden!"
In die Nebenftube trat eine Person; e» war Fe- lice's Vater. Gleich darauf stand er am Bette de« Taliegenken, ohne ihn zu erkennen.
„Der Arzt schickt mich herauf, Felice. Ich soll mich erkundigen, ob der Kranke etwa eine Suppe wünscht"
Felice sah Benno fragend an. Dieser nickte stumm mit 6tm Kopse Hierauf eilten die Beiden fort und gleich Darauf kam eine alte Magd und brachte die auf Anordnung des Atzte- zubereitete Suppe. Als der A>zt später nachsah, war der Teller geleert, der Patient selbst ichlummerte.
„Hat der Kranke die ganze Suppe gegeffen?" fragte ter Arzt die eintretende Ma^d.
„Ja, Herr, ich habe sie ihm bi« auf den letzten Löffel eing.flößt, denn der arme Mann kann ja nicht einmal den Löffel halten."