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Mr« 136 Marburg, Sonntag, den 13. Juli. 1873.,

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Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Politische Wochrn-Urberficht.

Die Nachrichten über die fortschreitende Kräftigung des Gesundheitszustandes unseres Kaisers lauten er- sreulich. Der Kaiser von Rußland hat seine Cur beendet und sich von EmS nach Schloß Jugenheim begeben, wo derselbe noch drei Wochdn zu^eibei' gedenkt. In der Politik des Reiches und der meisten tzinzelstaaten herrscht gleichzeitig um so mehr tiefe Sommerstille, als auch die meisten Minister bereits die heißen Residenzen hinter sich gelassen haben und Untcrstaatssecretäre und Ministeriäldirectoren nur die laufenden Geschäfte sortsühren; nur in Hessen tagen noch die Kammern. In Preußen nehmen die Maß, nahmen zur Ausführung der neuen Kirchengesetze ihren regelmäßigen Fortgang von Provinz zu Provinz, ohne daß besondere Konfiiktsfälle in Folge des passiven Widerstandes der Bischöfe bisher hervortraten.

Die österreichischen Blätter versichern, daß eS mit der Cholera bis jetzt nicht gefährlich stehe und im vorigen Sommer genau eben so viel Ruhrfälle in Wien vorkamen, wie gegenwärtig: die Ausstellung habe den nasten Mai und den Wolkenbruch über­standen, sie werde auchmit ihren neuesten Gegnern fertig werden", prophezeit dieN. Fr. Presse". Nicht so glatt geht cs mit der Börsenpest, die noch immer Opser holt. Die Schwindelepidcmie hatte sich tiefer eingefressen, als man zugeben wollte, und von den besten Firmen heißt es nur noch zu ost:Heute flott, morgen bankerott I"

Die schweizerische Bundesversammlung ist am Montag zusammengelretcn und beide Räche haben sich constttuirt. Für das Gelingen der Bundesrevision ist die beste Aussicht vorhanden.

Diese Woche gehört in Frankreich dem Schah. Großer Empfang in Cherbourg unted Hurrah, weil der Flottenmannschast daö Vive la Republique ver­boten war; dann am Sonntag Einzug in Paris unter ungeheurem Zulauf, aber ohne Rufe, weil man der Regierung nicht die Gunst erweisen wollte, und ohne Aufspielen einer Nationalhymne, weil das Kabinet sich darüber nicht einigen konnte, auch unter Vermci- düng dcS Namens Republik in den Anreden, während der Asiat den Marschall Mac Mahon als dendurch die Liebe der Nation erwählten" Gebieter Frankreichs behandelte. Die Deputieren, die eigentlichenSou, veräue", klagten, daß man sie zu sehr in den Hinter­grund gestellt habe, und wurden daher bei dem Fest in der Galerie des Glaces im Versailler Schloß am 8. Juli osficiell zugelassen, wie Mac Mahon am Donnerstage nur unter ihrem officiellen Beisein die

Die Elsässerin.

Novelle von AndrS Hugo.

(Fortsetzung.)

Es schnitt Felice tief i»S Herz, als sie das hörte. Sie mußte sich abwenden vor Schmerz und Abscheu und wandte sich nach der anderen Seite des Berges, nachdem sie einen Theil der Krankenwärter aus der rechten Seile zurückgelassen hatte.

Ein verwundeter deutscher Lieutenant hob sich kurz vor ihr in die Höhe.

Wasser!" tönte cS über seine trockenen Lippen.

Felice eilte auf den Lieutenant zu, flößte ihm einen Trunk ein und befahl dann dem einen Kranken­träger, paS zerschossene Bein des Mannes zu ver­binden. x '

In einem grammatikalisch mühsam zujammenge- brachten Französisch dankte ihr der Lieutenant, da er aus der Unterhaltung zwischen dem Mädchen und den Krankenträgern herausgehört hatte, daß diese eine Französin sei.

Ich spreche auch deutsch!" sagte Felice.Sie können deutsch sprechen."

_ Der Lieutenant dankte ihr nochmals in beredten Worten in deutscher Sprache.

Felice blieb betroffen stehen; die Laute klangen ihr bekannt.

Sind Sie ein Thüringer?" fragte Felice.

Der Lieutenant bejahte.

Aus welchem Regiment?"

Aus dem Lösten."

Revue abhalten sollte. Kleinlich ist Alles, was jetzt in Versailles vorgeht und von dort ausgeht, kleinlich sind die Bemaßregelungen, großartig nur die ultra­montanen Demonstrationen in Wunderthaten und Wallfahrten. Die Nationalversammlung hat sich, um die Ehre dcS asiatischen Besuches recht zu genießen, drei Tage Ferien gegeben, da sie ja ohnehin nicht vom Flecke kommt.

Erst am 5. Juli veröffentlichte das römische Amtsblatt die Entlassung deS Cabinets Lanza- Sella und meldete zugleich, daß der König Marco Minghetti mit der Zusaoimensctzung eines neuen Mi­nisteriums beauftragt habe, dessen nunmehr vollendete Combination und die Namen der Mitglieder brachte der Telegraph.

Die spanische Republik hat endlich Halt gemacht auf der Bahn zur inneren Auflösung. Auf Begehren des Minister-Präsidenten fanden die Cortes sich bereit, die Regierung zur Verhängung des Belagerungszustandes zu ermächtigen, wobei an erster Stelle freilich die von ven Carlisten beunruhigten Provinzen ins Auge gefaßt sind, aber auch kein Hinderniß im Wege liegt, gegen Ausruhrversuche der Rothen mit außerordentlichen Zwangsmaßregeln vorzugehen. Der Entwurf der bundesstaatlichen Verfassung ist von dem cngern Aus- schuffe an den weiteren gelangt, und wird nun bald in den CortcS zur Beraihung kommen.

England hat den Schah nach siebenzehntägiger Bewirthung an Frankreich abgegeben, und immer klarer stellt sich heraus, daß mit der persischen Episode zu­gleich die Saison ihrem Ende entgegengegangcn ist. Die Herren in Westminster speculiren recht lebhaft über den Tag, der sie auf gleichen Fuß der Freiheit mit ihren mandatlosen Mitbürgern stellen wird, und sie haben glücklich herausgeklügelt, daß der Schluß des Parlaments gegen Ende der ersten Augustwoche stattfinden wird.

Der niederländische Colonial Minister erklärte in der Sitzung der Zweiten Kammer am 2. Juli, die Regierung habe keine Unterhandlungen mit Atchin angefangen, würde aber wohl einen ehrenvollen Ver­gleich , jedenfalls aber nicht solche Bedingungen, wie sie in einem Reuter'schen Telegramm mitgeiheilt seien, annehmen.

Der König von Schweden und Norwegen hat sich, bevor seine norwegische Krönung in Drontheim erfolgt, nach dem nördlichsten Punkte seiner Staaten t(wie auch Europas überhaupt) dem Nordkap begeben, i Zur Krönungsfeier wird sich auch der englische Prinz > Arthur in Drontheim einfinden. In Kopenhagen

Wissen Sie, ob sich unter denselben ein Benno Brendel befindet?"

Er führt meinen Zug ob er noch am Leben, kann ich nicht sagen er muß dort Elsaßhausen milgestürmt haben." Der Verwundete zeigte mit der Rechten nach dem brennenden Dorfe.

Illach Elsaßhausen!" rief jetzt Felice.

Der Fußweg zwang die Dahineilenden noch ein­mal auf der andern Seite an der Stelle vorbei, an der das französische Kürassierregiment vernichtet wor­den war. Felice wendete ihren Blick entsetzt ab. Aber dort, wo sie sich jetzt hinbegab, bot sich des Schrecklichen ebensovieb Hier hatten die Hyänen des Schlachtfeldes ganz besonders ihr Wesen getrieben, denn an dem Abhange lagen meist nur -nackte oder doch bis aufs blutige Hemd eutkteidete Todte. Mitten auf dem Wege lag noch die Gestalt eines jungen, kräftigen Mannes mit zerschossenem Bein und zer­schossener Brust. Sie wollte an der mit dem Gesicht nach der Seite gewendeten Gestalt vorübereilen, aber wie durch einen Bann gehalten, blieb sie stehen. Ihr Gesicht überdeckte Leichenbläffe, denn unmittelbar vor ihr lag das Portefeuille, welches sie Benno gesendet, am Boden. Sie hob eS auf. Die Kugel hatte einen Theil deS metallenen Medaillonbildes und des Bügels hinweggerissen.

Ein lauter Aufschrei gellte durch die Luft. Felice kniete vor dem Todten nieder und riß das Hemd von der Brust des Daliegenden. Sie war kalt.

Todt!" flüsterten ihre bleichen Lippen.O mein

tagte seit dem 3. d. die skandinavische Naturforschep- Vetsammlung. '

Das russische Korps, welches Khiwa besetzt hat, ist nun auch des Herrschers jenes LaydeS habhaft geworden. Unterm 4./16. Juni wird von dort amt lich gemeldet, daß der Khan von seiner Flucht zurück- gekehrt und mit der Erklärung seiner Unterwerfung jammt seinen Hauptministern vor dem General Kauf­mann erschienen und jetzt einer Ehrenwache auv«- traut sei.

Die griechische Kammer hat die Deputirtenwahl für Messenien, in welcher KumunduroS bereits zwei Mal den Kürzeren gezogen, abermals für ungiltig er­klärt, freilich nur mit 88 gegen 80 Stimmen. In Gortyna ist der oppositionelle Dcliyannis zum Depu- tirtcn gewählt worden. Die kaum geborene fiaurion- Akliengesellschaft steht auf sehr schwachen Füßen; ihr Cours ist tief gesunken, da die Opposition in der Kammer ihren Geburtsschein mit zu unterzeichnen sich weigert. Der König Georg will nächstens nach Wien zur Ausstellung reifen.

Der neue Ferman, mit welchem der Sultan dey Khedive begnadigt hat, ist jetzt auch den Großmächten zur Kenntniß gebracht worden. Der neue deutsche Botschafter v. Eichmann hat dem Sultan sich bereits osficiel vorgestellt. Der Gesandte des Khans von Kaschgar ist bereits wieder abgereist. Der ehemalige Großvczir Mahmud Pascha ist nun doch nach Kon­stantinopel berufen worden, damit -r sich über seine sinnlose Verwaltung verantworte.

Deutsche» Keichs

** Berlin, 10. Juli. DieGermania" bringt heute eine lebhafte Erwiderung gegen den Artikel der Prov.-Corresp."Die reichstreuen Katholiken und die Ultramontanen." Ihr ganzes Bestreben ist daraus gerichtet, nachzuweisen, daß die Regierung in allen ihren Erwartungen getäuscht, jetzt eint grundsätzlich veränderte Stellung zu den vaticanischen Beschlüffen cinnchme als früher. Die ganze Ausführung des ka­tholischen Blattes zeigt aber von Neuern, wie sehr dasselbe für seine Zwecke die Thatsachen fälscht und willkürliche Auslezuugskunst braucht. Aus dem Aus­spruche derProv.-Corresp ",daß die Bischöfe die gesammte katholische Bevölkerung mit sich zur Unter­werfung nicht blos in Bezug auf die GlaubcnSpuukte, sondern auch dem Staat gegenüber mit fortgerissen," folgert das Blatt: da sie mit nackten Worten ein- gcstandcn, die Regierung habe die Nichtunterwerfung unter die vaticanischen Beschlüffe, also den Abfall dcS

Gott ich dachte es!" sagte sie. Die Lippen fest aufeinandergepreßt, starrte sie einen Augenblick auf Bennos Leichnam, bann perlten einige Zähren über ihre Wangen und tiefer neigte sich der schöne Kopf FelicenS, bis er auf die Stirn BennoS nieberfant und die Lippen einen Kuß auf dieselbe hauchten.

O, mein Gott was ist daS?" rief sic plötz­lich aus, als sie bemerkte, wie ein leichtes Riefeln durch den Körper Bennos lief und auch der Wunde an der Seite neues Blut entströmte.Großer Gott, er lebt! Schnell, schnell, Leute!" Schafft den Mann nach dem Swürtenhof, ehe eS zu spät wird!"

Das geht nicht", sagte einer der Krankenträger. Wir haben Ordre, nur Franzosen nach der Ambu- lance zu bringen; die Preußen werden ihre Verwun­deten schon selbst holen bei dem ist's ja überdies vorbei."

Das ist nicht wahr!" rief Felice außer sich. Wir müffen unfern Samariterdienst auf Alle aus strecken. Mein Vater hat das Geld zur Ausrüstung der Ambulance hergegeben, er bezahlt Euch und ich befehle Euch, daß Ihr den Mann sofort nach dem Schürtcnhof schafft."

Auf unseren von der Militärbehörde ausgestellten Scheinen steht, daß wir uns den Anordnungen des Platzkommandanten von Mühlhausen zu sügen^ben und dieser hat uns daS Versprechen abzenAWen, keinen Preußen nach dem Lazarethe zu schaffen ober ihn vom Schlachtfelde wegzutragen."

(Fortsetzung folgt.) . ,