den Ständen der Antrag gestellt werden, das königl. Hofthcater, das dem König jährlich über 100,000 fl. Zuschuß kostet und wohl in einzelnen Jahren schon mehr gekostet hat, aus den Staat wieder als Nationaltheater zu übernehmen.
Passau, 7. Juli, Der Donau-KriegSdampser (Monitor) „Leitha", mit zwei Geschützen und 38 Mann Besatzung, hat, auf einer Uebungsfahrt begriffen, dieselbe bis aus bairisches Gebiet nach Passau aus gedehnt und war dort am 30. Juni Abends vor Anker gegangen. Auf Veranlassung der dortigen bairischen Kommandantur war die Weilersahrt bis zum Eingang der von München erbetenen Entscheidung inhibirt worden. Hierauf kam aus München an den hiesigen Stadtkommandanten die Weisung, daß der österreichische Monitor in statu quo in Passau zu verbleiben habe, und daß wenn dersetbe schon stromaufwärts gegangen sei, ihm telegraphisch die Weiterreise untersagt werbe. Gleichzeitig wurde der „Augsburger Allgem. Zeitung" dazu officiöS auS München berichtet, daß die bis in den bairischen Theil der Donau ausgedehnte Fahrt des Monitors „Leitha", durch dessen Ankunft in Passau man vor einigen Tagen nicht wenig überrascht wurde, bereits Veranlassung zu diplomatischen Erörterungen gegeben habe. Die „Pass. Zrg." beschreibt das Schiff als einen Schraubendampser, ungesähr 120 Fuß lang und 25 Fuß breit, dessen Verdeck kaum einige Fuß aus dem Wasserspiegel hervorragt, Verdeck und Wände find von massivem Eisen und können den Kanonenkugeln vollkommen Widerstand leisten. Mitten auf dem Verdeck erhebt sich ein runder ungefähr 8 Fuß hoher Thurm, mit einem Observationsthürmchen für Capilän und Steuermann, ebenfalls von massivem Eise», in welchem sich zwei 24pfündige Kanonen be finden und der gedreht werden kann. Die Abfahrt in Linz sand Tags zuvor Vormittags 8 Uhr statt. Heute ist das Schiff nun, das bis Straubing vorgcdrungen war, unter Escorte dreier baierischer Jäger-Osficiere hierher zurückgeschickt worden.
Straßburg, 5. Juli. Die Zusammenstellung der in den Bezirkstag Erwählten ergibt: 28 Bürger meister bezw. Beigeordnete, 19 Grundbesitzer, 18 Notare, 13 Fabrikanten, 6 Aezte oder Beamte und 4 Kaufleute. In den Kreistag sind gewählt: 66 Bürgermeister bezw. Beigeordnete, 13 Grundbesitzer, 11 Gewerbetreibende, 9 Aerzte oder Beamte, 7 Notare, 6 Fabrikanten und 12 Unbestimmte. Von den 213 Gewählten sind 134 Beamte (Bürgermeister, Notare, Aerzte u. s. w.) also 63 pCt. und 67 Grundbesitzer, Fabrikanten oder Gewerbtreibende, also 32 pCt.
AuSlanv.
SBien, 6. Juli. Die Exkönigin Isabella von Spanien ist mit großem Gefolge zu längerem Aufent halte von Rom hier eingetroffen. — Es verlautet, daß an Garibaldi von vielen seiner gegenwärtig in Wien lebenden Landsleute die Einladung ergangen fei, die Weltausstellung in Wien zu besuchen, und daß derselbe beabsichtige, im Laufe des September dieser Aufforderung Folge zu leisten. — Die „Pr." vernimmt,
Das Regiment war ungefähr noch zweihundert Schritt von den Vorposten entfernt, als sie diese plötzlich erkannten. Die französischen Kommandoworte zum Vorrücken gegen das Hopfenfeld ertönten.
„Es ist Wahnsinn, wir können uns gegen ein Regiment nicht eine Minute halten!" ruft der nebin ihm stehende Lieutenant der anderen Kompagnie. Die Hintersten weichen schon und fliehen."
„Wer ein Feigling oder ein Schuft ist, der fliehe — ich bleibe!" ruft Benno. „Hierher!"
Er übersieht die Lage. Seine Kommandvworte erschallen und das kleine Häuflein gibt ein fürchterliches Schnellfeuer auf die eben aus dem Marschtritt fallenden und heranstürmenden Kürassiere. Zu gleicher Zeit warf eine auf der gegenüberliegenden Höhe etablirte und bis jetzt noch nicht zur Verwendung gekommene Batterie des 5. Corps seine Shrapnels und Granaten über das Kürassicrregiment. Es ist ein fürchterlicher Augenblick, als sich der Pulverdampf verzogen, denn in einer Enlfernung von 20 und 30 Schritt wälzt sich eine formlose Masse von Pferden und Menschen.
In diesem Augenblick ertönt von Fröschwiller her wieder das bekannte Signal: „Das Ganze avan- eiren" und mir stürmencer Hand geht cs auf den Ort zu. Auf der westlichen Höhe des Ories sind Mitrailleusen aufgefahren, ihr Zischen füllt die nächsten Sekunden aus und der Tod hält unter den Stürmenden eine fürchterliche Ernte. Der Ort wird genommen und der Feind auf Reichshofen zurückge worfen, aber die Batterie hat dennoch entsetzlich ge- wüthet. Auch Benno liegt unter den Sterbenden und Röchelnden. Eine Kugel hat ihm das Bein durchbohrt und eine andere ist auf dem Portefmille, welches Felice gesandt, abgegangen und hat ihm eine Seitenwunde beigebracht.
daß alle Vorbereitungen getroffen seien, um erforderlichenfalls die ReichsrathSwahlen noch im Laufe des nächsten Monats vollziehen zu können. Die Entscheidung hierüber sei nach der Rückkehr des Hrn. v. Lasser von seinem Urlaube zu gewärtigen. Man denke auch daran, zwischen der Vornahme der Wahlen und der Einberufung des Reichsrathes eine längere Pause eintreten zu lassen, beziehungsweise dieselbe mit der Session der Landtage auszufüllen.
Bern, 8. Juli. Der Nationalrath hat im zweiten Wahlgang Ziegler (Zürich) zum Präsidenten, im sechsten Fehr-Herzog (Aarau) zum Vicepräsidenten gewählt.
Paris, 7. Juli. Das officielle Blatt meldet die Ankunft des Schahs, wie folgt: „Se. Majestät der Schah von Persien ist heute angekommen. Der Empfang fand den diplomatischen Gebräuchen und den Traditionen der Gastfreundschaft gemäß statt, welche Frankreich und die Stadt Paris ehren. Der von dem Minister der äußeren Angelegenheiten, Vicepräsidenten des Ministerraths begleitete Marschall-Präsident em pfing Se. Maj. Nassr-ed Din auf dem Bahnhof von Paris und stellte ihm den Seine-Präfekten und den Herrn Polizei-Präfekten vor. Der Zug begab sich durch das Bois de Boulogne. An den Festungswerken wartete der Admiral Ladmirault, Gouverneur von Pa» ris, mit seinem Stab, um Se. Maj. zu begrüßen. Vor dem Triumphbogen wurde der Gemeinderath Sr. Majestät dem Schah von dem Seine Präfekten vorgestellt, der folgende Worte sagte: „Ich habe die Ehre, Ew. Majestät den Gemeinderath, die Maires und Adjunkten der Stadt Paris vorzustellen. Gestalten dem Präsidenten des Gemeinderaths Ew. Majestät im Namen der Stadt Paris die Gesinnungen auszudrücken, mit welchen sie in seinen Mauern den Souverain eines großen Reiches, den Frankreich befreundeten Fürsten empfängt". Se. Majestät der Schah und der Präsident der Republik fuhren alsdann die große Allee der Champs Eiysees hinab, um sich nach dem gejetzgebenden Körper zu begeben, welcher während des Aufenthalts des Souverains zu dessen Residenz gewählt wurde. Eine ungeheure Menge drängte sich mit achtungsvollem Eifer auf dem Wege, welchen der Zug nahm, den sie mit ihren Beifallrufen begrüßte." Der Schah soll mit dem Empfang, der ihm in Paris wurde, sehr zufrieden sein. Seine besondere Bewunderung erwarb sich der Triumphbogen und die schönen Alleen, durch welche man ihn führte. „Ich finde endlich" — hat er gesagt oder ließ man ihn sagen — „die Sonne wieder; es erinnert mich an Persien." Die Worte, welche der Schah und Mac Mahon auf dem Bahnhof von Passy wechselten, waren ungefähr folgende. Mac Mahon sagte: „Sire! Seien Sie willkommen in Frankreich; wir werben Alles, was in unserer Macht steht, thun, um Ihnen den Aufenthalt angenehm zu machen." Der Schah, dem man die Worte übersetzte, ließ durch seinen Dol metscher antworten, daß „ihm Nichts angenehmer sei, als von einem so tapfer« Krieger empfangen zu werden,
Das Kampfgetöse verzieht sich, nur das Brüllen der Kanonen der verfolgenden Artillerie tönt zu seinem Platze herüber, während das Gewchrfeuer matter wird und schließlich ganz abnimmt.
Stiller wird es rings um ihn her. Das Bein hat er nothdürftig verbunden, aber aus der Seitenwunde rinnt das warme Blut mehr und mehr. Er öffnete die Uniform.
„Es ist Herzblut!" flüsterten seine Lippen.
Er greift nach dem Herzen, noch ein Stich, es wird dunkel vor seinen Augen — — „Leb' wohl, Mutter! Leb' wohl, Feli ..."
„Ach, daß das Sterben so schwer ist!" seufzte er, als er aus seiner Ohnmacht wieder erwacht und aus dem Tbale herauf das SiegeSgeschrei der Truppen an seine Ohren tönt. Die brennenden Dörfer ringsumher bieten ein gräßlich großartiges Schau'piel. Benno lächelte mitlc'dig. Nicht weit von ihm zuckt ein Turko im letzten Kampfe, weiter rechts stöhnt ein durch die Brust Geschossener und lechzt nach einem kühlenden Trünke, hier betet Einer — dort flucht rin Aneercr. Und ca« Alles in den verschiedensten Mundarten. Da p ötzlich zieht das alte kirchliche Sieges« und Tanklied aus dem Thale herauf. „Nun danket Alle Goll!" hat die Regimenlsmusik angestimmt. Das Stöhnen, Jammern, Rufen, Fluchen, Beten und Schreien schweigt — Alles lauscht der erhabenen Weise. — Ob der Lärm sich wieder einstellt, das weiß Benno nicht, denn da« Wundfieber schüttelt seine Glieder und seine Sinne schwinden abermals.
Ueber das Schlachtfeld huschen schwarze Gestalten, eö sind die Aasgeier in Menschengestalt. Ein jeder Krieg zeugt sie. Was gilt ihnen das Flehen und Bitten der mit dem Tode Ringenden? Ein Schlag auf den Kopf, ein Tritt aus die Brust und vorüber sind alle Lamentos. Das eigentliche Thun beginnt.
und daß er sehr glücklich sei, den sympathischen Boden Frankreichs zu betreten." Sonderbar machte es sich, daß der Großvezir, welcher den Dolmetscher machte, Mac Mahon nicht den Titel des Präsidenten gab' als er seine Worte dem Schah übersetzte, sondern ihn „den Erwählten der französischen Nation" nannte. Der Vezir wagte nämlich nicht das Wort „Republik" auszusprechen, das im Persischen Djumhur (es ist ein arabisches Wort, das in die persische Sprache übergegangen ist) heißt, weil er befürchtete, es könne die Ohren des Königs der Könige beleidigen. Der Schah machte heute einige Ausfahrten. Er empfing nur Herrn Drouyn de Lhuys und den Dr. Oppert. Ersterer war in einfachem Morgenanzug erschienen, wäh. rend Letzterer sich in Uniform, mit allen seinen Orden geschmückt, einsand. Dr. Oppert ist Professor des Allpersischen an der Sorbonne, und deö Neuperstschen vollständig mächtig. Der Schah empfing ihn sofort, weil er froh war, sich mit einem „Franzosen" in seiner Landessprache unterhalten zu können. Morgen ist dagroße Fest in Versailles. Der Schah begibt sich schon des Nachmittags nach der provisorischen Hauptstadt von Frankreich, um dem Präsidenten der Nationalversammlung und dem Präsidenten der Republik oder wenn man will dem „Erwählten der französischen Nation" seinen Besuch abzustatten. Der Schah scheint übrigens nicht zu wissen, daß Mac Mahon bloß der Erwählte der Majorität der Nationalversammlung ist, denn er sagte gestern, als er dem Gemeinderath antwortete: „Ich bin wirklich glücklich, nach Paris zu kommen, wo sich der Marschall Mac Mahon befindet, welcher durch die Liebe des Volkes an die Spitze Frankreichs gestellt wurde."
Rom, 5. Juli. Wenn man während der Vorbereitungen und der ersten Stadien des vaticanischen Concils mit den römischen Jesuiten verkehrte und auf die Folgen zu sprechen kam, welche die in Aussicht genommene Veränderung des katholischen Dogmas und der kirchlichen Constitution haben wütde, so erhielt man regelmäßig zur Antwort: „Eö wird ein scharfer Wind sein, welcher die dürren Blätter vom Baume der Kirche wegführt. Dafür wird aber das lebendige Laub um so frischer grünen." Was den ersten Theil dieser Weissagung betrifft, so lehrt die Erfahrung, baß die schwarze Internationale richtig gerechnet hat. Das alle Wort: „Wer nicht für mich ist, der ist wider mich", wird vom JesuitismuS und der ihm unbedingt unterworfenen katholischen Hierarchie mit der äußersten Schärfe durchgeführt und dabei feint Unterscheidung zwischen Heiligem und Weltlichem, Ewigem und Vergänglichem gestattet. Wie bis zur Einnahme Roms in Italien, so ist jetzt auch im deutschen Reiche Gottes Feind, wer es wagt, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist. Man erkennt sogar leicht auö den Aeußerungen der „Civilta Cat- tolica" und der jesuitischen Tagesblätter, daß die Fanatiker der päpstlichen Allgewalt und deö Patrimoniums Petri das deutsche Reich, welche« aus guten Gründen keinen Krieg mit Italien anfangen kann, für eine noch Uhren, Ketten und Ringe und anderes Werthvolle wandern von den Personen in ihre Taschen und mit- gebiachten Säcke.
Den Hyänen, die heute über das Schlachtfeld huschten, schien aber nicht bloß an diesen Werthgegenständen, soneern eigenthümlicherwrise auch an den Uni» formen der preußischen Soldaten zu liegen, denn Einer dieser menschlichen Raubthiere feuerte seine sauberen Genoffen fortwährend an, die Daliegenven zu entkleiden.
„Wir müssen preußische Uniformen haben, wenn wir unfern Plan ausführen wollen . . . vergeßt da- ja nicht!" sagt die bärtige schwarze Gestalt, welche sich eben über Benno beugt und in die Brusttasche des Rockes greift. Er nimmt das Portefeuille heran«. Nachdem er die KaffenbilletS herausgenommen, wirft er es verächtlich auf den Boden. „Weiter!" sagt er, indem er die Hände untersucht. „Keine Ringe . . . lumpiger Schuft!" ~
Benno ist ans seinem Schwächezustande erwacht; er blickt die schreckliche Gestalt, welche eben diese Worte gesprochen, mit Entsetzen an, denn er erkennt seinen Todfeind, den „Schwarzen".
„Laßt mir doch den Rock!" flehte SBenno.4
„Schweig', Hund, oder Du fährst zum Teufel!" schreit der Schwarze, indem er den Rock demselben gewaltsam vmn Leide zieht. „Auch die Hosen mußt Du hergeben ... wir brauchen sie nothwendiger . . . .j Ha, ha, ha! Friere nur, mein Bürschchen."
Benno verfiel von Neuern in feinen Schwächezu- stand. Al« er erwachte, beleuchtete die Sonne schon das blutige Feld. Kälte und Fiebersrost durchrieselten seinen Körper. Noch einmal öffneten sich seine Auge», noch einmal sprach er den Namen seiner Mutter au-, dann fiel der Kopf schwer hintenüber und die erstarrten Glieder dehnten sich wie im Todeskampfe.