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Mr« 160» Marburg, Donnerstag, den 10. Juli.
1873.
Oberhessische Zeitung.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 221 Sgr., durch die Postämter 27 @gr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr. i Lämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Am nächsten Freitag wird unser Blatt Vormittags ausgegeben. Für diese Nummer bestimmte Anzeigen bitten wir bis zum Doaaerstag Abead uns zugehen lassen zu wollen._________________________________
Deutsches Keich.
*« Berlin, 8. Juli. Bei Gelegenheit eines SpecialsaüeS hat das Ministerium für die landwirth- schastlichen Angelegenheiten darauf aufmerksam gemacht, daß die Vorschriften dcö §. 2 des Jagdpolizeigesetzes vom 7. März 1850 sich nur auf die ebendaselbst auf geführten Einzelbesitzungen beziehen, nicht aber auf Gemeindebezirke. Diese letzteren bilden nach §. 4 des gedachte» Gesetzes stets selbstständige Jagdbezirke ohne Rücksicht auf die Lage und den Flächeninhalt der dazu gehörigen Ländereien. Was aber von Gemeinde^ bezirken gelte, müsse auch auf selbstständige Gutsbezirke Anwendung finden. Hieraus folge, daß der Besitzer eines felbstständigenTGutsbezirkeS aus allen Guts- pertinenzien, affo auch auf isolirt gelegenen und weniger alS 300 Morgen umfassenden Gutszubehörungen zur eigenen Ausübung der Jagd befugt sei. — Von dem landwirthjchaftlichen Ministerium ist eine Ueberstcht der in diesem Sommer - Semester an den landwirth- schaftlichen Akademien Studirenden veranlaßt worden. Hiernach zählt die landwirthschastliche Akademie zu Eldena 10 Studirende und 1 Hospitanten, zu ProSkau 70 Studirende und 5 Hospitanten, zu Poppelödorf 34 Studirende und 5 Hospitanten und das laudwirih- schastliche Lehr-Institut zu Berlin 40 Studirende, im Ganze» also 161 Studirende und Hospitanten. Von diesen gehören an: der Provinz Schlesien 27, Preußen 15, Brandenburg 14, Rheinpreußen 12, Posen 11 rc., überhaupt dem preußischen Staate 104, den übrigen deutschen Staate» 10 und dem nichtdeutschen AuS lande 47.
— 8. Juli. Der Geh. Rath Wagener ist der „Kreuz - Zeitung" zufolge auf seinen Antrag zum 1. Septenrber pensionirt und der Geh. Rath Jacobi zum ersten vortragenden Rath im Staatsministerium er . nannt worden. — Die NecurS Entscheidung des Ober«
kirchenratheS in der Sydow'sche.. Tisciplinarsache, welche seit einigen Tagen zum Zwecke der Publikation und Vollziehung an das brandenburgische Conststorium abgegangen ist lautet der „Spen. Ztg." zufolge dahin, daß die Entscheidung des Conststoriums vom 2. Dezember 1872, welche die Absetzung Sydow's ausspricht, dahin abzuändern ist, daß demselben wegen des durch einen öffentlichen außeramtlichen Vortrag gegebenen schweren Anstoßes ein geschärfter Verweis zu ertheilen ist, und ihm auch die Kosten des Verfahrens zur Last zu legen sind.
— In den bctheiligten Kreisen OstfrieSlands ist die Frage der Erörterung unterworfen worden, ob die Grenzsperre gegen Holland wegen der daselbst ausgebrochenen Rindviehseuge aufzuheben fei. Es wird von unterrichteter Seite behauptet, daß die Seuche dort noch grassirc, obschon die Nachrichten aus Holland behaupten, daß sie schon seit längerer Zeit erloschen sei. Der allgemeine Wunsch unter den Landwirlhen OstfrieSlands geht dahin, daß die Sperre beibehalten werde, weil die Gefahr, daß von Holland die Seuche nach OstfrieSland herüber geführt werden könne, noch nicht als beseitigt anzusehen sei.
— Nach einer Zusammenstellung der Verluste de» Sanitätscorps der deutschen Armee während des letzten Krieges sind 7 Ober Stabs-, Regiments-, Stabs- und Assistenz - Aerzte geblieben; ihren Wunden erlegen: 4 Ober-Stabs-, Regiments-, Stabs- und Assistenz-Aerzte; in Folge des Sturzes mit dem Pferde gestorben: 2 Assistenz-Aerzte; an Krankheiten: 33 General-, Ober Stabs-, Assistenz- und Unter-Aerzte, und zwar 15 an Typhus, 6 an Dysenterie und 12 an anderen Krankheiten. Verwundet wurden 63 Aerzte aller Chargen. Von den 1505 an den deutschen Hochschulen wirkenden Lehrern und Assistenten ergriffen während des Krieges 15 die Waffen, widmeten sich 253 der Pflege der Verwundeten und wirkten 120 durch Won und Schrift belebend und belehrend. Die Zahl der Stu direnden betrug im Sommersemester des Jahres 1870 13,765, von welcher 2745 die Waffen ergriffen, 914 sich der Krankenpflege widmeten. Ihren Tod in der Schlacht oder durch Seuchen fanden 4 Universitätslehrer und 247 Studirende Die Universität Berlin
hatte 488 Studirende unter den Waffen, von welchen 38 den Tod fanden; Leipzig 400, von welchen 63 blieben; Breslau 277, von welchen 22 fielen; Göttingen 259 und München 250 mit einem Verluste von 23 resp. 21 Gefallenen.
Köln, 8. Juli. In den letzten Tagen hat die französische Regierung hier bet der Ober-Postkaffe zahlen lassen: 25,000,000 Fr. in Gold, 10,000,000 Fr. in Silber und 20,000,000 Fr. in Banknoten.
Leipzig, 7. Juli. Die Generalversammlung des Vereins für Verbreitung der Volksbildung hat heute eine zweite Sitzung gehalten. Die in den beiden Sitzungen gefaßten Beschlüsse empfehlen außer den bereits gemeldeten Maßnahmen noch die Vermehrung der Wanderlehrer und der freiwillig oder gegen Entgelt zu haltenden Vorträge zu Bildungszwecken, sowie die Errichtung von Volksbibliocheken auf dem Lande. Eine besondere Aufmerksamkeit soll der Erziehung verwahrloster Kinder zugewandt und für die Verbreitung von Leitfäden der Geschichte, Land- und HauSwirth- schaft und Gesetzeskunde Sorge getragen werden. Ein Antrag betreffend die Uebernahme des Schulwesens durch das Reich wurde nach lebhafter Debatte an die Schul Commission verwiesen.
Darmstadt, 8. Juli. Der Kaiser von Rußland wird, nachdem er seine Kur beendigt hat, Ems verlassen und morgen früh 10 Uhr mit seinem Gefolge in Jugenheim eintreffen, woselbst er bis zum 27' d. M. verweilen wird.
Stuttgart, 6. Juli. Die Finanzcommission der Kammer der Abgeordneten hat nun ihre Arbeiten, die Vorberathung des Hauptfinanzetals für 1873/75, beendigt und die meisten der einzelnen Referate sind bereits in den Händen der Kammermitglieder. So viel man fetzt vernimmt, wird die Berufung auf den Monat September als in den Intentionen der Regierung gelegen dizeichnet, wodurch es möglich "mürbe, noch vor Ende deS Jahres, also vor dem Wiederbeginn des Reichstages, das Budget zu erledigen. — Von der Erhöhung der Eivillistr deS Königs ist eS wieder stille und auch in dem neuen Hauptfinanzetat 1873/76 keine Exigenz hierfür ausgenommen worden. — Dagegen ist neuerdings davon die Rede, eS solle
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Dir Elsüfferia.
Novelle von AndrS Hugo.
(Fortsetzung.)
Dieser hatte nur men kurzen lächelnben Blick für ihn, denn seine Augen hingen an einer dunkelen Masse, welche eben auS dem einen Seitenthale hervorkam und sich zwischen die 95er schieben mußte.
„Hier ist unsere Aufgabe!" sagte er, mit dem Säbel nach der Jnsanleriemasse berteird.
Die Commandos erschallten, und so gut eS eben gehen wollte, harten sich die Bruchstücke der beiden Compagnien sormirt. Der Wald deckte die Aufftellung, so baß sie von der Mitraillcusenbotterie nicht bestrichen werden konnten.
„Führe den zweite» Zug, Benno!" rief jetzt der Lieutenant.
Benno warf daS Gewehr weg und zog daS Fa- schinenineffer aus der Scheide.
DaSCvrnmando: „Geladen!" erklang. Ihm folgten schnell die anderen. „Zur Attaque vor! . . . Marich — marsch!" . . .
liebet das freie Feld ging es im Sturmschritt vor. Der Kugelregen sauste wieder auf sie hernieder. In diesem Augenblick stürzte Steinitz. Einige Mitrailleu- senkugel» hatten ihm das Bein zerschossen.
Rasch entschlossen sprang Benno vor den ersten Zug, nahm Steinitz de» Degen aus der Hand und kvmmandirte: „Legen!" Die zwei Züge lagen sofort auf dem Erdboden . . . Die Milrailleusenkugeln zischten über den Köpfen der Daliegenden hinweg.
Benno stand allein ausrecht und überblickte die Situation. Die Jnfanteriemasse kam näher, sie mußten »och ungefähr 400 Schritt entfernt sein.
„Klappvlstr herunter!" ertönte ruhig bas Corn marrdo Benno's.
I» baS Geräusch der Mitrailleusenbatterie knatterte i* daS Kleingewehrfeuer ber Anrückende», allein alle
Kugeln gingen weit über die Daliegenden durch die Lust.
„Dreihundert Schritt Distanz! . . . Fertig! . . . Feuer!" rief er
Die Salve mußte gewirkt haben, denn in den vordersten Reihen des anrückenden Halbbataillon» entstand sichtliche Verwirrung.
Der Feind zog eine Compagnie vor. Ju diesem Augenblicke krachte auf Benno's Befehl eine zweite Salve.
„Schnellfeuer!" rief jetzt Benno, als er sah, daß sich das Halbbataillon zur Attaque anschickte. „Halt!" Donnerte Benno, als das Schnellfeuer ungefähr zwei Minuten gedauert hatte, und er bemerkte, daß die heißen Gewehre von den Leute» kaum noch gehalten werden konnten.
Ter Rauch verzog sich. In demselben Augenblick schwieg auch die Mitrailleusenbatterie zur Linken und von ber Höhe bröhnte ein „Hurrah!"
„Auf!" schrie Benno.
Von bem Hopsenselb her tönte daS Signal „Sammeln!" Benno beachtete es nicht. Er ließ, als sich seine Leute erhoben hatte», »och eine Äalve geben unb bann noch einmal laben. „Gewehr rechlS. Marsch marsch!" rief feine Stentorstimme durch die Reihen, unb vorwärts ging’ö mit bonnernbem „Hurrah!" Der Trompeter lief ohne Unterlaß zum Sammeln, Benno achtete es nicht. Es war ihm barum zu thun, bie Franzosen nicht herankommen zu lassen.
Plötzlich machten die Franzosen Kehrt, denn aus dem Walke unb von der Anhöhe, auf der die 82er soeben die Mitrailleusenbatterie genommen haben mußten, stürzten jetzt dieselben hervor unb bedrohten bie Fran zose» in ber Flanke. Noch einige Augenblicke beobachtete er das Zurückweichen der Franzosen und als er sah, wie die 82er bie weitere Verfolgung übernahmen, kommandirte et Halt unb gleich darauf Kehrt,
eilte vor den ersten Zug und ging im Laufschritt nach dem Hopfenfelde vor, von dem auch der Trompeter eben wieder „Sammeln!" rief. Nach circa 5 Minuten war das Hopfenfeld erreicht.
Der Bataillons-Commandeur sprengte heran, als die beiden bedeutend gelichteten Züge hielten.
„Wie heißen Sie?" fragte er Benno.
„Brendel!"
„Haben Sie das Signal nicht gehört?"
„Ich hörte eS."
„Warum birigirten Sie Ihre Leute nicht zu mit?"
„Weil ihnen von bort aus bie Gefahr drohte, abgeschnitten zu werden."
„Wissen Sie, was Sie verdient haben?"
Benno antwortete nickt. Alles Blut schoß ihm nach dem Kopfe.
„Wegen Ihres Ungehorsams die Kugel unb wegen Ihrer Tapferkeit bas eiserne Kreuz! Die Kugel erspare ich Ihnen, Lieutenant Brenbel."
Beiino heftete verlegen bie Augen zu Boben.
Benno's Leute waren mit klopfenbem Herzen ben letzt-» Worten beö Chefs gefolgt. Ein Hurrah ertönte. Benno perlten Freubenzähren über bie Wangen.
„Doch jetzt führen Sie Ihre Leute bort nach bem unbesetzten Rande bes Hopsensclbes; wir muffen jeden Augenblick einen Vorstoß von dieser Seite erwarten. Vorwärts!"
„Schließen Sie sich den Pionieren vorn 11. Bataillon an, welche dort liegen!"
Benno vertheilte seine Leute und entwickelte hierbei ein ganz bedeutendes Verständniß für bie Aufstellung ber ihm Ui/ergebenen.
„Achtung!" ruft er plötzlich. „Dort kommen sran- zösifche Kürassiere!"
„Es finb Baiern!" rufen verschiedene Stimmen.
„Franzosen finb es!" ruft bie Stentorstimme Benno's.