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Kriegsministerium Vergleichsverhandlungen, deren Ab­schluß erstere in den Stand setzen dürste, die Obli- gationen der freiwilligen Anleihe schon in nächster Zeit zu pari einzulösen."

Leipzig, 6. Juli. Die heute im hiesigen Schützen­hause stattgehabte dritte ordentliche Generalversamm­lung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbil­dung wurde von Schulze-Delitsch eröffnet und war sehr zahlreich besucht. Zu den Theilnehmern gehört u. A.: Duncker, Dr. Max Hirsch, Parrisius, Pro- seffor Biedermann, Oberbürgermeister Dr. Koch aus Leipzig. Man einigte sich über Schritte zur Vorbe­reitung und Errichtung von Jugendbibliotheken, Maß­regeln zum Zweck der förmlichen Organistrung einer Volksliteratur und beschloß, dafür zu wirken, daß die Errichtung und der Besuch von Fortbildungsschulen obligatorisch werde.

Bad Nauheim, 6. Juli. Die Anzahl der jetzt hier anwesenden Kurfremden beträgt — trotz Auf hören des Glücksspiels, trotz Börsencalamität, trotz Wiener Welt-Ausstellung — beinahe ebensoviel, wie im Anfang Juli vorigen Jahres. Die ganze Differenz ist etwa 100 Personen.

Stuttgart, 5. Juli. In unseren Straßen wimmelte es in diesen Tagen von Deutschamerikanern, welche gestern den 97. Jahrestag der Unabhängigkeits erklärung feierten. ES scheint, daß Stuttgart mehr und mehr an diesem Tage das Stelldichein der Deutsch­amerikaner wird; von Jahr zu Jahr nimmt das Fest größere Dimensionen an. Diesmal war freilich noch ein besonderes Ziel der Anziehungskraft vorhanden, nämlich der „Oberst Fr. Hecker aus Illinois", den sich das Comits als Festredner verschrieben hatte. Ihm zu Liebe hatten sich auch viele Deutsche betheiligt, die begierig waren, aus dem Munde des alten Freischär­lers ein authentisches GlaubenSbekcnntniß über seine Stellung zum alten Vaterlande zu vernehmen. Solche Erwartungen täuschte er aber gründlich, er begann seine Rede mit der Erklärung, daß er lediglich ameri­kanischer Bürger sei und zu Amerikanern rede, und so war denn die Rede vornehmlich dem Lobe seines neuen Vaterlandes gewidmet, das er nach allen Richtungen als das Ideal für sämmtliche Völker des Erdballs verherrlichte. Doch fehlte es dabei nicht an gelegeut lichen Ausfällen aus die alte Heimath. So ließ er sich mißbilligend über die Dotationen und den Preß gesetzentwurf aus (Anderes scheint ihn an dem Deutsch­land, wie er es nach 25 Jahren wieder sah, nicht imeressirt zu haben), hob auch die amerikanische Um eigennützigkeit gegen den Gründungsschwindel in Europa hervor und stellte die Größe Lincoln's in Parallele mit den „blutigen Heroen" deS monarchischen Europa. Mit diesen Auslassungen harmonirt es, daß er in diesen Tagen ausschließlich mit den Häuptern der schwäbischen VolkSpartci verkehrte. Auch stellt ihm diese heute ausdrücklich im „Beobachter" ein Zeugniß des Wohlverhaltens aus; die Freunde waren von der Art desselben, wie Hecker sich aussprach, „völlig be­

friedigt". Ob indeffen die Harmonie eine völlig un getrübte war, mag noch dahingestellt sein, wenigstens wird erzählt, die Freunde hätten nachher gefunden, daß der Oberst aus Illinois doch ziemlich hinterwäld­lerische Gewohnheiten mitgebrackt habe, die in die feinen Cirkel der Stuttgarter Votkspartei nicht mehr recht paffen wollten.

Straßburg, 7. Juli. General v. Manteuffel hat gestern Abend bei seiner Rückreise von Belfort nach Nancy die Stadt passirt. — Von Köln ist der größte Theil der dort abgelieferten französischen Kriegs­entschädigung hier eiugelroffen.

Auslaitd.

Klagenfurt, 4. Juli. Vom Kronprinzen Rudolf verlautete bisher, da er noch nicht 15 Jahre zählt, nur wenig. Die Einweihung eines neuen Maria- Theresien-Monuments in unserer Stadt wurde jedoch benützt, ihn zum ersten Male der Bevölkerung öffent­lich vorzustellen, und man muß zugeben, daß der jugendliche Prinz seine Aufgabe ganz wacker geleistet hat. Er ist von Mittelgröße, schwächlich gebaut, mit einem feinen Gesicht und freundlichen Manieren. Be der Enthüllung des Monuments hielt er eine Rede vor dem versammelten Volke, und zwar frei auswen­dig, was schon etwas heißen will. Diese erste Aklion des künftigen Kaisers von Oesterreich bestand in folgen­den Worten: „Mit großer Freude bin ich dem Be­fehle Sr. Maj. des Kaisers, meines geliebten Vaters, gefolgt, diesem hohen Feste beizuwohnen. Ein di nastisches Fest ist es, welches wir heute feiern, und doch auch ein Volksfest zugleich; denn wer in Oester­reich wollte diese beiden Begriffe von einander trennen. Ihnen, deu Bewohnern des schönen Kärntens, gereicht cs zur Ehre, die Ersten zu sein, dieser erhabenen Frau ein Denkmal der Treue, Liebe und Verehrung gesetzt zu habe», das noch in späteren Zeiten den kommenden Generationen deutlich zeigen wird, welch' unauslösch­liches Monument sich diese Monarchin in den Herzen ihrer Untcrthanen errichtet. Ich danke den hier Ver­sammelten für die Beweise der Liebe und Treue, welche sie den Enkeln der großen Kaiserin bewahrten. Gott schütze Kärnten I"

Prag, 6. Juli. In den kirchlichen Kreisen wer­den große Vorbereitungen zur Feier deS 900jährigen Jubiläums der Pr zer Diöcese getroffen, welche am 15. August hier abgehalten werden soll. Um das Jahr 973 gehörte Böhmen, das damals Herzog Bo- leslav II. regierte, noch zur Regensburger Diöcese. Der Regensburger Bischof Woifgang ließ sich auf den Wunsch Kaiser Otto II. sofort bereit finden, einen Stiftungsbrief für das neue Prager BiSlhum aufzu­setzen. Das Prager Bisthum wurde dem Mainzer Erzbislhum untergeordnet, als Emschäoigung für die Verluste, die der Mainzer Metropolit kurz vorher durch die Stiftung der Erzdiöcese Magdeburg erlitten hatte. Der erste Prager Bischof war ein Sachse, Namens Thietmar, der aber längst in Böhmen heimisch geworden war; am 30. April 1344 (unter der Regie­

rung Johanns von Luxemburg) erließ Papst Clemens VI eine Bulle, mit welcher er das Prager Bisihum als befreit von der Gerichtsbarkeit der Mainzer Erz bischöfe erklärte und das Prager BiSthum selbst zu einem Erzbislhum erhob. — Aus Anlaß dieser Feier sollen nun sowohl in der Hauptstadt selbst als auch im ganzen Lande großartige Prozessionen abgehallen werden; man erwartet viele auswärtige hohe Kirchen- würdenträger, darunter auch den Bischof Emanuel von Mainz.

Bern, 7. Juli. Bei der heutigen Eröffnung des Nationalraths iprach dessen Präsident Wirth-Sand die Hoffnung auö, daß die Berathung der Bundesrevision diesmal keine verlorene Arbeit sein werde. Im Stände- rathe wurde keine Eröffnungsrede gehallen. Der Ständeralh wählte zum Präsidenten Kopp von Luzern (Antirevisionist), zum Vicepräsidenten Köchlin von Lasel (Revisionist). Im Nationalrath wurde Desor (Neuenburg) zum Präsidenten gewählt, welcher indeß ablehnte; der Nationalrath wird daher morgen noch­mals zur Wahl des Präsidenten schreiten. — Der Lundesrath hat beschlossen, bei der Bundesversamm­lung die Abweisung der Beschwerde der Luzerner Alt­katholiken gegen den Beschluß der Regierung von Luzern, belrcffend Verweigerung der Franziskaner Kirche für die altkatholischen Borträge des Professors Reinkens, zu beantragen. — Am 4. d. hat das Berner Obergericht daS Endurtheil betreffend den aus dem eidgenössischen statistisch,, Bureau begangenen Akten- diebstahl gefällt. Bekanntlich hatte einer seiner Beam­ten Listen der letzten Volkszählung centnerweise nach Hause geschleppt, um daraus Adressen für einen Lotterie- Collecteur in Frankfurt a. M. abzuschreiben; schließlich fand er aber die Arbeit des AbschreibenS zu lang­weilig und sandte die Listen dem Frankfurter Hause direct zu. Vom Amtsgericht Bern des Diebstahls für schuldig erklärt, wurde der Beamte zu drei Monaten Cvrrectionshaft, die dann in Einzelhaft umgewandelt wurde, verurtheilt. Der Verurtheilte appellirte, welcher Schritt auch den besten Erfolg hatte. DaS Ober­gericht fand ihn nur der Begünstigung deS Lotterie­wesens für schuldig und verurtheilte ihn zu einer Buße von 20 FrcS. Ist das nicht ein gnädiges Obergericht? — Der junge Prinz Napoleon befindet sich äugen blicklich wieder zu Areuenberg.

Paris, 6. Juli. Die See war sehr stürmisch, aber dennoch traf der erwartete Schah von Per­sien gestern Abend um 9* */4 Uhr in Cherbourg ein; er wurde von Land- und Seedehörden empfangen und etzte heute Morgen seine Reise nach Paris fort. Von Cherbourg selbst sah er nicht viel. Ungeachtet des stürmischen Wetters war er nicht seekrank geworden. Unterwegs wurde er von der französischen Flotte be­grüßt, die 606 Schüsse abfeucrte. In Paris, wo der Schah um 6 Uhr erwartet wird, ist Alles zu seinem Empfange bereit. Seit halb 5 Uhr sind die Truppen, welche von dem improvisirten Bahnhose bis nach dem Palaste des gesetzgebenden Körpers Spalier bilden,

begonnen. Um 9 Uhr brach die ganze Brigade auf. Die 32er und 95er an der Spitze, dirigirte sich die Brigade Kontzki zum Theil durch den Niederwald, zum Theil auch auf der Wiese, welche Benno in der Nacht betreten, auf Gunstett zu. Der Ort, nur mit einem Bataillon 50cr besetzt, befand sich in der höchsten Noth und Dank der Energie des Divisionskommandeurs, Generallieutenant von GerSdorff, wurde in dasselbe sofort das 95. Regiment geworfen und zu einem Frontalgegenstoß durch Gunstett über die Sauer hinaus

Benno hatte an dem letzteren Theile des Kampfes keinen Antheil mehr nehmen können, da er sich plötz lich von seinem Regimente abgeschnitten sah und unter die 82er gerathen war. Kaum hatte er sich orientirt,

Die 94er rückten uuterdeß auch heran, durchwate, ten und durchschwammen die Sauer und nahmen unter Entwickelung einer ganz übermenschlichen Bravour den vom 2. und 3. Zuaveu- und einem Turko Regi­ment besetzten Niederwald. Kaum war aber dieser, Baum für Baum und ^Schritt für Schritt erkämpft, so zeigte sich ein neues Streitobjekt. Die feste Position Elsaßhausen gebot dem Vorrücken der Truppen ein augenblickliches Halt.

Da ertönte plötzlich das Signal: „Das Ganze avanciren!" 83er, 94er und 95er, sowie Truppen der 21. Division und des 5. Armee - Corps stürmen mit unwiderstehbarer Gewalt auf Elsaßhausen und — der Feind beginnt zu weichen, denn nicht nur von diesen allein wird Elsaßhausen berannt, nein, auch von allen übrigen engagirttn Truppen wird der Feind auf der ganzen Linie in einer Weise angegriffen, daß er wanken muß.

donners und des Geknatters deS Klcingewehrseuers das schneidende und scharfe Geräusch, welches eine Mitrailleusenbatterie verursachte. Gleichzeitig bemerkte er auch die entsetzliche Wirkung derselben neben, vor und hinter sich. Die Mitrailleusen mußten genommen werden. Die 12. Compagnie, der sich Benno ange­schloffen hatte, unb, mit der er jetzt unwillkürlich fort; gerissen wurde, stürmte den Berg hinan und Halle bald die Batleric genommen. Aber nur kurze Zeit konnte sie behauptet werden. Bon allen Seiten feind­liches Feuer mußte die brave 12 Compagnie zurück weichen. In demselben Augenblicke stürmten 2 Com pagnien 95er den Berg herauf. Unter Hurrah ver­suchten sie über daS freie Feld nach her nahe gelegenen

beordert. Es war die höchste Zeit, denn der Feind kam soeben in der Stärke einer Brigade von den jen­seitigen Höhen herab, um den so wichtigen und doch fo schwach besetzten Punkt zu erobern. Der tapfere Herzog von Meiningen war mit dem Divisions und Brigadekommandeur in den vordersten Reihen der Kämpfenden und gerade sein Erscheinen und sein per­sönlicher Muth trugen dazu bei, daß dies thüringische Regiment mit einem für die Franzosen so ganz und gar unerwarteten Ungestüm vorging. Erst stutzten sie und glaubten, daß dieser Elfer Nachlassen werde, als sie sich jedoch von dem Gegentheil überzeugt hatten, w MUUI yuui tt |lU| viicmm,

verließen sie eiligst die Höhen. Mil freudigem Hurrah l so hörte er auf einmal trotz des rollenden Kanonen- wurden die verlassenen Posilioncn um so lieber von den 95crn eingenommen, als sich diese zu sammeln hatten. Die zu der 43. Brigade ebenfalls gehörenden 32er hatten inzwischen den Sauerbach überschritten und das Torf Morsbronn genommen. Durch dieses Vorkommniß »raren sie von den 95ern getrennt wor­den, und die feindliche Cavallerie, welche dies bemerkte, glaubte durch eine energische Attaque die Brigade in die Sauer treiben zu können. Zu diesem Zwecke warfen sie sich in stärkeren Trupps auf die in Schützen­züge aufgelösten Compagnien, erhielten jedoch von diesen ein so wirksames Schnellfeuer, daß sie mit be deutendem Verluste unter den fortwährenden Hurrahs der Soldaten abziehen mußten.

Anhöhe, von der ein mörderisches Feuer unterhalten wurde, zu kommen. Kaum waren sie jedoch einige hundert Schritt vorgegangen, als auch von dem mehr seitwärts gelegenen Hügel eine, wie es schien, frisch aufgefahrene Mitrailleusenbatterie ihren mörderischen Kugelregen auf sie herabschickte. Die Compagnien gerielhen in Unordnung. War nun plötzlich ein Commando ertönt, oder war eS der überwiegende Lebenstrieb, kurz, die eine Hälfte der Lmte sprang plötzlich nach dem über dem freien Felde drüben ge­legenen Hopfenfelde und suchte hier Deckung, während die andere^ Hälfte in dem Walde, in dem die 82er standen, Schutz gegen den Kugelregen zu finden glaubte.

Unterdcß hatte die 12. Compagnie der 82er Ver­stärkung herangezogen und zog durch den Wald nach der an denselben anstoßenden Höhe, um die hier postir- ten Mitrailleusen zu nehmen.

Als Benno umherblickte, sah er lauter bekannte Gesichter — die in den Wald getretenen 95er gehör­ten seinem Bataillon und ein großer Theil von dm Leuten seiner Compagnie an.

„Wo ist der Hauptmann?" fragte er dm Nächsten von seiner Compagnie.

„Ich weiß nicht, ob er drübm mit ist, er kann auch gefalle» sein."

„Und die Offiziere?"

„Todt, oder verwundet, oder versprmgt. . Bei uns hier ist bloß noch der Seronde - Limtmant von Steinitz. *)

Benno eilte auf denselben zu. Er war ja eng mit ihm befreundet.

„Steinitz, wir müssen hinüber!" rief Benno seinem Bekannten zu.

*) 3" Wirklichkeit ist der Name des Ofstiiers ein anderer.

•J (Fortsetzung folgt.)