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1873

Marburg, Mittwoch, dm 9. Juli,

Bfr. IS».

Oberhessische AeiümgH

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

«Gestellungen auf das dritte Quartal werden noch <O fortwährend von allen Postanstalten angenommen.

= Deutsches Reich.

»# Berlin 7. Juli, Zur Zeit befindet sich nur ein Vertreter des Königshauses in Berlin resp. Pots­dam anwesend, das ist der Kronprinz, welcher erst in nächster Woche Potsdam verläßt, um in ein Seebad zu gehen; inzwischen wird der Prinz Karl aus Wies­baden zurückkehren und wird es alsdann dieser sein, welcher das königliche HauS zu vertreten haben wird, — Für das Präsidium zur Verwaltung des Jnva- lidensondS ist neuerdings, wie heute mitgetheilt wird, ein höherer Verwaltungsbeamter in Aussicht genommen, der zuletzt eine hohe Stelle im Finanzministerium be­kleidete , seit einiger Zeit aber aus dem Staatsdienst ausgeschieden ist. — Der Minister des Innern be­gibt sich nach Hannover und wird in Begleitung des Oberprästventen der Provinz mehrere Landdrosteien besuchen, um die Bedürfnisse und Verhältnisse dieses LandestheileS persönlich kennen zu lernen. — Der Ministerialdirektor v, Philippsborn im auswärtigen Amt ist in ein Seebad gegangen und wird während der Zeit seines Urlaubs durch Herrn v. Below ver­treten, der nach Rückkehr des Herrn v. Philippsborn seinen Urlaub autreten wird. Es herrscht übrigens im auswärtigen Amte große Stille, die voraussichtlich auch während der ganzen Sommermonate nicht ge­stört werden wird, wie dies bekanntlich vor drei Jahren geschah. Wenn einige Korrespondenzen be­haupten, es cxistire eine Hospactei, die an Stelle des Herrn v. Below eine andere Persönlichkeit zum Staats- secretär im auswärtigen Amte berufen zu sehen wünscht, so ist das als eine plumpe Erfindung zu bezeichnen. — Nach der „Schles. Ztg", welche einen ausführ­liche» Bericht über die Generalversammlung der schle­sischen Malrheserritter gibt, hat die Abstimmung nur mit 27 gegen 17 Stimmen erfolgt, was die Bedeu­tung des ultramontanen Erfolges sehr gering er­scheinen läßt. Die „Schles, Ztg." bemerkt in Betreff der Wahl: „Da cs unbestritten ist, daß die Wieder wähl der Herren Herzog von Ratibor, v, Zewedzky, v. Rosenach u. A. in den Vorstand nur deswillen nicht erfolgt ist, weil dieselben die bekannte Adresse

Die Elsässerin.

: j Novelle von Andrs Hugo.

ttfv.t i; ... (Fortsetzung.)

Todtenstille rings umher.

„Hier bleibenI" raunte Benno seine» Kameraden zu. Diese folgten dem Befehle.

Mit hochklopfrndem Herzen bog Benno jetzt um die Ecke und trat vor daö Fenster, aus dem ein schwaches Licht herausvrang. Ein eigenthümlichcr An blick bot sich ihm. Um den großen Tisch saßen die Elitder der Familie und hörten aufmerksam dem Lesen eines alten Mannes zu. Benno trat wieder zurück und rief seine Begleiter zu sich. Einen ließ er zurück und mit den andern Beiden trat er an den Thorweg. In der Meinung, daß er sicherlich verschlossen sei, wollte er jetzt zum Fenster wieder zurückgehen und die Leute auffordern, zu öffnen, als einer der Be­gleiter den Holzriegcl hob und die Thür aufsprang. In diesem Augenblicke schlug auch der Hund aus dem Hose an.

„Jetzt vorwärts !" ries Benno, und nach wenigen Augenblicken stand er in der Thür der Wohnstube.

„Keinen Laut oder w*" sagte er, indem er das Gewehr fällte.

Auf den Gesichtern der Bewohner malte sich Ent­setzen:.-

„Sind hier im Hofe Franzosen?* wandte sich Benno an den älteren Mann, den er für den Herrn des Hauses hielt.

„Dazewesen sind welche, aber sic sind über die Sauer hinüber," , ?•)««•<.

„Wann ist das gewesen?"

„Vor etwa einer Stunde."

„Sprecht Ihr auch die Wahrheit, Alter? Wißt, daß ich Euch sofort niederschieße, wenn ich Euch auf twer Unwahrheit ertappe!"

an den Kaiser unterschrieben und abgefaßt haben, so ist dies ein mehr als sprechendes Zeugniß für die durchaus reichsfeindliche Gesinnung der Gegner­schaft im Verein, die jetzt die Majorität erlangt hat. In der Adresse findet sich auch nicht ein einziges Wort, welches irgendwie als eine Verleugnung ter katholischen Gesinnung' gedeutet werden könnte. Wenn nun die ultramontane Partei der Ritterschaft, welche aus Unterlhanen des deutschen Kaisers und Königs von Preußen besteht, es bereits mißbilligt, daß man in solchen Tagen, wie die gegenwärtigen sind, eS für angezeigt cracktet, dem Könige und den Gesetzen aufs Neue den Gehorsam zu geloben, dann zeigt dieser Vorfall deutlich, daß im Uebermaße des Gefühls römischer Abhängigkeit das Gefühl der Treue gegen Kaiser und Reich auch in der ultramontan gesinnten Ritterschaft mindestens wankend geworden ist. Wenn sich diese bedauerliche Empfindung bis zur offenen Mißachtung oder Auflehnung der Gesetze steigern sollte, dann wird auch unzweifelhaft der Malthescr orden es bald gründlich erkennen, daß in Preußen noch der König und die Staatsgesetze herrschen. Ne­benbei erscheint es auch vollständig ungeschickt, taktlos und unverantwortlich, seine Abneigung gegen Kaiser und Reich in so eclatantcr, um nicht zu sagen brüsker Weise aller Welt zu verkünden." — Die Ausschüsse für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen haben in Bezug auf den Vollzug des Münzgesetzes einen Bericht erstattet, in welchem u. A. der Gulden- stücke gedacht wird und zwar in folgendem Antrag der Ausschüsse: an die hohen Regierungen das Ersuchen zu stellen, die Annahme der österreichischen Ein- und Zweiguldenstücke sowie der niederländischen Vier- und Zweieinhalbguldenstücke bei den Staats- und sonstigen öffentlichen Kassen sofort zu verbieten und sich darüber an das Reichskanzleramt zu äußern, ob ein aus Grund des Art. XIII Ziffer I des Münzgesetzes zu dem Er lasse des allgemeinen Verbots dieser Münzen Bedenken entgegenstehen und ob und in wie weit ein Bedürfniß besteht, ausländische Münzen bei Reichs- und Landes Kassen zu einem festen Course anzunehmen und welche Course für die etwaigen zu bezeichnenden Münzen festzusetzen sein würden.

„Herr Preuße, ich bin ein Deutscher, bin kein Franzose und spreche die Wahrheit."

In den Augen des Mannes sprach sich eine ge wisse Gutmürhigkeit und Ehrlichkeit aus, welche in Benno keinen Argwohn auskommen ließen.

„Dann sagt mir, wo die nächsten französischen Vorposten stehen", jagte Benno etwas milder.

„O, Tu grundgüiiger Gott, etwa vierzig Schritte vom Hause, bei der Furth."

Benno erbleichte. Wenn cs wahr war, so war die Möglichkeit gegeben, abgeschnilten zu sein.

„Geht mit und zeigt mir die Stelle . . . Ihr Anderen bleibt in der Stube!" sagte Benno in ziem lich bestimmtem Tone zu den Bewohnern des Hofes.

Als die Beiden heraustraten, zeigte der Besitzer des Gutes auf die andere Seite des Gehöftes. „Dort steht Einer!" sagte er.

„Ja, ist denn dort auch eine Furth?"

„Sicherlich, Herr!" antwortete der geängstigte Bauer.

„Geht in Eure Wohnung — das Uebrige werdet Ihr wohl hören?"

»Qui vivei« rief die schneidende Stimme der Wache jetzt, als sich Benno mit seinen Begleitern dem Posten auf ungefähr zehn Schritte genähert halte. Ehe oieser jedoch etwas Weiteres hervorzubringen vermochte, pr-ßten sich die eisernen Finger Benno'S um die Gurgel des Wachtpostens.

1 „Keinen Laut oder Du bist ein Kind des Todes!" raunte ihm Benno auf Französisch in das Ohr, wäh rend der eine Begleiter Benno's das Gewehr aufhob, daö dieser im Augenblicke weggeworfen.

| Nur ein unverständliches »Pardon!« preßte sich zwischen den Lippen dcS Franzosen hervor.

„Einen Knebel!" befahl Benno.

- Der andere Begleiter Benno's reichte ihm ein Tuch, i „Nun vorwärts!" kommandiere Benno, nachdem

— Der Ausschuß des BundeSraths für Handel und Verkehr hat auf die Anträge mehrerer Negie­rungen Erweiterung deS Verzefchniffes der gewerb­lichen Anlagen, welche nach §. 16 dec Gewerbe-Ord­nung einer besonderen Genehmigung bedürfen, und einige damit zusammenhängende Eingaben bei bftfl Bundesrathe beantragt. Es sei 1) daS Verzeichniß concessionspflichtiger Anlagen im §. 16 der Gewerbe­ordnung auf Hopfen-Schwefeldörren, ASphaltkochereien und Pechsiedereien, Strohpapierstoff-Fabriken, Darm- zubereitungs-Anstalten und Fabriken von Dampfkeffeln auszudehnen, eine dem entsprechende Verordnung zu erlassen und hierzu seiner Zeit die nachträgliche Ge­nehmigung des Reichstags cinzuholen; II. auf die vor­liegenden die Berücksichtigung noch anderer Anlagen bezweckenden Anträge zur Zeit nicht einzugehen, jedoch zu Protokoll das Einverständniß der Bundes-Regie­rungen darüber zu constanren, daß die Frage, inwie­weit aus GesundheitS- oder anderen polizeilichen Rück­sichten die Lagerung von Fellen, im gleichen die Ein­richtung solcher gewerblichen Anlagen, welche durch schädliche Effluvien fließenden öffentlichen oder Privat­gewässern Verderbniß drohen, Beschränkungen unter­worfen werden können, nicht an den Bestimmungen der Gewerbeordnung sich regele.

— Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Er­nennung des Geh. Ober-Finanzraths Elwangcr zum Vorsitzenden der Verwaltung des Reichs - Jnvaliden- fonds, sowie die Ernennung des Regierunzsraths von Meyeren zum Geh. Regierungs- und vortragenden Rath im Staatsministerium. — Die „Kreuzzeitung" bringt eine Erklärung des Oberpräsidenten der Rhein- provinz, v. Bardeleben, wonach die angeblich von ihm mit dem Kölner Erzbischof gepflogene Unterredung, betreffend die Ausführung der Kirchcngesetze, gar nicht statlgefunden hat, auch schriftliche bezügliche Vorschläge von ihm nicht gemacht sind.

Hamburg, 5. Juli. Der „Hamb. Corresp." schreibt: „Wie wir aus sicherer Quelle vernehmen, schweben in Veranlaffunz des bekannten Prozesses gegen Herrn Jacobson zwischen der Liquidations-Kom­mission für die freiwillige Anleihe für Schleswig- Holstein von 1863 und dem königlich preußischen er dem gefangenen Franzosen das Tuch in den Mund gestopft halte. Ein Mann ging voraus, die übrigen folgten dem zitternden und bebenden Franzosen.

Als man die Sauer hinter sich hatte, aihmete man leichter auf und bald war auch die Höhe von Hörschloch wieder erreicht, auf der man die gefangene Wache ab­lieferte. Müde und matt warfen sich Benno und seine Begleitung auf den harten Erdboden, schoben die Tornister unter den Kopf und schliefen nach den An­strengungen des Tages und der Nacht sorglos, bis die Sonne am Firmamente erschien.

Die nach Gunstett dirigirten Vorposten erhielten, als die Sonne kaum ihre ersten Strahlen durch die Regenwolken sandte, welche in der Nacht mehrfach Zeichen ihres Daseins gegeben hatten, schon die ersten Kugeln von französischer Seite, ohne zu antworten. Als nun die Sonne höher und höher stieg, wurde das Feuer von den avancirenden Vorposten so stark, daß die SouncnS (die auf Kartätschenscdußweite liegen­den Unterstützungen der Feldwachen) allarmirt werden mußten.

Gleichzeitig entspann sich, wie eS schien, auch der Vorpostenkampf auf der ganzen Linie und wurde be­sonders im Norden von Wörth, bek'Lcmbach und Preuschdvrf (5. preußisches und 2. baierischcs CorpS) ziemlich bedeutend, so daß die preußischen Avantgarden ein Bataillon nach Wörih cnlseNbelen.

Unterdeß halte daS 11. preußische Armeekorps die unbedingt nothwcndige Rechtsschwenkung vollzogen und stand zwischen dem Orte Surburg und der nach Weißenburg führenden Eisenbahn zum Einrücken in die BivouakS bereit, als plötzlich zunehmender Kanonen­donner auS der Gegend von Wörth her hörbar wurde. Als er vernehmlicher und ausgedehnter wurde, kam man von der ursprünglichen Ansicht, daß nur ein Kavallcriegefecht stattfinde, ab und gelangte zu der Ucberzeugung, daß die Entwickelung einer Schlacht