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Wr« 156. Marburg, Sonnabend, den 5. Juli. 1873.

Oberhessischc Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22i Sgr., durch die Postämter 87 Sgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 1 Sgr.

v Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

«Gestellungen auf das dritte Quartal werden noch V fortwährend von allen Postanstaltrii angenommen.

Deutsches «eich.

•• Berlin 3. Juki. Der Kaiser ist vor seiner Abreise heute noch einmal aus Potsdam herüber ge­kommen, um mit mehreren der Minister Rücksprache zu nehmen und den Beamten Gelegenheit zu geben, sich von ihm zu ''verabschieden. — Der gleichzeitige Aufenthalt dcS Kaisers von Rußland in Ems wird bis zum 10. dauern und unser Monarch sich während dieser Zeit vorzugsweise seinem hohen Gaste widmen, der Empfang anderer Gäste daher auf ein Minimum rrducirt bleiben. Die glückliche Beendigung des Feld­zuges nach Khiwa ist in den höchsten Kreisen mit der allergrößten Befriedigung ausgenommen und sind dem Kaiser von Rußland ausdrückliche Glückwünsche über- sandt worden. — Einzelne Eisenbahnen können sich noch immer nicht an die neuen Gewichte gewöhnen und wollen, indem sie sich auf ihr Reglement stützen, nur Frachtbriefe zulassen, welche das Gewicht in Zoll­pfunden angebcn. Da die Berechtigung des Publikums das Gewicht in Kilogrammen anzugeben außer Zweifel steht, so empfiehlt es sich, die Eiftnbahnverwaltungen zu verpflichten, auch derartige Frachtbriefe anzunehmen, und hat der Reichskanzler dem Bundesrath die ent sprechende Beschlußfassung anheimgestellt. — Dem Bundesrath ist eine kaiserliche Verordnung betreffend die Tagegelder, Fuhr- und Umzugskosten der Reichs­beamten zugegangen. Die Reichsbeamten sind darin «ach 7 Kategorien geordnet, deren Tagegelder bei Dienstreisen sich von 30 bis 3 Mark, die Umzugs kosten aber für die letzten sechs Klassen zwischen 1800 und 75 Mark allgemeine und 90—18 Mark Trans­portkosten pro je 5 Meilen variiren. — Der „Ger mania" macht noch immer die- Loyalitätsadresie ange- ehener Katholiken Schmerzen, besonders ergrimmt sie ich, daß allein 16 Malieserritter dieselbe unterzeichnet sahen. Um diese Glaubensschwäche zu erklären, ent­wirft sie so zu sagen eine statistische Liste, wie weit jeder dieser Herren sei es durch eigene Heirath oder durch die einer Schwester oder durch die Mutter rc.

Die Elsässerin.

Novelle von Anbrs Hugo.

(Fortsetzung.)

2. einen Tag später.

„Hollä — hier ist Einer! — Hier — hier", rief der Forstgehilse Matthias des andern Tages im Höllengrunde.

Einige Knech'. oeS Hohenh-im'schen Gutes er­schienen und biteben betroffen vor dem Daliegcnden stehen. Matthias untersuchte den Körper des bärtigen ManneS und sagte dann zu den Umstehenden: „Hier ist keine Hilfe mehr nothwendig — der hat abge schloffen — es ist jedenfalls der Wilddieb, welcher oben bei der Barriere herabgestürzt ist — er hat daS Genick gebrochen — erschossen ist er nicht."

Der Ruf des Forstgehilsen hatte auch die Gerichts Personen herbeigeführt, welche den Suchenden seit dem Morgen nach der Vernehmung des Försters gefolgt waren.

Nach der Aufzeichnung aller Umstände wurde die Leiche des Gestürzten nach dem Ausgange der Schlucht geschafft und hier von einigen Leuten bewacht, während die Uevrigen wieder zurückeilten und alle Richtungen des Waldes durchforschten. Aber trotz des eifrigsten Suchens ließ sich keine Spur der übrigen Wilddiebe entdecken. Nur an den einzelnen, von dem Förster näher bezeichneten Stellen, an denen er den einen oder den anderen seiner Verfolger niedergesch offen haben wollte, fandm sich kleinere Blutlachen vor, wodurch die Aussagen des Försters unterstützt wurden. Nach mehreren Stunden vergeblichen Suchens kehrte das GerichtSpersonal mit der aufgebotenen Dienerschaft des Hchenheim'schen Gutes und den Forstleuten nach der Wohnung Benno's zurück.

Obwohl immer noch sehr schwach, vermochte er dennoch dem Berichte deS Kreisgerichts - Director«, welcher die ganze Expedition leitete, zu folgen und Hirte nun hier zu seinem nicht geringen Staunen aus

mit Protestantismus inficirt ist. Man darf neugierig sein, was die protestantischen Freunde des Centrums, z. B. Herr Gerlach, zu dieser Theorie der religiösen Mesalliance und religiösen Ahnenprobe sagen. Die Thatsache der Adreffe wird freilich durch alle derartige Insinuationen nicht auS der Welt gebracht und ist es sicherlich ein Zeichen der Zerfahrung, wenn die Ultramontanen jetzt schon zwei Parteien innerhalb der Kirche zu bekämpfen haben: die Staats- und Alt katholiken. — Vorgestern wurde das 25jährige Be­stehen der Kreuzzeilung durch ein solennes Diner ge­feiert, dem außer Redaktionsmitgliedern auch einige ältere Freunde des Blattes, z. B. Herr von Senfft- Pilsach beiwohnten. Weder Herr von Gerlach noch Herr Wagner war anwesend; letzterer soll auffallender Weise nicht einmal geladen sein. Von den bekannteren Persönlichkeiten der ursprünglichen Redaction sind nur noch Hesekiel, Adams und Gödsche bethciligt.

— Der Bundesrath beschloß der „M. Z." zu­folge in der heutigen Sitzung die Annahme deS vom Reichstage vorgeschlagenen Gesetzentwurfs wegen Be­seitigung des Dieilenmaßes — Nach einer dem Bun- vesrathe gemachten Mittheilung ist der Entwurf einer Concursordnung für daS deutsche Reich auSgearbeitet. Ueber die geschäftliche Behandlung desselben soll dem­nächst Beschluß gefaßt werden.

— Die Ausführung der Versailler Verträge be­züglich der herzustellenden Gleichförmigkeit zwischen der baierischen Armee und dem eigentlichen Reichsheer ist in den letzten Monaten wieder bedeutend fortge­schritten. So sehen wir bereits baierische Offiziere zu der Artillerie Prüfungscommission, der Schießschule in Spandau, dem Nebenetat des großen Generalstabcs und in den Festungsbauten Straßburg und Metz com- mandirt. Ebenso werden baierische Offiziere den Pio nier-Uebungen in Graudenz zugetheilt, preußische Ka­meraden bei den rühmlichst bekannten Schießübungen auf dem Lechfelde erwartet. Außerdem werden noch von Baiern das 5. Jägerbataillon (Major Heß) von Zweibrücken und 3 Feldbatterien (Oberstlieutenant v. Sauer) von Landau aus, zu den Detachements Uebungen bei Metz Ende August eintreffen.

dem Munde des Justizbeamten von der Erfolglosigkeit der weiteren Nachsuchungen.

Nach Stellung noch einiger nothwendiger Fragen verabschiedete sich der Kreisgerichtsdirector mit seinen Beamten. Tie Leiche des Aufgehobenen wurde auf dem Jagdwagen des Hohenheim'schen Gutes nach der Stadt transportirt.

In der Försterwohnung war eS wieder stille ge. worden. Benno ruhte auf dem Ledersopha; die Ober­försterin strickte emsig an einem Strumpfe, von Zeit zu Zeit ihre besorgten Blicke über den Daliegenden gleiten lassend. Das Tiklak der alten Schwarzwälder wurde nur selten durch einige schwere Athemzüge Benno's unterbrochen.

Draußen zog die heiße Sommerluft durch die Bäume und sog die Regentropfen von bin Blättern und aus dem Moose. Die Vögel des Waldes halten ihre frohen Weisen unterbrochen, und selbst die brum­menden und summenden Insekten schienen kühle Schlupf­winkel aufgesucht zu haben.

Trotz der glühenden Sonnenhitze, welche wie ein drückender Alp auf der Gegend lag, hatte Felice Man- teau und ihre Freundin Anna v. Hohenheim dennoch unternommen, einen Spaziergang durch den Wald zu machen.

„Wie ich Dir sagte, er sah schrecklich auS. Von seinen Kleidern hingen Fetzen herab, Gesicht und Hände waren blutig, brr! Ein Anblick, den ich mir nicht ein zweites Mal gönnen möchte", sagte Felice.

„So hast Du ihn wohl gar nicht wieder erkannt?" fragte Anna v. Hohenheim.

„Für den Augenblick beinahe nicht."

„Dich hat er aber sofort erkannt?"

„Er nannte lächelnd meinen Namen."

Felice erröthete.

„Mein Vater", sagte Anna v. Hohenheim, „meint,

Magdeburg, 3. Juli, Der „Magdb. Ztg." zufolge soll der von Helmstädt kommende Personenzug gestern Nachmittag im Bahnhofe zu Eisleben auf einen dort stehenden Güterzug gefahren fein und dessen Maschine und 6 Güterwagen arg beschädigt haben. Von den Passagieren haben einige leichte Contusionen davongetragen.

Paderborn, 30. Juni. Das „Westfälische Volks­blatt" schreibt: „Was wir befürchtet haben, ist ein­getroffen: die Zahlung der der hiesigen philosophisch­theologischen Lehranstalt gewidmeten Staatsmittel wird vom 1. Juli ab bis auf Weiteres eingestellt. Die vesfallstge Ordre ist am 27. d. M. hier eingetroffen.

Schwerin, 30. Juni. Der Büsing'sche Antrag bezüglich der Volksvertretung in den Bundesstaaten sollte nach einer vielverbreiteten Nachricht im Bun« deSrathc den Erfolg gahabt haben, daß die mecklen­burgische Regierung zur baldigen Regelung der Ver­fassungsfrage aufgefordert worden. Zur Berichtigung dessen schreiben jetzt die officiösen „Meckl. Anz.": „Zuverlässiger Miltheilung zufolge hat der Bundes­rath zwar beschlossen, den sogenannten Büsing'schen Antrag abzulehnen, aber weder das angebliche drin­gende Ersuchen (um Regelung der Verfassungsfrage), noch überhaupt ein Ersuchen irgend welcher Art an die mecklenburgischen Regierungen gerichtet. Richtig ist, daß dem Wunsche nach einem baldigen Abschluß der jetzt schwebenden Verfassungsreform-Verhandlungen sowohl von Seiten des Vertreters der großherzogl. Regierungen, als von mehreren anderen Seiten Aus­druck gegeben ist. Die Anregung aber, ob mit der Ablehnung des Büsing'schen Antrages irgend eine Kundgebung deS Bundesrathes im Sinne jenes Wun­sches zu verbinden sei, ist als der Sachlage nicht ent­sprechend keine Folge gegeben worden."

München, 1. Juli. Der König hat durch eine Cabinets-Ordre die Pensionsbezüge derjenigen Offiziere, welche nach den früheren baierischen Normen vor Ein­führung des Reichs-Militär-Pensionsgesetzes pensionirt wurden, theilweise erhöhen lassen. Die Bezüge des Reichs-Militär Pensionsgesetzes sind zum Theil erheb­lich höher als die alten baierischen. — Prinz Leopold

Benno Brendel sei ein äußerst gewandter und tüch­tiger Schütze, der einen Stößer im Fluge trifft."

„Das würde aber doch wohl in der gestrigen dunkelen Nacht nicht viel genützt haben. UeberdieS hatte er es ja auch mit einer Ueberzahl von Gegnern zu thun."

„So ist ihm jedenfalls das Glück günstig ge­wesen ... wir werden wohl heute noch, wenn unsere Leute zurückkommen, daS Nähere darüber hören."

„Wir könnten ja auch gleich nach der Försterei gehen und uns dort persönlich erkundigen", warf Felice leicht hin.

„Dürfte sich denn das auch schicken?"

„Liebes Aennchen, warum wollen wir erst die Schicklichkeit zu Rathe ziehen? Dir wie mir liegt daran, die Einzelheiten des Kampfes zu wissen; es ist daher nichts einfacher, als wir gehen direkt nach dem Forsthause."

Anna v. Hohenheim überlegte einige Augenblicke, gab aber bann bem Wunsche ihrer Freunbin nach und ging mit bieser auf bem Wege nach bem Forst­hause weiter.

Gehen wir unterdeß nach bet Försterwohnung zurück.

Die Oberförsterin hatte ein Gebetbuch herbeigeholt unb las aus bemielben eine Bitte für ben Kranken.

Benno beobachtete seine Mutter, während ffe la«. Ein wehmülhiges Lächeln spielte um seine Lippen.

Das Gebet war zu Enbe gelesen. Die Ober­försterin legte ba« Buch bei Seite und ließ ihre Blicke roieber über ihren Sohn gleiten. Ihr Blick begegnete bem (einigen.

„Willst Du etwas, mein Benno?" fragte sie theilnehmenb.

„Nein, meine gute Mutter," antwortete er.

„Hast Du Schmerzen?"