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Ur. IM.

Marburg, Donnerstag, bett 3. Juli.

18-S

Oterhessische Zeitung.

Erscheint täglich sicher den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22i Sgr., durch die Postämter 27 S«r. (exel. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland cxcl. Stempel 22 Sgr. - Jnscrtionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Deutsches Strich.

•« Berlin 1. Juli. Das Staatsministerium ist heute zur Erledigung der laufenden Geschäfte zu einer Sitzung zusammengctreten, in welcher Graf Roon vor seiner Urlaubsreife zum letzten Male präsidiren dürfte; es geht demnächst der Vorsitz und die Erle piguag der laufenden Geschäfte ohne jede weitere Bestimmung an Graf Eulenburg über, dem als der derzeit älteste Minister der Vorsitz zufällt. Allerdings werden in nächster Zeit Staatsministerial - Sitzungen nicht häufig stattsinden, da außer Fürst Bismarck, Graf Roon und Graf Königsmarck die Minister Leon Hordt, Falk und von Kameke ihre Urlaubsreifen an treten. — Im Finanzministerium werden bereits die Etatsarbeiten pro 1874 in Angriff genommen; die einzelnen Resiortministrr haben ihre Vorschläge ein- gercicht und erfolgt die Zusammenstellung derselben im Finanzministerium. Die Erörterung hierüber ist nun nicht mehr so schwierig, wie im vergangenen Jahre, da im Finanzministerium die Mittel als auch die Bereitwilligkeit, den Wünschen und Forderungen der verschiedenen Ministerien nachzukommen vorhanden sind. — Im Kriegsministerium hat gestern die Commission für Errichtung deö Denkmals auf dem Königsplatz? unter Vorsitz des Ministers v. Kameke eine Sitzung abgchalten. — Unsere Heutige Notiz über die Eisen- bahn Untersuchungs Commission ist so gedeutet worden, als hätten mit dieser Notiz die Ergebnisse der Com­mission heruntergedrückt werden sollen. Es wird nur nöthig sein, auf den Wortlaut der qu. Notiz hinzu weisen, um das Unrichtige dieser Auffassung zu er­klären; diese leugnete keineswegs die Bedeutung der Ergebnisse, bemerkte aber, daß aus den festgestellten Thalsachen kein Anlaß gefunden worden wäre, um Anklagen gegen einzelne Personen anhängig zu machen. Die demnächstige Veröffentlichung des Berichts wird die Richtigkeit dieser Angabe ergeben. ES ist seiner Zeit auch gesagt worden, daß die officiöse Mitthcilung, daß die Commission ihre Verhandlungen nicht vor offenen Thüren führen werde, falsch wäre, und später stellte sich das Wahre dieser Angabe heraus, ebenso 9BS B । । B " 1 ' ■ . ..........

wird auch die jetzige Mitthcilung von officiöscr Seite sich als richtig erweisen. — Die Frage des Muster­schutzes ist in letzterer Zeit mehrfach in Anregung ge­bracht worden. Nachdem bereits von mehreren Han delskammern dieser Frage eine Erörterung gegeben war, hat nun auch das Aeltesten- Collegium der hie­sigen Kaufmannschaft der Frage eine Beachtung zu- gewendet. DaS Collegium verhehlt sich nicht den Nachtheil, dm ein solcher Musterschutz enthält, steht aber keinen anderen Weg, um die bei uns zahlreich vorhandenen Keime und Anlagen einer selbstständigen Industrie zu entwickeln, denn eS ist ein kräftiges Mittel, die Kunst-Industrie auf eine höhere Stufe zu heben.

,— Der Bundesrath hielt am Montag im Reichskanzleramt eine Plenarsitzung unter dem Vorsitz des Präsidenten Delbrück. Nach den einleitenden Geschäften wurden durch Berichte, beziehungsweise An­träge der Ausschüsse erledigt: die Angelegenheit wegen der öffentlichen Gesundheitspflege; die Ergänzung der Vorschriften über die Prüfung der Apotheker; der Antrag Preußens wegen des Zollerlasses für einge führte gebrauchte Fischereigeräthschaften; die Alimen tationsentschädigung für Mecklenburg - Schwerinsche Post- und Zollbeamte; der Antrag Preußens, betreff, den Hausirhandel wit alten Betlfedern; die Vorlage betreffend die Statistik der Forstwirlhschaft; die Vor­lage über den Abschluß eines Auslieferungsvectrages mit Costa Rica; Petitionen wegen Verleihung von CorporationSrechten an Baptistcngemeinden, sowie we­gen gesetzlicher Regelung der Rechtsverhältnisse der freien religiösen Gemeinden; ferner die Denkschrift über die durch den Krieg gegen Frankreich veranlaßten außerordentlichen Ausgaben und Einnahmen. Es folgt dann die Vorlegung von Eingaben und die Annahme der Ausschußanträge, betreffend den Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung des Art. 192 des Code forestier und die Vorlage über die Entscheidung der Kompetenz - Conflckte. Das Gesundheitspflege - Amt soll vorläufig in Gestalt einer technisch - wissenschaft­lich enDeputation ins Leben treten, welche in ein

zelnen, besonders wichtigen Fragen Autoritäten heran- ziehcn kann. In Verbindung damit ist jetzt eine Auf­forderung an die Bundesregierungen ergangen, Vor­schläge zur Herstellung einer Mediziualstatistik zu machen. DaS Münzgesetz und die Einführung der Verfassung in Elsaß-Lothringen sollen in der nächsten Sitzung deS Bundesrathes erledigt werden. Die Zu­stimmung^ des Letzteren zu den Bcschlüffen des Reichs, tages bezüglich des Wahlrechtes der sogenannten Op­tanten ist zweifellos.

— Der BundeSrath hat gestern das Münzgeseh definitiv angenommen. Wie der „M. Z." gemeldet wird, stimmte der Sächsische Bevollmächtigte gegen das Gesetz, weil dasselbe keine genügende Garantie für die durch Einziehung des StaatspapiergeldeS be­rührten finanziellen Interessen Sachfen biete.

Dresden, 29. Juni. DaS sächsische Landesmedi- cinal-Collegium ist unter Zuziehung der von den Aerzten des Landes gewählten Abgeordneten in einer Plenarversammlung über die Imps-Frage in Bera- thung getreten und zu der Erklärung gelangt, „daß gegen die projectirte Einführung eines Impfzwanges, sowie eines Rcvacinationszwangcs, keinerlei wissen­schaftliche Bedenken zu erheben seien." Weiter hat die Versammlung noch den „Entwurf eines Jmpfgcsetzes für das deutsche Reich," den der Königsberger „Verein für wissenschaftliche Heilkunde" dem Reichstag über­reicht und dieser dem Rcichskanzleramt übergeben hat, beralhen und verschiedene wesentliche Verbesserungen hinzugefügt.

Mainz, 30. Juni. Die Geschäftöstockung, bereu Beginn schon vor einiger Zeit sich entwickelte und welche sich in der That von den Baugewerben auch auf die allgemeine industrielle Thäligkelt ausgedehnt hat, ist noch in stetem Wachsen; in Frankfurt ist die Bauthätigkeit jetzt fast gänzlich eingestellt, die Ma- terialienpreise sind auf weniger als die Hälfte des Preises zurückgegangen, der vor zwei Monaten üblich, war, und auch die Nachfrage nach Arbeit beginnt schon eine größere Rolle zu spielen als die Nachfrage nach Arbeitern.

Das sprühende Pulver aus der Büchse des Försters beleuchtete einen Stürzenden.

Mit dem Ausrufe: „Elende Canaitze!" schleuderte der Schwarze den im Wege liegenden Hund hinter sich und eilte auf den Förster zu.

Dieser fühlte, daß ihm die Kräfte schwanden.

„Hülfe! . . . Hülfe!" tönte eS noch einmal von seinen Lippen, dann sank er kraftlos zusammen.

Den Schwarzen mußte die Finsterniß getäuscht haben, denn er stürzte an dem am Boden Liegenden vorbei nach der Höhe.

Benno faßte neuen Muth.

Er schob, so schnell eS ihm seine zitternden Hände gestatteten, die letzte Patrone in den Lauf des Ge­wehres; die übrigen hatte er wahrscheinlich bei dem Falle verloren.

Von den Lippen de« Schwarzen erklang ein schreck­licher Fluch. Er sprang einige Schritte seitwärts.

Verworrene Stimmen drangen an die Ohren Ben- no's. Am Rande der Höhe, von der er vielleicht noch dreißig Schrille entfernt lag, erschienen einige Forstgehülfen des Hohenhcim'schen Reviers und zwei Knechte mit großen Laternen.

„Wer rüst um Hülfe?" schrie der Anführer der kleinen Schaar.

„Ich .... hier!" rief Benno mit matter Stimme.

Schon glaubte er sich gerettet.

«Dann sollst Du auch mit mir zur Hölle fahren, verd . . .

Der Schwarze, der in wilder Wuth nach der Stelle sprang, auf der er den Förster vermuthete, vollendete seinen gräßlichen Satz nicht.

Der letzte Schuß des Försters hatte feinem Gegner den linken Arm durchfchoffen.

Die jetzt hinzufpringenden Forstgehülfen fanden nur den ohnmächtig am Boden liegenden und schrecklich aussehenden Förster. Von dem zweiten, ihnen noch unbekannten Kämpfer sand sich keine Spur, so sehr sie sich auch Mühe gaben, denselben zu finden.

Die Elsässerin.

Novelle von AndrS Hugo.

(Fortsetzung.)

Der Hund wurde plötzlich unruhig, sprang einige Schritte vorwärts, kehrte dann wieder zurück und wiederholte diese Bewegungen mit, wie e« dem Förster vorkam, sich steigernder Schnelligkeit. Der Jäger blieb jetzt auch stehen, denn er glaubte ebenfalls Stimmen zu hören. Aber e8 blieb ihm keine lange Zeit zum Ueberlegen. Diana schlug an; kaum hatte sie dies gethan, so hörte er auch in ganz unmittel­barer Nähe die Stimme des Schwarzen von sich.

„Setzt den Franzosen nieder — der Förster ist in der Nähe! — Vorsicht! — und nun laßt ihn nicht aus den Krallm! — Er muß sterben!"

~ Benno hatte zwar noch nicht die sanft abfallende Stelle des Höllengrundes erreickt, allein so viel konnte er trotz der ihn umgebenden Dunkelheit bereits er- fninen, daß die Felswände nicht mehr so nahe aneinander waren. Mit wenigen kühnen Sätzen hatte er den nächsten Abschnitt der Böschung erreicht. Er machte sich schußfenig.

Die Wilddiebe hatten seine Fährte gefunden und stürmten ihm nach.

„Der Erste, der mir naht, ist ein Kind des Todes und für den Zweiten ist auch die Kugel im Rohr!" schrie der Förster. Er kniete nieder und legte die Buchse an den Backen.

„Schieß' nur zu, wir sind zu viert'!" antwortete bet Schwarze.

In diesem Augenblicke krachte ein Schuß auf.

Der Vorderste der Anstürmenden sank mit lautem Aufschrei zusammen.

Der Förster mußte auch beim zweiten Schuß seinen Mann gut anf's Korn genommen haben, denn nach bk« zweiten von ihm abgegebenen Schufst rollte auch b« andere der Wilddiebe bergab.

Im nächsten Augenblicke stand der Schwarze und

der noch unverletzte Begleiter desselben auf dem Platze, auf dem sich der Förster noch soeben befunden hatte.

„Der Hund steht mit dem Teufel im Bunde!" knirschte der Schwarze, als er die Stelle leer fand, auf der er ganz sicher den Förster erwartet hatte.

«Straf' mich Gott — 's ist der Leibhaftige selber!" fluchte bet Begleiter.

Ungefähr zwanzig Schritte weiter knackte der Ver­schluß des Lesaucheuxgewehres.

„Oder ein geübter Schütze, dessen Kugel zu treffen Weiß!” rief der Förster herab. Gleichzeitig erdröhnte die Schlucht von einem neuen Schuß.

Diesmal hatte der Förster gefehlt.

Die Kugel, welche für den Schwarzen bestimmt war, riß von dem diesem zunächst stehenden Baume die Rinde los.

Ohne ein Wort zu sprechen stürmten die Wild­diebe dem Förster nach.

Die Aufregung der letzten Minuten halten Benno wohl für den Augenblick eine außergewöhnliche Spann­kraft verliehen, allein diese hatte jetzt ihren Culmi- nationspunkt erreicht. In dem jungen Förster begann auch diese Ueberzeugung Platz zu greifen, als er ver­spürte, wie die Beine zitterten und ihm bei bim Steigen fast den Dienst versagten.

Er schöpfte einen Augenblick Athem, den verzwei selten Blick zum dunkelen Nachthimmel sendend.

Ein Lichtblitz, ein Schuß, das gleichzeitige Klatschen einer Kugel unmittelbar neben sich und das in diesem Augenblick schreckliche Geheul des Hundes, der sich winselnd auf dem Boden umherwälzte und, trotzdem er weiter zu steigen versuchte, auf bem Platze blieb, belehrten ihn, baß der Schuß des Wilddiebes den Hund getroffen.

Das Keuchen einer Mannesbrust, vielleicht noch zchn Schritte entfernt, tönte ihm jetzt an'S Ohr.

Der Wilddieb war bloß noch sechs Schritte un­gefähr entfernt.