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und Seimunbete und

«affe I, 30. Juni. Gestern Vormittags erfolgte das Leichenbegäiigniß des dahingeschiedenen JustizralhS, Rechtsanwalls und Notars Heinrich Henkel. Dem mit Lorbeerkränzen reich gischmückten Sarge folgten die Söhne und Verwandten und eine große Anzahl von College«, Freunden und Bekannten zu Fuß und in Wagen. Der zweite Pfarrer der lutherischen Ge­meinde hielt die alle Leidtragenden tief ergreifende Leichen ttde, in welcher er das Wirken des Entschlafenen als Tutte und Vater, als Christ und Vorfechter der To­leranz sowie des Privat- und öffentlichen Rechts schil drrte, aber auch seiner Leiden, die er für seine un­erschütterliche Verfassungstreue erlitten, und seiner letzten Mchig und friedlich verlebten Jahre gedachte, die ihm

gestellten Candidaten die Annahme eines Mandats ab gelehnt haben, lieber die Bildung des neuen Mi nisteriums steht noch durchaus nichts fest, die darüber circulirenden Gerüchte sind verfrüht. Nach demDi ritte" hat zwischen Minghetti und de Pretis vorerst nur ein Meinungsaustausch über die dermalige poli tische Lage stattgefunden. Der feierliche Empfang der spanischen Exkönigin am 21. d. MlS. war durch die Anwesenheit von fünfzehn Cardinälen in Purpur und vieler violetter Monsignori sehr pompös; außer­dem war das Gemach von unten bis oben mit Blu men geziert und erfüllt von dem betäubenden Geruch einer riesigen Lilienguirlande, zu denen Msgr. Aequa- derni die Blumen aus verschiedenen Städten Italiens mitgebracht hatte. In einer Anrede an die vor ihm erschienene katholische Jugend sagte der Papst, indem er die Rede auf Isabella lenkte, daß er der Königin wünsche,Spanien so bald als möglich beruhigt und ihrer ruhmreichen Dynastie wieder gegeben zu sehen". Diese Worte werden Isabella allein für die Mühe ihrer Romfahrt entschädigt haben und müssen ein Donnerschlag für die Carlisten fein. Der Papst war zwei Tage vorher der Exkönigin begegnet, als sie das vaticanische Museum besuchte, eine Ehre, welche die russische Kaiserin durch ihren Besuch bei Victor Ema­nuel und das Aufhissen des russischen Banners am Berfassungöfeste verscherzt hatte. Nach dem Empfange am 21. geleitete Isabella tnii| ihren Töchtern den Papst in den Garten, wo der Gärtner noch mehr Blumen zu allerlei bunten Teppichen und Zierrathen zusammengestellt, als Isabella Thränen vergossen hatte Tags darauf fand die feierliche Communion und Con- firmation der beiden älteren Töchter statt. Der kirch­lichen Ceremonie folgte ein Frühstück beim Papste.

Verona, 23. Juni. Heute sind zwei Erder­schütterungen wahrgenommen, von denen die zweite, welche 22 Sekunden dauerte, besonders heftig war; einige Häuser sind beschädigt.

Madrid, 30. Juni. Das neue Ministerium trägt den Charakter einer Versöhnung; dasselbe ent­hält zwei Mitglieder der Linken. Das Detachement Castanons ist durch die Carlisten überrascht worden; die Soldaten zerstreuten und flüchteten sich. In Pam- peluna rottete sich das Volk zusammen und stieß Todesdrohungen gegen General Nouvilas aus.

lieber den Kampf vor den Amezcuas berichtet der Oberst la Portilla, daß derselbe drei Stunden dauerte, daß die Truppen, zumal das Regiment Se­villa und das Bataillon Gerona, sich außerordentlich gut führten, und daß der Verlust 5 Todte und 25

Ernennungen, Lerleihun-en «.

Der außerordentliche Pfarrer Stübinger, seither in Melsungen, ist zum Hülfspfarrer in Fritzlar bestellt worden und sind die pfsrramtlichen Geschäfte zu Rothelmshausen von dem Pfarrer Siebert in Kleinenglies auf Ersteren übergegangen. Die Telegraphencandidaten Zappe und Horn inKaffelsind zuThelegraphiften ernannt worden. Riedel,

3 Gefangene verloren. Cuevas hatte nur 13 Ver wundere.

Petersburg, 30. Juni. Weiter eingegangene offizielle Telegramme^ bestätigen, daß die russischen Truppen am 29 Mai (10. Juni) d. I. in die Haupt­stadt von Khiwa eingerückt sind und daß der Khan v»n Khiwa entflohen ist. Der Minister des Innern, General A Timascheff, und der Minister für die Do­mänen , Geheimer Rath Valoniew, sind von ihren Inspektionsreisen hierher zurückgekehrt. Der Ver­kauf und die Colportage derNordischen Presse" ist verboten worden.

Washington, 30. Juni. Der Finanzminister hat für den Monat Juli den Verkauf von 5i/2 Mil üon Dollars Gold und den Ankauf von 500,000 Dollars Obligationen angeordnet

Verwundete betrug, während die fliehenden Carlisten ' es waren die Banden Ollo, Elio und Dorrega- ray 41 Todte auf dem Schlachtfelde zurückließen und mindestens 150 Verwundete hatten. Auch in Catalonien haben die Truppen einen Sieg errungen; bte Solenne Cuevas schlug in Margalef die Banden von Vallvs, CercvS, Bou und den Pfarrer von Flix, die durch einen Bayonnetangriff aus dem Orte hinaus geworfen wurden und 50 Todte

werde, wenn man eine solche Bestimmung in das Gesetz aufnehme.

Rom, 29. Juni. Die clericale Partei hat be- schlosien, sich der Theilnahme an den Wahlen für die Verwaltungskörper zu enthalten, weil die von ihr auf

darauf hin, daß man sich doch zu lächerlich machen j verschönert wurden durch die Erfüllung eines stets ---- r*,'c"n*tu------- gehegten Ideals: der Einigung Deutschlands unter

einem mächtigen Kaiser. (H. M.)

In dem neuesten Hefte derLandw. Zeitschrift für den Regierungsbezirk Kastel" vom 24. d. M. finden sich Aeußerungen mehrerer landwirthschaftlicher Vereine über die Rede des Abg. Dr. Bähr und die diesem entgegentretende Rintelner Resolution betreffs der Verkoppelung in unserer Provinz. Der Kreis­verein Fulda erklärt in seiner Sitzung vom 7. d. M., der Rintelner Resolution nicht beitreten zu können; in der Begründung heißt es u. 21.:Klagen über lange Dauer und Kostspieligkeit des Verfahrens sind allerdings im hiesigen Kreise laut geworden und sollen in einem näher motivirten Schreiben dem Central- vereinsvorstande bargelegt werden. Wenn auch freilich überall, wo die Verkoppelung vollendet ist, sich die Betheiligten durch die neu geschaffenen Zu stände sehr befriedigt zeigen, so muß doch andererseits constatirt werden, daß auch überall da, wo die Ver­koppelung provocirt wurde, das Rechtsgefühl der zur Verkoppelung genöthigten Minorität sehr empfindlich verletzt erschien. Die Minorität nach Ackerzahl ist meist die Majorität nach Kopfzahl, denn Verkoppe­lungen sind hier bisher nur durch größere Gutsbesitzer und den Fiskus beantragt und durchgesetzt. Es hat des entschiedensten Auftretens und der Beihilfe der Regierungsbehörden bedurft, um dem Gesetze seine Geltung zu verschaffen." Der Abg. Dr. Bähr habe den Dank der hessischen Landwirthe verdient. In der Sitzung des KreiSvereins Melsungen zu Gensun­gen am 10. wurden verschiedene Verkoppelungen be­sprochen, ohne zu Ausstellungen Anlaß zu geben; nur wurde gewünscht, zur Bonitirung nur hessische Beamte zu wählen. Betreffs einiger Feldmarken wurde be merkt, daß die VerkoppelungSarbeiten sistirt seien, trotzdem aber die Kostenraten weiter erhoben werden. Schließlich wurde auf eingehenden Vortrag des Herrn Amtsrichter Seelig eine Resolution angenommen, die in der Hauptsache besagt:Der Kreisverein Melsun­gen lehnt die Zustimmungserklärung zu der Resolution des landwirhschaftlichcn KreiSvereins Rinteln ab und spricht als seine Ueberzengung aus, daß die ländliche Bevölkerung Hessens dem Dr. Bähr zu großem Dank verpflichtet ist, da er auf Verbesserung der einschla­genden Gesetzgebung, sowie billigere und beschleunigtere Ausführung der in Angriff genommenen Verkoppe­lungen hinarbeitet. Der Ortsverein Waldau da­gegen schließt sich der Rintelner Resolution an, seine Erklärung besagt, daß die von H. Dr. Bähr behaup­teteTrübung des Rechtsbcwußtseins" nicht in dem Maße, wie dieser darstellt, stattgefunden habe, daß nur durch die Bestimmungen über das ProvocationS recht der Minderheit die Durchführung der Verkoppe­lung möglich, von maßloser Kostenmacherei nichts be kannt fei; eine Aenderung bedürfe die Bestimmung betreffs Ablösung der Servituten und Weiden. Der Kreisverein Schlüchtern endlich lehnt eine Er klärung ab, weil im dortigen Kreise, Verkoppelungen noch nicht stattgefunden.

Vermischtes.

Neuenahr, 29. Juni. Dr. Wolfgang Müller von Königswintet ist heute Nachmittag 5j Uhr feinem Leberleiden erlegen. Dieser Dichter, bei in der deutschen Literatur eine hevorragende Stellung sich errungen, war am 15. März 1816 in Königswinter unter dem Drachenfels geboren und batte sich anfänglich dem ärztlichen Berufe gewidmet. Doch fein entschiedenes Talent für die Poesie, namentlich für die Lyrik, führte in bald in die schriftstellerische Bahn.

Leipzig, 27. Juni. Dieser Tage tagte hier derVer­ein deutscher Hutfabrikanten", dessen Mitgliederzahl sich auf über 500 beläuft, zur Feststellung einer Herbstmode. Von den ausgestellten Hüten wurden fünf der geschmackvollsten Muster gewählt, und zwar eines von Emil Kramer aus Mannheim, je zwei von den FirmenKramer Söhne" in Lahr und Schweiß in Off nbach.

Zur Kaninchenzucht schreibt derLondes-Anz.": Nach Mittheilungen von Lord Malmesbury im englichen Oberhause werden in der Stadt Nottingham wöchentlich über .3000 Kaninchen verkauft und saft ausschließlich von den Arbeitern verspeist in Birmingham hat ein Wildpretbändler Aufforde­rungen zur Lieferung von wöchentlich 1000 Stück erlassen. Von Ostende werden nach England wöchentlich 1) Millionen Kaninchen importirt; verarbeitet werden jährlich nicht weniger als 30 Millionen Kaninchenfelle. Lord Malmesbury berechnet daraus den Nahrungsstoff auf 33,500 Tonnen (zu 20 Gtr.) im Werthe von 1J Millionen Pfd. Sterling jährlich, und wirft bann bie Frage auf, ob dem gegenüber bie Aushebung ber Wilbschutzgesetze wohl empsehlenswerth sei. In Deutsch­land wird die Kaninchenzucht nur wenig betrieben, obgleich die Thiere wegen ihrer fruchtbaren Fortpflanzung sprichwörtlich geworden sind. Neuerdings scheint man in Mühlhausen mehr Aufmerksamkeit hierauf zu richten. In Folge eines Maueranschlags war am 25. Februar daselbst im Gasthofe jum goldenen Lamm eine große Kaninchenbörse.

außeretatsm. Sec.-Lieut. von der 4. Jng.-Jnsp., in das 1. Hess. Husaren-Regt. Nr. 13 versetzt.

Telegraphische Depesche« der Oder« hessische« Zeitung.

Dresden, 30. Juni. Ein Telegramm desDres­dener Journals" meldet aus Wien: Die deutsche Ab- theilung der Weltausstellung hat durch den gestern hier niedergegangenen Wolkenbruch fast gar nicht ge­litten ; Frankreich ist etwas beschädigt.

Straßburg, 30. Juni. Bei den Nachwahlen in Schiltigheim wurde unter starker Betheiligung der Wahlberechtigten der ehemalige Straßburger Bürger­meisterei - Adjunkt Jmlin (der gemäßigten Partei an- gehörenb) gewählt. Bei den Nachwahlen in Colmar betheiligten sich etwa 1100 Wähler. Gewählt wur­den: zum Kreistage Adjunkt Späth und Holzhändler Radam, zum Bezirkstage Bürgermeister v. Peyrimhof. Alle drei der gemäßigten Partei angehörenden Gewähl­ten vereinigten über 1000 Stimmen auf sich. In Mühlhausen siegten ebenfalls die Candidaten der ge­mäßigten Partei (Köchlin-Mieg und Degnot).

Wie», 30. Juni. Der Fürst von Rumänien empfing eine Deputation der jüdischen Gemeinde Wiens und der Israelitischen Allianz, welche wegen der Ru­mänischen Judenfrage Schritte machte. Der Fürst besprach sich aufs eingehendste mit der Deputation und sagte deren Wiederempfang auf seiner Rückreise zu.

Wien, 30. Juni. Die Journale melden den gestern hier stattgehabten Sturm mit wolkenbruch- artigem Regen. Ihre Angaben über den Schaden auf dem Weltausstellungsplatze stimmen nicht überein. That- sache ist, daß bie Gartenanlagen im WeltauSstellungs Palast wegen der tiefen Terrainlage im Wasser stan­den. Die Weltausstellungsgebäude mit allen Anbauten nahmen keinerlei erheblichen Schaden, dagegen litten die Hofeinbauten, namentlich der Lyoner Seidenhof. lieber den Schaden der deutschen Abtheitung verlautet nichts.

Rom, 30. Juni. DieJtal. Rachr." melden, daß Minghetti versuchen werde, mit der früheren Ma­jorität ein Cabinet zu bilden. Das Cathedratca- pitel von Aleffandria übersandte dem Papste ein Ent- fchuldigungsschreiben wegen der Theilnahme an dem Leichenbegängniß Ratazzis. Der Herzog von Ueeda überreichte dem Papste einen mit 235,000 Unterschriften spanischer Katholiken versehenen Protest gegen die Auf Hebung der religiösen Körperschaften.

Madrid, 30. Juni. In der gestrigen Cortes- sitzung erklärte Pi y Margall, daß das neue Cabinet die Politik der früheren Regierung befolgen und deren Programm vollständig aufrecht halten werde. Der Minister dcS äußern, Maisonnave, verhieß Maßnah­men behufs Erhaltung der freundschaftlichen Beziehun­gen mit den europäischen Mächten.

Haag, 30. Juni Die zweite Kammer verwarf bei Berathung des Gesetzentwurfs betreffend Abschaf­fung des Einstehersystems im Militärdienste nach lan­gen Discusstonen mit 43 gegen 25 Stimmen den Artikel 3, welcher das Prinzip der Abschaffung dieses Systems ausspricht. Die Regierung zog in Folge dessen den Gesetzentwurf zurück, worauf der Kriegs­minister erklärte, daß er seine Demission einreichen werde.

Lerloostmgen.

Karlsruhe, 30. Juni. Bei ber heutigen Gewinn- ziehung bet kubischen 35. fl. Loose fielen je 1000 fl. auf Nr. 50810 221086 50832 171033 230168 61369 53982 223104 103103 179046.

Telegraphische Cours - und Marktberichte.

Frankfurt a. M., 1 Juli. (Schluß -Course). Staatsbahn - Aetien 3491. Elisab elb 224, Galizier 235, Lornbarben 2004, Norbwestbahn 217, Grebitoctien 247 J, Silberrente 65j, Pavierrente, 1860r Loose 91;, Nationa.- bank 1035, Spanier 174, 1882r Amerikaner.

Berlin, 1 Juli. (Anfangscourse). drebitattieii >41j Staatsbabn 1991, Lombarden 1141, Amerik. 97|.

Frankfurt, 30. Juni. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieden waren 340 Ochsen, 180 Kühe, 240 Kälber und 400 Hämmel. Tie Preise stellten sich: Ochsen 1.Qual.p.Ct. 42fl. Kälber 1.Qual-p.Et. 35 fl. - 2. - - - 40 - . 2. .

Kühe 1. - - - 36 - Hämmel 1. - - - 85 -

- 2. - - - 34 - - 2. - - - -

Frankfurt, 30. Juni. (Fruchtbericht.) Heutige Preise: Mehl Nr 1 26; fl., Nr. 2 25 fl., Nr. 3 24 fl., Nr. 4 21 fl, Nr. 5 15z fl. Roggenmehl(, (Berliner Marke) 16j fl., do. 11. (Berliner Marke) 10J fl., Weizen effectiv hiesiger 17; fl., bayer., ungar.. Roggen 11 j fl, Gerste umsatzlos, 13j fl., Hafer 9410) fl.,Kohlfamen fl., Erbsen 10-12 fl., Wicken 91 fl., Linsen 1'114 fl., Mböl 43 fl. im Detail Stimmung: Panik- (Die Preise verstehe« sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht 100 Kilo.)

Eisenbahn > Einnahmen.

Wien. 30. Juni. Pie Einnahmen auf ber Oester» reichischen Strecke ber Lombardischen Bahn betrugen vom 18. Juni bis 24. Juni 795,334 fl. Es ergibt sich daher eine Mehreinnahme von 143,000 fl. fegt« bie entsprechende Woche des vorigen Jahres.