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Paderborn, 28. Juni. Das „Westf. Volksbl." meldet: Obgleich der hiesigen philosophisch-theologischen Lehranstalt die staatliche Anerkennung entzogen ist, so werden doch die Vorlesungen an derselben auf An­ordnung deS Hrn. Bischofs einstweilen fortgesetzt. Uebrigens befürchtet man weitere Maßregeln — die Entziehung deS StaatszuschusieS für die Anstalt — schon in den nächsten Wochen. Dies zur Antwort auf verschiedene Anfragen.

Mannheim, 24. Juni. Die Verhandlungen des Schwurgerichts gegen die am Bierkrawall Be- theiliglen sind beendigt; die beiden am schwersten Gravirten haben 13/< und IVz Jahr Zuchthaus, vier weitere 12, 9 und 3 Monate Gefängniß erhalten, einer wurde freigesprochen.

Ttnttgarl, 29. Juni. Man bezweifelt hier daS Gerücht, daß der Vertreter deS zweiten württern bergischen Reichswahlkreises, Frhr. v. Varnbühlcr, zum Vorsitzenden des ReichseisenbahnamteS ausersehen sei In einer eigenthümlichen Lage befindet sich dieser Can didatur gegenüber die württembergische Regierung. Auf der einen Seite konnte es ihr nur schmeicheln, wenn ein Württemberger und dazu ein würtlcmbergi- scher Exminister mit jenem Posten betraut würde. Man sollte denken, sie müßte gerade dadurch ausgesöhnt werden mit einer Institution, der sie anfänglich so sehr widerstrebte. Auf der anderen Seite aber hat sich Frhr. v. Varnbühler, seit ihm die Bürde eines auswärtigen und Verkehrsministers abgenommen ist, von den Rücksichten auf die württembergische Regierung so sehr emanzipirt, so daß die letztere nur mit einiger Selbstverleugnung sich in die Ernennung Varnbühlers schicken könnte.

Tübinger», 29. Juni. Die Vorbereitungen zu dem Fest der Enthüllung des Uhlanddenkmals sind hier in voller Thätigkeit. Man erwartet eine große Zahl von Gästen, an mehr als 100 Personen sind besondere Einladungen als Ehrengäste ergangen. Bei der Ausführung des Programms werden die schwäbi­schen Gesangsvereine in großer Anzahl mitwirken. Das Fest findet am 14. Juli statt. Um 9 Uhr be­wegt sich der Festzug durch die Straßen der Stadt. Auf dem Platz vor dem Denkmal (rechte Seite des Neckars, nahe dem Bahnhof) wird zuerst eine eigens zu dem Fest componirte Cantate von Faißt aufgesührt und nach der Festrede von Prof. Carl Köstlin das Denkmal enthüllt. Hierauf Festmahl im Museum, am Nachmittag eine Art Volksfest in der dem Denk­mal nahegelegenen Platanenallee, endlich Beleuchtung, Bankett u. s. w. Die Hauptsache, nämlich das Stand­bild selbst, von Kitz in Dresden, ist vortrefflich aus gefallen. Es ist nur noch zu wünschen, daß es an gutem Wetter und an politischem Tact nicht fehlen möge.

München, 28. Juni. Prinz Otto darf von feiner langwierigen Krankheit als vollkommen herge stellt betrachtet werden. Derselbe verbringt die Tages­zeit bereits wieder in seinen Appartements in der kön. Residenz, nur die Nächte noch in Nymphenburg. Wie wir vernehmen, wird sich der Prinz erst dann zu längerem Aufenthalt nach Hohenschwangau begeben, wenn Se. Maj. der König, welcher zur Zeit noch immer in Schloß Berg weilt, sein Hoflager dorthin

verlegt haben wird. — Der kgl. Justizminister Herr Dr. Fäustle ist heute Morgens von Berlin, woselbst er seit Ostern d. I. an den Bundesraths und Reichs tagssitzungen ununterbrochen theilgenommen, hierher zurückgekehrt. Derselbe wird jedoch, wie der „N. C" hört, sein Portefeuille nicht übernehmen, sondern sich nächsten Sonntag zur Erholung auf einige Wochen zu seinem Schwager nach Jrrsee begeben. — Die hiesige Universität feierte gestern daS Fest ihres 501- jährigen Bestehens. — Den Redemptoristen auf dem MariahilfSberge bei Vilsbiburg ist wie denen in Nie- derachdorf, am 21. Juni durch einen Regierungs- commissär die Aufforderung zur sofortigen Einstellung aller kirchlichen Verrichtungen rc. eröffnet worden. — Von dem mittelfränkischen Schwurgerichte wurde gestern der vormalige Redacteur des Fürther demokratischen Wochenblattes, Anton Memminger, wegen Beleidigung des deutschen Kaisers, unter Einrechnung einer noch nicht verbüßten dreimonatlichen Gefängnißstrafe, zu einer Gesammtstrafe von sechs Monaten Gefängniß verurtheilt.

Straßburg, 29. Juni Von dem neuen in deutscher und französischer Sprache hier erscheinenden „Elsässer Journal" ist die erste Nummer erschienen. Dasselbe sührt sich mit folgenden Worten ein: „In­mitten der Verwirrung der Gefühle und Ideen, der Menschen und Gegenstände, in welche unser Land durch die Ereignisse der Jahre 1870 und 1871 gestürzt worden, fühlt Jedermann die Nothwendigkeit sich zu ermannen, die verlorene Bahn wieder aufzufinden, ein so zu sagen aus dem eigensten Boden der Heimath selbst entstandenes elsässisches Organ zu besitzen, das, von Elsässern im Sinne der Jntereffcn, der Bedürf­nisse und Wünsche der Elsässer verfaßt, beanspruchen kann, stets und in allen Fragen als aufrichtiger und unabhängiger Vertreter unserer Mitbürger in die Schranken treten zu dürfen."

Mühlhausen, 30. Juni. Bei den hiesigen Nachwahlen wurde im nördlichen Stadtwahlbezirk Köchlin Mieg mit 512 Stimmen von 593 im Ganzen abgegebenen, im südlichen Degnot mit 349 von 390 abgegebenen gewählt.

Auölimd.

Wie», 30. Juni. Die Kaiserin Augusta ertheilte am Sonntag Mittag Audienzen in der Burg zu Wien. Um 6 Uhr war Galadiner im Ceremonialsaal der Burg; anwesend waren die kaiserlichen Majestäten, die Erzherzoge und der Fürst von Rumänien mit ihrem Gefolge, der Minister, der Bürgermeister von Wien und die deutsche Ausstellungscommission. Kaiser Franz Joseph brachte folgenden Toast aus: „Damir zu meinem innigsten Bedauern der Besuch meines theuren Freundes, Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm, vorläufig versagt blieb, so trinke ich aus das Wohl Sr. Majestät des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, mit dem Ausdrucke der herzlichsten Dank­barkeit für den unvergeßlichen Besuch Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta! Beide Majestäten leben hoch!" Kaiserin Augusta erwiderte: Ew. Majestät wisse, wie schmerzlich der Kaiser bedauert, gegenwärtig nicht hier sein zu können, Ew. Majestät wisse aber auch, daß mein ehrenvoller Auftrag, seine jetzige Abwesenheit zu entschuldigen, zugleich jener Freundschaft gewidmet ist,

die in treuen Wünschen für das Wohl beider Kaiser­lichen Majestäten und für das Wohl ihrer Länder und Völker ihren herzlichsten Ausdruck findet. Abends war ein brillantes Fest zu Ehren der Kaiserin bei dem Minister des Auswärtigen, Graf Andrassy. Der Kaiser, beide Kaiserinnen, die Erzherzöge, die vor­nehmsten Personen der Gesellschaft, alle Würdenträger des Hofes und Staates und viele Fremde von Aus zeichnung waren zugegen. Der kleine Garten der Bellaria war prachtvoll erleuchtet, Musikbanden und Zigeunerbanden spielten vor den Majestäten, die in einem Zelte verweilten. Die Kaiserin fuhr Abends nach Schönbrunn zurück.

Bern, 30. Juni. Dem Vernehmen nach wird ein europäisch - nordamerikanischer Staatencongreß be­hufs Berathung eines gemeinsamen Postvertrages spätestens am 1. September dieses Jahres in Bern stattfinden.

Paris, 29. Juni. Paris wird seine Kirche zu« heiligen Herzen Jesu erhalten. Der Ausschuß, welcher in den Abtheilungen heute zur Prüfung des betreffen­den Regierungsantrages ernannt wurde, besteht aus 11 heißblütigen Clericalen, wie Keller, de Belcastel, Delpit, de Bonald u. s. w. und nur aus 4 Anti- Clericalen. Unter den Personen, welche ihr Scherfleiu zum Bau dieser Kirche beigetragen haben (es sind be­kanntlich bereits über 600,000 Frcs. gezeichnet), be­findet sich auch der alte Guizot. — Gestern und heute wurden wieder eine große Anzahl von Communisten im 17. Arrondissement verhaftet. — Herzog d'Audiffret- Pasquier ist keineswegs verreist und auch nicht krank, denn er dinirte gestern bei Casimir Perier. — Der Herzog von Broglie und der Minister deS Innern waren heute in der DeccntralisationS Commission. Da man sich betreffs der Ernennung der Maires nicht einigen konnte, so beschloß man, diese Frage von der des GemeindewahlgesetzeS zu trennen, letzteres sofort vor die Kammer zu bringen, um es votiren zu taffen, im Monat November die Gemeinderäthe nach demselben wählen zu laffen und die Wirkung deS neuen GesetzeS abzuwarten, ehe man die Lage betreffs der Maires ordne. — Die Verordnung des Lyoner Präfecten betreffs der Zahl der Personen, die einem Leichenbe- gängniß folgen dürfen, kam gestern Morgen zum ersten Mal in Anwendung. Um 6 Uhr wurde eine Frau ohne kirchlichen Beistand begraben. Sobald die Zahl von 300 Personen abgezählt war, schnitten die Stavtsoldaten den Zug ab und trieben die übrigen Leivtragenden, die nicht den geringsten Widerstand leisteten, auseinander. Am Kirchhof waren andere Stadtsoldaten ausgestellt, die nur die 300 Personen durch das Thor einließen. Die Civilbegräbniffe werden von 60 officiösen und officiellen Polizeidienern überwacht. — Was den Entwurf für die GemeinderathSwahlen an­belangt, so verlangt die Commission ein zweijährige- Domicil für die Wähler (de Broglie wollte nur ein Jahr). Wähler selbst werden nur die sein, welche aus den Rollen der vier directen Steuern oder der Leistungen in Naturerzeugniffen eingeschrieben sind. Die Bestimmung, daß der Familienvater oder die Witwe mit Kindern zwei Stimmen haben soll, wurde jedoch verworfen. Broglie, der zuweilen noch einen Funken von gesundem Menschenverstand hat, wie-

Büchse und ging dann, nachdem er sich überzeugt hatte, daß dieselbe beim Sturze keinen Schaden gelitten, vor­sichtig an der steilen Felswand hin, über der sich in einer Höhe von ungefähr 15 —18 Fuß die Barriere hin­gezogen hatte. Diana folgte ihm hinkend.

Der Förster stand jetzt vor der in den Waldgrunb gehauenen kleinen Treppe, welche zur tiefe des Grundes führte. Passirte er dieselbe, so wußte er, daß ihn der Weg viel zu weit von der Försterei abseits führte, während, wenn er nach der Tiefe ging, er dieselbe, sobald er jenseits des Baches auf der anderen Seite in die Höhe gestiegen war, in ungefähr einer halben Stunde erreichen konnte.

Ebenso löste sich jetzt neben der Neugier auch ein Zug deS Mitleids für den jedenfalls verunglückten Wilddieb in feinem Inneren los. Fest emschloffen, komme eS, wie es wolle, betrat er die Treppe und hatte nach wenigen Minuten den Grund erreicht. Hier angekommen, lehnte er die geladene Büchse an den nächsten Baum und wusch sich mit dem kühlenden Lergwasser Hande und Gesicht von dem Blute rein.

Diana wich nicht von der Seite ihres Herrn., Bald diesen anblickend, bald in die Ferne lauschend, ließ der Hund von Zeit zu Zeit ein unterdrücktes Knurren hören.

Benno hielt jetzt auch den Athem an, konnte je doch nichts weiter vernehmen, da der noch immer niederfallende Regen und das Plätschern des Bache« kein anderes Geräusch aufkommen ließen.

In Gedanken über seine eigenthümliche Rettung versunken, folgte Benno dem Lause deS Bache».

(Fortsetzung folgt.)

heimliches Lied, während der schmucke Forstadjunkt, seinem Schicksal überlasten, an der harten Felswand lehnt. Wenn die Mutter ahnen könnte, daß ihr Sohn jetzt einsam und hülflos, seinem Schicksale preisgegeben, an harter Felswand liegt! Wenn sie sehen könnte, wie wenige Zoll noch von dem steilen Abhänge der geliebte Sohn steht! Jndesten fächelt der Wind die erhitzten Schläfe und spielt mit dem vollen braunen, jetzt aber zum großen Theil vom Blutt roth gefärbten Haar, während hinter der Stirn ein entsetzlicher Traum da» erhitzte Gehirn von Neuem in Aufregung bringt.

Von Lieb' und Lust und sel'gem Glück scheint ihm der Traumgott Nichts vorzuzaubern, denn die Brust athmet tief und hebt sich wie unter einem Alpdruck. Und sollte sie es nicht? Hat ihn doch der Traumgolt auf seine Fittiche genommen und ihn weit hinweg geführt über die Wirklichkeit. Und das Ungethüm stiert ihn jetzt mit seinen glühenden Bugen an, nimmt ihn plötzlich auf seinen Rücken und trägt ihn unter gewaltigem Flügelschlage über Berge und Thäler bis in ein unwirthbares Land. Er sieht die starren Felsen, die gähnenden Schluchten; er hört das grollende Rauschen der in der Tiefe dahineilenden Gewäster - da« Ungethüm fliegt tiefer — eine Wendung des Thieres — er fällt — das mißgestaltete Ungeheuer krächzt und verfolgt den durch dtt Lüfte rasenden jtßrpcr — da — er schließt die Augen — an einem FelSkegcl vorbei geht die tolle Fahrt zur Tiefe — er will schreien — die Lippen versagen ihm den Drenst — im gleichen Augenblick fühlt er den Boden unter sich und unverletzt öffnet er seine Augen.

„Es war ein böser Traum!" sagte der Forstadjunkt, ।

als er die Augen äufschlug und seine Brust- hoch auf» al Hun te.

Aber wo befand er sich?

Auf hartem Boden, an kalter Felswand. Der Regen klatschte vor ihm auf dem ausgetrockneten Boden und die an den Bäumen matt und kraftlos hängenden Blätter. Und was war daS wieder? Kam dort das Ungethüm nicht? Den Förster überlief ein eisiger Schauer, als es in dem trockenen Laube vor ihm raschelte und keuchend ein lebendes Wesen mit leuch lenden Augen aus dem Dunkel sich dem Daliegenden näherte.. In diesem Augenblicke erinnerte er sich auch wieder an die Vorgänge, die seinem Sturze von der Saniere aus vorausgegangen waren; eS wurde ihm plötzlich wieder erinnerlich, daß er sich im „Höllen- grunbe" befand. Ehe er jedoch noch irgend einen anderen Gedanken auskommen lasten konnte, fühlte er den heißen Athem des ThiereS an feinem Gesicht und, sowie er die Augen auf sch lug, wußte er, daß es — Diana war.

DaS treue Thier war mit in die Tiefe gestürzt und suchte sich nun jetzt seinen Rückweg, wobei es seinen Herrn gefunden. Die Freude destelben war unbeschreiblich. Plötzlich unterbrach es seine Freuden- bezeugungen. Aus der Tiefe der Schlucht drang ein unterdrückter Hülferuf.

Der junge Förster lauschte.

Noch einmal wiederholte sich der in der Stille der Nacht um so schrecklicher klingende Angstschrei, dann tönte bloß noch ein von Zeit zu Zeit unterbrochenes Wimmern an sein Ohr.

Benno Brendel raffte sich auf, untersuchte seine