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Jllaröucg, Sonnabend, den 28. Juni.

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Erscheint täglich außer den Werktagen Nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22J @gr., durch bfe Postämter 27 Egr. (excl. Bestellgebühr und ind. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 24 Sgr. -r Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

f ' r'.’n •?; !■’ Sämmtliche Annonceu-Büreaus nehmen Inserate an. irr • . .

für das dritte Quartal MMlllllgkll auf die „Höerhefstsche Ieitung" bitten wir baldigst bei den betref­fenden Postanstalten machen zu wollen. /

Die Landbriefboten nehmen smf dem Lande Bestellungen entgegen.' i fi.

Mit dem neuen Quartal

nal-Novelle:6*'? 1 ...... . w4{riP B3....

,3- Des Schicksals Füg«««, n

v.-i f.-'i'i von Ewald August König.-. : .nm.-aL

Reu zugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten die „Oberhesf. Zeitung" vom Tage der Bestellung an bis zum 1. Juli gratis.

Die Exped. der „überhess. Ug.“

Deutsches Reich.

»• Berlin 26. Juni Die Abreise des Reichs­kanzlers nach Varzin dürfte sich noch um einige Tage verzögern, Graf Roon wird vor seiner Abreise nocd einig« Tage in Güterbog zubringen. Der Bundesraih wird in der nächsten Woche noch einige Sitzungen behufs Erledigung der wichtigsten Arbeiten abhalten, sich alsdann aber bis in den Monat September ver­tagen. — Da» UebungSgeschwader unter Eontreadmiral Hucke ist am 24. Juni im Kieler Hafen eingetrvffen. — Aus einer Schlußzusammenstellung über die aufzu­bringende der Matrikularbeiträge geht hervor, daß pro 1874 aufzubringen waren 35,232,108 Thaler, von dieser Summe kam jedoch der Überschuß des Jahres 1872 in Abzug mit 12,850,691 Thalern, so daß wirklich aufgebracht werden müssen 22,381,417 Thaler. Preußen irägi hierzu bei: 10,964,510 Thaler, Baiern 4,904,437 Thaler, Sachsen 1,031,480 Thaler, Würt­temberg 1,860,994 Thaler. — Es ist kürzlich öfficiös gejagt worden, daß die Bischöfe ihre Vermittelung zur Ausführung der Kirchengesetze wohl ablehntrn, jedoch dieselben über sich ergehen lassen dürften. Diese An­sicht findet ihre Bestätigung in den Schriftstücken, welche zwischen der Regierung und dem Bischof von Paderborn geführt worden sind und Bezug haben auf die Revision des Seminars. Der Bischof hat sich dieser Revision unterworfen und auch erklärt, das Reglement über die Disciplin in dem Seminar, sowie die Hausordnung zur Kenntnißnahme der Regiermigs behörde geben zu wollen, wenn auch nicht zur „Ge­nehmigung". Besonders bemerkens rerth ist noch her- dorzuheben, daß der Regens eine solche Revision be sonders wünschenswerth und dem Jnlerefie des Bischofs

beginnt die Origi-

dienend erachtete, sowie daß derselbe sich nachträglich über die Vollziehung der Revision beifällig äußerte. Die Herren Gommiffäre hatten sich, sagt derselbe, nobel benommen, was jedenfalls nichts anderes heißen 'kann, als daß die Commission die Revision mit dem gebührenden Tacte vollzogen habe. — Hebet den Umsang des Fleischverkehrs in Berlin während des 1. Quartals d. I. liegt eine Nachweisung vor, nach dieser find in Berlin eingeführt: 16,777 Ochsen, 13,126 Kühe, 26,534 Kälber, 73,245 Schaaft und 172,476 Schweine. Hiervon wurde jedoch eine An­zahl Vieh wieder ausgeführt, so daß für den Berliner Consum verbleiben: 7,502 Ochsen, 7,397 Kühe, 25,400 Kälber, 18,547 Schaafe und 95,281 Schweine Nimmt man die Bevölkerung Berlins auf 900,000 Seelen an, so würde auf jeden Einwobner ca. IV2 Etr. Misch kommen. Gegen das erste Quartal vorigen 'JahreS hat der Fleischconsum in Berlin zugenommen und zwar um eine Summe von '70000 Centnern, .welche einem Geldwerthe von 1,750,000 Thalern entspricht. ■

— 26. Juni. Der „Reichs - Anzeiger" publicirt die mittelst königlichen Erlasses vom 23. Juni erfolgte Ernennung des Obertribunals Vicepräsidenten Heinec- cius, des Ober - AppellaiionSgerichtsraths Eggeling, des Ober Tribunalsraths Düpenbroick- Grueter, des Geh. Oberjustizraths Schelling, der" Obertribunals- räthe Hartmann und Rappold (Berlins, des Ober- bürgermeisters Forckenbeck, des Pfarrers und Präses der rheinischen Provinzialsynode Rieden (Coblenz), des Appellgerichtsraths Kannegießer (Magdeburg), des Geh. Justizraths Bürgers (Köln) und des Prof. Dove (Göttingen) zu Mitgliedern des königl. Gerichts Hofes für Kirchenangelegenheiten und zugleich die von Heincccius zum Präsidenten dieses Gerichtshofes.

— Aus parlamentarischen Kreisen schreibt man der „Magdeb. Ztg." vom 24. Juni: „Heute erschien Ministerpräsident Graf Roon in der Reichstagssitzung, um den Reichskanzler aus derselben zu einer Privat­unterredung herauszuholen. Wie man versichert, über brachte Graf Roon, welcher, nach seiner Erscheinung in voller Uniform zu schließen, direet vom Kaiser kam, die Genehmigung des vom Fürsten Bismarck eingegebenen Urlaubsgesuches als preußischer Minister. Das Berständniß für die Motive, welche den Reichs kanzler zu jenem Schritte bewogen, fehlt zur Zeit noch allgemein, gerade wie man sich trotz wiederholter Aus einanderjetzungen noch nicht über die Natur der Gründe klar werden konnte, welche den leitenden deutschen Staatsmann bewegen konnten, sich des bestimmenden Einfiusses zu emschlagen, den er als preußischer Ministerpräsident auszuüben in der Lage war. Man

darf wohl- hoffen, daß der Urlaub nur als ein vorüber­gehender betrachtet werden darf, und Fürst Bismarck sich früher oder später wieder enisä-ließen wird, seine Stellung im preußischen Ministerium in alter Weise anzutreten. Daß abev auch diese nur zeitige Scheidung von der preußischen Regierung in den reichsfreund­lichen Parteien sehr gemischte Gefühle hervorgerufen hat, ist eine so offenliegende Thatsache, daß eS w nölhig ist, sie zu verschweigen."

— Die Mehrzahl der ReichStagSinitglieder hat bereits Berlin verlassen, der Bundesrath dagegen wird noch reichlich einer Woche bedürfen, um in Ausschuß- und Plenarsitzungen die dringendsten Arbeiten der Session zu erledigen. Ueberhaupt tritt keine förmliche Vertagung des Bundesralhs ein. Derselbe bleibt viel­mehr, durch die in Berlin wohnenden Mitglieder ver­treten, beisammen, um die laufenden Geschäfte und Verwaltungsangelegenheiten zu erledigen. Eine erhöhte Thätigkeit des Bundesraths wird für den Herbst er­wartet, wo es sich um die Reichsjustizgesetze handeln wird. Der bairische Justizminister Dr. Fäustle hat das ihm übertragene Referat über die Civilprozeß- ordnuug bereits beendet, die Erstattung des Berichtes indessen bis zu dem Zeitpunkt vertagt, in welchem die Beralhung über die Strasprvzeßordnung und die Gerichtsorganisation erfolgen kann. Uebrigens wird der letztgenannte Minister schon morgen Berlin ver­lassen und nach München znrückkehren. Der württem- bergische Justizmiirister Dr. von Mittnacht, ist bereits vor längerer Zeit in die Heimath gereift. — Die Angabe, wonach der frühere königl. württembergische Minister Frhr. von Varubüler Präsident des neuen ReichSeisenbahnamtes geworden ober werden sollte, wird als mindestens verfrüht bezeichnet. Mit dem Betreffenden selbst sind positiv, noch keine Unterhand­lungen angeknüpft worden. Uebrigens ist man auch noch zu wenig in den Arbeiten vorgeschritten, welche sich auf Errichtung der neuen Reichsbehörde beziehen, um schon jetzt der Wahl des Präsidenten näher treten zu können. Möglich bleibt eS immer, daß Hr. von Varnbüler für diesen Posten in Aussicht genommen wird. '

©rftttt, 23. Juni. Große Befriedigung, schreibt die „Erf. Ztg.", erregte gestern Abend die Nachricht von der Einbringung des Mörsers des Zimmermann- schcn Ehepaares. Derselbe heißt Joh Dav. Reichardt, .ist aus Berka bei Kreuzberg gebürtig und stand in Dprövau bei Großrudestedt in Diensten. Ein Groß­rudestedter gab uns folgende Mittheilung über die Ergreifung: Der Polizeidiener zu Sprödem hatte ein Wörtchen mit dem Betreffenden, einem Menschen von zornigem, böSartigem Charakter zu reden. Dabei fiel

Das Ständchen.

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(Fortsetzung.) ,,

«Starr vor Verwunderung hörje Frau Barbara zu, und die Wone des Liedes waren nicht dazu an gelhan, einen in ihr aufsteigenden Verdacht zu ent­kräften. ,L ‘j .

»Ach wie wär's möglich bann,

ich D>ch lassen kann, Bad' Dich von Herzen lieb, as glaube mir."

lauteten diese Worte, und Martha sang sie mit einer Innigkeit, mit einer Tiefe bet Empfindung, die selbst ihre ganz unmusikalische Tante frappir e. Die Be glritung aber war dem Gesang so tr.fsiich angepaßt, verschmolz mit diesem zu einem so harmonischen Gan- M, daß der Gedanke nahe lag, diese kleine Utbung werde nicht zum ersten Mal Bergen otnmen

„Ehe noch das Lied beendigt war, verließ Frau Barbara den Hof und eilte ins Haus, nach dem Zim­mer ihrer Nichte. Dtese hatte' eben aufgehört zu fingen, stand aber noch an dem Fenster, und gerade m dem Augenblick, als die Tante zu ihr trat, erschien in dem gegenüberliegenben die Gestalt eines jungen Maune« Bei ihrem Anblick zog sich dieser erschrocken zurück; da« junge Mädchen aber stand tief erröthend und mit niedergeschlagenen Augen vor ihr.

„Die nun folgende Scene kaun man sich denken,"

fuhr meine Begleiterin fort; „eine Freundin Marthas hat sie mir oft erzählt. Frau Wedel war außer sich, über diesen „Berrath" ihrer Nichte; diese gestand, daß der junge Mann, ein an der dortigen Schule ange- ft U ter Kandidat der Theologie, ihre Aufmerksamkeit zuerst durch sein schönes Klavierspiel auf sich gezogen, und daß sie seitdem öfters zusammen mustcirt. Sie wollte sich entschuldigen, die Tante aber unterbrach sie heftig: „Hält' es doch wiffen können, daß Art nicht von Art läßt," rief sie empört au«; „hab' mir ein gebildet, das Kind des Spietmanns könne noch ein oidentliches Mädchen werden! habe selbst gar sie Musik lehren lassen! Thörin, die ich war! aber ich bin noch zeitig hinter Deine Schliche gekommen, Du Undankbare! das Klavier kommt fort, und beim ersten Ton, den ich von Dir höre ..." * . .1 r

„Sie wollte wohl sagen: verläßt Du das Haus; ober sie hielt inne denn sic kannte ihre Nichte uub mochte nicht zu weit gehe». Diese stand bleich vor Erregung da; bas Wort „Spielmann" hatte sie tief getroffen, — aller Stolz, aller Trotz dieser freien Seele war dadurch wach gerufen worben! ... ..

„3a, ich bin das Kind deö SpielmannS," sagte sie endlich; „und ich will auch nicht höher hinaus Die Musik hat mich mit Ihm" — sie zeigte nacl> dem Fenster drüben — verbunden und ihm bleibe ich treu mein Lebelang. Willigst Du nicht ein, nun, so

magst Du mich verstoßen; ich bin nicht undankbar — aber von ihm lassen kann ich nicht!"

„Frau Barbara wußte wohl, daß sie ohne das Mädchen nicht mehr leben könne, auch mochte sie denken, ein siebzehnjähriges Herz fei noch wandelbar. Sie antwortete ihrer Nichte deßhalb, daß von „Ver­stoßen" nicht die Rede fein könne, aber sie werde selbst schon einsehen, daß ein armer Kandidat nicht für sie tauge, und die ganze Geschichte nichts als eine kin­dische Liebelei gewesen fei.

„So wurde die Sache für den Augenblick beige­legt; aber das innige Verhältniß zwischen Tante und Richte war gestört; die beiden harten Steine fingen an, sich an einander zu reiben. Frau Barbara sagte zu sich selbst: sie kriegt ihn nicht, komme, was da wolle; Martha sagte eben so bestimmt: ich heirathe ihn — wie lang' ich auch zu warten haben mag! Aber während sie nichts thun konnte, als eben warten, hatte ihre Tante den Vortheil, daß sie handeln durfte."

„Ihr Erstes war, eine Re.,e mit ihrer Nichte zu machen, um sie zu zerstreuen; und als sie nach mehreren Wochen «iederkehrten, war Martha's Zimmer nach der Hinterseite des Hauses, die auf den Garten ging, verlegt worden. Dies empörte das junge Mädchen, oaS, dem Befehl ihrer Tante gemäß, jeden äußeren Verkehr mit Günther — so hieß der Candidar — abgebrochen hatte, und diese« Mißtrauen deshalb als eine Ungerechtigkeit empfand. Zn ihrem Verdruß trat