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1873.
Zslarburg, Freitag, den 27. Juni.
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Oterhessische Stitatg
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Mühcn und an Erfolgen so reiche Session unberührt gelassen hat, in dem Geiste vertrauensvoller Gemein schafl mit der Reichsregierung, welcher das ganze Wirken dieses Reichslages geleitet hat, zu erfüllen.
— Der „Prov.-Corr." zufolge schreitet die Stärkung der Gesundheit des Kaisers fort und erfolgt seine Abreise nach EmS am 5. Juli. Fürst Bismarck würde sich nach dem Schluß des Reichstages nach Barzin begeben.
— lieber das neue deutsche Feldgeschütz werden anscheinend aus vollkommen zuverlässiger Quelle folgend^ Angaben veröffentlicht. Tie Tragweite desselben stellt sich unter einem Elevationswinkel von 15 Grad auf 4800 M. (also nahezu auf eine deutsche Meile), Oie Anfangsgeschwindigkeit der Geschosse hat sich, was bisher weitaus die höchste Leistung irgend eines Geschützes darstellt, zu 518 M. auSgewiesen. Die Feuergeschwindigkeit wird zu 7 bis 8 Schuß in der Minute bezeichnet. DaS Geschütz selbst ist rin 8 6m.- Stahl Ringgeschütz, also nach der früheren Bezeichnung ein Bierpsünder. DaS Rehrgewicht betiägt 430 Kilo, das Geschoßgrwicht wird zu 10 Kilo mit eimm Labungs-Quotienten von ein Viertel angegeben. DaS Langgeschoß besitzt drei Querreifen von Kupfer, deren mittel|ter die Führung übernimmt, und soll 2,9 Kaliber lang sein Zn diesem neuen Geschütz gehört eine schmiedeiserne Laffette. Im Ganzen werden die Construction und Eigenschaften dieses neuen Geschützes indeß noch in dem Grade als Geheimniß behandelt, daß dasselbe von dem Krupp'fchen Etablissement den gegenwärtig auf der Wiener Weltausstellung ausgestellten neueren Geschützen noch nicht mit beigefügt worden ist. Auch ist von diesem Etablissement ausdrücklich hervorgehoben worden, daß die Construction sieses Geschützes von den an Rußland überlassenen und neuerdings auch Oesterreich zu Versuchszwecken überwüsenen 8 Cm. Gußstahl-Ring Feldgeschützen in mehriachen Beziehungen wesentlich abweicht.
Wiesbaden, 23 Juni. Der evangelische Kirchenvorstand hat in seiner heutigen Sitzung mit allen gegen die Stimmen der anwesenben drei Geistlichen nachstehende Protesterklärung an das königliche Verwaltungsamt dahier mit Bezugnahme auf dessen AuS- schreiden vom 19. d. M. befchlossen: „Der unterzeichnete Kirchenvorstand erhebt hiermit auf Grund heutigen Sitzungsbeschlusses Einspruch gegen die Vollziehung der bei dem königlichen Verwaltungsamle Hierselbst
DaS Ständchen.
Novelette von Marie 6atm.
(Fortsetzung.)
„Aber das durch Leiden gereifte Mädchen weigerte sich, der Tante, welche ihr doch eine Fremde war, welche Mutter und Vater in Arinmh hatte sterben lassen, zu folgen. Von ihres Vaters Leiche sich zu trennen, dazu hätte keine Macht der Erde sie vermocht; sie folgte ihr zur letzten Ruhestätte, und erst nachdem sie mehrere Tage in dem verödeten Hänschen zugebracht und das ganze Entsetzen des Alleinseins und Allein stehen« die zarte K nderseele erfaßt hatte, erst da gelang eS den Zureden der Nachbarn, den Widerstand der armen Waise zu brechen.
„Frau Barbara hatte ihrer Nichte gesagt, als diese ihr Anerbieten zurückgewiesen: sie möge sich bedenken, und wenn sie sich eineS Besseren besonnen, zu ihr kommen. Ader das Mädchen konnte sich nicht ent schließen, so als Bittende zu der Tante hinzugehen; sie ließ ihr sag-m, daß sie bereit sei, ihr zu folgen, wenn sie sie holen wolle, und Frau Barbara, obwohl scheltend über diesen „Bettelstolz", wie sie ihn nannte, bequemte sich schließlich dazu. Vielleicht empfand sie eine geheime Sympathie mit diesem Stolze, der ja auch in ihrer Natur lag.
„So zog die arme Waise ein in das HauS der reieben Tante, einem neuen, herrlichen Leben entgegen Denn Frau Barbara war nicht gewohnt, etwas halb zu thun; wie sie starr und unerbittlich sich den Eltern verschlossen und sie ungerührt hatte untergehen lasten, so gab sie sich der Tochter mit ganzer Seele hin, und überschüttete sie mit Allem, was Reichthum zu gebe t vermag. ES war, als ob in dem Herzen der ftüh
Gesichtern auSgeht, sondern auch wieder ein neckische« Aufleuchten der feurigen, blauen Augen — denn sie waren feurig, trotz ihrer fünften Farbe — ein Erglänzen der reizenden Grübchen in Wangen und Kinn, ein Schimmern der blendend weißen Zähnchen zwischen den halbgeöffneten Lippen!
Daß es dem lieblichen jungen Mädchen nicht an Tänzern, und der Etbin der Frau Barbara Wedell nicht an Freiern fehlte, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Unter letzteren zeichnete sich ein Apotheker ans, ein sehr wohlhabender junger Mann, von guter Fam lie, und dem zu Folge eine der besten Partien unseres Städtchens. Die Tante war ihm denn auch bald geneigt, aber an der Nichte prallten alle seine Werbungen erfolglos ab. Vergebens sandte er ihr die zartesten Liebeserklärungen in Form von ganzen Kisten von Magenmorselle, Vanillechokolade und Citronat; Martha schickte sie uneröffnet zurück; uns wenn auch die Blumenboquets, mit denen er daraus sein Glück versuchte, ein besseres Loos hatten, so machte die grausame Schöne steh doch nur darüber lustig, daß ihr Verehrer im Eifer seiner Liebe den natürlichen Dpst der Blumen durch Patjcholi und „Eau de mille fleurs“ zu veredeln gesucht hatte, und nannte ihn scherzend den „Naturverbesserer."
„Die Tante war anfangs ärgerlich über den Widerstand ihrer Nichte, den» eö hätte ihr Freude gemacht, sie schon mit sechszehn Jahren zu verheiraihen; doch dachte sie, das schöne gefeierte Mädchen könne auch wohl noch bessere Freier finden, und so lug sie sie gewähren.
„An einem Sommerabend kam Frau Barbara früher, als sie beabsichtigt, von einem Ausgang zurück.
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bedeutende Fortschritte gesichert worden. In Betreff der Aufgaben für die weitere Ordnung der durch den Krieg veranlaßten Verhältniste bedarf es nur des Hinweises auf den Jnvalidenfonvö, die Umgestaltung der deutschen Festungen, die Ausbildung der deutschen Tiarine, die Kriegsleistungen u. s. w., um die Bedeutung der Session auch in dieser Beziehung ins Licht zu stellen. Die endgültige Regelung der Verwendung und Ver theilung der französischen Kriegskostenzahiung ist unter Festhaltung der von vornherein ausgestellten leitenden Gesichlspunete unter allseitigem Einverständnisse durch geführt, dabei vor Allem für die Sicherung der W-Hr- fähigkett des Deutschen Reiches erhöhte Bürgschaft ge geben, gleichzeitig aber auf die Förderung der wirth fchaftlichen Interessen des Volkes Bedacht genommen worden. Endlich hat der Reichötog auch das Gesetz durch welches ter volle Eintritt Elsaß Lothringens in das politische Leben Deutschlands geregelt wird, ohne Bedenken genehmigt und damit bekundet, daß er das Vertrauen der Regierung in Bezug auf eine heffutingS volle Entwickelung der Zustände in dem neuen Reichs lande, sowie auch die Ueberzeugnttg theilt, daß die Theilnahnie von Elsaß-Lothringen an der Reichster iretung das beste Mittel fein werde, den geistigen Anschluß des Landes an Deutschland zu fördern. Nur eine der Aufgaben, welche dem Reichstage gestellt werden mußten, eine der wichtigsten freilich, ist uner ledigt geblieben: das allgemeine Militärgesetz, welches in der Reichsverfassung verheißen und durch die Erweiterung des deutschen Heeres zu einer Nothwendig Feit geworden, ist unter dem Einfluß der jüngst erör terten Reichstagoverhältnisse nicht mehr zur Berathung gelangt. Die Reichsregierung hat nicht verhehlt, welch große« Gewicht sie um der Entwickelung der nationalen Institutionen willen auf die Vereinbarung dieses Gesetzes, des Schlußsteines unserer erprobten Wehr- verfassnng, legt: der jetzige Reichstag wird es seinerseits für eine Ehrensache halten, auch auf diesem Ge biete noch zum festen Ausbau der nationalen Verlas fung mitzuwirken. Der jetzige Schluß der Reichstags arbeiten wird nicht zugleich der Abschluß der Wirk samkeit der gegenwärtigen Reichsvertretung sein. Indem die Anträge derselben in Betreff der künftigen Berufung des Reichstags während der Wintermonate voraussichtlich schon in diesem Jahr? zur Verwirkli dtung gelangen, wird zugleich die Möglichkeit gewounen fein, auch noch jene Aufgabe, welche die jetzige, an verwitweten, kinderlosen Frau, ein Schatz von Lieb, sich angesammelt hätte, der bisher keinen Ausfluß ge funben, und den sie nun in reich r Fülle auf dies Kind, das ja auch Niemand hatte als sie, übertrug."
„Ihre erste Sorge war, Martha's sehr mangelhaftem Unterricht nachzuhelfen. Obwohl sie selbst ohne alle Schulbildung, sollte ihre Nichte doch, wie sie sich ausdrückte, Alles lernen. Die Schulen des Orts waren ihr nicht gut genug: sie ließ ihr Privatstunden geben in allen möglichen Dingen, selbst in der Musik, gegen die sie sonst eine entschiedene Ab Neigung gehabt, — vielleicht in Folge von ihrer Schwester Verbindung mit d m „Spielmann". Uno das junge, gutbegabte Mädchen machte die befriedigendsten Fortschritte; es vergaß den ihm früh ge lehrten Ernst des Lebens in dieser sorgenfreien, liebe warmen Atmosphäre und erblühte zu dem lieblichsten Mädchen, das man weit und breit sehen, konnte "
„Ich erinnere mich sehr wohl des ersten Casino Balles, auf dem sie erschien. Sie war erst sechszehn Iahte alt, — die Tante hatte es nicht erwarten können, das allerdings schon völlig erwachsene junge Mädchen in die Gesellschaft einzttführen. Wie sto z rauschte Frau Barbara in den Saal! wie strahlte ihr Auge, als sie den leisen Ausruf der Bewunderung vernahm, der unwillkürlich von vielen Lippen ertönte! Uno wirklich, es war ein bezaubernder Anblick, die schlanke, graziöse Gestalt, — von weißen Gazegewänoerit um hüllt, die Stirn halb bedeckt von dem lockigen, blon den Haar, aus dessen Wellen die einzelnen Blüthen, welche es schmeckten, neckilch hervorschauten; das süße, kindliche Antlitz voll Sonnenschein, aber kein ruhiger, Heller Glanz, wie er von manchen klassisch schönen
AeMungkN auf die „Hberhesstsche Leitung" bitten wir baldigst bei den betreffenden Postanstalten machen zu wollen.
Die Landbriefboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Mit dem neuen Quartal beginnt die Original-Novelle :
Des Schicksals Fügung,
von Ewald August König.
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Die Exped. der „überliess. Zig.“
Deutsches Reich.
Berlin 25. Juni. Die „Prov. Corresp." schreibt, die Wirksamkeit des Reichstages besprechend: „Wenn man die Wirksamkeit des Reichstages von der ersten Woche an, deren Gegenstände und Ergebnisse be ftimmter in« Auge faßt, so überzeugt man sich, daß so viel auch die Hemmnisse und Stockungen der ReiLstagsarbeiten beklagt worden sind, doch die Früchte der Session in solchem Umfange, wie sie jetzt vorliegen, nimmer hätten gewonnen werden können wenn die Berufung auch nur um einige Wochen, etwa dis nach Ostern, verschoben worden wäre. Als der Reichstag eröffnet wurde, kündigte Se. Majestät der Kaiser demselben umfassende Aufgaben in doppelter Richtung an, einerseits zur Befestigung und Ausbil düng der durch die Reichsverfassung geschaffenen In ftitutionen, andererseits zur Ordnung und Regelung der durch ein n großen Krieg herbeigeführten außer ordentlichen Verhältnisse In beiden Beziehungen ist in der That sehr Bedeutendes während dieser Session erreicht worden. Die Entwickelung der nationalen Einheit und der gemeinsamen Wahrnehmung der Reichsinteressen hat auf wichtigen Gebieten neue Bürgschaften erhalten, vor Allem durch den Abschluß der deutschen Münzgesetzgebuitg, durch die Gründung eine« Reichs-Eisenbahnamtes und durch die festere Gestaltung des Reichsbeamtenwefens. Auf dem Gebiete der Volkswirthschaft und des öffentlichen Verkehrs sind sehr