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Mr. M6

JUaröurg, Dienstag, den 24. Juni.

1873.

Obcrhcsjtsche;jcilnnfl.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22\8gr., durch die Postämter 27 Tgr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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Destellullgtk auf die „Höerhesstsche Leitung" bitten wir baldigst bei den betref- fenden Postanstalten machen zu wollen.

Die Landbriefboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Mildem neuen Quartal beginnt die Origi­nal-Novelle :

Des Schichals Fügung,

von Ewald August »antfl.

Neu zugehende Abonnenten in hiesiger Stadt erhalten die „Oberhesi. Zeitung" vom Tage der Bestellung an bis zum 1. guli gratis.

Die Exped. der „Oberbess. Ztg/‘

Deutsches Reich.

•* Berlin 21. Juni. Nach den über die Wiener Ausstellung erlasienen Bestimmungen kommt auf jede Gruppe der Jury ein Präsident und zwei Viceprä- fidenten. Die Bercheilung dieser Aemter nach den ein- zelnen Ländern hat bereits stattgcfunden. Was die Ausstellungsgruppen betrifft, bei denen vorzugsweise die Landwirthschaft interesstrt ist, so soll für die Gruppe Landwirthschafl, Wein- und Obstbau, Gar- tcnbau und Forstwirthschaft Oesterreich den Präsi­denten, Ungarn und England die Vicepräsidcnten; für die Gruppe NahrungS- und Genußmittel als Erzeug, niffe der Industrie Ungarn den Präsidenten, Portugal und Brasilien die Vicepräsidentcn; für die Gruppe daS Bauernhaus mit feinen Gerälhen und Einrich­tungen Ungarn den Präsidenten, Nordamerika und Rußland die Vicepräsidenten. — Die..Untersuchungs Commission hat nunmehr ihre Thätigkeit zum Ab­schluß gebracht; der sehr umfangreiche Bericht, dessen Lesung und Revision«-allein sechs Sitzungen in An spruch genommen hat, wird nunmehr dem Staatsmi- nisterium übergeben sein behufs weiterer Beschluß­fassung. In Bezug auf Personalien hat die Unter­suchung keine neue Ausbeute geliefert; besonders gra- virende Thatsachen gegen bisher in dieser Angelegen­heit nicht genannte Personen sind nicht mehr ermittelt worden; die Veröffentlichung ist, wie von dieser Stelle aus im Voraus angenommen worden war,

nicht von Sitzung zu Sitzung erfolgt, sondern im Zusammenhang mit den Folgen und Resultaten wohl durch das Staatsministerium angeordnet worden.

— 22. Juni. In Folge der gestrigen Bundes rathSsitzung, welche die Ergebnisse der Freitagssitzung formell bestätigte und thatsächlich die Vertagung der Papicrgeldsrage herbeisührte, werden heute die Fractionen des Reichstages über ein Amendement von Bamberger zum Art. 18 berathen, das im Wesentlichen die Ein ziehung der gegenwärtigen Banknoten bis zum 1. Jan. 1876 bestimmt; von diesem Termin an festen nur auf Reichswährung lautende Banknoten von 100 Mark und darüber ausgegeben werden. Dasselbe gilt von den bis jetzt von Korporationen ausgegcbenen Scheinen. Das gegenwärtige Staatspapiergeld soll bis zum 1. Januar 1876 eingezogen und spätestens 6 Monate vorher öffentlich aufgerufen werden. Dagegen wird die Ausgabe von Reichspapiergeld durch ein zu er lassendes Reichsgesctz statlfinden. Dieses Reichsgesetz soll über Ausgabe und Umlauf des Reichspapiergeldes, sowie über die den Einzelstaaten für die Einziehung zu gewährenden Erleichterungen Bestimmungen treffen. Wie verlautet, hat das im wesentlichen Inhalte ge­meldete Amendement-Bamberger Aussichten auf An­nahme im Reichstage und Seitens Preußens, welches dasselbe wahrscheinlich im Bundesrathe unterstützen wird.

Danzig, 21. Juni. Von den polnischen Flößern auf der Weichsel sind bisher an der Cholera erkrankt 42, verstorben 25, genesen 4. Wegen der Zunahme der Erkrankungen ist ein drittes Lazareth im Fort Ncujähr errichtet (Neufähr liegt an der Weichsel, 1 Meile oberhalb Danzig und wird von den den Danziger Hafen besuchenden Schiffen nicht berührt). In Danzig und dem Hafen Neufahrwasser ist bis jetzt kein Cholera­fall vorgekommen.

Detmold, 21. Juni. Tie „Elberf. Z " will von hier erfahren haben, daß Staatsminister v. Flott- well sein Entlassungs Gesuch eingereicht habe.

München, 21. Juni. Der König hat an den General von der Tann anläßlich seines Geburtstages ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßtes Handschreiben gerichtet.

Ausland.

Wien, 21. Juni. Der Kaiser hat eine Verord nung genehmigt, wonach der Liquidirungstermin bei der Auflösung von Aclicngesellschaften auf 3 Monate herabgesetzt und letzteren unter gewißen Voraussetzungen

zur Erleichterung der Fusionirung und Liquidirung, überhaupt aus Nachsicht, die Gebühren gewährt oder sogar bereits gezahlte Gebühren zurückerstattet werden. — Die „Neue freie Presse" demeulirt die Nachricht, daß die Einberufung des Reichstages beabsichtigt werde und ebenso, daß eine Abgeordneten-Conferenz berufen werden solle, um die finanzielle Frage zu berathen; dagegen sei die Regierung von einflußreichen Abgeord­neten aufgefordert worden, für den Geldbedarf in der Provinz Vorsorge zu treffen. Die Regierung scheint e.nem derartigen Projekte zugeneigt. — Nach demselben Blatte erreichten die Zeichnungen zum Garantiefonds bis gestern Abend die Höhe von circa 51/2 Millionen. — Der „Oesterrcichischen Correspondenz" aus Constan- linopel zugegangenen Privatnachrichten zufolge wäre der Sultan jüngstens entschieden geneigt gewesen, eine Reise nach Wien anzutreten, mit dem Vorsatz, für die Dauer seiner Abwesenheit seinen Sohn Aussus Jzzend- din Effendi als Regenten zurückzulassen. — Die Ost­bahn betreffend berichten Pester Telegramme über eine Vorlage de« ungarischen Ministeriums an die Legis­lative, wonach der Staat deren Prioritäten und Lasten übernimmt,'die Aktien mit 100 einlöst und das nöthige Geld mittelst einer Lotterieanleihe beschafft. — Die „Neue freie Presse" sagt: Während die Börse schwankt, vollziehen sich die Vorbereitungen zur Bewältigung des Ultimo in der kaufmännischen Welt ziemlich glatt.

— 22. Juni. Die Börsenkammer berieih gestern über die Revision der Arrangementsvorschristen ohne der jetzigen Methode eine neue zu substituiren, da hierüber eine Einigung noch nicht erzielt ist. Die „Reue fr. Presse" veröffentlicht und empfiehlt in Bezug hierauf ein neues Projekt, welches gleichzeitig mit dem Arrangement auch die Ordnung der Differenzen er­möglicht. — Nach Pester Berichten deffelben Blattes hätte die Nationalbank sich bereit erklärt, die beiden letzten ungarischen Anleihen zu belehnen.

Ber«, 21. Juni. Lanfrey hat den französischen Gesandtschaftsposten wieder angelreten. Die japane- stsche Gesandtschaft wurde heule Vormittag von dem Bundespräsidenten Geiejole empfangen.

Paris, 21. Juni. Der „National" veröffent­licht einen Artikel unter der Ueberschrift: Der Sylla- bus und die Encyclia, in welchem er beide Doku­mente mitiheilt, um darzuthun, daß die Jesuiten sich erst Frankreichs bemächtigen wollen, ehe sie gegen Ita­lien vorgehen. Um zu beweisen, daß die Minister

Tir Könige drS Morgenlandes.

Von Hans Wachenhusen.*)

Wenn selbst der beste Gast wieder seines Weges gezogen ist, wird ihm im Hause immer etwas lieble« nachgeredet werden. Er hat die Gardinen durch Tabaksqualm verräuchert, hat einen Fleck auf die Teppiche gemacht, zu wenig Trinkgeld gezahlt oder sonst etwa« gethan oder unterlassen, was ihm nach­gesagt wird, seit er keinen Schatten mehr im Hause wirft, und wenn er selbst das alte Sprüchwort beob­achtet, daß in drei Tagen der Gast und der Tisch alt werden, es rettet ihn nichts vor der Kritik derer, die er hinter sich gelassen.

Unsere hohe persische Menagerie hat uns Adieu gesagt. Der Schah wird mit viel höheren Begriffen von seiner Bedeutung als König der Könige zu seinen in glückseligem Verhungern begriffenen Unterlhanen zurückk-hren als er abgercist, unv seine Rückkehr wird ohne Zweifel mit einer großartigen Steuercintreibung g> feiert, die Beamten werden durch eine temporäre Streichung von dreißig Procent ihrer Gehälter gestraft, und Persien wird durch vielerlei andere Bortheile beglückt werden, die sein Beherrscher von seiner R-ije nach Hause getragen.

Die Art und Weise, in welcher man den Schah in Deutschland „momirl", das Arrangement von Feier­lichkeiten, die diesen selbst in hohem Grabe überrascht haben mögen, hat ohne Zweifel ihren politischen Bei­geschmack, der unsere deutsche Uneigennützigkeit in das schönste Licht stellt. Wir hatten von ihm nichts zu erreichen, als die Erneuerung eines Handelsvertrages,

♦) Aus der »Kölnischen Ztg."

die sich von selbst verstand; dagegen hatten zwei an­dere Mächte ihr Interesse an dieser europäischen Gast­freundschaft, und so mag es denn geschehen sein, daß man ganz nach orientalischem Gebrauch den Gast von einer Hand in die andere empfohlen.

Was von Seilen Preußens für den Schah gethan wurde, war gewiffermaßen ein rückstchtsvolleS Opfer zu Gunsten dec Jnrereffen, welche Andere in Central- Asien verfolgen; indessen mag es den Beherrscher Persiens nicht wenig geschmeichelt haben, daß er dem großen Manne seinen Orden überreichen durfte, der die „Sonne Europas" verdunkelt, daß er die Armee des Staates gesehen, von dem er bis vor wenigen Jahren kaum eine Ahnung gehabt und der vor den Augen der erstaunten Welt so plötzlich zu so ungeheuerer Größe aufgegangen: er persönlich aber wird den Zweck seiner Reise in ihren Resultaten übertroffen sehen und, wiederhergestellt in seiner Autorität im eigenen Lande durch die ihm an den europäischen Höfen erwiesenen Ehren, wird er seiner orientalischen Wirthschaft einige mißverstandene Institutionen aufpfropfcn, die auch fein Reich an den Rand der Civilisation bringen und von seinem Hungervolke neue, vielleicht die letzten Opfer fordern.

Mit größerer Besorgniß hat vielleicht niemals ein Herrscher sein eigenes Land verlassen als der Schah von Persien; mit gleich großer Befriedigung kehrt er zurück, und den Honig, den ihm Rußland und Enz land, die beide mit ihm Fangball spielen, um den Bart schmieren, wird er theuer bezahlen muffen.

Es ist eine alte Erfahrung, die jeder im Orient Reisende machen kann, daß die Mohamevaner, die in europäischen Schulen gebildet worden, die Merkmale

der Civilisation zunächst in Lackstiefeln und Glace? Handschuhen erblicken, daß sie mit solchen geschmückt in ihre Heimath zurückkehren, ihr Lebtage hindurch eine ganz besondere Vorliebe für dieselben bewahren, im Uebrigen aber gewöhnlich in den alten Sumpf zurücksinken und trotz allem Lack wieder die Alten werden. Ich habe dies oft in weit abgelegenen Eja lats beobachtet, habe daS hohe Interesse europäischer Zöglinge in der Umgebung mächtiger Paschas für ihre europäische Schulzeit bewundert, im Uebrigen aber tu ihnen die alten Instinkte des Mohamedaners unversehrt gefunden, die diesem unveräußerlich sind. Man findet dergleichen Leute an allen größeren und kleineren orientaltschen Höfen, wo sie bevorzugt werden auf Grund ihrer europäischen Bildung; aber des Is­lams äußere Sitten sind streng, und es würde ihnen übel verrechnet werden, wenn sie dieselben um fränki­scher Unsitte willen zu verletzen wagten.

Eine Ausnahme hierin macht nur der Hot deS Vicekönigs von Aegypten, der, selbst in Frankreich er­zogen, setnett eigenen, schwer geknechteten, durch Will­kürherrschaft und den Kurbatsch entnervten Unterthaiten das scandaleuse Beispiel schamlosen Unglaubens giebt, Mohamed einen guten Mann sein läßt, sich in den feinsten Weinen berauscht, unreine Würste speist und iränkische Liederlichkeit protegirt, sogarIelber mit Mil­lionen bezahlt; aber selbst dieser Abtrünnige ist in seiner Natur derselbe Türke geblieben, und wenn er sich einmal in Europa anderswo bewegt als in dem thm von Jugend her bekannten pariser Fahrwasser, so hat auch er seinen Compaß verloren.

Als dieser Vice-Monarch vor mchreren Jahren über den Semmering reifte, klammerte er sich ängstlich