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Mr. MS* Marburg, Sonntag, den 22. Juni. . . 1873.

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। Lderhessische Leitung.

SrsLeint t äalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Kvch'sche Buchdruckerei) bezogen 22j Sgr., durch die Postämter 27 @gr. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zecke 1 Sgr.

Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

DeMlungtk auf die „Höerhesftsche! Seitung“ bitten wir baldigst bei dm betref- fmdm Postanstalten machm zu wollen.

Die Landbriesboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen. ,;-

Mit dem neuen Quartal beginnt die Origi­nal-Novelle: ;

Des Schicksals Fügung, von Ewald August König.

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Die Exped. der „Oberhess. Ztg.“

Politische Wocheu-Urberficht

Kaiser Wilhelm weilt feit Sonnabend voriger Woche in mehr ländlicher Ruhe auf seinem schönen Par^chlosse zu Babelsberg. Da er auf den Rath seiner «erzte vorläufig von bewegteren Festlichkeiten und Anstrengungen fern bleiben will, fo hat der Kronprinz ihn in Darmstadt bei dem fünfundzwanzig- jährigen Regierungs-Jubiläum des Großherzogs von Hessen vertreten. Uebrigens nimmt der Kaiser in Babelsberg regelmäßig die Vorträge des Civil- und Militär Cabinets entgegen und zu seinen Diners werden öfter mehrere Gäste geladen, so am Montag der französische, am Dienstag der englische Botschafter. Wenn die in Elsaß Lothringen so eben vor der Thür stehenden Kreis- und BezirkSwahlm vorläufig noch nicht sehr reichsfreundlich ausfallen, darüber werden wir unS in Deutschland keine Sorge machen; die neue Praxis der Selbstverwaltung wird schließlich von selbst — wenn auch durch den Umweg einer freien und laut bethätiglen Opposition — die germanischen Anlagen der Bevölkerung wecken und

Die Lesteik»«k drS Cotopaxi.

Der Cotopaxi, der höchste unter den thätigen Vulkanen der Erde, hat endlich auch den Angriffen der Naturforscher erliegen müssen. Der -höchste Gipfel des Berges wurde am 28. November v: I. zum ersten Male von eine« Reisenden RamenS Dr. Reiß erstiegen. Derselbe spricht in dem Bericht, welchen er an den Präsidenten von Ecuad'vr gesandt hat, so geringfügig über seinen Erfolg, daß man kaum begreift, wie der Krater so lange in seinem nchsteriösen Dunkel verbleiben konnte. Der Reisende betont besonder«, daß er beim Besteigen nur geringe Schwierigkeiten und fast gar keine Gefahren zu be­stehen gehabt habe, jedoch läßt der Bericht auderer- seitS nicht verkennen, daß es an keinem von beiden gefehlt hat. Vielleicht ist die Haupturfachc der späten Erforschung dieses berühmten Vulkans in seiner entfernten Lage zu suchen. Läge er aus dem euro­päischen Coniinente statt in Südamerika, der Alpen. Club hätte wahrscheinlich schon längst kurzen Prozeß mit ihm gemacht Es scheint saft, als biete er zu wenig Schwierigkeiten, um einen echten Kletterer zu reizen; vielleicht steht er mit jenen Bergen der Karpathen aus gleicher Stufe, welche vor Kurzem von mehreren Engländern zur OperationSbasi« neuer Emdeckungen ausersehen waren. Zu ihrer großen Unzusriedrnheit fanden fie jedoch nur eine gemächlich berganlaufende Promenade, welche auch nicht die geringste Möglich­keit zum HalSbrechen bot. Aber für Dr. Reiß und andere praktisch« Bergsteiger bilden die Gefahren und das Vergnügen, welches das Erklimmen mit sich bringt, nur sekundäre Anziehungspunkte. Ihr Haupt­zweck ist die Feststellung neuer Thatfachen, welche dazu dienen, unsere geographische» Karten zu ver­vollständigen.

Am Fuße deS Vulkans kam der Reismde an dr» vrrlaffenen Palast« deS Inka« vorüber und hielt dort mit großer Strenge einigen benachbarten Far­mern ihre Rücksichtslosigkeit vor, in diesen merk­würdigen und wichtigen lleberrestea längst vergange-

so dieselbe dem Reiche bald inniger gewinnen. Diese Zuversicht leitete auch den Reichstag, als derselbe das Gesetz wegen Einführung der Reichsverfassung in Elsaß Lothringen vom 1. Januar 1874 an in dritter Lesung genehmigte unter Beseitigung einer Mißtrauens- Clausel des Entwurfs, welche das Wahlrecht der Schein Optanten bis zur ausdrücklichen Zurücknahme der OptionS Erklärung lassen wollte. Der Reichstag liegt mit Anstrengung — namentlich in den Com­missionen — der Erledigung deS Budgets und einigen anderen nothwendig noch in dieser Session zu erle­digenden Finanzgesttzen ob. In München spielte zur Frohnleichnamsfeier ein kleiner Confiict zwischen der allgemeinen deutschen Militär Ordnung und besonderen baierischen Gewohnheiten, den die baierische ultramon­tane Presse vergeblich gern zu einer Bedeutung auf» blasen möchte, die ihm durchaus nicht zukommt, wenn­gleich der Sieg der particularistischen Gewohnheits Rücksicht allerdings ein wenig, auch nm oberflächlich, an die Abel'schen „Kniebeugungshändel" erinnert.

Die österreichische Regierung hat dem Ge» neral-Director der Weltausstellung einen aus geeig­neten Staatsbeamten zusammengesetzten technischen Bei­rath an die Seite gestellt, welcher der General-Di rection bei der Administration der großartigen Unter­nehmung werkthätig an die Hand gehen und nament­lich im finanziellen Theile die Administration zu über­nehmen hat. Die Maßregel wurde, wie officiell mit getheilt wird, mit dem General-Director Schwarz vereinbart und von demselben bereitwilligst acceplirt, da er hierin nicht blos eine physische Entlastung von einer riesigen Arbeitslast, sondern auch eine Erleich­terung der großen ihm auferlegten Verantwortlichkeit erblickt. Unzweifelhaft ist diese Maßregel ein Miß- ttauensvotum gegen die Finanzgebarung des Barons, kommt aber natürlich viel zu spät. Der „Pester Lloyd" theilt in seiner gewöhnlichen officiösen Rubrik die angebliche Absicht der italienischen Cardinäle mit, nicht einen der Ihrigen, sondern Rauscher zum Nach­folger Pius' zu wählen.

ner Zeiten Schweine einzusperren und Komposthausen anzulegen. Gegen Tagesanbruch überschritt er den Laruchi-Fluß und setzte seinen Weg mit großem Eifer Über die Abhänge und Erdsturze bis zu den Lava­strömen von Neanana guairo fort. Im Laufe des Nachmittags erreichte er die Schneegrenze, woselbst er zu übernachten beschloß. Cr selbst spricht nicht viel von den Schwierigkeiten dieser Tagreise, seine Begleiter aber fanden dieselben so übermäßig, daß sie sich beim Halimachm in den Schnee setzten, jede Unterstützung beim Aufschlagen beS Zeltes verwei­gerten und selbst nicht durch Drohungen ihrer nie­dergedrückten Stimmung entrißen werden konnten. Während des Abends und der Nacht schneite es, so daß am anderen Morgen der Sand und die Lava von einer Eiskruste bedeckt waren Dieselbe war so glatt und hart wie GlaS unv nSthigte die Reisenden zu warten, dis mit dem Aussteigen der Sonne das Schmelzen erfolgte. Alsdann ging es mit der größten Eile von Neuem vorwärts und gegen Mit­tag gelangte Dr. Reiß an den Fuß der Felsen, welche den Gipfel des Berges krönen. Als er fich jetzt nach seinen Begleitern umsah, bemerkte er, daß dieselben bis auf seinen Diener und seinen Hund, welche ihm beide mühsam nachklettertm^ den An­strengungen erlegen und daher zurückgeblieben waren. Die Felsen, bei welchen der Reisende auf dem Gipfel jetzt angekommen war, erwiesen fich bei näherer Untersuchung als die ungeheuren Ueber- refte ehemaliger Lavaergüsse, aus deren Spalten zeitweilig Wolken von schwefliger Säure entwichen. -Während des Emporsteigens an denselben löste sich ein Theil als Geröll ab, so daß der Reisende eine nicht unbedeutende Wunde davontrug. Aber er und sein treuer Begleiter setzten ihren Weg rastlos fort, bis sie sich gegen Abend plötzlich und unerwartet am südwestlichen Theile des Kraterrande- befanden. Der­selbe lag fünfzehnhundert Fuß unter ihnen, und zeigte fich wahrscheinlich zum ersten Male dem mmschlichen Luge. Die Form des Kraters erwies sich al« eine

Der schweizerische Bundesrath hat seinen Ent­wurf zur Bundesverfassungs-Revision in zweiter Be- rathung zu Ende gebracht und festgestellt. Der am Sonntag abgehaltene, auS allen Theilen der Schweiz über Erwartung zahlreich besuchte schweizerische „Volks­tag" hat für eine „zeitgemäße Bundesreform" sehr entschiedene Resolutionen angenommen.

DaS Ereigniß der Woche in der französisch en Republik, welches das meiste Aergerniß erregt hat, ist das Gesuch Ladmirault's, deS Oberbefehlshabers der Armee von Versailles, um die Ermächtigung durch dir Nationalversammlung, den Abgeordneten Rane wegen Betheiligung an der Commune verfolgen zu bürfen. Wie auffallenb dieser um mehr als zwei Jahre verspätete Schritt als in dem Momente ist, wo Ranc's Wahl in Lyon vom Hause bestätigt wurde, so haben sich doch die Bureaux mit großer Majorität für diese Erlaubniß ausgesprochen, und es steht zu erwarten, daß auch in der öffentlichen Debatte diese Majorität fest bleiben werde. Denn daß dieser Schlag eine politische Bedeutung hat, daß er gegen die mil­dere Praxis der Thiers'sten Periode gerichtet ist, wird von den vertrauten Blattern der Koalition vom 24. Mai gar nicht in Abrede gestellt. DaS Auffal­lendste dabei ist, daß Mac Mahon, der Nachfolger von Thiers, der bis zu seiner Wahl zum Chef der Executive Oberbefehlshaber der Versailler Armee war, als solcher die Pflicht hatte, darauf zu achten, daß in dem Kreise der Kriegsgerichte gleiche Gerech­tigkeit für Alle geübt werde, und daß der damalige Justizminster wiederholt in der Nationalversammlung, ohne Widerspruch zu finden, erklärt hat, das Cabinet habe niemals anregend oder abwehrend einen Willen oder Einfluß in Bezug auf Schritte der Kriegsge­richte gezeigt. Es kann daher nicht fehlen, daß, wenn Thiers und Dusaure in dieser Angelegenheit öffentlich auf der Tribüne angegriffen werden, diese den Mar­schall Präsidenten in Mitleidenschaft ziehen werden. Auch die Ernennung Chanzy's zum General-Gouver- neur von Algerien und der Umsturz der Civil-Regie-

Ellipse, deren längere Achse sich von Norden nach Süden erstreckt. Der äußere Rand fällt in steilen- zerklüfteten Abhängen gegen die Mitte ab, ohne dort eine größere Ebene zu laffen. Im Nordosten «ar der Krater mit dicken Schneemassen bedeckt, der übrige Theil dagegen lag vollständig frei. DaS Geräusch der an den Äratermanbungen hinabschnurrenden Bruch­stücke, sowie am Südwest-Ende des Krater» aufsteigende Schwefeldämpfe erfüllten die Luft. Das Barometer stand aus 5,993 Meter, also beträchtlich höher, als man früher angenommen hatte. Bemerkenswerth ist die Beobachtung, daß sich unter den Absonderungen des Kraters Chlorverbinbungen fanden, deren Ab­wesenheit Humboldt als Charakteristikon für die süd- amerikanischen Vulkane aufgestellt hatte. Jndeffen tonnte der unerschrockene Reismde seine Beobachtungen nicht vollenden, denn während er mit der genaueren Untersuchung der Erde beschäftigt war, führte ihm der Wind eine Quantität schwefliger Sänredämpfe zu, daß augenblicklich eine bedeutende Entzündung der Augen und der Schleimhäute eintrat, welche ihn ver­anlaßte, sofort die Rückkehr anzutreten. Er ist der Ansicht, daß die ungehmeren Fluthen, welche oftmals die ganze Umgegend verwüsten, ihren Ursprung in dem plötzlichen Schmelzen des Schnee und des Eises haben, welche in den hochgelegenen Bergschluchten eingelagert find und den hervorbrechenden heißen Gaswaffen und Lavaströmen weichen muffen. Dr. Reiß bemerkt ferner in Bezug auf die von vielen Reisenden geschilderte Schwierigkeit beim Athmm, sowie auf das Hervor- bringtn des Blute« au« Nas« und Ohren, daß va« Athmen allerdings in einer Höhe von 12,000 Fuß einige Schwierigkeit biete, die jedoch bei zunehmmder Höhe nicht mehr zu fteigen scheine. (?) Der Hund des Reisenden schien noch mehr zu leiden als di« Begleiter deffelbeii, aber obgleich feine Lungen nur schwach warm, besaß er doch Gewissenhaftigkeit genug, seinem Herrn leise knurrend bis zum Gipfel zu folgen. (Newyork Tribüne.)

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