mente der Parteien hat das Deficit bereits die bedenklichsten Dimensionen erreicht. Dazu steigt eine neue Zwangs - Anleihe in Gestalt einer Steuer von 100 Millionen herauf. Jedenfalls läßt Spanien sich seine Republiken etwas kosten und liefert zugleich den unwiderleglichen Beweis, daß dieselben denn doch etwas theuerer sind, als die Monarchie es gewesen.
London, 18. Juni. Der Schah ist um 6V4 Uhr am hiesigen Bahnhofe angekommcn und wurde empfangen durch den Prinzen von Wales, den Herzog von Cambridge, den Fürsten Teck und den Prinzen Christian von Schleswig-Holstein, welche Ihn nach Marlborough House begleiteten. Dort speiste er mit dem Prinzen von Wales. Die Menge auf den Straßen war trotz des regnerischen WetterS sehr groß und schrie in lautem Jubel. — Der Zarewitsch hat dem Schah unmittelbar nach dessen Ankunft einen Besuch gemacht.
Petersburg, 19. Juni. Uebcr die Gefechte der russischen Truppen mit den Chiwesen wird noch gemeldet, daß die Stärke des Feindes sich bei Chod scheili auf 6000 Mann und 6 Kanonen, bei Mangyt auf 3000 Mann und 3 Kanonen bezifferte. General Wercwkui ist noch drei, General Kaufmann noch zwei Tagesmärsche von Chiwa entfernt.
Philippopoli, 18. Juni. Der Eröffnungszug der neuen Eisenbahn von Konstantinopel verließ um 1 Uhr Adrianopel und traf hier um 6V2 Ihr Abends ein. Er legre 44 Kilometer in der Stunde zurück.
Konstantinopel, 18. Juni. , Die Eisenbahn- linie nach Adrianopel ist eröffnet worden. An der Eröffnungsfahrt betheiligten sich der Großvezier, mehrere Minister, Baron Hirsch und die Bahn-Ingenieure. Die Bahn erwies sich als völlig betriebsfähig.
Rew - Uork, 18. Juni. Die Cholera dauert fort, ohne abzunehmen. Aus Nashville fliehen die Bewohner; die Geschäfte sind snspendirt.
Kastel, 18. Juni. Im Laufe dieser Woche er folgt die Wahl eines zweiten Bürgermeisters für die nominelle Residenzstadt Kassel. Nicht weniger als 24 Candidaten haben sich nach uns gewordener Mittheilung um diesen „Beigeordneten"-Posten beworben, aus denen nun die Väter der Stadt zu wählen haben werden. Bei dem Umstande, daß die dortigen städtischen Verhältnisse neuerdings eine sehr üble Kritik erfahren haben, bleibt nur zu wünschen, daß der neue zweite Bürgermeister den Reformen mehr zugethan ist, als das erste Stadtoberhaupt. — Nachdem nunmehr in Kassel der Streit wegen der Verlegung der Bürger- töchterschule in moderige Tanzsäle durch höchstinslanz- liche Entscheidung zu Gunsten der strikenden Eltern geschlichtet worden, verlangt jetzt die Stadtbehörde von den Letzteren für die Zeit, in welcher dieselben ihre Kinder vom Schulbesuche aus anerkannten sanitäl- lichen Gründen ferngehalten haben, das Schulgeld, welches selbstredend entschieden verweigert wird. — Die Dampfschifffahrt auf den Strecken Kassel-Gunters- Hausen und Kassel-Münden auf der unteren Fulda soll im 9auje der nächsten Woche ihren Anfang nehmen. Die Passagepreise betragen ungefähr die Hälfte der bezüglichen Eisenbahnfahrgelder. — Der Handelsminister soll dir hiesige königliche Eisenbahn Direction mit der Vornahme der allgemeinm generellen Vorarbeiten für die Linie Kassel-Helsa-Waldkappel beauftragt haben.
Fulda, 17. Juni. In dem gestrigen "Termine zur Veräußerung des SchlvffeS Bieberstein an der Rohn erhielt Herr Stabsarzt Dr. Vogler vom hiesigen Füssilierbataillon mit dem Gebote von 10010 Thlrn. den Zuschlag. Der Minimalsatz, zu welchem das Schloß abgegeben werden konnte, war auf 4100 Thlr. bestimmt, und ist mithin derselbe durch obiges Gebot 21/? mal überstiegen. Mitbieter war außer der Ge- meindehosbieber ein Consortium hiesiger Bürger, ver treten durch Hern Rentier August Meyer, deren höchstes Gebot 10000 Thlr. betrug. Auch einige Herren aus Caffel waren zu dem Termine erschienen. — Am Dienstag Nachmittag nach 3 Uhr passirte, von Bad Ems über Gießen kommend, König Johann von Sachsen die hiesige Station und hielt sich bei dieser Gelegenheit in dem zu seinem Empfange festlich geschmückten Saale des Eisenbahnempfangsgebäudes ungefähr eine halbe Stunde auf. Der König, der sichtlich über den ihm gewordenen Empfang erfreut war, unterhielt sich auf das Leutseligste mit den anwesenden höheren Eisenbahnbeamten, sowie mit dem Bahnhofsrcstaurateur Epstein. — Die gestrige schwur- gerichtliche Verhandlung gegen Johann Nüchter endete Abends 11 Uhr. Der Angeklagte wurde des Verbrechens des Raubes und schwerer Körperverletzung mit tödtlichem Erfolge für schuldig erkannt und zu lebenslänglicher Zuchthausstrafe' verurtheilt. — Am Montag und Dienstag wurde vor dem Schwurgerichte gegen die ledige Margaretha Weisenstein von Wehrda wegen zweifacher Brandstiftung verhandelt und die- sübe zu 5 Jahren und 7 Monaten Zuchthaus ver- «thrilt. (Fuld. Anz.)
Berlin, 19. Juni.
Der Reichstag erledigte heute zunächst in dritter Berathung den Gesetzentwurf, betreffend die Controle des Reichshaushalts für das Jahr 1873. Abg. Richter sprach die Hoffnung aus, daß dieser Etat der letzte sein werde, der statt durch einen Rechnungshof des deutschen Reiches durch die preußische Oberrechnungskammer geprüft werde und glaubt, deshalb, in der Voraussetzung, daß die Regierung Alles thun werde, um baldmöglichst aus diesem provisorischen Zustande herauszukommen, von einer Kritik der in der Vorlage vorgeschlagenen Maßregel einer Verlängerung dieses Provisoriums absehen zu dürfen. Der Gesetzentwurf wurde hierauf mit großer Majorität genehmigt. — Abg. Lasker referirte sodann über die Regelung des ReichshaushaltsctatS für 1872. Die Regierungsvorlage bestimmt, daß aus dem Uebetschusse des Jahres 1872 dem Reichskanzler durch ein besonderes Gesetz zusammen 1,728,814 Thaler zur Bestreitung einer Reihe von Ausgaben zur Verfügung gestellt werden sollen; dagegen schlägt die Commission vor, die spe- ciell aufgefüheten Positionen mit unwesentlichen Ab änderungen in dem Nachtragsetat für das Jahr 1873 zu bewilligen und die Feststellung der Matrikularbei träge für 1872 in dem Etat für 1874 erfolgen zu lassen. Der Präsident Delbrück erklärt sich mit dieser Form der Erledigung einverstanden, worauf das Haus die Vorschläge der Commission mit großer Majorität genehmigt. — Ebenso wurden die Etats für die Ver waltung des Reichsinvalidenfonds für 1873 und 1874 nach dem Bericht des Abgeordneten von Wedell-Mal- chow ohne wesentliche Debatte genehmigt. — Endlich ging das Haus zur Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Antheil des ehemaligen norddeutschen Bundes an der französischen Kriegskostenentschädigung über. Der Referent Abg. Miquel entwickelte eingehend die Vorschläge der Budgetcommission und die Motive, die für die gefaßten Beschlüffe maßgebend gewesen seien. Die Höhe der Summe von 106,846,810 Thalern zu Retablissementszwecken und von 13,241,000 Thalern für militärische Bauten und Einrichtungen hielt die Commission für angemessen, dagegen bean tragtr sie, von dieser letzteren Summe in den Jahren 1873 und 1874 nicht 1,558,000 und resp. 5,993,000 Thaler sondern nur 1,000,000 und resp. 4,257,000 Thaler zur Verwendung zu bringen. Der Referent schloß seine Ausführungen mit dem Ausdruck der Anerkennung für die Energie und Umsicht der Militärverwaltung, welche es dem deutschen Reiche gestatte, jeder Eventualität der Zukunft ruhig entgegenzusehen. In der Specialberathung beantragte Abg. v. Wedell- Malchow, die für 1873 zu militärischen Bauten ausgeworfene Summe von 1,000,000 Thalern um 84,000 Thaler zur Erwerbung eines Bauplatzes für ein zweites Garnisonlazareth bei Berlin und für Fest stellung von Plänen und Anschlägen zu erhöhen. Der Bundescommissar, Generalmajor v. Voigts- Rhetz empfahl die Annahme dieses Antrages im In- teresse der Befriedigung eines dringenden Bedürfnisses. Abg. Frhr. v. Hoverbeck wies darauf hin, daß der eigentliche Zweck des in Aussicht genommenen neuen Lazareths der sei, eine Musteranstalt zu schaffen. Für ein so wichtiges und theures Institut könne man, ohne sich für künftige Bewilligungen die Hände zu binden, nicht Gelder gewähren, so lange nicht be stimmte Pläne und specielle Kostenanschläge vor- lägen. Bundes - Commissar von Voigts Rhetz erklärte, daß, ganz abgesehen von der Frage der Herstellung einer Musteranstalt, der Zustand der bestehenden Lazarethe den Neubau eines Garnisonlaza- reths dringend nolhwendig mache. Durch Bewilligung der Mittel für den Bauplatz werde der späteren Bewilligung der Kosten für das Gebäude selbst und die Einrichtung desselben in keiner Weise präjudicirt. Das Material zur Begründung der Nothwendigkeit des Lazareths habe er in der Commissionssitzung noch nicht zur Hand gehabt, sonst würde er es dort bereits vorgelegt und dadurch den Beschluß der Commission wahrscheinlich anders gestaltet haben. Nachdem Abg Lasker in Folge dieser Erklärung ebenfalls den Antrag empfohlen hatte, wurde derselbe mit großer Majorität angenommen. — Zu der Position von 100,000 Thlrn. als erste Rate zum Neubau einer Kaserne für 2 EscadrouS in Neuhaus bei Paderborn bemerkte Abg. Schröder (Lippstadt), daß er für die Verlegung der Garnison von Lippstadt und Weeden- brück nach Neuhaus jede sachliche Begründung vermisse. Da auch die Bevölkerung der erstgenannten Orte ihre Garnison gern behalten möchte, so könne nur der persönliche Wunsch des Regimentscomman- dmrs für diese Maßregel maßgebend sein, desselben CommandeurS, der — nach den Mittheilungen des Abg. v. Schorlemer-Alst im preußischen Abgeordnetenhause — die bürgerlichen und katholischen Offiziers- Aspiranten von seinem Regiment ausschließe. — Kriegsminister v. Kamele erklärt, daß grundsätzlich
in der deutschen Armee weder auf den Adel noch auf das religiöse Bekenntniß im Geringsten Rücksicht genommen werde, und daß nach den angestellten Ermittelungen der in Rede stehende Commandeur auch amtlich gegen den genannten Grundsatz nicht verstoßen habe. Nach einer noch fortgesetzten längeren Debatte werden die angesorderten Beträge bewilligt. Nächste Sitzung morgen.
— Der Gesetzentwurf über die Abänderung des Vereinszolltarifs ist gestern Abend den Reichstagsmit- gliedern zugegangen.
Vermischtes.
— Der Dichter Hoffmann von Fallersleben feierte am 14. Juni sein fünfzigjäbriges Doktor - Jubiläum Am genannten Tage 1823 wurde er vom Rector und Senat Uni- versitatis Lugduno - Batavae zu Leyden zum Magister und Doktor kreirt, nachdem er der Universität den ersten Theil seiner Horae belgicae eingesandt hatte. Seit mehr als einem Dezennium lebt der Dichter als Bibliothekar des Herzogs von Ratibor auf Schloß Corvey an der Weser.
Ernennungen, Verleihungen rc.
Der Bürgermeister a. D. Bax in Zwesten und der Monom Steinmetz in Schrecksbach sind zu Postagenten bestellt worden. Der Postpacketträger Weckesser in iKaffel ist zum Postschaffner daselbst, und der Invalide Sergeant Johann Bernhald Müller von Suhl zum Postschaffnerin Eschwege ernannt worden. Prinz z u S 0 l m s-Hohensolms- Lich, Sec.-Lieut. vom 2. Hess. Husaren-Regt- Nr. 14. in das Regiment der Garde-du-Corps versetzt. Schwankt Port- Fähnr. vom 6. brandend. Inf. Regt. Nr. 52, zu Hess. Feld- Art.-Regt. Nr. 11, Div.-Art , vesetzt.
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Ansbach-Gunsenhausener Loose. Ziehung am 16. Juni. Hauvtpreise: Serie 347 Nr. 32 16,000 ft, Serie 4490 Nr. 43 2Ö00 fl.
Telegraphische Depeschen -er Ober- hessischen Zeitung.
Berlin, 19. Juni. Dem „Preuß. Volksblatte" zufolge hat Graf Roon als Vorsitzender des Aus- schusscs für Landheer und Festungen unterm 4. Juni ein dringendes Schreiben an den Reichskanzler gerichtet, worin unter dem Hinweis auf die von den tonangebenden Parteien behauptete Unmöglichkeit, den Militärgesetzeniwurf noch in dieser Session zu erledigen, eie Befürchtung über das Nichtzustandekommen des Militärgesetzes ausgesprochen wird. Seine verfassungsmäßige Geltung, heißt cs darauf weiter, bedeute aber nicht allein die militärische Sicherheit und politische Selbständigkeit Deutschlands,, sondern auch die ruhige und organische innere Entwickelung des gesammten Verfassungslebens. Sollte die Vorlage in der gegenwärtigen Session lautlos verhallen, ohne auch nur discutirt zu fein, würde jede Gelegenheit abgeschnitten sein, Angesichts der bevorstehenden Wahlen den für den Entwurf geltend zu machenden Momenten das Verständniß der Nation zugänglich zu machen. Im weiteren Verfolg des Schreibens soll dem Reichskanzler nahe gelegt sein, zu erwägen, ob es nicht angemeffen wäre, von Seiten des Bundes- rathes und des Reichskanzlers in seiner Eigenschaft als Vorsitzender desselben den Reichstag daran zu mahnen, daß die wichtigsten Gesetze, die ihm vor- gelegt würden, füglich auch nicht unerledigt bleiben dürften.
Versailles, 18. Juni. Nationalversammlung. Nach langer Debatte, in welcher der Justizminister Ernoul Namens der Regierung dagegen protestirt, daß dieselbe das Gouvernement ThierS angreifen und einen politischen Gedanken einer reinen Justizfrage beimischen wolle, verwirft die Versammlung mit 450 gegen 250 Stimmen den Antrag Cazots, eines Mitgliedes der äußersten Linken, welcher fordert, daß die Nationalversammlung die Entscheidung, ob Rauc in Anklagestand versetzt werden dürfe, so lange aufschiebe, bis Ladmirault, Ciffey, Appert, Barail und Broglie durch die Commission vernommen worden seien Die Anträge deö CommisstonsberichtS auf Genehmigung der Verfolgung RancS wurden darauf mit 485 gegen 137 Stimmen angenommen.
Rom, 19. Juni. In der heutigen Kammersitzung stellte Minister Sella das Verlangen, daß die Finanzvorlagen auf die Tagesordnung der Montagssitzung gestellt würden. Te PrettS fordert Vertagung der Kammer bis zum November und protestirt dagegen, daß er damit den Wunsch eines Ministerwechsels ausdrücke. Beim Namensaufruf ergab sich die Beschlußunfähigkeit der Kammer, worauf die Abstimmung auf morgen vertagt wurde. — Heute wurde die Eisenbahn Borgoforte - Mantua eröffnet, welche Modena mit Mantua verbindet.________________________________
Frankfurt a. M., 20. Juni. (Schluß-Course). Staatsbahn - Aktien 348$, Elisabeth 223$, Galizier 229, Lombarden 199$, Nordwestbahn 221, Creditactien 277j, Silberrente 65$, Papierrente —, 1860t Loose 92$, National - bank 1033, Spanier 18$, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank—, Effecteubank —, Kurheffen —•
Berlin, 20. Juni. (Anfangscourse). Ereditactien 158$, Staatsbahn 199, Lombarden 113$, Ämerik. 97.
Wien, 20 Juni. (Anfangscourse). Ereditactien 335.50, Lombarden 270.00, Napoleons —.