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rrmg mit Energie auf eine Politik der Ordnung und der Erhaltung eingehen." Diese Mitthcilung stammt aus dem Beuls'schen Preßbureau. Uebrigens stehl die Mitlheilung der „Assemblee Nationale" im grellen Widerspruche zu der Wahrheit, da, wie man in Ab­geordnetenkreisen hört, fast alle Berichte, welche die neue Regierung von ihren Agenten erhalten hat, ihr zu verstehen geben, daß die Revolution vom 24. Mai und das Auspflanzen der ultramontanen Fahne im ganzen Auslande die schlechteste Wirkung hervorgebrachi haben. Einige der französischen Vertreter haben cS sogar nicht verheimlicht, daß im Auslande die Ansicht vorherrschend ist, daß das neue Regime direct zur Herrschaft der Radikalen führen müsse, da man glaubt, die große Majorität der Franzosen werde sich eher noch diese gefallen lassen, als sich unter die Zuchtruthe des Syllabuö stellen. — Wie man voraussehen konnte, hat die von dem obersten Unterrichtsrathe für die Prüfung der Zules Simon'schen Reformen ernannte Commission sich gegen dieselben ausgesprochen. Der klerikal - reactionare Patin wurde zum Berichterstatter ernannt, und es ist deshalb alle Hoffnung vorhanden, daß in Frankreich nicht allein Alles beim Alten bleibt, sondern ein UnterrichlS-System eingeführt wird, welches die Verdummung noch größer macht. — General Ehanzy begibt sich nächsten Sonnabend auf dem „Kleber" nach Algerien, um das General-Gouverne­ment zu übernehmen. Derselbe war gesterst in der Abend Gesellschaft von Mac Mahon. Dort hatte sich auch Lanfrey eingefunden, der sich dieser Tage aus seinen Gesandtschaftsposten nach Bern zurückbegibt.

Rom, 15. Juni. Wie befindet sich der Papst? Das ist eine Frage, die Manchen interessirt, aber von denjenigen, die etwas darüber verrathen könnten, mit der äußersten Zurückhaltung behandelt wird. Andere, die sich nur den Anschein geben, etwas zu wissen, stutzen die Nachrichten nach gewissen wirklichen oder eingebildeten Jntercfien zurecht. Allzu gute Vorstel­lungen wird man sich von dem Befinden des Papstes nicht zu machen haben. Es bedeutet gar nicht viel, wenn es zum Beispiel heißt, daß Papst Pius IX. am Pfingstsonntag die Messe gelesen hat. Der Papst kann es sich erlauben, was allerdings keinem Priester oder Bischof zustehen würde, auf seinem Armstuhl sitzend zu celebriren, indem er sich nur bei den beiden wichtigsten Momenten einen Augenblick von seinen geheimen Kammerdienern aufrichten läßt. Sein Be finden hat sich, im Vergleiche mit seinem Zustande im April und Mai, allerdings wesentlich gebesiert. Aber wenn die Gefahr einer raschen Auflösung etwas in den Hintergrund getreten ist, so sind doch noch arge Gebresten zurückgeblieben. Den Gebrauch des rechten Beines hat Pius ganz verloren und das linke bewegt er nur noch mit großer Mühe, so daß er die wenigen Schritte, die er täglich macht, nur mit Hülfe eines Stockes und einer Krücke zu Stande bringt.

Man eifert oft gegen die Osficicrsehen mit dem beständigen Garnisonswechsel, dem dadurch unterbro­chenen Schulbesuch der lieben Kinderchen, und dem Verkauf der Möbel, wobei über die Hälfte des Wer- thes verloren wird rc. Im Uebrigen aber hat eine Osficiersfrau wahrlich den Himmel auf Erden im Vergleich zur Gattin eines Schauspielers, der entwec cr ein nichtsnutziger Bühnenkünstler oder — wenigstens so lange er noch jung ist — ein leichtsinniger Ehe- mann sein wird. Ein genialer Künstler, welcher Kunst er auch dienen mag, kann niemals ein Mustergatte sein.

Daß übrigens aus Harmer und Pauline kein Paar wurde, darf nicht Wunder nehmen, es ist eben der gewöhnliche Ausgang einer Badeliebschaft, daß von hundert solchen Verhältnissen kaum eines durch- und ausgcführt wird. Es war eben zur Unterhaltung, pour pasaer le temps, Was bleibt am Ende auch einem jungen Mann, der nicht ausschließlich durch die Pflege seines gebrechlichen Leichnams in Anspruch ge­nommen ist, im Bade übrig, als eine Liebschaft an­zufangen? Das sollten die jungen Damen endlich ein­sehen und die Sache nicht zu ernsthaft nehmen! Vor­sichtige und gewisienhafte Männer lasten daher die Mädchenwelt links liegen und widmen ihre Huldi­gungen den Frauen, um — wenigstens kein Herz zu brechen.

Und die Moral, die Tendenz, die Nutzanwendung der Geschichte? Nun denn — junge Damen können daraus lernen, daß es immer ein gewagtes Unter nehmen bleibt, sich in eine Liebschaft einzulastcn; El­tern mögen dadurch gewarnt werden, ihre Töchter nicht bei den Herrenhutern erziehen zu lassen, und endlich mag es Jedermann beherzigen, daß man anonymen Briefen keinen Glauben schenken darf.

Wenn diese Geschichte dazu beitrüge, diesen An­sichten Eingang zu verschaffen, so würde das „des Verfassers schönster Lohn" sein, wie es sonst gewöhn lich in der Vorrede heißt und hier als Schlußwort stehen mag.

London, 17 Juni. In ziemlich allen Zeitungen behauptete gestern die Besprechung der Meldung des „Observer" über den sogenannten „Zanzibareontract" den hervorragendsten Platz, und in fast allen Blättern lief diese Besprechung auf einen Protest hinaus, der in seinem Sinne identisch war. Glücklicherweise ist der neu heraufbeschworenen Krisis die Spitze abge­brochen worden. In der Person des Parlamentsmit­gliedes Bouverie, in letzter Zeit eines der heftigsten Feinde oder wenigstens Angreifer des Cabinets, hat sich plötzlich ein deus ex machina gefunden. Woher sich Bouverie's unerwartete Rückkehr zur früheren Freundschaft schreibt, das laßt sich leicht errathen. Die Parlamentsauflösung steht vor der Thür, das ehrenwerthe Mitglied für Kilmarnock hat von seinen Wählern einen kleinen Wink der Mißbilligung er­halten und es ist ihm um seinen Sitz bange. Bou­verie kündigte gestern al- Amendement zu des Schatz kanzlers Antrag auf Bestätigung des Postcontractes für Zanzibar und Aden ben Vorschlag an, die Ange­legenheit einem Speeialäusschuß zur Prüfung zu über­weisen. Entschließt sich mittlerweile der Schatzkanzler nicht zu einer einfacheren Lösung, durch Zurücknahme des Contracts, so bietet dieses Amendement einen prächtigen Ausweg aus dem Dilemma, und man ist sich ziemlich sicher darüber, daß die Regierung ben willkommenen Vermittelungsvorschlag annehmen werbe.

Fulda, 17. Junh Ganz im Gegensatz zum Bischof in Paberborn hat der hiesige Bifchof auf die Aufforderung der Regierung zur Mitwirkung bei der Ausführung der Kirchengesetze sofort die gewissenhafte Beantwortung der von der Regierung aufgestellten Fragen über etwaige geistliche Bildungsanstalten, deren Lehrpläne re. durch den Regens des hiesiegen Priester- seminares angeordnet. Ueberhaupt strebt der Bischof sowohl wie der ältere Theil des Clerus in gerechter Würdigung der Zeitverhällnisse in voller Eintracht mit der Regierung zu leben. Ein großes Verdienst zur Anbahnung dieses friedlichen Zusammenlebens ist dem hiesigen Landrathe Cornelius zuzuschreiben. (H. M.) Hanau, 17. Juni.' Gestern wurde eine größere Anzahl hiesiger Gewerbetreibender wegen Führens Wi­scher Waagen und Gewichte in den Verkaufsloealen, resp. wegen Anhängens den Dortheil des Verkäufers fßrbembcr Gegenstänbe an bie Waagenbalken, vom Schöffengericht in namhafte Geldstrafen genommen.

Berlin, 18. Juni.

In der heutigen Sitzung beö Reichstages richtete Abg. Harkort an bas Reichskanzleramt eine Interpellation, bahin gehenb, „ob ber Proceß, welcher im Mai 1872 noch gegen einen ber bei ber im Jahre 1863 erfolgten wiberrechtlichen Conbemnation bes preußischen Barkschiffes Ferbinanb .Rieß im Hafen von Preis beteiligten Sachverständigen anhängig war, seine Endschaft erreicht hat, und dafern dies der Fall, welche Schritte der Herr Reichskanzler zu thun gedenkt, um die Schädenansprüche der Assecuradeure und Rheder des genannten Schiffes zu unterstützen, welche diese wegen widerrechtlicher Condemnation und Versteigerung dieses Schiffes durch königliche portu­giesische Behörden an die königliche portugiesische Re gierung erhöbe» haben?" Der Bundescommistar von Philippsborn beantwortet die Anfrage da­hin, baß bet erwähnte Prozeß burch ein enbgültigeS freisprechenbes Erkenntniß bes Obertribunals von Lissabon vom 13. Mai er. zu Ungunsten ber portu­giesischen Regierung beenbet sei. Welche Schritte zu thun seien, um bie Enlschäbigungsansprüche der Be theiligten geltend zu machen, müsse in erster Linie diesen letzteren selbst überlassen werden, ehe der Reichs­kanzler darüber entscheiden könne, ob und in welcher Weise diese Schritte zu unterstützen seien. Hierauf wurde der Gesetzentwurf über Einführung der Reichs Verfassung in Elsaß-Lothringen in dritter Lesung nach den Beschlüssen der zweiten Berathung unverändert genehmigt. Der Antrag Windhorst, welcher fordert, daß die Besugnisse des Bundesraths zum einseitigen Erlaß von Verordnungen bis zum 1, Januar 1876 beschränkt werde, wurde bei namentlicher' Abstimmung mit 171 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Der Gesetz­entwurf über den einstweilen reservirten Theil ber französischen Kriegsentschäbigung wirb an die Budget commission verwüsen, bas Gesetz über bie Controlle beb Etats pro 1873 in erster und zweiter Berathung genehmigt. Nächste Sitzung morgen.

Die Bubgetcommission des Reichstags hat gestern den Bericht über bas Servisgesttz festgestellt, ben Ma rine- und den Militäretat burchberathen unb noch ein kleineres Gesetz in Angriff genommen Der Marine etat ist vorbehaltlich einer Summe, bie in bas Extra- orbinarium verwiesen werben soll, genehmigt, in bem Militäretat sinb ebenfalls noch Erläuterungen über die Reorganisation ber Artillerie in Aussicht gestellt.

vermischtes.

— [U n i 0. = 31 a 4 r.] Am 16. b. starb in Berlin nach langen Leiden der Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Moritz Heinrich Romberg in seinem 78. Lebensjahre. — Professor Dr. Karl Binding in Straßburg ist zum ordentlichen Professor des Strafrechts und des Strafproceffes in der Juristenfakultät zu Leipzig ernannt worden.

— An der berühmten Echternacher Springprocession beteiligten sich diesmal 1500 Beter, 8636 Springer, 1193 Sänger, 98 Musiker, 36 Geistliche, 18 Fahnenträger, 3 Schweizer, 8 Gendarmen, 3 Forstbeamte, 58 Pompiers und 6 Polizeidiener, — int Ganzen 11,588 Personen.

— Eine Versammlung der Tanzlehrer der größeren Städte, Universitäten und höheren Lehranstalten Deutschland­bat in Berlin vom 4.-6. Juni unter dem aus den Herren Retf aus Breslau (Vorsitzender), Zimmer — Heidelberg, Fricke — Dessau, Rocco — Halle, Freising — Berlin be­stehenden Vorstande getagt, „um in Zukunft dem Tanze ein nationales und einheitliches Gepräge zu geben." Die Herren haben zu dem Ende beschlossen: 1. In einer die Lehrmethode festzustellenden Akademie Alles, was die Tanzlebrkunst be­trifft zu besprechen und durch eine „Monatsschrift" bekannt zu machen. 2. Die Einführung der Körperausbildung als Lehrzweig in allen Bildungsanstalten anzustreben. 3. Den Rath ärztlicher und künstlerischer Autoritäten bei Zusammen­stellung einer einheitlichen Lehrmethode in Erwägung zu ziehen. — Zu dem Ende wird diese „Akademie" alljährlich in einer der größeren Städte zusammentreten. Es erscheint uns, fügt das „Fremdenbl." hinzu, die Sache als eine so heitere Kuriosität, daß wir sie in bet manchmal zu ernsten Zeit willkommen heißen. Deutschland wird nun also nicht allein nationell vorwärts schreiten, sondern auch vorwärts tanzen!

Telegraphische Depesche« -er Ober» hessischen Zeitung.

Wien, 18. Juni. Das Aushülfscomits beschloß, heute noch bas EScomptegeschäft aufzunehmen Es roerben auch vier- bis sechsmonatliche Rimessen escvinp- tirt. In ben Provinzialhauptstädten wirb bie Bilbung von Speeialaushülfscomits's begünstigt unb werben solchen bie erforderlichen Mittel ebenfalls zur Ver­fügung gestellt. Die Leitung ber Provinzialeomits's wirb bortigen Bankinstituten mit Bevorzugung der Escompte Institute übergeben. Telegrammen aus Prag zufolge ist bort zur Lombardirung böhmischer Effecten bereits ein Garantiesonbs von einer Million Gulben gebildet worben.

Genf, 18. Juni. Pater Hyacinthe hat gestern Abend unter ungeheurem Andrange von Menschen — man schätzt deren Anzahl auf 3550 — unb unter bereu lebhaftem Beifall einen speeiell an bie Franzosen gerichteten Vortrag gehalten. — Der Abbo Haurtault hat mit Ertheilung bes ReligionSuntericht für bie alt­katholischen Kinber angefangen.

Berfaille-, 18. Juni. In ber Nationalversamm­lung würbe ber Bericht bet zur Prüfung ber Anklage gegen Ranc eingesetzten Commission verlesen. Derselbe besagt, daß bie Commission beschlossen habe, zur Ver­folgung des Deputirten Ranc ihre Vollmacht zu er- theilen, da sich bie Anklage auf sehr ernste Thatsachen stütze. Morgen wirb bie Versammlung in bie Dis- eussion dieser Angelegenheit eintreten.

Pari-, 18. Juni. Der „Agence HavaS" zufolge ist Ranc nach London gereift, um sich einer etwaigen Präventivhaft zu entziehen. — DaS rabicale Journal „Petit Lyonnais" zu Lyon ist suspendirt worden.

Rom, 18. Juni Die Königin Isabella traf mit Töchtern unb Gefolge heute hier ein und wurde auf dem Bahnhofe von zwei Prälaten begrüßt. Dieselbe begab sich alsbald nach bem Vatikan, wo ein feier­licher Empfang ftattfanfe. — „Voce befla oerita" veröffentlicht bie Rede, welche der Papst bei dem Em­pfang des Cardinalcollegiums gehalten hat. Danach wiederholte ber Papst bie Proteste gegen das Kloster­gesetz unb bestätigte bie über bie „Usurpatoren beS päpstlichen Staates unb ber Kirchengüter" verhängten Censureu. Der Papst beklagte sich auch darüber, daß Rattazzi ohne die Tröstungen ber Religion gestorben sei, unb vermerkte es übel, daß die Geistlichkeit an dem Leichenbegängniß in Alleffandria theilgenommen habe. Der Papst wies überhaupt jede VersöhnungS- ibee zurück

Petersburg, 18. Juni. Vom Khiwaischen Expeditionscorps eingettoffene, Nachrichten melden, daß das Mangischlak - Detachement sich am 25. Mai mit dem Orenburger-Detachement vereinigt hat. Am 27. Mai haben die russischen Truppen Chobjeli mit Sturm genommen und den Feind in die Flucht geschlagen. Am 1. Juni wurde bie befestigte Stabt Mangyt ein­genommen, nachbem vorher ein großes Gefecht statt- gefunben hatte. General Kaufmann Überschreitet den Armu Darja etwa 35 Werst von Khiwa.

Telegraphische Cours ■ und Marktberichte.

Frankfurt e. M., 19 Juni. (Schluß - Course). Staatsbahn - Actien 345|. Elisabeth 22 >, Galizier 228, Lombarden 196J, Rordwestbahn 218, Creditactien 273, Silberrente 65^, Papierrente —, 1860r Loose 91$. National­bank 1025, Spanier 17^, 1882r Amerikaner—, Darmstädter Bank —, Effectenbank —, Kurheffen —.

Berlin, 19. Juni. (Anfangscourse). Credilactien 154j, Staatsbahn 197, Lombarden 111$, Amerik. 97.