Mr. 129.
Akarkurg, Mittwoch, den 4. Juni.
1873
Obcrhcssisthe Zeit»»g
1V3
Ersch"«t täglich außer den Werkt^en nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei» bezogen 22 l Sar durck di- Postämter 27 S«r. (excl. Bestellgebühr und md. Stempelsteuer) für das Ausland excl. Stempel 22 Sgr. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sar ° Sämmtllche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. " '
anftalt, die Anglyhank, die Bodencredit- und Eöcompte-1 und einen Baarfonds von 5 bis 10 pCt. ihrer Sub,
der deutschen Presse gegen Oesterreich zum Gegenstand nehmer nicht in Solidum sondern nach Maßgabe ihrer einer Circulardepesche gemacht habe. — Die Crebit »Zeichnung für den selbst subscribirten Betrag haften
Wie», 31. Mai. Bon osficiöser Seite wird dementirt, daß Minister Graf Andrassy die Haltung
gesellschaft hgben sich zur Belehnung von Maaren bereit erklärt. Die Handelsbank giebt fortwährend Vorschüsse in ihren Waarenhäusern; dieselbe dementiit die Nachricht, daß sie an dem Baubanksyndicat ftait verliere. Die „Presse* urgirt dringend die Bildung eines GarantiefyiidieatS.nothleidender Depots. Die „Neue freie Presse" fordert den Aufschub der Exe- cuüonen und Einwirkung der großen Institute in diesem Sinne. '
— Die Wiener Ausstellung, welche ohnehin durch das schlechte Welter und die hohen Wiener Preise Eintrag leidet, hat obendrein einem müssigen Kopfe den Anlaß zu einer diplomatischen Neuigkeit bieten müssen. Die „N Fr. Pr.", welche sich neuerdings durch eine starke Gereiztheit gegen Deutschland ans zeichnet, hatte die Nachricht verbreitet, Graf Andrassy habe die von der deutschen Presie gegenüber der Wiener Weltausstellung beobachtete Haltung zum Gegenstände eines diplomatischen Rundschreibens gemacht. Die Nachricht, die man nicht einmal „gut erfunden" nennen kann, ist von der österreisch unga rischen Regierung dementirt worden. Graf Andrassy soll dabei persönliche Berwunderung geäußert haben, wie man ihm dergleichen unterstellen könne.
— 1. Juni. Der Kaiser von Rußland, der Großfürst Thronfolger und Gemahlin und Großfürst Wladimir trafen um 2'/r Uhr auf dem Nordbahnhofe hierselbst ein, begleitet von dem Kaiser von Oesterreich, der den russischen Herrschaften bis Gänserndorf enl- gegengefahren war. Bon der Kaiserin und allen Erz Herzogen und Erzherzoginnen am Bahnhofe empfangen, fuhren nach herzlicher Begrüßung beide Kaiser zu» sammen nach Schönbrunn, der Großfürst Thronfolger nebst Gemahlin sowie der Großfürst Wladimir in die Hofburg. Die russischen Herrschaften waren in österreichischer, der Kaiser Franz Joseph, Kronprinz Ru dvlph und die Erzherzoge in russiicher Uniform. In Gänsendorf umarmten und küßten sich die Monarchen mehrmals. Um 6 Uhr fand Familiendiner in Schön brunn statt, Abends ist Soiree beim russischen Ge andten. Sämmtliche Wiener Blätter begrüßen die Ankunft des russischen Kaisers mit warmen sympathi- chen Artikeln.
Pest, 31. Mai. Im „Pester Lloyd« schlägt die „Kaufmannschaftshalle« die Bildung eines Credit Vereins aus anerkannt guten Firmen vor, dessen Theil-
DeutscheS «eich.
Berlin, 31. Mai. Der Schah von Persien traf heute Nachmittag 61/« Uhr auf dem Potsdamer Bahnhose, wo eine Ehrencompaznie aufgestellt war, ein. Der Kaiser begrüßte den Schah mit einem Händedruck und stellte ihm den Kronprinzen und die Prinzen des köuigl. Hauses vor. Der Einzug erfolgte programmgemäß unter Begleitung der commandirlen Cavallerie und Kanonendonner. Der Kaiser und der Schah hatten zusammen in einem mit 6 Pferden be spannten Wagen Platz genommen. Auf allen Plätzen und in den Straßen waren zahllose Menschenmassen velsammelt. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." bezeichnet das Pariser Telegramm der „Kreuzzeilung", wonach Kaiser Wilhelm die Not-stcation über den französischen Regierungswechsel bisher allein beantwortet und Gras Arnim das kaiserliche Handschreiben dem Marschall Mac Mahon überreicht hätte, als unzuverlässige und unrichtige Mitiheilungen, wie solche in den Zeitungen Eingang fänden. Eine Nolification, welche eint kaiserliche Antwort veranlassen könnte, sei nicht eingegangen und der regelmäßige diplomatische Verkehr noch nicht wieder angrknüpft.
Potsdam, 2. Juni. Der Schah ist mit 14 der vornehmsten Herren seines Gefolges gestern unerwartet in Potsdam angekommen. Er machte einen Besuch bei der Königin Witwe, dem Kronprinzen und den Prinzen Karl und Friedrich Karl. Im Garten von Sanssouci besichtigte er die neuen Oran geriegebäude und kehrte am Nachmittag nach Berlin zurück.
Darmstadt, 27. Mai. Zur Feier des 25jäh rigen RegierungsjubiläumS des Großherzogs Haden sich, wie die „M. Z." hört, die Bürgermeister der Kreisstädte des Großherzoglhums dahin geeinigt, daß als Landesgabe eine Stipendium Stiftung durch ein malige Beiträge sämmtlicher Gemeinden des Landes gestiftet werben soll.
Ausland.
scription für etwaige Verluste zusammenlegen sollen. Dieser Creditverein wird als protocollirte Firma, weil außer Contact mit der Börsenkrisis einen großen Ein- reichungscredit bei der Nationalbank genießen und für bisher unbankmäßige aber solide Wechsel Geld vermitteln. — Bisher sind Hierselbst nur zwei Falliments kleinerer Kurzwaarenfirmen vorgekommen.
Genf, 1. Juni. Das „Journal be GenSve« veröffentlicht ein Schreiben deö Abbö Hartault, Ehren- domherrn zu Tours und ehemaligen S.kretirs deS Erzbischofs Guibert, worin er sagt, daß er nach Genf komme, um an dem Werke deS Pater Hyacintbc mitzuhelfen, in der Ueberzeugung, daß der KatholiciSmuS in der ihm jetzt gegebenen Richtung der Gesellschaft, welche ein individuelles Gewissen habe, verderblich sei. — Gestern Abenv hat der Große Rath von Genf die Beraihung über das CultuSgesetz begonnen. Die Beschwerde Cyrilles wegen des gegen ihn ergangeiten Ausweisungsbefehles wurde ohne Diskussion verworfen; cer Große Raih erklärte, daß die von der Polizeibehörde gegen die fremden Flüchiliuge getroffeiieii Maß. regeln leine vollständige Billigung fänden.
Paris, 31. Mai. „Journal oifieiel" meldet die Ernennung eines Präfecten, 5 Generalprocuratoren, vieler Unleip.äf.cten und Generalsecntaire. — „Se- maiue ftnanciece" theilt mit, daß die Unterhandlungen mit der Bank von Frankreich wegen eineS BorichusseS von 200 Millionen zu einem endgültigen Abschlüsse gelangt sind. Die Bank stellt 200 Millionen in Gold jur Verfügung des Staatsschatzes und wird sie auS- zahlen, sobald der Schatz sie verlangt. — Die Abendblätter wiederlegen die in der deutschen Presse geäußerte Ansicht, daß das Cabinel Broglie cm Obsiegen dentaler Tendenzen bedeute, und versichern, daß der CabinelSwechsel ohne Einfluß auf tie äußere Politik sei. Dem „Messager de Paris" zufolge wird der Herzog v. Broglie unverzüglich ein Circular an bte Vertreter Frankreichs im Auslande richten, worin er ihnen die gleichen Jnstruclionen wie die von seinem Vorgänger erlassenen enheilt und hervorhebt, daß, da der Regierungswechsel durch eint Frage der inneren Politik veranlaßt worden, kein Grund vorliege, daS System der auswärtigen Politik zu ändern. Wie verlautet, hätte der diesseitige Boischafter in Madrid, Marquis de Bouillv, seine Entlassung gegeben.
— Die neue französische Regierung hat die oist- ziellen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten noch Nicht wieder anknüpfen können. Der Grund der Vor-
Bestcaniige«
»erden von allen Postanstalten, sowie von der Kx- pedirron in Mardnrg eirtgegrngenommen.
Ans de« Lande nehme« die Landpostboten ve-
Mnnge« entgegen.
Maler und Photographen.
Humoreske von E. H.
(Fortsetzung.)
„WaS sie dazu gesagt? — hm, nichts, — o doch, laß mich nicht lügen. Sie fragte, ob ihn eine fremde Dame besucht habe, und nach einem Bilde, daS er nicht hält' verkaufen wollen.«
„So, so, ja, ich kenne daS Bild, es ist wunderschön, vielleicht verkauft der Herr v. Raimund es doch, versteht sich, wenn's die gnädige Frau haben möcht Er müßt' nur wissen, daß der alte Graf todt ist, t na, der wird Augen machen, wann ich's ihm verzähl' ! — Aber schau, mein Schätzer!! viel Zeit hab' ich nicht, in vierzehn Tagen muß ich wieder bei meinem Fürsten sein und ohne Weiberl geh' ich nimmer fort.“
„JesuS Maria, so schnell ? —*
„Freilich, so schnell, — AlleS in der Welt ist anjetzo schneller als früher, lieb Schatzerl! Schau Dir nur die Eisenbahnen an und die Dampfschiff', nnv das Telegraphircu, — und das Photographiren und daS Kriegsühren, — Alles im Handumdrehen fertig, — so muß man auch heirathen; früher, da ging's halt im Menuetschrilt, jetzt walzt man wie ein Besessener drauf los, da hilft kein Zurückbleiben, Schatzerl! man muß mit oder liegt auf der Nase und die Andern über einen weg."
Minna lachte und Augustin lachte auch, bis die Gräfin schellte.
„Gnädige Gräfin, der Augustin Wenzel ist an gekommen!" '
„Nun, gefällt er Ihnen?"
„Ja, sehr gut."
„Das freut mich, — ich möchte ihn einmal wieder sehen."
„Darf ich ihn hereinrufen, gnädige Gräfin?"
„Nur zu, Kind, ich erwarte ihn."
Diesen Augenblick hatte die Gräfin lange herbeigewünscht, und doch verrieh keine Miene ihres schönen Antlitzes die Unruhe ihres Herzens.
„Grüß' Gott, Angustin!" sagte sie lächelnd.
„Küß Euer Gnaden das Herz!" versetzte dieser, ehrfurchtsvoll das Kleid der Gräfin küssend.
„Du willst Dich verheirathen mit meiner Kammerjungfer ?" fuhr sie fort, „so erzähl' mir doch ausführlich, wie das gekommen war, mein guter Au gnstin!" ‘
Dieser, dem die Theilnahme der Gräfin sehr schmei chelhaft war, erzählte j-tzj so ausführlich wie möglich von der Begegnung mit den beiden Herren auf dem Schiffe, bis zu feiner wunderlichen Brautwerbung.
„Schaun's Euer Gnaden!" setzte er dann noch schlau hinzu, „ich erkannte den einen Photographen recht gut, eS war der Herr v. Raimund, der sich Paul dort nennt — sah auch einmal ein Bild, — 'ch svllt's wohl nicht sehen, denn er verdeckte eS g'schwind mit einem Tuch, aber ich möcht' darauf sterben, es war Euer Gnaden zum Sprechen ähnliches
Eine flüchtige Röche bedeckte das Antlitz der Gräfin, das verräthensche Blut ließ sich nicht zur Ruh' commandtren und unwillkürlich mußte sie die
Hand auf's Herz, worin die Freude gar zu rebellisch pochte, pressen.
„Du hast Dich wohl getäuscht, ich meine mit dem de, Augustin!" sprach sie darauf, ruhig in einem Buche blätternd; „apropos, kannst Du mir nicht sage», wie eS zugegangen, daß zwei so berühmte Maler, Du nanntest den Herrn v. Dorn doch Blaubart —"
„Ja, Euer Gnaden!"
„Nun, dann ist eS Dörnbach, — daß also zwei so berühmte Künstler Photographen geworden sind?"
„Ach, Euer Gnaden!" lächelte der Mundkoch schlau, „ich glaube so ein Herr Maler verdient nicht viel, — mit dem Photographiren ging's halt besser, — eS regnete nicht bloß Silber, auch Gold, Euer Gnaden!"
»Ja so, — ich meine aber doch gehört zu haben, Herr v. Raimund besitze ein bedeutendes Vermögen; es wird eine Künstlerlaune fein, handelt sich wahrscheinlich um eine Wette."
„Euer Gnaden treffen halt immer daS Schwarze," rief Augustin, der schlauer war, als man glaubte, „so ist s und nicht anders."
„Höre, Augustin, ich sorge für Eure Ausstattung," s»hr die Gräfin rasch fort, „still, Du weißt, daS viele Danken liebe ich nicht. — Du sprachst von dem Bilde des Herrn v. Raimund, es wird boffdbe fein, von welchem Fürst L. mir erzählt hat. Ich möchte eS um jeden Preis kaufen. Willst Du mir einige Zeilen an Herrn v. Raimund besorgen, guter Au-
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