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wenn im Herbst bei Wiedereröffnung des Reichstags noch immer eine Regierung am Ruder fei, welche am die berechtigten Forderungen des Volkes keine Rück sicht nehme, die kräftigsten Waffen, welche das Grund­gesetz zu führen gestatte, in Anwendung gebracht werden feilen. Damit ist natürlich die Steuerverweigerung gemeint, die jetzt bekanntlich nicht hat durchgefetzt werden können.

Der schwedische Reichstag hat seine Arbeiten beendet, am 26. Mai wurde die Session geschlossen. In der Thronrede, welche die Volksvertretung verab schiedtte, hieß es, die Armee Reorganisation sei zwar wieder nicht zu Stande gekommen, hoffentlich werde

zeichner nicht den geringsten Zwang angethan; trotz der scharfen Kritik wird die Regierung keinen Anlaß nehmen zur Untersuchung des strafrichterlichen Ein­greifens gegen diese Worte; wenn jedoch die Bischöfe lhatsächtich den angedrohtcn Widerstand zur Ausfüh­rung bringen sollten, wird die Regierung von den ihr durch die angefochtenen Gesetze eingeräumten Zwangsmaßregeln sicher den vollsten Gebrauch machen und theils nach einseitigem eigenem Ermessen ohne Mitwirkung der Bischöfe handeln, theils die uner­läßliche Erfüllung der Vorschriften zu erzwingen wissen. — Den frechen Erfindungen der „Germania" gegen­über constatiren wir nochmals, daß die Beschlag­nahme dieses Blattes lediglich von dem Polizeiprä­sidium verfügt und auf Befehl des Ministeriums des Innern wieder aufgehoben worden ist. Das Staats­ministerium war in keiner Weise dabei betheiligt.

— Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Betreffs der vor längerer Zeit in mehreren Blättern besproche­nen, von einigen Kammerherrn gegen die Staalsregie- rung wegen der Kirchengesetze geführten Agitationen, sei allerh. Orts Aufklärung gefordert und die Miß billigung ausgesprochen worden, daß von den in per sönlichen Beziehungen zu dem Hole stehenden Personen gegen die Allerhöchst genehmigten Maßnahmen der Staatsregierung ostensibel agitirt werde, da solches Unsicherheit über die allerhöchsten Intentionen herbei- zusühren geeignet sei. Die Angelegenheit habe auf dieser Grundlage ihre Erlevigung gefunden. — Dasselbe Blatt bespricht die Eingabe der preußischen Bischöfe an das Siaatsministerium. Es hofft, letzteres werde dieselbe keiner Beachtung würdigen und meint, der unwürdige Ton des bischöflichen Schreibens zieme nicht einem Unterthanen, am allerwenigsten dem EpiS copate. — Die „Spenersche Zeitung" hört, daß in dem Preßgesetz-Entwurfe, welcher dem Bundesralh so eben vorgelegt worden ist, die Aufhebung der Caulionea und der Stempelsteuer vorgesehen sei.

Breslau, 30. Mai. Die Schlesische Zeitung bringt die Nachricht, daß die Ernennung des Regie­rungs-Präsidenten v. Norvenflycht aus Frankfurt zum Ober-Präsidenten Schlesiens erfolgt sei.

Darmstadt, 29. Mai. Soeben verbreitet sich die Nachricht, daß Prinz Friedrich Wilhelm, Sohn des Prinzen Ludwig und der Prinzessin Alice, in Folge eines heute Morgen erlittenen Kalles aus dem Fenster gestorben ist. Der Todesfall trifft um so härter, als dadurch der Feststimmung bezüglich des 25jährigen Jubtläums des Landesherrn wesentlich Ein­trag geschieht. Der verstorbene Prinz war geboren am 7. Oktober 1870.

München, 30. Mai. Der Kronprinz des deut­schen Reichs ist gestern Abend hier eingetroffen und hat in dem „Holet zu den vier Jahreszeiten" Quar tier genommen. Heute reift derselbe nach Berlin weiter. — Am 25. d. M. traf hier der frühere Kur ürst von Hessen mit Familie aus der Durchreise nach Italien ein. — Die Prinzessin Gisela hat gestern die 80 Schulmädchen, die sie bei ihrem Einzuge mit dem Vrinzen Leopold empfiengen, zu sich kommen lassen und jede betreiben mit einem goldenen Kreuze beschenkt.

Wi-o, 30, Mai. Die von verschiedenen hiesigen Blättern gebrachte Mittheilung, daß der französische - Botschafter, Marquis t>e Banneville, abberufen fei, bi. i darf der Bestätigung.

— Eine osficiöse Correspondenz der „Boh." be. i schäftigt sich mit dem bekannten Artikel der „Voce , della berila" über das Conclave und die Papstwahl : und ist sehr entrüstet über die dort vorgetragenen » Grundsätze und Anschauungen. „Wenn dieses Organ,' । sagt die osficiöse Stimme, „von dem Exrlusivrecht der ; katholischen Mächte als von einer „Concession" spricht, i die das Conclave den gegenwärtigen Machthabern zu- , zuerkennen nicht gesonnen sei, so bekundet dies doch eine arge Verdrehung aller bestehenden Rechtsan- 1 schauungen. Seit wann können erworbene Rechte, bit । auf Zweiseitigkeit beruhen, durch eine einseitige Rulli- täts-Erklärung erlöschen, wenn der im Besitze des ‘ Rechtes Befindliche nicht förmlich verzichtet? Wie e« in diesem Punkte die übrigen Mächte zu halten ge. denken, von denen namentlich Italien alö Rechtsnach. folger Neapels gewissen Schwierigkeiten begegnet, weiß man nicht. Was aber Oesterreich anbelangt, so erin­nert man sich der am 28. April abgegebenen Erklä- rnng des Grafen Andrassy, daß er dem Kaiser nie zu einem solchen Verzichte rathen würde." Schließlich wird der Vatikan darauf aufmerksam gemacht, wie sehr es ihm darum zu thun sein müsse, daß, wie immer die Wahl ausfalle, gegen die correcte Form derselben eine Einsprache nicht erhoben, die Giltigkeil derselben nicht angefochten werden könne. „Dies würde das wahre Interesse der katholischen Welt fordern, allerdings ein Interesse, für das man in Rom nicht zum erstenmale ein sehr geringes Verständniß an bei Tag legen würbe, wenn bie Ansichten ber „Voce bell- Sßeritä" in ber Thal maßgebenb sein sollten."

Paris, 30. Mai. DaS „Journal officicl" bringt die Ernennung von Baratt zum KriegSniinister. - Fremde Blätter werden wieder mit Beschlag belegt, mehreren Pariser Zeitungen wird officiöS Unterdrückung angedroht, wenn sie ihre feindliche Sprache nicht ein­stellen. — Es ist sicher, daß in ber Coalition schon Zwistigkeiten ausgebrochen finb. Changarnier gehört zu ben Unjufctebenen. — Mac Mahon bezieht morgen bie Versailler Präfectur. Lord Lyons war heute bei ihm und hatte eine Besprechung wegen der Handels­verträge. — Gestern wurde der von be Rainnevillr im Namen ber Commission, bie mit ber Prüfung ber Hanblungen ber Regierung ber nationalen Vcrthei- digung betraut ist, verfaßte Bericht vertheilt. Dieser Bericht findet, daß das Kaiserreich Krieg geführt habe, ohne militärisch oder diplomatisch darauf vor­bereitet gewesen zu fein, daß die Männer vom 4. September nicht verstanden, bester zu handeln, als das Kaiserreich, und schließt mit der Ansicht, daß Frankreich seine Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu den alten Bedingungen der europäischen Politik und auf den Sieg ber Jbeen unb Prinzipien bes Uebergewichteö setzen muffe, welcher ben Frieden zwi­schen ben verschiebenen Racen unb den verschiebenen Stämmen Herstellen könne. Rainneviüe bilbet sich also ein, baß Frankreich jetzt Alles ins Werk setzen soll, damit es seine vorherrschende Rolle wieder euinehme. Naiv ist es aber, dieses zu erklären, während ter „Feind" noch wichtige Stellungen im Lande besitzt hält. Napoleon L hätte, wenn bie von ihm Besiegten officiell eine solche Sprache geführt hätten, sofort wieber zum Schwerte gegriffen. — Der Justizminister Ernoul hat fast jeben Tag Beraryungen mit bew päpstlichen Nuncius. Die Rathschläge, bie er bort erhält, lauten bahin, mit äußerster Entschlossenheit vorzugehen.

— Ueber bie Stellung ber auswärtigen Mächte zu ber neuen Regierung verlautet nichts Näheres, was wohl als Anzeichen für ziemlich kühle Beziehungen ge­nommen werben kann. Was bie Stellung bet deut­schen Regierung zu den Versailler Machthabern be riffl, so wollen Berliner Corresponbenten auswärtiger Blätter wissen., baß bie Anerkennung Deutschlanbs chwerlich bebingungslos unb ohne Forderung von Garantien für bie Einhaltung der Verträge erfolgen werde.

Carthage«a, 28. Mai. An Bord zweier Fre­gatten sollen leichte Unordnungen vorgekommen fein, eie indessen sofort unterdrückt wurden.

Kopenhagen, 27. Mai. Die „Vereinigte Linke" !)ä(t nach dem Schluffe des Reichstages die üblichen Volksversammlungen ab. Die erste derselben ging dieser Tage zu Holbäk im nördlichen Seeland, dem be­kannten Hauptquarlier der bauernfreundlichen Agita­tion, unter dem Vorsitze be« Parteiführers I. A. Hansen vor sich. Derselbe erklärte auf geschehene An­rage, baß man bie 17 Mitglieder bet Partei, welche am 2. d. M. gegen die Ablehnung des Budgets

Delirium steigern. Also auf Wohlergehen!

A«Slu«d.

5.

Vierzehn Tage waren nach dem eben Erzählten verflosten, da standen sich die beiden Originale der Photographie gegenüber und schauten sich seetenver- gnügt an; sie fanden sich gegenseitig viel schöner in der Wirklichkeit, als die Conterseie und das war das Beste bei der Geschichte.

„Schau, Minna!" sagte Augustin lachend, „daß Du nun auch Kammerjungfer bei meiner gnädigen Gräfin bist, ist doch g'fpaßig unb zeigt mir beutlid), baß ber Herrgott seine Hanb im Spiel g'habt. Wsiß sie's denn, bie Gnädige?"

„Freilich weiß sie's, und ich hält' nimmer ja ge­sagt, wenn sie Dich nicht so gelobt, Augustin!"

„Hat sie das g'than?" lachte dieser vergnügt, „ja, ein Engel ist sie halt, wie's keinen zweiten gibt in der Welt, — nach ihr gleich hinlendrttn kömmst Du, Minna, das versteht sich halt von selber. Aber das von dem Herrn v. Rarmund hält' sie auch wissen müssen, hast Du's ihr nicht g'sagt?"

„Na, freilich, sie hat sogar sein Schreiben ge- lesen *

„Und was sagt sie dazu, mein Schatzerl?" Augustin sah recht pfiffig aus bei dieser Frage.

(Fortsetzung folgt.)

— In ber „A. A Z." wird die Befürchtung aus­gesprochen, daß die bevorstehende LandtagSsission eine ermüdende Anzahl von Eisenbahnbebatten bringen möchte. Man würbe bies um so mehr bebauern, als außer ber Verwattungsreorganisation unb 6cm Gesetz über bie oberste Rechnungsbehörbe noch einige orga nische Gesetzesvorlagen von großer Tragweite in Vor­bereitung jein sollen. — Der „VolkSfreund", bas Organ des Herrn Bucher, benutzt bie Nachricht ber „A. A. Z.", oaß ber Gesundheitszustanb des Fürsten BiSmarck burch bie letzten parlamentarischen Kämpfe „wieber einen Stoß erlitten" habe, zu ber nachstehcnben zarttn Aeußerung: „Hoffentlich nicht ben letzten Stoß, denn wir brauchen den Fürsten noch länger. Sein Tob

Zur Feier bes 22. Mai, an welchem Tage Fürst Karl von Hohenzollern ben rumänischen Thron vor sieben Jahren bestieg, fanb in allen Kirchen Ru­mäniens Gottesdienst unb in Bukarest ein militairr- scbes Festmahl statt.

In Serbien sollen alle Auslänber zur Com- munalfteuer hetangczogen werben, womit sich bie eng­lische Regierung bereits einberftanben erklärt hat.

wäre heute noch zu ruhmvoll. Der Herr Fürst muß auch noch bie Früchte seiner staatsmännis: en „Arbett" schauen unb genießen. Wir freilich möchten nicht mit- | essen; denn sie werben gar bitter schmecken unb bie

Deutschkd Strich.

•• Berti», 30 Mai. Die Erläuterungen, welche Fürst Bismarck zu bet Angelegenheit des Reichspreß­gesetzes in bem Reichstag gegeben hat, haben nicht allein die nächste Absicht, bie Vertagung ber Verhand­lung, zur Erfüllung gebracht, fonbetn finb auch in anderer Beziehung Anlaß zu weiterer besonnener Er wägung ber habet in Betracht kommenben Umstände geworden. Auch auf liberaler Seite übersieht man nicht, daß gerade bie leibenschaftlichsten Gegner unserer Regierung, bie Ultramontanen unb Socialiften, für ein liberale« Preßgesetz begeistert finb. Man merkt bie Absicht unb man wird verstimmt. Der Regierung sollen alle Mittel entzogen werden, die Sprache einer feindlichen Presse in gebührende Schranken zu bringen,

Es wat jedenfalls von dem Fürste» nur Eifer­sucht, boshafte Verleumdung gewesen und doch pei­nigte der Gedanke sie unaufhörlich unb vergällte ihr bas Entzücken, seinen Aufenthaltsort zu wissen, ihn vielleicht halb — bald wieberzusehen.

Die stolze Gräfin fühlte sich in biesem Augen blick ärmer unb trostbebürftiget als ihre Kammer- jungfer, als jener Mensch, ben sie einst vom sicheren Tobe gerettet.

damit bie Ultramontanen von biefer scharfen Waffel bekannte Aufregung der fürstlichen Nerven bi« -um recht ausgiebigen Gebrauch zum Nachthett des Staates — n-'— m,t r ......

machen können. Liberale Blätter erkennen daher auc> an, daß man auf diese böswilligen Absichten der StaatSseindc bei dem neuen Preßgesetz Rücksicht nehmen müsse und überhaupt einer großen Verschie­denheit der Auffassungen im Einzelnen begegnen werde. — Nachdem die drohende Wolke der Herbst­session vom Horizont ziemlich verschwunden ist, werden vielfach Zweifel ausgesprochen, ob es gelingen werde, das Reichsmilitärgesetz noch in dieser Sefsion zu er­ledigen. In Regierungskreisen legt matt großen Wert!) darauf, daß dies geschehe und hofft, daß man durch thunlichste Beschränkung ber Debatten auch diese Auf­gabe bewältigen werde. — Die bischöfliche Kundgebung hat in ihrer Beurtheilung der verhaßten KirchengefetzF, wie jene zugeben muß, ben Gesühlen ber Unter-

bies aber in bet nächsten Session geschehen.

Am r u s s i s ch e n H ofe war ber Schah von Persien zu Gaste. Bei seiner Ankunft am 22. Mai vom Kaiser unb von ben Großfürsten glänzenb empfangen, machte er burch den überreichen Diamantenschmuck seiner sonst einfach dunkeln Kleidung großes Aufsehen. Am 23. war ihm zu Ehren große Truppenschau, bei welcher er aber nicht zu Pferde, fonbetn mit bem Kaiser in einem Wagen saß. Am 24. ließ er bie Feuerwehr sich tjerciren. Er hat Petersburg wieber verlassen sich nach Berlin zu begeben. Am Freitag reifte Kaiser nach Wien, von dort geht er nach Ems. Die vertagt gewesene griechische Kammer hat 23. Mai ihre Sitzungen wieder aufgenommen unb der Regierung angenehmen Deliyannis mit 8 Stimmen Ueberzahl zu ihrem Präsibenten erwählt.

In der Türkei dauert ber Ministerwechsel fort Der Großmeister der Artillerie, Halil Pascha, wurde von einer einstürzenden Mauer erschlagen; auf seinen Posten trat ber Polizeiminister Rauf Pascha, ber seinerseits wieder Ahmed Pascha zum Nachfolger er­hielt. Der älteste Sohn des Sultans, Aussuf Jzzedin, kommt wieder zum Vorschein; er soll nächstens in Schumla Truppenschau halten.